Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 52 (27.12.1906)
- Date
- 1906-12-27
- Page
- Seite 2 (sequence 1)
- Language
- German
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S«tK 3. 9h. 52. Der Israelit. Seit den! Erlast des Gesetzes haben sich die .,Bedürfnisse" iti dein damals gebildeten Symrgogenbezirk Berlin, das ist Stadt Berlin, anstcrorde, tlich geändert. Aber dast ein Antrag auf Abänderung des snnaqogalen Bezirksverbältmsies durch Gliederung des '^.zirks an die Regierung gestellt sei, hat niemals verlautet, obwohl ״die lOOOiX» Seelen eine Rel gionsgemeinde gar ni.i t bilden können", obuohl ״lic ohne Gl'.derung nur einen Hausen, aber keine Gemeinde darstellen", jedoch nicht Verwaltung und l^csekacbung sind cv, die viele ..RlNtsicht" schuldig geblieben fiitb; ilur die Benvaltnng oder richtiger die Gemeinde- Mitglieder s, lbst sind es, nicht aber die Gesetz gebung. Sie hat den Fall vorgesehen und Mittel an die Hand gegeben, welche die gegenwärtigen Miststände hätten verhüten und segensreiche Wirk ungen zeitigen können, wenn sie auch den Wunsch unerfüllt lassen, der aus Bildirng von Bezirks׳ gemeinden linter Beibehaltung der gcrneinsamen Berwalkung gerichtet ist. Daß diese Ausfassung des Geseires die richtige ist, geht klar hervor aus dem Wortlaut des sogen. ״Gutachtens der Ab teilung", ivelche über das Gesetz vor dem ver einigten Landtage zu referieren halte, '?lach Borschlag dieser Abteilung hat 8 4t i Abs 1 1111» widersprochen die jetzige Fassung erhalten In diesen, Gutachten heistt cs: ״Bei der Bildung von S v n a g o g e n g e m e i n d e n nach andere ׳.׳. Grundsätzen zu verfahre,!, als bei der Bildung ch r! st l! ch e r .K i r ch e n g e m c i n d c n, ist keiire Beranlassung vorhanden. In dem einen Falle wird cs die Juden der um nmagoge einer Ltadr zuliegenden Dörfer der zuweilen zlveckmästig, in dem anderen die ׳tattnltg mehrerer Svnaqoge» an einem und demselben!7ne, nne z. in Berlin, Breslau usiv. notwendig scii!" Der Zusammenhang sowohl >vie die das Gesetz betreffende Minisierial denkschrist ergeben, dast eine Scheidung der Begriffe ^vnagoge und Tvnagogcngcmemde hier nicht beabsichtigt ist. i ic Trennung der Gemeinden innerhalb Gemeinsamkeit in der Wohlsabrtseinrichknngen auch nicht der gemei >iultusinstitu tonen, von Svnagogenbezirke bez,v. Berlins würde der Unterhalt,״,!, örtlicher nicht im Wege stellen, samen Errichtung von Schulen. Die Deren tralisalion würde aber die auch v m Bersasser vermistte Kleinarbeit in religiösen Dingen fördern und dieser Borzug der Gliederung sollte bei der Abwägung der drohenden Schäden nicht gering eingeschätzt ivcrden. Die Regierung würdo aber schon deswegen, weil eine so graste Zahl von Seelen und Instituten dem Beschlüsse einer im Berhältnis winzigen Körperschaft umenvorsen sind das Kirchenivescn Berlins dürste kein Analogon für die lleberannvortung einer gleichen Fülle von Verwalt,>ngs-, Kultus- und Erziehungsaufgaben an eine entsprechende Behörde darbieten —, dem Antrag auf Gliederung stattgeben. Hat somit des Vers. Darstellung bezüglich des gänzlichen Bersagcns deS Gesetzes gegenüber de» modernen Grostgemeinden nicht unvedingte Geltung, so erscheint'sie völlig unzutreffend hin sichtlich der ״och weit nachdrücklicher betonten Rot der Zwerggenieinden. Dast hier weder die Gesetzgebung versagt, noch