Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 beinahe auf SM Eultus-Mitglieder herangewachsen. Natürlich hat sic diesen Zufluß von Außen erhalten und nicht nur Preußen allein hat sein Contlngcnt dazu geliefert. Da bis zur Stunde die Statuten der Gemeinde noch nicht genehmigt, ihr also noch keine Corpvrationsrcchte verliehen sind, so konnten manche nöthigen Einrichtungen noch nicht geschossen werden, dennoch verabsäumen die Vertreter nichts, um für die gemeinnützigen Interessen zu wirken. So wurde im Mai der Rabbiner von Bayreuth Or. I. Schwarz berufen, um das Amt eines Seelsorgers und Predigers zu übernehmen. Schule und Gotteshaus werden gehoben und die religiösen Elemente der Gemeinde nehmen einen erfreulichen, lebhaften Aufschwung. An der Gcmcindcschule z. B. wirken jetzt drei Lehrer und eine Lehrerin und die neu begründete höhere Töchterschule des Fräulein jLeviö, sowie daö Handlungs-Institut des Herrn Ochs sind rühmend hervorzuhcbcn. — Direktor Herr v. Götzen ließ sin der neu erweiterten Strafanstalt, woselbst sich gewöhnlich lO—12 Israeliten befinden, eine Haussynagoge cinrichtcn, worin eine heilige Lade mit der Thora sich befindet. Den Strafgefangenen wird allwöchentlich religiöser Unterricht und Gottesdienst crtheili. — Ein Denkmal wahrhafter Hochherzigkeit setzt sich Eommcrzienrath Abraham Oppenheim, indem er einen prachtvollen Tempel ans seine Kosten sür die Gemeinde erbauen läßt. In einem Jahre wird er vollendet sein und als eine Zierde der Stadt, ja des ganzen Rhcinlandcs dastchcn. — Der zeitige Vorsteher der Gemeinde ist der als Künstler auch in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte Levy Elkan. Er ist an die Stelle des würdigen, leider zu früh verstorbenen Jsaac Kaufmann getreten. Möge zum Schlüsse dieses Artikels uns gestattet sein, dem frommen Dahingeschicdencn ein kleines Monument zu errichten. — Wie es einem süchtigen Charakter eigen ist, sich ans einem beschränkten Kreise und trotz geringer Mittel cmporznschwingcn und Herr zu werden über die ihn umgebenden Hemmnisse, so gelang cs auch dem Verstorbenen, sich durch rastlosen Fleiß und seltene Rechtlichkeit eine glänzende Lansbahn zu erringen. Der dornenvolle Pfad seiner Jugend führte ihn zu einem thalenreichen Manneöalter. Er bildete ein blühendes Haus und war der Patriarch der ihn verehrenden Familie. In ihr entwickelte er zuerst alle Tugenden des Vaters und Gatten. Sein Herz aber voll Edelmuth und Gottesfurcht schlug warm für Alle, zunächst für seine Glaubensgenossen. Er förderte, wo sich Gelegenheit bot, das Gute und Wahre, sorgte sür gründlichen Unterricht und würdigen Gottesdienst, war Freund der Armen und Verlassenen und das Gemeinwohl war sein eigenes. Als Mitglied des israelitischen Eonsistoriums zu Crefeld war cs zunächst sein Werk, daß dasselbe ein würdiges, geistliches Oberhaupt erhielt, wie auch die Anstellung eines Rabbiners zu Köln ihm zu verdanken ist. In Kerpen, seinem früheren Wohnorte, erbaute er eine neue Synagoge, in der Würde und Andacht nie fehlten. Zehn Jahre vor seinem Tode zog er nach Köln und sofort wurde er einstimmig zum ersten Vorsteher Munizipalität eingckommen, um hier wohnen zu dürft», haben wir vor einige» Tage» die Licenz erhalten, und sind auch gleich hierher gezogen. Unterzeichnet: Josevb Stern.