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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 10

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 wir nach diesen Andeutungen, die mit tausend Belegen noch bekräftigt werden könnten, der Hoffnung Raum, daß der Herr Jnstizrath Lance lle bei ähnlichen Fällen, vor denen Gott bewahren möge, andere Lertheidignngs-Argumcnte anffinden werde, als solche, drrrch welche er, aus Unkenntniß der Quellen, eine ganze Glaubcnsgenosseuschaft mit Schande bedeckte und die die nachthciligsten Folgen erzeugen könnten. Wenn man dem Principe der Nächstenliebe so sehr huldigt, so mußte doch endlich einmal die Scheidewand fallen, die der Haß allein aufgcbaul, und in unserem ansgeklärtcn Jahrhunderte, wo die Erfindung des clekkro-magnrtischen Telegraphen die Gedanken des Bruders so schnell zum Bruder bringt, müßte „ran auch das erfinden, was die Herzen so lchnell und ewiglich vereint, und diese Erfindung hieße — allgemeine Nächstenliebe ohne Unterschied des Glaubens und'deö Bekenntnisses. Crescld, den 24. Mai 1857. L. Bodcnheimcr, Ober-Rabbiner. Hierauf crwicdcrtc der Herr Jnstizrath nichts, da derselbe höchst wahrscheinlich seinen Jrrtynm cingeschcn und ihn nicht durch öffentliche Rechthaberei noch vergrößern wollte. Wir k nnen dieses nur billigen, wünschten aber, das; die Zeit nicht mehr ferne sein möge, wo man von der Kanzel nur Worte des Glaubens, von dem Katheder nur Worte der Wissenschaft und vor den Schranken nur Worte des Rechtes und der Humanität, aber keine Verunglimpfung Andcrsglaubendcr mehr zu vernehmen Gelegenheit haben werde. Dann ist die Aussöhnung der Confessionen zur Thal geworden und die Ausübung wahrer Nächstenliebe im Leben wird alsdann zu den täglichen Erscheinungen gehören. Handwerke und Künste sind unter den Inden in diesen beiden Provinzen jetzt ziemlich verbreitet. Die Haindorf'sche Anstalt in Münster hat auch in dieser Beziehung segensreich gewirkt. Ackerbau wird ebenfalls von den Fudcn betrieben. Bedeutende Oekonomen findet man in den Kreisen Büren und Marburg; in den Kreisen Ercfcld, Gladbach und Kempen, wo die Scidcnindustric die meiste Tüchtigkeit in Anspruch nimmt, gibt cs viele jüdische Scidenwcber. Zn wünschen wäre hier, auch Frauenzimmer zum Weben anznhaltcn, da sic dadurch sich eine selbstständige Eristcn; zu gründen in den Stand gesetzt würden. Am Untcrrhein beschäftigen sich viele Juden mit Weidcrei, am Oberrhein mit Weinbau. Man kann also den Inden heute nicht mehr nachsagcn, daß sie nur den Schacher mit Erfolg zu betreiben verstehen, anstrengende Körpcrbcschästigung aber nicht lieben, weil ein Blick auf das Leben hinreichcn würde, um das Gcgcntycil darznthnn. Westfalen hat nur einen Nabbincn in Münster. Das Briloncr Nabbinat ist seit dem vor fünf Jahren erfolgten Tode FriedländcrS verwaist. In der Nheinprovinz gibt es d r c i Consistorial-Obcr-Rabbincr und in Aachen, Köln, Düsseldorf und Coblcnz Lokalrabbiner. Die Rabbiner in Aachen und Coblcnz sind schon längere Zeit im Amte; ihre Wirksamkeit ist bekannt. Aachen führt in jüngster Zeit den alten Ritus wieder ein. Die Rabbiner in Düsseldorf und Cöln sind noch nicht lange in AmtSthätigkcit, aber schon haben sic manches Ersprießliche für Schule und Synagoge geleistet; namentlich müssen wir ihre scclsorgliche Thätigkeit für die jüdischen Sträflinge der genannten beiden Orte,

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