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Der Israelit · 1906-12-27 · 52 (27.12.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
52 (27.12.1906)
Date
1906-12-27
Page
Seite 7 (sequence 6)
Language
German
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27־. Dezrinber 190',. redend, das; das gesetzestreue Indentum, als staatlich oticifaimte au t oh um e Religions׳ Gesellschaft, einen separaten Vertreter iin Riag natenhause haben mus;. Schuld iit also wieder die Antonoime dem gesetzestrelien Indciitnms, von der unsere neologrn Brüder ja ans Sttnitt und Trnr verfolg: werden. Glicht einmal einen jüdischen Bischof kann inan von der Regt rnng bekonnnen, angeblich wegen der orthodoren Antonomie, die int t^rnnde ge nominell gar nicht ai'tim. Tii' Regierung lind ein königlichem Handschruben haben wohl die orthodoxe '.'llitonomie san lionier; wie kann man sich aber eine orthodoxe Antomie denken, wenn es überhaupt ein orthodoxem Iudentnm garnicht giebt? Inmal in Ungar» kann es ganz gewis; keines geben, da die jüdische Kongres; 'Berfassung die Entstehung einem solchen vollständig anmsck,liegt. 26as soll nun mir der ,,jüdischen Dberhanm frage" geschehen? — Brei in der ttiilruomiiiiüci• nicht zugleich auch Diplomat und Weltmann iväre, ivürde er geivif; ohne ״ivenii" und ״aber" den Reologen erklären: ״Die nugarische Re giernng kann bei Lösung dieser frage niiinoglich die ״alitonoine orrbodore imraeiitische Confessio!׳." negieren. Es iff ja wahr, dag 2 ic, meine Herren, zu wiederholten Malen die Regiernng da;» ver leitet haben, einze ne Pnnkle der orthodoren Bcr sassnng allster Mimt;11!eben, aber es in noch keinem meiner Borgänger gelungen, sich mit dieser Rechtsbeugung zu behaupten. Durch die 26irksamkeit meinem Builmvorgängerm steht aber heute diese Antoiioiuie fest lvie die Eeder ans dem Libanon und es fällt mir gar nicht ein, diese Rechtslage, die sich auch praktisch vorzüglich be währt, durch einseitige Bersügnngen in ihren l^rnildseNcii zu erschüttern. tue i jndi sch c Bischöfe oder gar keinen!" Der Knltns minister wird aber seine Meinung in zarttühlen derein Tone znin Ausdrucke bringen. Er wird den neologen fiibi er», die eine!! und nur einen jüdischen Bischof benötigen, folgendes sagen: ״Meine Herren! Sie behaupten seit Jahr und Tag, dag die Israeliten llngarns noch Feine autonome Organisation bentzen und verlangen fortwährend, dag der Rechtszustand Ihrer Kon fession und ihr Berliältnis znin Staate durch die Legislative geregelt rverde. Ici, bin zwar nicht dieser Meinniig und iverde auch nieincrüitm einer solchen Einmengung des Staates nicht das 260rt reden. 2lber dam Recht der kirch lichcn Bertretnng i»! Riagnaten Hanse kann der israelitischen Religion nur danil zuteil werden, wenn ihre Autonoinie nild ihr Rechtsverhältnis znin Staate endgiltig geregelt sein werden." In diesem Sinne wird der Mnltnmminister sprechen, nein hat er schon gesprochen. Unsere Reologen haben noch keine Menntnim davon. Ich glaube aber keine Indiskretion zu begehen, wenn ich in einem nächsten Artikel im ״Israelit" den Herren verrate, lvo und wann der wirklich edelsinnige und nnparteüsche Mnltilmminiffer diesen Standpunkt der Regierung offenbart hat. nnd ifj^acfincbten. Korrespondenzen ClcutJ*4jc0 Neict). Sranhfurfer Spaziergänge. franksurr a. M., in, rnverb '^»;7. Als ich Ihnen dam letzte Mal ein paar Blätter ׳.!!!d B'.ürr:: vom ׳Ssrc,ip»;irlgu11g ourcy frank Der D'öraiiii. snris Proinenaden schickte, da lvehten drangen linde frühlingslüfte. lind intr» muro«, 11» Sch ege der Iranktnrrer t^enieinde falls ans, als sollten aus Mampf und Streit kleine frnchrknoten znin Lickite einporivachskn Da siel ein Reis in der früh ingmnnck!