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Jahrbuch für Israeliten · 1857-01-01 · 16 auf das Jahr 5618 (1858) · p. Seite 9

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Journal
Jahrbuch für Israeliten
Volume
16 auf das Jahr 5618 (1858)
Date
1857-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 auch beinern Nächsten nicht; dies ist die Hauptsache, alles Andere nur Erklärung." So sind überhaupt noch manche andere hervorragende moralische Ideen des neuen Testamentes dem sc oft unschuldig verpönten Talmud entnommen. So sagt schon der gelehrte Robertus Sheringhamius in seiner Praokatio ad Lectorem: „Illud etiam nequeo praeterire, quod multa allegorica et pia dicta, quae autiqui Kabbini a Deo exagitati ejusque nuinine abrepti protulerunt, in seriptis Talmudicis contiuentur. lluic forte non credis: quidni credas, cum multa Christus Salvator noster in concionibus suis ex istis carpserit, quae jam canonicis Scripturis inserta sunt. Unum aut alterinu exemplum subjiciam, quia de singulis membratim incisequa dieere non libet. In Gensara Babylonica ad codicem Beraeotb extat Parabola de Divite Epulone et Paupere, quae habetur Luc. IG, 19. 20 etc. In Gemara Ilierosol. ad eundem codicem Beracoth extat Parabola de Operariis in vinea, quae habetur Matth. 20, 1.2. 3. etc. In Gemara Babylonica ad codicem Sabbath extat Parabola de quinque prudeutibus et quinque fatuis virginibus, quae habetur Matth. 25, l. 2. 3 etc.“ Bin Buch, das solche erhabene Ideen als die seinigen bezeichnet, kann unmöglich Ungerechtigkeiten gegen anders Denkende erlauben. Und da zumal' der Talmud sagt, Trciet. Gitiu: „Man ernähre die Armen anderer Nationen mit den Armen der Israeliten," —. kann er sicher keine Ausnahme >,egen Nicht-Israeliten gestatten. — Wir möchten den Herrn Justizrath zu einem Erenrse in die Gefilde unseres Gesetzbuches ,, Choschen liamischpat “ eiuladen, und schon der erste Paragraph de« Abschn. 359 mürbe ibu eines Bessern belehren. Eben so die Worte eines Commentars aus den Abschn. 425: „Die christlichen Völker, unter deren Schatten wir wohnen, glauben eben so gut, wie wir, an die Schöpfung der Welt und an so 'viele Hanptmomente des Glaubens, ihr Gebet ist cm den Schöpser des Himmels und der Erde gerichtet, und wir sind sogar schuldig, für ihre Wohlfahrt und ihr Wohlergehen zu beten." — Wohl wird der, der den Talmud selbst zu lesen nicht im Stande ist, sich alles Erdenkliche in Beziehung auf seine Intoleranz gegen Christen ausbürden lassen, namentlich wenn er denlelbeu durch die Brille eines Eisenmenger betrachtet. Wer aber den Text zu lesen versteht und ein so großes Werk in allen seinen Umrissen zu erfassen vermag, der wird leicht zur Ueberzengung gelangen, daß er auch nicht ein einziges unfreundliches Wörtchen gegen die Christen als Monotheisten ausspricht oder aussprechen konnte, was einem so alten Werke wohl noch verzeihlich tväre, da man in jenen alten Zeiten auch von der andern Seite die Israeliten nicht immer mit Anhänglichkeitsbeweisen überschüttete, wenn man die Scheiterhaufen des Mittelalters nicht als Liebeöküsse betrachten will. Wenn hier und da dem Talmud einmal ein anstößiges Wörtchen entflossen, so ist dasselbe nur gegen götzendienerische Völker gerichtet, gegen die Verehrer von Sonne, Mond' und Sternen, die den einzig einigen Gott nicht anerkennen und gegen welche selbst das fortgeschrittene Jahrhundert nicht immer die gebührende Schonung beobachtet. Mit einem Worte: der Jude, der einen Christen betrügt, ißt nach dem Talmud eben so gut ein Betrüger, als der Jude, der den Juden betrügt, oder der Christ, der einen Betrug begangen. Und geben

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