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Der Israelit · 1906-12-27 · 52 (27.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
52 (27.12.1906)
Date
1906-12-27
Page
Seite 3 (sequence 2)
Language
German
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Der J-raeltt. 27. I'fwnbet 1906. lung der ״Bereinigung tvabitiouell-gc־ setzestr euer Rabbiner" nm Dienstag Rach mittag beginnen die Beibanbluitgcn des Ber banden der 2abbatfreunde. Beide trennen haben eine groffe Fülle von Gegenständen zur Besprechung stch vorgeletzt. die unmöglich alle!n!t! oer gleichen Gründlichkeit erledigt werden können. Genieinsain ist den beiden Tagesordnungen die Beratung über die hinsichtlich der Sonntagsrnhe zu unternehmenden Schritte, über die wir schon! in voriger stummer berichtet haben. Die Rab binervereinignng wird weiter über die Be strebnngen zu einem engeren Ziisaniinenschlnsse der gesetzestrenen Indenheit Deutschlands beraten, ein Gegenstand, der mit vollem Rechte an die Spitze der Tagesordnung gestellt worden ist. Gibt eS ja heute keinen Gedanken, der sich einem aufmerksamen Beobachter der Zeitgeschichte mit so elementarer Gewalt ansdrängt, wie die Rot- Wendigkeit dieser Konzentration. Der psrichologische Moment, den Zusammenschlnff zu vollziehen, ist längst gekommen, und es sind im wesentlichen Stimmungen, zum Teil Stimm ungen und Berftitumungeu persönlicher Ratur. die ihm entgegenznstehen scheine», und die man natürlich von gegnerischer Seite in leicht erkennbarer Absicht lebendig zu erhalteit lind zu steigern bemüht ist. Wenn aber der Geist unpersönlicher Hingabe an die Sacke die We miitcv veherrschen wird, bann kann dennoch ein positives Ergebnis der Etnignngsbe'trebnngen erhofft iverden, deffen nnendücher Segen tür ׳)iorden uud Süden, für Cftcn und Westen gar nicht zu ermessen ist. — Schwieriger noch wird es wahrscheinlich sein, eine einheitliche Stell mg nähme gegenüber Zionismus, Misrachi und TerritoriatiSmns kerbeiZnsühret׳., wenn sich auch gegen letzteren wohl schtverlich viel Bedenken er heben werden. — Dem BerbandederSabbathfreunde ist vor allem zu wünschen, daff bei seiner Tagung die Männer des praktischen Gebens nicht fehlen möchtenitoch wäre es Zeit, dast sich einzelne Ortsgruppen zur Entsendung eigener Delegierter ans dem .Kansmannsstande ent schlösse». — So >vird denn der 'Wunsch, der mit jedem scheidenden Sabbath die jüdische Brust bewegt, ובל היועץ על עדך בית ״טראל עצה סוכה ודהידכה סובה, אטצו וכיבו גדלו וקיכזו diesmal mit doppelter Wärme von all denen empfunden werden, die, nicht in ihre Einzelmtereffen eingesponnen, der Arbeit am Ganzen ihre Tat und, wo das nicht geht, wenigstens ihre Teilnahme mibmett, und von den Sympathieen der Gesamtheit getragen, werdeit die Schaffenden den Mut und die Einsicht ffuden,! die heute mehr als je zur Arbeit für die jüdischen Ideale von Röten ist.! * * * i Die Krahauer jitöifche Realithule. I Die von Rabbiner Dr. ^ung nach dein I Muster seines Ungar. Broder Brivatgiiinnasilims! in Krakau gegründete Realschitle ist bei den chaffi dischcn K reistu t^ulizieics nur heftige t^egnenchatt! gestoffen. Die Gegner dieses Unternehmens be türchten offenbar, die Eristenz solcher Anstalten! werde viele Eltern, die sonst ihre .Kinder ganz \ und gar in der Hingebung an das Thoralerne» > erzogen hätten, veranlaffe» ihnen die moderne ן Schulbildung zu vermitteln; das Renten aber j werde, wie