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Der Israelit · 1906-12-27 · 52 (27.12.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
52 (27.12.1906)
Date
1906-12-27
Page
Seite 5 (sequence 4)
Language
German
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2«. fc^cinbrr 1!<01>. nfcbi’u, im* sich ein Mann wie i>vofc»lov Berliner bmdi ein 6ebe» voll hnigebender Mülicn im Dienste des übcrltctevtcn ,Tndeiitlims erworben bat, für die zionistischen Ideale in die 26ac schale werfen. Wir und iveit davon ent fernt, dein Herrn Einsender diese 'Absicht an sich zu verübeln, nur darf er!!::S nichl verdenken, trenn wir gegen die von ilnn beliebte Anfül rmig von ״ einigen Stellen ans dein Bortraq" im ^nrerefsc der ebjek iven 26alnbeit nnd im Interesse des vereinten Bortra^enden selb» Bcr wahiung cinlegeii. 26as Here Pro». Berliner in denzitierten Lchlnsziapen seines Refelates zu Wimfta, des ^iviiismils ansührl, enthält fo ivenig 2ieues nnd i׳t v.׳n gesepestreuer 3citc >o o׳t alo dnrchans nnznlängliches B.'oliv für den Anschlns; an die zionistische Partei irwiefen worden, das; ein kluger Stopf nnd überzeugter ,Tn de ivie Prozessor Berliner sich davon allein wahrlich nicht zu feinem Appell hätte verleiten lassen. Dag der Zionismus gegen die Taute schnpt, dag er gegen H rgel und deutsche (Gebete, gegen die Berlegung des Sabbats aus den Sonntag Ltelliing nimmt daS sind doch ivahrha'tia Dinge, die keinen verniinstige!! gescpcsltenen Hilden zuni Anschlns; an die Partei veranlassen können, sofern er erkennt, dag lrop dieser teiliveisen konkreten II ebere in st i in in u ng zivischen O r t l, o d o x i e 11 n d ioni 0!n u s d i e ge i st i g e, die prinzipielle St Luft zw i sche n beiden sic um Welten s e rne n von einander trennt. Und die Uugesäbrl chkeit des Baseler Programms nach seinen! Wortlaute kann sür einen halbwegs denkenden Menschen die Tatsache nicht verschleiern, das; der Geist des inodernrn zionistischen Rationlitätsgedantens mit seiner Entthron n n g des i^ottesgesepes, mit seiner Umwandlung des jüdischen Gesepesvolkes in ein Bolk n>ie andere Bölker auch, der Todfeind des alten Hilden tu 1nS ist. Die Resornr hat die äupercn eitlen der Bölkcr nachgrässt nnd Hai den jüdischen ^ndi viduen die Treue zum Gottesgesepe aus den Herzen gerissen. Der Zio.iisinnS kann auf die kleinen Mittelchen der Betorm verzichten, denn er ״reformiert" in gröjer.m Stile: er wandelt vermittelst des Ration al it ä tsbegrisfes de r Bölker daS Wesen des ^udcntnins von innen heraus und läszt das pochende Herz deS ganzen Bolkes mit geradezu reli giöser Inbrunst den! national erfaßten "לכי ונהיה כגרים" entgegenschlagcn. Die Dichtigkeit dieser Eharakteristik ist von zionistischer Leite, freilich in Augenblicken, in denen es sich nicht gerade um Propaganda unter gesepeslrenen Hilden handelte, auch schon rückhaltlos z gegeben worden, und wir dürfen dazu vielleicht auch noch ilcr Wnft im jüdischen Restaurant». Man schreibt un»: ,'\m kleinen ,Zeuilleton der '.’tr. w des ..Zsrarlit* vervsseiillichcii Sie einen Artikel ״,'an ,übische״ tWcftnuvaitt״ von einem alten Reiseonkel. (Vjeftatten sie, das! icb mit dicien Zeilen die Kehrseite der Medaille oc leuchte und die Erfahrungen, die ich wäirrrnb mrincr 2-'>,ähr. Reisetätigkeit über den «Haft 1111 ,üblichen Nkesiaurant ge sannncll bade, den .,eschäplen Vescrn des ״Zsraclit״;um Besten flcbc. Zch unterscheide zunächst:! Abteilungen ,üblicher Rriienben! ivlche Reisenden ,üdischen Wlaubcn» oder befifr gesagt, ,üdlschcr «Geburt, die unter allen Umständen nicht rituell speisen, neil es ״nicht zeitgemäß* in, weil die Braucmlichkeil darumcr leidet, weil man cs vorzieht in dem Hotel, in dein man wobm, auch zu essen und was dergl. Argumente niclir find. ,Zn die zweite Ab teilung babc ich diejenigen ,üdischen Reisenden rmgereibt, die aus alle sZälle rituell csien lind a» solchen Bläpen, an ivelchcn kein rituelles Restaurant sich bcsindel. sich mit kalter Küche. wovon sie Nets Borrat im Koner haben, be gnügrn und Konserven musühren ober Eier und dergl. erlaubte Rahrungsmittrl geniesten. Zur dritten Abteilung rndl'ch zähle ich die,ringen reisenden Glaubrnsgenonrn, die gerne ״koscher* rnrn, wo ihnen das ohne ,ede Un braurmlichkeit möglich ist und es Restaurants aibt, die mit allem Komfort der Rcuzeu ausgcstattrt und Anbrrnfalls besuchen ne christliche Restaurants, denn dir kalte Küche kSnnen ne angeblich nicht vertragen. Auch will und muß der Mensch Abwechslung babrn und schlirstlich ist es doch nickt gerade die Hauptsache, ob man rituell speist oder lucht. Mit Abteilung l brauchen wir uns ״>cht weiter zu beichästigen, denn dort m Hop'en und Malz verloren, die׳e -Herren nnd durch Erwägungen der Brrnuwt nicht vm ihrem Standpunkt abzubringen. Auch über Abteilui-g 2 ist nicht viel zu schreiben. Ter grirtzestreuc ,Zude treul nck. ein rinigermasten gut geführtes wenn auch einsaairs rnueues 2pr,srbaus anzulrcnrn, ist meiit » er ,tsraevt auf ,1 sere Aiissübrungen in Br. 44 Leite 4 liiib bieies ^abigaiigs verweisen. Und nii» sragen mir: Wliptc P rof. Berliner bas alles nickil, als er sciiieii Bortrag niederfchiieb! Gewisz! Das Geaenteil antinieknie!, wäre be : leibigenb für seinen Scharfblick nnb sein fickieres!! jüdisches Einpnnden. Aber nnb bas u't der : punctum snl e h in der ganzen Angelegenheit i! Prot. Berliner gebt bei seinem Ausruf von einer ganz b e st 1 in in k c n nnb b 0 ck! ft indivibn eilen Bora nsse p» ng ans, die in dem Llrnck!che» Ansznge nur tragmentarisch znni Ausdruck kommt, die aber an andren Stellen des Borlrags deutlich ausgesprochen in nnb die allein seinen Ltanbpnntt erklärt. Diese Boranssepiing lautet: ״Der ,Z1 on 1 s >n u s ist nicht I ebe n s s Ü b i g , wenn er wie bisher rein national bleibt, die Religion als Privaiiache betrachtet nnd sich daraus beschränkt, offiziell nichts gegen die Religion zu tun. Er »ins; notwendig, um nicht zn veröden, immer religiöser werden nnd — der Bk i s r a cki i 1it j svl ck,erge ttalt be rn se n, die ,.Erbickiast des reinen ,Zionismns anzntreten.'! Ans der Meinung heraus, das; es heute Mir die GesepeStreue» gelte, sich zn dieser Erbichat't l ״zn rüsten" ist der Borirag gehalten nnd nur aitf Grund dieser Prämisse in der ganze ltledanfengang Pros. Berliners zu verstehen. Mit dieser Prämisse aber steht nnd sällt — auch für Pros. Berliner selbst - fein ganzes Eintreten für einen ^ionisnins, den er in einer starken Entwicklung zurück znni alten ,^ndentlini erwähnt. Bichr sür den Zionismus wie er in, hat der Berliner Gelehrte eine Hanze gebiochen, sondern sür den Zioniemns, wie er fein könnte nild wie er, nach der snbjektiveit Meinung des Redners, zu werden im Begrine fei. Die ״U mwe r tun g aller zionistischen Werte", die wir früher als Programm eines idealen Misrachi bezeichnet haben, die in es, die Pros. Berliner in seltsamem!Dptiniisinns als nahe bevorstehend ansieht, nnd die er durch eine gesePest reue Mehrheit in der zionistischen Partei beschleunigen will! Das in etwas ganz anderes als die bescheidene! Beschaulichkeit, mit der unser heutiger Misrackn sich, parteitren bis in die Knochen, als ״auf, I eine Fraktion" in den lustigen Ban des ״reinen^! '?kationaljndentiims einfügt.!! Das ist - sprechen wir es ans — ein i I T r a 11 in, aber es in doch wenigstens ein kühner,! i doch wenigstens ein jüdischer Traum.! 