die Regierung untätig geblieben ist, drivetsi eine nnnlstenelle Bersügung. welche zeigt, wie innerhalb des Gesetzesrahmcns Abhilfe erzielt werden kann und worden ist. Es dürste angemesien sein, die in selbst kundigen Kreisen dem Anscheine ״ach unaekannte Verfügung den, ganzen Wortlaute ״ach hier wiederzugeben, weil sie zugleich grell das Verfahren gewisser Re- Präsentantenkollegien beleuchtet, die in selbstherrsicher Bevormundung der Gemeinde sich gefallen, wo der Wille der Gesamtgemeinde den Maßstab für ihre Beschlüsse bieten sollte. Die Ministerial- Verfügung vom I. Juni 1 ST‘.» M. Bl. 1880 S- H>) lautet: ״Die Bertlcinerung der für jüdische Svnagogcn Gemeinden zu bildenden Bezirke bis aus ein Mas;, welches dir Innrhaliung der in den AK 41 dcö (Gesetzes vom 2:i. Juli 1x47 enlhallencn Bestimmungen über den Bor stand, die Repräsentanten und Ersatzmänner der Tnnagogengemeinden nicht mehr ausführbar erscheinen läßt, kann, wie wir der König'. Negierung ans den Bericht von, ,5. * ärz d. I». eröffnen, an und für sich nicht für unstatthaft eracht« werden und cs ist andererseits auch nickt zu verkennen, dast die Gesuche kleiner Gemeinden um Ge-!tattung ihres selbständigen Fortbestehens im Anschluß an ihr bisheriges Berhälniis schon um deshalb die niöglichstc Berücksichtigung verdienen, weil der Aufrechterhaltung bestehender Berbältume. wenn sie irgend mit den gesetzlichen Borschriften vereinbar sind, gewiß der Borzug vor der Herstellung neuer an >ich wenig lebensfähiger Einrichtungen zu geben ist. Es wird daher nichts cntgegenstchrn das von der König!. Regie!ung dargelegte aus die Beibehaltung kleinerer Gemeinden gegründete Projekt der Organisation jüdischer Gemeinden »n dortigen Regierungsbezirk zur Durchführung zu bringen. In Bezug hierauf wird die König!. Regierung ferner in Betracht zu ziehen haben, ob nicht da, wo die geringe Zahl der Mitglieder eine Bertretung durch Repräsentanten unausführbar und unnötig inacht, die Besugnlsie der letzirrrn den Gcmcindemitaliedern ielbst überlasten iverdcn tonnen. Die rechtliche Zulässigkeit einer solchen Anordnuiig scheint mit Rücksicht darauf, daß die Gemeind rorganisation überall da, wo die Befugnisse derselben durch die Mitglieder selbst nicht wohl ansgeiühri werden können, nur ein Notbehelf für die den Korporationen gestattete Selbstverwaltung ist, und dast die Mitglieder in kleinen Gemeinden sclstvcrständlich die Repräsentanten ihrer eigenen Angelegenheiten sind, nicht wobl bezweifelt werden zu können und die Zweck- Mäßigkeit dieser Anordnung dürfte da, wo die Nichtcrwählung zum Repräsentanten einer Ausschließung von der Beratung der Gemrindeangclcgcnheitrn glrichkommt, ebensowenig einem erheblichen Bedenken unterliegen." Aus dem Tenor der Bersügung läßt sich als Tatbestand herausschälcn, daß ״nt Rücksicht ans die Berkleincruilg gewisser Gemeinden die Frage akut gewotden ivar, ob nicht gemäß 8 40, -ib- 27. Dezember ISO«. satz 2 es an der Zeit sei, die nach Erlaß des Gesetzes von 1847 gebildeten in Betracht kommenden Synagoaenbezirke den, Bedürfnis gemäß abzuändern. Da diese Abänderung aber infolge der Zusammcnschließung bisher getrennter Svnago genbezirkc zu einem gemeinsamen Bezirk und «0 ipso nach 8 45׳ a״ch zu einer Tlsiiagogengemeinde die bisherige Selbständigkeit hätte er ausheben müssen, so hatten die Gemeinde״ ein