Jahrbuch für Israeliten
- Journal
- Jahrbuch für Israeliten
- Volume
- 16 auf das Jahr 5618 (1858)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Der von Humanität erfüllte hochherzige König belohnt jedoch die Verdienste ohne Ansehen der Person und hat dem Damastfabrikanten S. Fränkcl in Neustadt o. S., dem Kaufmann Freund in Berlin und dem vr. Gans in Karlsbad den rothen Adlerorden vierter Classe und dem Professor und Prediger vr. Saalschütz in Königsberg in Pr. für sein Werk: „Die Archäologie der alten Hebräer" die große goldne Denkmünze verliehen. In dem Justizministerialblattc wird nachdrücklich die sowohl bei den altländischen, als bei den rheinischen Gerichten sich fortwährend mindernde Zahl der Anklagen gegen Juden hcrvorgehoben. Während aus 117,17V Angeklagte in den alten Provinzen im Jahre 1853 noch 1113 Israeliten kamen, stellten sich diese 1834 wie 1264: 123,422, und 1855 wie 1177: 128,232; am Rhein 1853 wie 207: 22,722, im Jahr 1854 wie 191: 22;299 und 1855 wie 138: 23,074. — In Preußen ist der 63ste Mensch Jude; und in den alten Provinzen war 1853 der 83stc Angeklagte, 1854 „ 98slc „ ' 1855 „ >08tc „ im Rheinlanbc: 1853 drrlOOtr Angeklagte, 1854 „ lllte 1855 „ 1V9fte „ ein Jude. In Lissa starb in ihrem 72. Jahre die menschenfreundliche, gegen Christen und Juden gleich mildthätigc Frau Sara Moll. An dem Grabe der edlen Frau, die im Leben so viele Thräncu getrocknet hatte, blieb kein Auge thrcincnlccr. Der Judenhaß erlischt aber deshalb dennoch nicht. In Guttstadt bei VraunSbcrg wurde ein jüdischer Kürschnermeister von seinen christlichen Mitmcistcrn lebensgefährlich verletzt, indem sic ihm zur Revanche dafür, daß seine Voreltern jedenfalls bei der Kreuzigung Christi zugegen gewesen, ein Kreuz in einen Thcil des Körpers einschnittcn. Die Thätcr sind der Staatsanwaltschaft übergeben und dir Sache harrt jetzt ans die Entscheidung des ObcrappcllationsgcrichtS. Das in Münster bestehende Institut zur Bildung jüdischer Elementarlehrer und zur Förderung der Handwerke und Künste unter den Juden blüht freudig fort. Man klagt im Preußischen und wohl auch in andern Ländern fortwährend über den Mangel an geeigneten jüdischen Schullehrern. Wären die Stellen besser, so würden sich schon tüchtige Lehrer finden: doch ist nicht zu verkennen, daß die jüdischen Gemeinden vcrhältnißmäßig viel mehr zur Besoldung ihrer Lehrer auswenden, als die christlichen. In Posen besteht seit 5 Jahren ein jüdischer Töchtcrvcrcin, der dir Tendenz hat, für die Erziehung armer Waisenkinder weiblichen Geschlechts zu sorgen. Im verflossenen Jahre wurden 5 Mädchen verpflegt und für jedes wurden noch außerdem 15 Thlr. znm Ausstcucrfvnds festgesetzt. Dir Mittel werden aus laufenden Beiträgen, Geschenken, Legaten und einer Lotterie beschafft. — Da« Rabbiner-Seminar in Breslau zählt das dritte Jahr seiner Wirksamkeit und besteht jetzt aus zwei Abheilungen: Rabbincrabtheilung und LehrerabtHeilung. An dem Seminar wirken der Dircctor Or. Z. Frankel und