26 1 r a l l e r d 1 n g s n n d mit u n s s i ch e r! lick, die M e h rh e i t der gesePest reuen! n d e n, wir vermögen diesen Traum > 1 in seinen Ansprüchen bescheiden und übt nicht allzustrrngr Kritik a» der Heistungssäbigkeit seine» Restaurants, «w; anders ist es mit den unter Abteilung n Eingerrihlcii benellr, und nach meinen Ertahrungen unifant dieselbe den grWen!ei! der ,üdischr» Reisenden. Hier sind neben wkingcn rühmlichen Ausnahinen dir Rdrgler zu sinden, die an das ,üdischc Lpeisrhaus weit grünere Ansprüche stellen als an das christliche Restaurant. Diese .Herren glauben emen besonderen Borzug zu verdienen und besondere Berücksichtigung beanspruche» zu können, wenn sic am sZreitag Abend und Laun'iag Mittag ein rituelle» Restaurant aussucken, nickt um koscher zu enrn, sondern um sich an den Lprzialnäten der ,üdischen »ücke, die ne anderswo nicht nndcn, zu delektieren Dieselben Heute sicht man oft »n christliche» Restaurant geduldig 20 bis 30 Minuten auf die bestellte Tvrise warten, ohne das! sie nch über schleckte Bedienung beschweren oder überhaupt reklamieren. Das ,üdischr Restaurant soll aber ein ..Dischlem deck Dich" ifin; dor soll die gewünschte Lpeisr' kaum bestellt, auch schon serviert sein, ohne illücksicht darauf, das, schon viele tVJoftc vorher bestellt haben und deshalb auch vorher bedient werden müssen. Hier haben diese Herren die gröhle Eile und bedenken nicht, dag eine Lpeise nach der Bestellung oft erst zuberritet werden mug, wa» in der Regel l.V •Jo Minuten Zeit beansprucht. ״Eme solche Bedienung kann man nur »n ,üdischen Reit iu rank nnden*, hört man diese Einlagsgane schinipsrn, ״morgen gehe ich wieder ms christliche Restaurant, wo die Bedienung eine brnere ist.״ Die zweite Klage der Ab teilung 3 nnd die angeblich zu teuren Brelse i in dieser Beziehung möchtiq die Rörgler daraus aufmerksam macken, das! ne un christlichen Restaurant, bevor fit nur die Lpeisekarre verlangen, schon ein vllaS Bier oder Wein be'tellen, >m rituellen Lpeisehau» denken sie aber gar nicht daran, nch irgend ein Äelränk kommen zu j lanrn! >a ne betrachten es geradezu als eine ״Ebutzpob*, Rr ->2 Zeile '׳. n i cki t in i k z 11 t r ä 11 in e n 'Wir sehen i m l>i e g e n t e i l, wie die ziuiistitckien i^edanken muffen, indei» tie fick! tut Vonfe der ,^cit verdickiten nnd konzentriert in olle c-iebiete deS jüdiickien >rnlk11tlebenSeindringen. nnnierniehr Leib sründtgke'.t unnehincn, de,! religiösen Lliinniuiiizs qehult, den ihnen die ,Vtlmunsende >ze»zebe1l, iniiner mehr ulitreit'en nnd in die ulten Zornien und 'Worte neue, nnindiickie l^edunken nnd l^etühlsinhulte hineiiiiziepe». 'Was ein Misiuckn erreickien wollte — nicht in der respektable» Stellnn>z als ,ziifvektor für vruktislhe >R-,epes!rene, 1 ndern als Tru,zer eines izentiizen Prinzips das inüszte rr >z e »z e n die n a k ü rl 1 ck, e Enlivicklnnp, nickit von ihr izetrutzen, dniihsepen, nnd iveil von dieter nucki unsrer lleberzentzniiiz uueiuinitteilidt wahren Tatsache die Lckiöpter »nd Heiter des Misrachi fo ganz und gar nichts mtifeit ivollen, dar»in wachst unser Misztranen gegen dtefe wolügeineuite Lchöptuilg in eben dem >^rade, wie es den zionisti'cheii ,vührer» ininiei mehr gelingt, durch religiöse Aenperlichkeiten die »rteilslofe Bi'enge nnd den Misrachi ,».bst über den sich vergröszernten i׳׳egen sah zivischen Zndenluni nnd niodernem Zionismus hinwegzntanscheii. '?