Gesuch an die Bezirksregicrung gcrichiel, von der Anwendung des 8 40, Absatz 2 abiustehen und einem Modus der Verwaltung, der ihre Selbständigkeit bestehen läßt, die Zustimmung zu geben. Die Verfügung enthält nun die ministerielle Genehmigung zu den', unterbreiteten Projekt, das aus die Wünsche der Gemeinden Rücksicht nehine. Die Einholung der Verfügung seitens der Bezirksregierung beweist an sich das Abweichen von dem Modus, der sich als Norm ans dem Gesetze von 1847 ergiebt. Dieser Modus besteht darin, daß die Abhilfe gegen die Entkräftung der Zwerggemeinde» in der Brr änderung der Organisation, durch Znfainnien fass״,lg — natürlich ״unter Zuziehung der Be teiliaten" schon wegen der Gewissensfreiheit erfolgt. Der Bersasser befindet sich in dem gleichen Irrt»», ,vie Geheimrat Rosi», der in den Motiven zu seinen, ^rganisationsentwurs S. 4" schreibt, das Gesetz von 1*47 eröffne für die Zusammenfassung kleiner Gemeinden ״keinen 'Weg". Das zur Zeit geltende s7rganisarions gesetz stellt sich angesichts der Illustration, welche es durch die bez. Verfügung erfährt, doch wobl nicht so klüglich war, wie Bersasser meint, und daß dieses Gesetz um dessen ,Villen, was es selbst ist und gebietet, eine Gesaintorganisation unaus weichlich erheische, daß es ״ohne solche Gesamtorganisation gar nichtzur Wahrheit werden kann," diese Behauptnng ist nicht stichhaltig. —!Fortsetzung folg,. U. Kongrefjfflodie. Die nächste Woche führt i» der Reichshaupt- Habt eine große Zahl unsrer Gesinnungsgenossen aus allen Teilen Deutschlands zur gen,einsamen Aussprache über die bedeutungsvollste״ Anliegen des gesetzcstreuen Iudentnnis zusammen. An, Montag und Dienstag!agt die Generalversan״״- eines Feuilleton vie Islasedastage. Frankfurt a. M.. 2 t Tczrmber Zn brr Mille des vorigen Jahrhunderts bcslanben Zwcnrl darüber, ob die Falni'ckas in Abrsivnien Glieder des jüdischen Bolkes seien. Die Forickungsrenc. dir der sranzösiicbr Dncnlaiist Haien» nach Abrsivnien nnrernaln». ba,!ebocti de» letz len Zweiscl bicran beieuigl. Wir baden unsere Vf,"er brrciks darüber unlerricknei, dast ein Tckü'cr dieses «Nlebne», Herr Dr FaiIIov>iscb. »» vorigen Jahr dir Falm'cbas ebenfalls besi.ckn und die Rrsultair, dir er gewonnen, m einem Buch niedergelegt bat, einen kurzen Auszug aus fiesem Buck! baben wir m diesen Blanrrn vcröffrnilicku. Am vergangenen Tamslag Abend kailen wir GelegenbeU. 1» einem engeren Kreise Herrn Dr. FanlovUick, persönlickr kennen zu lr.nen und von ibm mancbe wrilrren intrrrsimmn Deiails »brr das Veden der FalasckuS >u rriabren. Herr Dr. Faulovusch keniu idre Sprache und dal es verstanden, sich >br Brr trauen zu erwerben. Veicht war das nicht, denn ne treten dem Fremden mit großer Borsictn gegenüber. Sir vermuten immer in!Im! einen der brkebrunqswütigen Missionare, dir so vieles Unbeil unirr den abrnvniichen Juden ange richirl baden. Um io großer war dir Freude, als sic überzeugt sein konnten» daß sie es »nt eiium Glaubensg-no'irn zu ul» bätien. Die Misiionare. io berichteten sie, ballen Urnen g!>! gl, in Europa gebe es keine Juden mehr alle Juden lürnen sich längst zu dem Evaugrliui» bekannt. 