Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
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15 ernannt. Gewiß, es ist keine geringe Ausgabe, eine im Entstehen begrrsfene Gemeinde, die sich mit Riesenschritten vergrößert, zu leiten; er verstand's vollkommen. Aber auch seine ganze Kraft und Zeit widmete er dem allgemeinen Interesse. Ucbcrall griff er muthig lind thätig ein; dabei wußte er dock; die Parteien zu vereinigen und den Frieden aufrecht zu erhalten, Seltene, ungcthcilte Anerkennung war sein schöner Lohn und sein Lcichcnbegängniß, dem die ganze Gemeinde in großer Trailer folgte, gab hinlängliches Zeichen von den! Vertrauen und der Liebe, die man gegen ihn!)egte. Sein trcfilich gelungenes Bildnis!, daö von allen. Seiten verlangt wurde, trägt mit Recht die sinnige Aufschrift:!,—זכר ¥ריק לברכן »Der Fromme lebt beim Leben in seinem Glauben, nach dem Leben in seinen Thatcn." In Oesterreich blieb Alles ziemlich beim Alten. Daö eingetretene Provisorium in Rücksicht der jüdischen Verhältnisse hemmt unter den Juden die freie Ausübung der bürgerlichen Rechte und selbst den freien Verkehr; und doch weih die österreichische Regierung sehr gut, daß sie nicht Ursache hat, in der Loyalität der Inden im Allgemeinen den geringstcn Zweifel zu sehen. Nach dem Provisorium wird ein Dcfinitivnm eintrcten: hoffen wir, daß Wabrhcit und Recht den Sieg davon tragen und die Regierung nicht den Einflüsterungen der judcnfcindlichcn Partei Gehör geben werde. Wie weit dieselbe in ihrer Unduldsamkcn gern gehen möchte, beweisen folgende Thatsachcn: In Saatz (Böhmen) sollten sammtliche dort wohnende Jildcn ans Befehl des Bürgermeisters plötzlich die Stadt verlassen und in einigen andern Ortschaften dieser Provinz wurde den dort wohnenden Juden auf Grund eines alten DccrctS verboten, christliche Dienstboten zu halten. Die Regierung hat sich beeilt, diese jndenfeindlichcn Kundgebungen zu untersagen. Der menschcnsreundlichc, ritterliche Monarch billigt dieselben wahrlich nicht! Einer der genialsten Schüler Schwanthalers, der Bildhauer Levy, hat von dem ׳Kaiser von Oesterreich ein jährliches Stipendium von fl. 1200 C.-M. auf zwei Jahre zu seiner Ausbildung erhalten. Die Wiener Kirchcnzcitung vcrläumdet die Inden und behauptet, dieselben schlachten Christcnkindcr, um das Blut zu gebrauchen. Es ist nicht denkbar, daß die Behauptung aus Unwissenheit hcrvorgcgangcn ist; es ist einfach eine boshafte Vcrläumdnng. Die gcsammtc Wiencr Presse hat sich entschieden gegen den Aufsatz ausgesprochen und übrigcns können sich die Juden mit'Alexander von Humboldt trösten, den dasselbe Blatt einen Scclenmördcr schimpft. In Wien ist 111•. Iclliuek als Prediger gewählt. In Pcsth wird eine israelitische Knaben-Hauptschule aus den Contributionsgeldcrn gegründet, die Feldzeugmcistcr Hayn an von den Juden einfordcrtc. Ei» christlicher Landwirth zu Fulnek in Mähren, Johann Augustin Lackend«ncr, vermachte vor mehreren Jahren 2000 fl., von deren Zinsen je einem dem Ackerbau sich widmenden jüdischen Knaben ein Grundstück gekauft werden soll. — Abraham Stein, ein rübmlichst bekannter Oeconom in Ungarn, hat in der Bacska, wo er früher Lehrer war, den Rcpsbau eingeführt, und dadurch den Wohlstand der Umgegend in hohe Blüthe gebracht. (S1־_ starb wie ein Patriarch, gesegnet von Juden und Ebristcn. — Herr Moses Kallir. ein Mann von edlen Geistes-