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Der Israelit · 1906-12-27 · 52 (27.12.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
52 (27.12.1906)
Date
1906-12-27
Page
Seite 6 (sequence 5)
Language
German
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27. Trtembcr n. Nr. '>2. Lr»r «'׳ BeügiSse ErzScha״« in UJürffemberg. Tchlnfz 150 ift darum auf drin?ande eine ganz andere Wertuchävung aller religiösen Fächer bei und VUt an;»treffen, nl* in der Stadt - der Eifer de» Jligcnd in! Hebräifck» n siebt in keinem Jalle demjenigen, den sie für die übrigen Fächer auf wenden, nach. Hiefe güimigen Ilmstande tragen natürlich auch da׳,» bei, das; das Jndentnin ans dem?ande nnd in den städtischen ״Ltanmi genicindcn" besser dafrehn als sonst in der Stadt. Aber auch auf dem?ande wäre vieles weit besser, hätte nicht die Resornibewegimg eristien, in deren (Reifte ein >1 rasier!eil unserer Lehrer er zogen worden ist.!'!e Reform bat ja in ibrem tKefolge jene Oberflächlichkeit m der Erfüllung der Religionsgesebe nnd die Bernachläsfignng des!almndifchen, der Halaecha, die die genanen Bestimmungen nnd Einzelheiten für die?Insübling des ioraelikifchen Rcligonsgesebes ent bält, abne welche eine richtige '?lusübnng des Religionsgefebes einfach unmöglich in. Ihren Hölievimkr hak die Rosormbewcguiig freilich schon läng» überschritten nnd imni in auf allen weiten ivenigstcns zur tbeoreti'chcn Erseimtnis gelangt, das; ein Jndentuin, welches die talinndischen Elcnrentc verwirft, kein Jndentnin ist, fandern ein wesen und krastlafer Schatten. ,In fan allen ״Stamingeincinden" »׳erden an Sabbat nnd Jeieriagen nnd in de» Trauer bänfern iväbrcnd der Lcchiwoh Schinrim gelernt, d. b. der Lehrer oder Rabbiner bält einen freien oder an ein Scphcr sich anlehnenden Bonrag Aber diefe Borträge, die van mehr oder weniger Gemcindegenosfen besucht find, bieten nur agadjfchc nnd nicht, ivie es dach so sehr notwendig mene, auch balacknfche Belebrnng. Eine böse '??,aszrcgel von fchlinimer Wirkung >var >e!׳.e Beftinuuinig der von der Sberkirche» behärde vargefchriebenen »Kottesdienftordnnng vom Jahre l*:>s, ivanach t'iieniav.t anders als der beamtete Rabbiner nnd?ehre» einen solchen öffentlichen Lchinrvorkrag halten durfte. Es ivurde dadurch die öffentliche religiöse Belehrung ganz zum Monopol der früher der Reform ge horchenden Beamten gemacht nnd manche Privat lenke, die dazu geeignet gewesen mim׳!!, von öffentlicher Lehrtätigkeit abgehalte» Hiefe Be fchränknng in durch die Reichogefepgebnng hinfällig geworden. Ueberhaupt hat vielfach tmfere Wnrttemb. Kirchenverfaffnng zur Jolge gehabt nnd das in ein offen znzn gestehender Bkangel derselben — das! die nicht brannclen tKeiiieindcinitglieder der Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung, der Lvrge für die Gemcmdeinstitnlionen nnd der aktiven 'Beteiligung am Gottesdienste Borbelc», Thoravorlefen ent ivölnit worden find, »nährend es doch nichts Er bebenderes gibt, als wenn möglichst viele Ge ilieindegenoffc» Nch tätig ni» die Befriedigung der Gemeindebcdürsni״e bemühennatürlich innerhalb einer^ geordneten, zweckdienlichen Leitung. Lind nnn auch die Erziehnngsverhältnisfe auf dem?ande, was das Religiöse betrifft, be denlend besser als in der Stadt, so gilt dies inchk für diejenigen Kinder vom?ande, ,velche von ihre» Eltern znm Besuche der höheren Lchnlen in die Städte geschickt iverden Hie Eltern, obgleich für ihre Person religiös, be mühen »ich in keiner Weife, ihre Kin.'er vom Schreiben am Labbai dispeiisicren zu lassen, obgleich dies in Württemberg von de» christlichen Lehrern nicht scknverer zn erreichen in als anderswo. Hie Eltern legen ferner keinen Wert darauf, die Kinder in religiösen -Käufern unterznbringen, nnd so verfallen die Kinder, »velche oft »ehr religiös angelegt nnd zu Hanfe zur religiösen Pflichterfüllung angeballen »verde», der Irreligiosität, beider ,st die Anzahl