Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
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21 In Frankfurt a. M. hat Herr Consul Banguier B. H. Goldschnnvt eine Slisumg gegründet, einen Stipendienfond für tsraetilifche Stukurende. Die Luimne benäht 60,000 fl. in 3"» Metall-, sie wird also jährlich ldOO fl. abweifen. Dem israelittschen Frauenverc ne, dessen edler Gründer, der trefflich: Jost, sein neu erbamcs Waisenhaus wohl bald einweihen wird, hat derselbe edelmüthlgc Mann die Summe nun 1000 fl. als Schenkung überwiesen. Die neue Synagoge, um deren Bau sich Herr Samuel Nllmau n und Herr Leopold Springer große Verdienste erworben, war schon im Oktober v. I unwr Dach gebracht, und der Ausbau des Gewölbes ist nun auch vollendet. Es wwd ein herrliches Gebäude, entspricht in jeder Beziehung seiner Bestimmung und macht, obgleich au einem ungünstigen Platze gelegen, von jedem Standpunkte aus ein schönes Bild. Die Einweihung des Gcbäiwcs ist vor dem Frühjahr 18k>8 nicht zu erwarten. Die Orgel für die neue Synagoge soll 8Ü00 fl. kosten. Zur inneru Ausstattung dieses herrlichen Gotteshauses bat sich am Purim- Feste ein Fraucn-'Eomitc gebildet, an dessen Spitze die Frau Baronin Louise M. E. v. Rothschild steht. Diese edle Dame hat die Unterzeichnung mit einem Beitrage von 3000 fl. eröffnet. Der Kaufmann Leopold Goldschmidt ist zum königl. württcmbergischen Eonsul und der I)r jnr. Neukirch zum Notar ernannt worden; der erste jüdische Noiar in Frankfurt a. M. Die dortige israelitische Realschule und die von Rabbiner Hirsch gegründete Realschule haben im April d.J. glänzende Prüfungen abgchalten, auf die wir in einem ander» Blatte zurüctkommen werden. Der Fond dcr Nabb i n cr-W iltweu- und Waisenkassc hat bereits die Hohe von nahezu fl. 80o0 erreicht. — Der Handwcrksvcrcin fahrt fort, im Stillen Gutes zu thuu; zablrciche jüd. Lehrlinge, Gesellen und Meister danken ihm ibr Auf- und Fortkommen. Der vom Rabbiner Leopold Stein in's Leben gerufene Darlchns-Verein ist i», Aufblühen bcgnsscu. Im Groftherzoglhum Bade» haben sich schon seit dem Jahre 1800 die Verhältnisse der Juden aus eine erfreuliche Weise gestaltet; gleichwohl bleibt ihnen auch hier noch viel zu wünschen übrig. Juden können nicht zu Abgeordneten, zu Gcmciudcrcitbcn, zu Bürgermeistern gewählt werden. Im Staatsdienste finden Inden Anstellung; Or. Weil ist Professor in Heidelberg, Ilr Wall erstellt Rcgimenrsarzt in Konstanz. Als Advokaten sungiren in Mannheim 4, in Karlsrnh 4, in Bruchsal 3 Juden; in Eppmgen 1 und in Frciburg 1. Der in Mannheim weilende bürgerfrcnndliche Herzog Bernhard von lLachsen-Wcimar wohnte am 24. Oktober mit den Scinigen in der schönen Synagoge vom Anfang bis Ende und in größter Andacht dem israelitischen Gottesdienste bei. In Kur Hessen wurden von dcr Regierung den Volksvertretern proponirt, die Rechte der Juden, die seit Jahrzehnden verbrieft und besiegelt waren, aus Grund der Christlichkeit des Staates auszuhebcu. Der Antrag wurde zurückgcwicsen, und von den Volksvertretern sogar die Berufung des Landrabbiners an die erste Kammer, also nicht blos Gleichstellung der Juden, sondern auch des Judcnthums in Aussicht ge