es in Deiltichland derFall ist, hinter! diese Schulbildnng znrückgedrängt iverden. Dr. In»g wendet sich nun in einem hebräische» An»ruf gegen die Angriffe, die er erfahren hat, und führt darin ans. daff diese Angriffe nur dann berechtigt wäre», wenn in der Tat alle gesetzestrenen Eltern in Galizien ihre Kinder bisher wirklich nur das Eheder oder die Ieschibah hätten be> sncheii lassen. I» Wirklichkeit aber gibt es keine. galizische Stadt mit einer staatlichen Mittelschule, j die nicht eine groffe Anzahl jüdischer Schüler I unter ihren Zögstngen hatte. Es ist eilte unve! ftvittenc Tatsache, daff die jüdischen Schüler der! staatlichen Anstalten, mögen ihee Eitern auch streng gesetzestrene Inden sei», allem jüdische» Wese» entsremdet werden und der Thora verloren gehen. Diese Tatsache veraulaffte De. Jung, einer An regung ans fstalizien nachzngeben und in.Krakau eine Lchnle zu begründen, in der die Bildung» mittel der Zeit neben der Thora und in ihrem Geiste den sie Begehrenden dargereicht wer den sollen - nicht der Teil der jüdiie^en Jugend, der in alter Weise ganz dem Studium der Thora lebt - nur diejenigen, die in Gefahr lind, ui den Ttaatsanstalken ihr Bestes einzubünen, wolle die neue Schule in ihren Bannkreis ziehen. Soweit Dr. Jung. Was »ns betrifft, so halten wir es an mtb für sich durchaus nicht süc ivünschenswert, daff in die jüdische Bevölkerung eines aus niedriger .Kulturst1>se stehenden Landes die westeuropäische Bildung künstlich und ohne daffeine organische Entwickelnng es notwendig »lacht, eingepstanzt werde. Das hat selbstredend nicht darin seinen Grund, daff wir etwa die Resultate ivahrer Wissenschaft für dem Judentum iv'der streitend hielten; darüber braucht man kein Wort zu verlieren. Aber die Tatsache besteht nun einmal, daff mit der wiffenschastlichen Wahrheit der Irrtum und die Viigc tausendfach vergnickt wird. Der kritische Geist jedoch, der demgegenüber vor ,Sehltritten bewahren kann, ist dort, wo die Bildung nicht gewachseit, sondern importien ist. nicht vorhanden. Die Anfferachtlaffnng dieser Tatsachen hat für das Judentum nur zu häufig die traurigsten Folge» gehabt. Wo es an welt licher Bildung mangelt, liegt immer Wirtschaft; Wt. '>2. »eite 8. liehet Tiefstand zu Grunde. Man hebe die Wirt» schastliche Lage der Bevölkerung, und es reist, was die Kumt des TreibhanSgärtners hervorbringen tollte,!>! gesunder natürlicher Entwickelung Hera». Ankers liegt die Sache aber, wenn, u>ie in Galizien die junge Generation in.Krakau allein sind eS »ach Angabe Dr. Jungs mehr als drei tausend Schüler — mangels jüdischer Insti tunoiien ans D.nellen schöpft, die statt zu laben Berderben bringen. Da bleibt denn freilich nichts anderes übrig, als den von Dr. Jung eilige׳ schlagenen Weg zu beschreiten. ׳Wir veritehen eS wohl, wen» die Furcht vor einer Schmälerung des Thorastndinms Bedenken gegen die Gründung eriveckt hat. Aber wir wiffe» nicht, wie dem g r ü ff t e >1 Hebel mit andere Weise gesteuert werden könnte! Uleitericlicbten im — norden. Die Geschichte eine» Vortrag» und einer Versammlung ״Wetterleuchte» im Ctteu" betitelte sich ein Bort rag, den unser verehrter Mitarbeiter, Herr Bros. Berliner, am LL. Rovember in einer öffentlichen Benaiiimlnng der Berliner Misrachi- Gruppe hielt, und in dem der bekannte Gelehrte zur llederraichnng weiterer Kreise die Anffor -ernng an die Gesetzestrenen richtete, durch einen