diefer btinder int BAtchfe» begriffen, da die '?and bevölkernng ihre »nännlichc Rachkonmiensckiast iininer mehr dem Biehliandel zu entziehen nnd Der ^»rnrlit. dem Kansmannsberuf znznführen sucht. Auch mit der weiblichen Jugend verhält es sich ähnlich. Es bedarf dann immer, »vie schon oben ans geführt, eiiies a»is;erordc»tlich groszcn Jonds von religiöser J-esiigkeit »ind religiösen Wissens, int Elternhanse, damit Sorge getragen »vird, das; die ans dem?ande betätigte Gefepesrrene anch in der Stadt nicht anfgegeben »verde. Ich habe hier in! C^irefte:! nnd Ganze:: die religiöse» Berhältnine, »vie sie in einem groszen Teile 'Württembergs herrschen, zn schildert gesucht. Ein erschöpfendes Bild kann natürlich hier nicht gegeben »verde». '?«och »vill ich be merken, das; in ganz Snddcnlfchland nnd ׳??Utteldentschland nnd vielleicht anch im Borden die Berhältnifse ähnlich gestaltet und. Heim ganz Hentfchland unterliegt ja derselben E»t»vickln»g nnd überall macht sich der Ing in die Ltadt, der Hang zur Bcgneinliehkeit und tKennszfn.chl, die lleberhandnahme de inaterialistischen?ebensa» fchannng, die Abnahme des Sinnes für Idealität nnd Religiosität geltend. vVi) möchte aber die'e Ansführnngen nicht schlieszen, ohne '??Uttel zur Heilung diefer Mängel angegeben zn haben. Es inus; das prakrische, religiöse?e en mehr gefördert »verde», soivohl in der Erziehung als auch im Unterricht. 0,11 der Erziehung, indem die bernfenenJaktvren,?eh»er und Elten», die ihnen anvertrante Jugend mehr als bisher zur Ansübnng der Mizivans anleiten nnd anhaltcn. Heim die Erfahrnngen der lebten Jahezehnre habe» nns mehr als genug die Tat fache erkennen lassen, das; gerade Lauheit nnd Halbheit in der Betätigung der Mizivans znm völligen Ablassen von denselben führten. Hiefes aber »viedernni zur Ilnivissenheit, zur Gleichgültig feit nnd J-eindscligkcit gegen!ede ׳?lrt von Inden tum, anch gegen das nur theoretische, und von da ist es auch nicht mehr »ucit znm lebten Schritt — zur Taufe, sei es auf dein Unnveg icher die Mifchehe oder ganz direkt Im Unter rirlite in das prakti'che jüdische?eben zn fördern durch die ׳Beionnng nnd durch das?ehren der Arteil nnd Weisen, »vie die verschiedenen Mizivans ansznfn reu sind, nnd da, »vo es angeht, in der Bvlksfchnle, in der Religirnssch lc, in der?einer bildnngsansta t, ganz besonders aber im Schinr, in den dazu geeigneten Bereinen direkt jüdische Werke halackiischen Inhalts zn lehren. Es »vird dies zwar hie nnd da »nid besonders im Anfang Lchivierigkeiten verursachen, aber »vo ein encrgi scher Wille in, zeigen nck׳ anch Wege. Hie?icbe überivindet alles. Jerner »ins; den!?ande mehr Anfnierkfanikelt zngeivendet »verde», »nns; von Leiten bernsener nnd fick» interessierender kreise dort dem riil.zende» Jndentnm Hilfe gebracht »verde». Heim säst alles positive Jndcntuin hat dort »einen Lib nnd selbst dasjenige, »velcl»es in den Ltädte» nnd selbst in den gesebestrenen Leparat genieinde» fick» zeigt, stammt grösnenteils von»?ande niid rekrutiert sich immer »vieder von dort. Endlich müssen in den Ltädten die Elemente, ,velche no«ch das Tborageseb erfüllen, sei es vom Genieindebeaniten oder Priva en in Bereinen gesaiinnelt nnd znsan»nengesas;t »verde». Hiefe Bereine »nüszten das?ernen sich zur Ans gäbe machen, nnd zwar »nüszten nicht allein aga difckie, sondern anch halachische Werke vorgetragen nnd »'tndiert »verden. Ich denke hier vor allem an den קיצרי־ ׳,(י־.׳;־ von Ganzfried. Hieser bringt alle für den Hansgebranch notivendigen ^׳:׳- und z:var in einfacher, nicht sci,»vicriger Lprache und in vorzüglicher Klarheit, Einfachheir nnd Kürze. In diesem ״?ernen" könnten nnd »nüszten auch die Knaben von I l — IJahren ab herangezogcn »verden. Also das praktische Jndenlnn», die Betätigung der Gesebe und Ge bote »uns; v . n allen Leiten gepflegt »verden. Heim das ist nickit allein der Jiveck des?ernenS nnd?ehrens. sondern auf der andern Leite anch »vieder das beste Mittel, das?ernen z»l sör der», und d e allerbeste Unterrichtsmethode, die eS gibt. Ein jüdischer Bischof im ungarischen Magnatenhause. Lckilllsi. Unter dem Lchlagivorte : ״Jüdische Antonoinie" verstehen die?