׳ nnd es zog 10 eder herrliche Grabesstille ei» in die!Keineiiideffnbe. Und heule? Drangen dräut der 'Winter mir trotz! er Gebärde, die harigrsroienen Promenad n wege locken nicht sehr;um Lustwandeln, nnd mit ironischem Lächeln schaut der Schalk mit seinem weinen Schneekäppchen, sch »l Heinrich Heine von seinem Postament aut die ׳parlichen 'BeiiiRer herab, die, dem Sckialetm füg r!Götterspeise »roh, von der neueste» Khillapolitik e »ander gar nnker haltende Sa ballegenden zu erzählen wissen. Eigentlich ist gar nichts passiert. Der,.Zentral verein israelitischer Genieindemitglieder" hat »nie der einmal einen seiner bekannten Siege errniigen, deil Sieg über sich selber. Er hat ans dein nicht mehr nngeivöhnlichen Wege dem Moniproinissem den ״Liberalen" in vollster Ire! Willigkeit ein Repräsenlantennlaildal belassen, ein;w.ires mit eim-m nach seiner religiösen ״Ruh lnng" nicht genau bekannten Herrn besetzt und dafür de» nngeheneren Erfolg errungen, dam dritte Mandat, statt es ans eigener Mimt;n behaupten, 0 h n e Opposition wieder einem .Kon kniiUiU'ii nbergeven zu dürfen Dam S.ustem 'Blatt triumphiert: Die ״Richtungen" erkennen sich gegenseitig in rührender Bruder, iebe als gleichberechtigt an, nnd nur ei» paar nnge lehrte Sonderlinge, die sich nicht entschließen können, den Abfall vom t^ottesgesetze nnd die Lengnnng der jüdischen 26ahrbeir mir dem Sriinin zettel in der Hand zn prämiier en, schleichen schüchtern und verstimmt die'Börnestrage entlang. ״Still, still, damit Euch niemand hört." Herr Dr. 'Blau, der bekanntlich der ״nicht geietzemtrenen Richtiliig dem tradilivnriien Indentnmm" angekört, könnte Euch gar leicht,!lach seinem feierlichst ptoklaniierten Grundsätzen, aller Gemeinderechle für verlustig erklä en — nnd dann — Svag bei Seite: die Taktik der fortgesetzt lavie renden vorsichtigen Politiker, die den Zentral verein in der Meinnng leiten, damit die Interesse» des gesetzestrenen Indentnins zn ivahren, nndet selbst innerhalb dem Bereinm keinemivegs ungeteilte Justin,mnng: ob es aber je zn einem Bersnche foininen wird, eine iinverhüllt ״konservative" Politik — von Cvthoborie gar nicht zu reden in der!Gemeinde dnrchznsktze», dam in heute mehr als je zu bezweiscln. Die ״abgcsplitterte"Religionsgesellschast konnte vom Standpilnkte ihres Wc m e i n d einte re s se s die fortgesetzte Sclbffenthant kung des fentralvereinm eher bejubeln als beklagen, wenn sie ivirklich in dem separatistischen Winkel lebte, in den ihre Gegner sie so geril hlneindichten lind hineinbannen möchten, wenn nicht doch — ob auch das Ziel leider weltenfern scheint — ihr Endziel wäre, sich überflüssig zn machen: :—י־יק •חילך ע־ •צ־.הא •צלהבה עולה דאליה• Dam prächtige m11־c!Kotteshanm, das der ״Splitlergelnkinde" an der friedberger ׳.'Inlage erstanden in, sieht kühn nnd stolz iii Lue ׳Welt hinaus, nnd ei» breiter offener Borhof lädt in eindrucksvoller granitner Sprache alle die;um Eintritt ein, die ohne Scheu um die alteil Jahnen sich zn samiiieln wünschen. Rach abrahamitifchem 'Borbilde ,,inmitten der Stadt" einen ״׳lltoi, e 11 neues jüdisches Zentrum zn errichten, denen kräftig pulsierendes Leben die tinr irgendivic noch empfänglichen Masseil in konzentrischen Mreisen nicht nur he ran ziehen sondern auch in den lebendigen jüdischen Lebenskreimlans ansnekmen sollte — das war ja das Ideal, dam Samson Raphael Hirsch bei der Gründung ferner Religions geiellschast vorgeschwebt. Es gibt keine größere ׳Bcrkcnnung seines Lebcnslverkes als die oft gehörte Behauptung, die Lossaanng von der ״Hauptgemeindc" bedeute eine flucht in den Winkel. Eine'Beilegung des Lebenszentrums für die Gesamtheit sollte ne bebenteu, eine Beilegung des Lebenszentrums aus ei,,?,!! iw. Kerne nrorsch ' gewordenen, wennauch mit lebensfähigen Iellen Lcilr 7. 'JJt. •V2 noch versehenen Organismus in einett jungen, frischen!'