M affe nein tritt in die Zionistische Bartei dem Zionis mns ״die religiös-nationale Richtung auszuprägen, die allein ihm gebührt und von ihm ermattet werden muff." Uns war der Bcrrrag keine Ueberraschung, der Bertaffer hatte uns das Manuskript bereits vorher zur Berössentlichnng übergeben, und wir würden uns gefreut haben, freilich unter gleich zeitiger Ansügnng nnsrer stark abweichenden Meinung, nnsrem Leserkreise die Anschauungen eines Cannes zu übermitteln, deffen echtes jüdisches Empfinden rn t leuchtender Klarheit selbst dort hervorbricht, wo er irrt und nach unsrer bescheidenen lleberzengung Wünsche mit Tatsachen verwechselt. Inzwischen fand die Bersammlung statt, in der anffer dem ״inoffiziellen" Referate Pros. Berliners Herr Dr. med. Franck-Altona einen nach allen Berichten sein durchdachten offiziellen Bortrag über ״Gesetzestreues Indentnm und Zionismus" hielt. Ein offizieller Bericht übet die Bersammlung erschien aber nicht, die Zionistische Breffe sch w leg, schwieg mäuschenstill, ganz gegen ihre Gewöhn heit- und Herr Pros. Berliner verzichtete aus die Beröffentlichung des Bortrags. Was war geschehen ׳־ Nichts einfacher als das. an Anliegen und Sorgen aller Art. Ich wüßte nicht womit beginnen und womit aushören. Aber da» wichtigste und nächiiiiegrnde ist durch Dein Darlehelr befriedigt." »Serien, liebe Dina, haben wir alle" bemerkt Ehaja, ״der eine mehr und der andere weniger. Sorgen schaden auch nicht», kie heben sich gegenseitig aus. Wenn jemand Sorgen wegen der Barnoßo hat, so vergißt er darüber die Sorgen, die ihm seine Verwandten bereiten, und umgekehrt. Wenn aber jemand nicht Sorgen, soiidrrn eine einzige Sorge hat, wenn v B ein teuere» Fanultrnmitglird schwer krank danirderliegt, so vergißt man darüber alle anderen Sorgen, sie scheinen Nein und verschwinden gegen die eine große, die aber dann um so unablässiger am Herzen nagt und unsere Seelenruhe vernichtet. Db Du vielleicht eine solche einzige Sorge hast, welche die anderen klrii erscheinen lägt und tie zurück drängt, daran dachte ich und darauf bezog sich meine Frage. ü» kam mir nämlich vor, al« ob Dich noch wa» besondere» drückt; habe ich mich damit geirrt, um so bester." Tina sah ihre Freundin mit großen Augen einige Augenblicke an, dann meinte frei ״Tein gutes Herz verleiht Dir einen Scharfblick, den ich immer mehr und mehr anstaunrn muß. Ich hob« noch eine groß« Sorge, die mich seit einigen Tagen mehr al» jede andere deschästigr. Weil Du so gut und so geschickt bist, will ich sie Dir Mitteilenich weig, daß Du ne mir nicht abnrhmen kannst, aber sie wird mer vielleicht doch leichter, wenn Du sie nur kennst. Aber ich wiederhole r< Dir, so wahr sollen wer beide Tchausor schrl Moschiach hüren, daß ich e« Dir nur deshalb sage, well Du e» wünschet«, nicht aber, weil ich eine Hilfe dazu von Dlr erwarte." »So fange doch endlich eenmal an, Du machst mich ja aanz neugierlg", rntgegncte Ehaja mit gesttstentltch zur Scheu getragenen Ungeduld ertragen konnte, sagte ich ilun eine» Morgens, ich sei bei Dir gewesen, Du wolltesi uns soviel Holgeben, al» wir brauchen. Damit aber die Well nicht merke, daß wir von Dir Hol; annehmen müssen, sollen wir uns bei tUadtt und Nebel selber nach Belieben von dem Holz nehmen, da» an der Grenzmaucr zwischen uiisrren beiden Hüten sitzt. Hcitic ich das meinem Mann nicht so gesagt, er wäre ganz sicher lieber erfroren, bevor er die