>' i ch t e t w a d e r » a t i o!1 a l e e dank e a n s i ch und das religiöse Z » de n t»in fliehen einander,!voll', aber gilt es für dieses, oie 1 סיייt a l t » n g, die jener nationale Hiedanke im modernen ׳iionisinns gewis; nickit zntällig, sondern natnrnot ivendig geivonnen hat. in einem vielleicht Jahrzehnte da> ernden geistigen 1<ר' ngkanipfe zn besiegen. 'Wir ivollen diesen stampf weder als scheinbare B u n des g e 1! 0 f s e », noch als geistige 'B a s a l l e n desHiegnerS bestehen, sondern als Männer in ossener ,reldschlacht, der Hilfe Dessen ge.ois;, der über HeileniS mns und Laddlieaisinns* , über >taraenvadn und Urchristentnni, über Reforni nnd Haskala hinweg seine Sinai,,,ah'.heir bis heute ledcndlg rchaiten. 'Weil die Männer, die nch int Misrachi zusammen gesunden, g׳wis; mit gleicher Aufrichtigkeit dieser 'Wahrheit dienen!volle», darum wagen wir eS immer wieder nnd wieder unserer Meinnng über die verhängnisvolle Politik des Misrachi Ausdruck zn geben, nicht ohne die stille Hossnung, das; aus dein hadernden ,Tür nnd 'Wider der Rede die lÄenieinsainkeit des ^iels doch immer kräftiger nnd deutlicher znin Beivnsztsein kommt. ' Reuerbings hat Zloctsli in brr Ehtinukanummer brr ״Welt״ u. E. zutrefsenb bie Wescnsverwanbtschast zwischen LabburäismuS unb Zionismus srstgestellt! wenn sie brr Wirt ober Kellner banach fragt, selbst- . veritanblich kann ber christliche Wirt, ber an ben speisen! sait nichts verdienen will, ,a nianchinat ״in brr Küche zu-! legt״, bas Essen viel billiger liefern als ber jübische Kollege, bei bem wenig ober garnichls getrunken wirb unb; ber baber auf ben Berbienst an bei! Zveisen ange wieien ist. Dazu kvinnn noch, baft bas Koscher s>leisch! », vielen iZällen teuerer ist. als bas von bei» chrlst licken Wirt verbrauchte, brr obenbrri» sehr häufig selbst schlachtet unb sich auch baburch bas ,Fleisch wesentlich billiger verschafft. Eine weitere unberechtigte Beschwerbe rügt ben Mangel einer grüneren Auswahl! auch hier kann brr ,übliche Wirt »ich, mit bem christlichen konkurrieren, brnn einmal in in ber Regel sein Restaurant nicht so stark betucht wie ba» christliche unb bann bietet bie rituelle «itche an fick keine unbeschränkte Mannigsalugkeit ber speisen. Aus allen birsrn Ntrünben bitte ich meine verehrten Kollegen aus ber Abteilung : verlangen Lie von bem ,übischen Restaurateur nicht mehr, als er zu bieten nnnanbe ist, fügen Lie sich u, ba» Unabänberliche mit bem angenehmen Bewnfitsei». bie Lprisegeseye beobachtet zu haben unb mit brr freubigen Aussicht, bei ihm ihr Mahl »ngestörr unb ohne ban ne antisemitische Reden» arten mit anhören müs,krn,e1 ״nehmen zu können. Drr,übische Inhaber eine» sprisehaules sucht grwis, >m eigerjten ,;nterrne ,ebem oiaft ben Aufenthalt in seinem Hause so angenehm als möglich zl, machen, barum soll auch ber Rklsenbe ihm sein olrschtiit nicht gerabezu verleiben. (Go vieles Berecktigti bie obigen Ausführungen auch enthalten mögen, bie Erfahrung lehrt, bas; auch bie,übischen Wirte nicht alle von Zchuld sreizusprechen finb. Ihre Aufgabe muß e» sei», ben Lckeingrünben, womit ,übische Renenbe ihr un,übische» Berhaltrn entschuldigen möchten, > durch unerniübliche Lorgfalt ,eben Boden;u entoed»«

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