׳teineind'körper hinein, den ir '.'ln;iehnngs kras» in der Tat, iväre» nicht Hemmnngen von außen erwachsen, zn einer gewaltigen Enkfaltnng echt jüdischen!Rineindegeiffem geführt Kaden ivürde. Trotz dieser Hemninngen bar e ne nnnnter brochen anfffeigende Entwicklung die Religions׳ gesell'chast durch dam erste halbe Irhihnndert ihrem Daseins geleitet, nnd sie ffeht henke an 11:׳u’»t 'Wendepnnkle ihrer Geschichte, ffeht an der gefällt ickien Scknvelle, die znin Da'ein einer «»>10»'!- gemeinde führt. Damit heische» eine Menge voll Problemen ihre endliche Lösnng. die bisher lnimer wieder znrückgeschobe» ivorden ivaren. Dam Geineindeitatnt der Religionsgefellicha't iff denen würdig, der es geickpiffen. Es übersetzt, von echt volfmtninliäiein!Keine dnrchioehk, die einig gültigen Borschrifttn des Religioii-.-geietzes in die Per ivaltii gspraris und schafft Beffiunnnngen, die einerseits die Pforte weit an'niache», die!edeni Inden, wenn er nicht »eine Minder dem ׳.'lbraHains bnnd entzieht oder cii.e nniüdische El>e schlief;», den ׳.'lnschlnn g.׳f»a!»>.׳!!, d:e audereiseits über dafür Sorge tragen, das; zur ׳Beriva l k nng der!Gemeinde keiner;ngelane» iverde, der dnrcii sein Leben die!Mrunt lagen dem jüdisck,en ׳״esetzes veilrngnet. Ireilich hat die Praris voll jeher strengere ׳N,'ax!!!!e!! sowohl fit! elnrnahme als für Wahlen zur Geltung gebracht als dam Statut. Run aber, da dam Wachsrnin der!Rinenide gebieterisch eine Erweilernng ihrem Berwaltnngs körpers verlangt, bei freilich mit fünf 'Borffands׳, sechs '.'lnmsck.ns;-Mitgliedern nnd etwa;d)» Mouimi! sionen zu je sieben Mitgliedern, schon gut achtzig Männer beansprucht, nnn wirds gelten, ein ichiveres Problem;11 losen. Erten siv nch zn entivickelir auch schiverer;1» assimilierende Eleiitente in sich ans;unehinen nnd zn verarbeiten nnd dabei doch ges li nd z» b l e i b e » — ויה,»!! gehört ein tadellos arbritruder D'rganimninm »nd eine starke Monstitnlion. Mög« lichn viele .Kräfte der!Kemeindc in Bewegnng zn setzen nnd jeden doch nur da zn beschäftigen, wo er nur nützen kann, ohne;u schaden — dam erfordert gesannnelre Weisl>»it an der höchsten 'Berivalrnngmstelle. Dam Interesse an den <R1«׳einde angelegenheiten bim in die ätlszerffen Pore» hinaus;11 verbreiten und dock» die Autoritär der Exekutive nnd ihre ,Fähigkeit zn raschem nnd ivortlosern Handeln nicht zu gefährden, dam kann nur d>«rch eilte kluge Weiterbildung der ans kleinere 'Ber hältnisse;ngeschnittenen heutigen 'Bersassnng erreicht »׳erden. To stehen denn ans der Tagesordnung der nächsten Sonntag staktsnidenden Generalversamm lung Anträge, die eine Reviffon der Statuteit im ׳.'luge habeil und die in der einen oder anderen Iorin ncherlicki Annahme finden werden. So bedkntnngmvoll diese Stalutenrevision iff und so gewitz sie, mit Borsicht und praktischem Sinn llnrerilommen. die 'Bora Umsetzung für eine nngehennnte 26citerent Wicklung der Gemeinde bildet, 0׳ werden sich die leitenden Kreise doch keiner Täuschung darüber hingeben, das; auch dam bene Statut nur ein Rahmen nnd die schönste Stmagoge nur ein Kleid iff. Der!^erff allein macht lebendig, nnd je mehr der Körper sich reckt und dehnt, je!veiler der Rahintn, je prächtiger das Kleid, desto reicher müssen vor allem diejenigen Organe nnd. 'Beranffaltungen ent wickelt lind ansgebildet ivexdcn, die den jüdischen Geist in der iverdenden Groj-gemkindc lebendig erhalten. Es fehlt trotz Schule, Ivrtbildungsunterricht, Thoralehranstalt lind Bereinen nnd trotz der Fortschritte der letzten Jahre auch aus diesem (Gebiete doch an lehrenden iiild belebenden Organen fnv Jung und Alt in der Religionsge sellschast, zumal die ׳Bedürfnisse bei der starken Differenzierung innerhalb der (Gemeinde aufter ordentlich vielgestaltig sind. Das; es der t^emeii de in der irenen Aera nicht an Männern fehlen möge, die diese geistigei׳ Bedürfnisse cvfennen und, ne zu befriedigen, die rechten Wege rinschlagen, dam in der beste Wunsch, den der frankfurter Spaziergänger ״zuni neuen Jahr" hegen nnd a״ssprechen kann.

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