Hand nach fremdem Eigentum auögestreckt hätte. Ich wußte andererseits, daß Du mir alle» mauchel bist, ich wollte Dir ,eben Tag das Geschehene Mitteilen, und!ctzt konunst Tu zu mir, nun weißt Du alles. Verzeihst Du'» mir'?" ״Liebe, gute Dina", erwiderte Ebaja. indem sic die Hände der Freundin ergriff, ״was diese Hände da getan, daß sie ein paar Scheit Hol; au» dem Hotr sortacnommen baden, das verzeihe ich Dir so vollkommen, daß ich wünsche, Haschem boruch hu möge mir so alle Fehler und Sünden verzeihen wie ich S Dir tue. Aber daß Du mir von Eurer Lage nichts gesagt und lieber gedarbt und gelitten txrst, das verzeih' ich Dir nicht, wenigstens nicht so geschwind. Nun müsien wir aber zunächst das Vergangene ruhen lasten und unS mit der Zukunft belasten, wie es nämlich jetzt weiter gehen soll." ״Leit vier Jahren", fuhr Tina fort, ״bat!eder Vrrdienst bei uns auigrdört. Du weißt doch, daß mein Mann einen ledigen Bruder in Amerika har, der sehr reich ist. WaS Du aber nicht weist, ist, daß Ivel, mein Schwager, uns jede» Quartal fünfzig Nudel tchicft; daß ist unser einziges Einkommen Diese Sendung ist dieiesmal ausgeblieben, sie hätte schon vor zehn Tagen rintrrstrn so!!7n. Iyel ist sonst so pünktlich wir rine Uhr, wenn ihm nur nichtpassiert ist' Seine Sendung wollte ich adwarten und Dir dann alles rurückerstatten hi«!rcüif ich es verschieben m,ch Dir zu offenbaren, ,etzt aber weißt Du alle- " I ״Dina", enigegnete die Freundin, .,ich nye jetzt schon 1! fast eine Stunde bei Dir, es weiß Nicniand zu Hause, wo ich bin; ich muß nach Hause. Auch kann ich durch dir : versäumte Zeit heule Nachmittag nicht zu Trillings gehen.; sei so gut und gehe Du für mich bin und gied der arnirn 1 Frau süns Nudel von der Ehewra Linas Zedck; laste Dir J eine Quittung geben, meinen Namen brauchst Du nicht > zu erwähne», sobald ich kann, gehe ich selber hin. Dann I gebe ich Dir zehn Nudel, die Du mir zurückgeben kannst, j wenn das Geld von Amerika kommt oder auch später. : Wenn e» nicht reicht, kannst Du mehr Habens ich habe jetzt! nicht mehr bei mirdie schuld ist >a gut. Nun kaust > Euch Holz und waS Ihr sonst nötig habt. Heute Nach- ׳ mittag erwarte ich Dich bei mir mit Nachrichten von j Trillings. Jetzt ober darf ich wirklich nicht länger bleiben." Sie eilte fort mit ihrem entliehenen Estig und dem Bewußtsein, dir schwaiikende Ehre rliirr achtbaren, betreu» j beten Familie wieder gefestigt und aufrecht erhalten zu j haben. — Der Freundin Hane sie angrmerkt, daß sie noch! mehr auf dem Herzen habe, aber ihr feinfühliger Takt j sagte Eha!a, dag e» geratener sei, dir Freundin jetzt zu verlosten und die Fortsetzung ihrer Mitteilungen bi» zum Nachmittag zu verschieben. Al» daher argen Abend Dina vorsprach und ihren Bericht über Familie Trilling abgestartet, über dir Not und Vrrzwristung, die sie da getrosten, , und die große Mizwo betont hatte, dir hier jede Hilfe be- , deute, bemerkte Ehaja Mirel»:! ..Zu Trilling» gehe ick blt neder morgen. Aber jetzt I möchte ich die kurze Zeit, die wir hier ungestört allein sein können, noch benützen, um von Dir zu hören, wa» Dich noch außerdem drückt. Wenn ich Dir hejfen kann, wird S \ out sern, wenn Du da», wa» Dich beschwert, Dir vom 1 Herzen, herunter reieft."! »In den gedrückten Verhälmisten, in welchm wir j gegenwärtig leben," bubsDma an, »fehlt «selbstredend nicht

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