«eologen folgendes Her erste jüdische Kongresz, der bernfen »var, eine Hr ga »isation für die Gesamtjndenheit seftzustellen, soll fortgcfebt »verden. Hie?egislative soll gesebliil) die Abhaltung eines;»Veiten Kongresses anordnen. Hie Herren ver spreche» anch der Regierung, mit den Hnho doren fürder nicht mehr so gewalttätig verfahren zn »vollensie würden vielmehr daraus bedacht sein, das; in der nenen Organisation jede Richtnng ihre Jreiheit smde. Rur mnfz die Kon fession in ihrer Gänze ihr autonomes Recht betätigen. Has erfordere die -1,' e »11 t s k o »t i n »i t ä t des Kongresses, an dessen autoritative ׳??»'acht nnserc neologen J-ührer nock» immer fanatisch glauben. Sie hoffen noch immer das gcfebes treue Jlidentnm in autonomer ׳Weise, ohne jede Jngerenz der »veltlickien Behörden, unter drüefen zn können. In ivelcheni Jnsamnienhange steht aber die Antonoiniefrage mit der offiziellen Bertretung der israelitischen Religio» im Magnatenhanse? Has löbliche Mnilizipinni des Tolnaer Komi tates hat diese beide!: Jragcn in einer Perilion allfS Tapet gebracht. Hie Inspiratoren dieses Antrages hatten aber keine Ahnung davon, das; sie n»t de׳^ Bergnickniig d.׳r zwei Jragen den! ״jüdischen Bischof" den Gnadeiittosz gegeben, noch bevor er das?irf)t der Welt erblickte. J-ür das gesepestrene Indent»»» fleht die Lache so. Has Prinzip der Rechtsglei»k»h«it ist ein Ideal, »velches von den ortbodoren Inden ganz geivis; hvckigehalte» »vird. Ist es doch eine bekannte Tatfaclie, das; der gesehestrene Jude in aller Herrn?ander snr die iUuiuuuijit’11 .׳nea»ie der Gewissenssreiheit gegen seine eigenen Glaubens brüder käinpfen »nns;. Wenn die leitenden Ltaaks niänner spontan die offizielle Bertretung der israelirisckien Religion in» ׳??»'agnatenhaufe der?egislative Vorschlägen »vürden, so hätten anch die gesebestrenen Juden nichts dagegen einzu »venden. Eine liberale Regierung, die das Rectn der kirchliclien Bertretung im ׳??»'agnatenhaufc anch a»:f die jüdische Religion ansdehnen »vill, »vird dies nicht unter Jnrücksebimg der groszen Mehrheit deS ungarischen Jndentnins zur Ans sührnng gelangen lotfctt. Hie orthodoxen Juden nnd deren J-ührer betrack>ten es aber nicht als ihre Hanptansgabe, solche Rechte nnd Privilegien tu erkämpfen. Hie orthodoxe»! Rabbiner haben seinerzeit anch an dem Kainpse für die Rezeption nicht leilnehinen »vollen. Hie Jolgcn jenes Kampfes haben schon gelehrt, das; diese frommen Männer mit ihrer »veisen Jnrückhalnmg recht hatten. Hie J-ührer der »ieologen Inden haben aber »vieder das Bedürfnis, eine rettende Tat zn vollbringen nnd es hat sogar den An schein, das; sie da für eil» jüdisches Recht einstedei». In Wahrheit aber paszt,^ »v S Herr Hr. Rafael Breuer in seinen treffliche» Aus führnngen über Rieszer sagt: ״es »var die J-rei heit nnd nicht Israels Bekenntnis, der seine Liebe galt", in geivifsein Sinne a>>ck> auf unsere Helden. Sie brauchen einen jüdischen Bischofsie kämpfen für Herrlichkeit nnd Glanz. Und blos durch einen kirchlickien Würdenträger »vollen sie das nngarische Judentiml im B»og natenhause vertrete» lassen. Has; dieser eine nur ein Resormrabbincr sein kann, ist cnvas Selbstverständliches. Sic verzichten jedoch lieber ans daS Recht, wenn auch ein orthodoxer Rabbiner als Bertrcter des antonomcn gescpcs- :reuen Jndentnins znm Hberhansmitglicd er laiml »verden sollte. Hie orthodoxen Jükrcr üno viel bescheidener. Sic geben zn, dag die Reologen das Recht haben anch in! Magnaten :»aufe eine eigene Bertrelnng zu beanspruchen. Wen!» dieses Reicht aber der ,.israelitischen Religion" zuerkannt »vird, so ist cS selbst

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