7>c ,ralaschas drnvrn dir B'bcl, allerdings nicht voll kündig, ur ihrer Sprache, dem Amharischen und befolgen deren Borschrisien nach dem Wortlaut. Tie besitzen nicht dir Uebrrlieserungen der mündlichen Vehre, obwohl sie einige Gebote derselben wir wir rriüllrn. Bon den Karäern sind sie dadurch unterschieden, daß sie nicht etwa dieniündliche Vehre leugnen; sie sind sich vielmehr dunkel bewußt, daß ikr Judentum nicht das volle Judentum ist, aber, da sie da» Vand der Bälrr lange vor der schriftlichen Niederlrgung der Tradition verlassen baden, so ist ihnen diese in den Stürmen de» Golus verloren gegangen. Sie möchten gerne das Judentum in seiner Ganzbeit keniten lernen und warten sehnsüchtig darauf, dast ihre europäischen Brüder diesen Wunsch erfüllen. Die Falaschas ragen pbvsisch und elbisch über dir übrige Bevölkerung des Vandes empor; sic Hallen sich von dieser streng gesondert. Dies gilt auch von denjenigen Falaschas, die die Missionare in ihrer Jahrzehnte hindurch leider so erfolgreichen Tätigkeit der Taufe zugcsühn haben. Es ist dabcr, wir Herr Dr. Faitlovilsck sagt, möglich, auch diese Irregesübrten dem Judentum wieder zurückzugewinnen. Indessen müsien die europäischen Juden den F>rlaschas ohne Berzug zu Hülse kommen, sonst wird das Bekehrungswerk bald auch die letzt noch nickt Gelausten dein Judentum enlsremdel haben. Herr Dr. Fairlovitich, der seine Darlegungen durch eine Reibe von Photographien illustrierte und auch verschiedene interessante Schriftwerke, die er aus Adesinnirn mitgrbracht, zu srbe» gab, beabsichtigt im März l!B7 vier einen öfirmliehen Bvnrag über die Falaickasragr zu ballen. Mögen vor allem die Gesrtzesirrurn nicht vrtsäumen, sich rechtzeitig »in dieser so überaus wichtigen Angrlegenbeit zu besanen, damit jede Aklio», die von den europäischen Juden für die Falaickras unternommen wird, auch wirklich von echt jüdischem Geiste erfüllt fei. Edelsteine. i Eine Geschichte au» Rußland. : III.! Dina schloi; die Türe ab und sagte dann mit gcdäinpstcr! Stimme zu der Freundin:! «Wir zählten einmal, wenn auch nicht unter die ן Reichen, so doch unter dir Wohlhabenden. Wie wir jcit einigen Jahren durch Bürgschaften, Konkurse und somtlgc : Unfälle um unser ganzes Bermögen gekommen und. will ' ich Dir >etzt nicht erzählen. Die schweren Bcrluste haben > meinen Mann und leine Gesundheit hart mitgenommen. Die Welt iveitz mich, dast unsere Berhäitnisse reduzier! sind, dast wir aber in Wirklichkeit gar nichts niebr haben, nicht einmal mehr Brod zu esien und Holz zuni!)rizen, das weist niemand; nicht einmal unsere Kinder — Gor! laste sie gesund und stark sein — nur mein Diann und ich wisien es. Das hast Du doch auch nicht gewußt:^ W!e. ״Erzähle nur weiter, Dina, ich will Dir dann ichon antworten". ״Als jetzt die bitter kalte Jahreszeit kam, und wir! kein Brennholz lnrtten, warst Du natürlich mein njter , Gedanke. Ich habe aber die Tckam, die falsche >Lck!am nicht überwinden können, und bin an Eurer Haustüre wieder uingekehri. Trotzdem habe ich den Gedanken mich Dir zu offcubarrn nicht ausgegrbcn, habe e» aber hinam zuschicbcn gesucht; aus Furcht ich vergebe meiner Kowev etwas. Dast das al:c» eitler Tand und Flitter ist, darüver bast Du nucki erst jetzt belehrt; oh, hätte ich srübcr mu Dir davon gesprochen!" ^ir scuizle tief aus und rühr fort: ״Lo aber hat mich nicht unsere Armut, sonder» die falsche Tchaiu und die eingebildete eitle Ebrc zur Vügnrrin und Diebin gemacht. Ich sab meinen kränklichen Mann frieren und leiden, und als ich den -Irrblick nickt langer