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Der Israelit · 1906-12-20 · 51 (20.12.1906) · p. Seite 12

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
51 (20.12.1906)
Date
1906-12-20
Page
Seite 12 (sequence 13)
Language
German
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Scitf 12. Bo. •M. in welcher Nichtnng der Lee Genegarcth gelegen ist, und wenn sie »ie imstande waren — n»d wären ihnen achtzig Fahre von Gott beschieden — ein Gebet in strengabgezirkclter Tisposition ans einander und wieder zusammenznlegen und wenn in seinen notdümigsten Elementarbegriffen selbst der litnrgische ttftsang ihnen ewig nnbekannt bleiben sollte, ist das Malheur ein gar so ge waltigcs nnd in es halbtvegL so gewaltig, wie wen» der Talmud ihnen Zeit ihres Gebens ein nnlesbares •2!£י bleibt? Fch ivill zugcben, es geht schwer, ja ist in manche» Fällen unmög lich an Lehranstalten, wie sie heute nnn einmal für jüdische Binder bestehen, einen geordnete» Gemarahuntcrricht einznrichten; aber ist es nicht empörend zu sehen, wie an einer so wichtigen nnd in ihren Folgen linbercchenbaren Tchuldisziplin, wie es der Talmud war lind wie er es »och heilte sein müßte, cinsach nichtachtend, ja mit an Berachtung streitender Gleichgiltigkeit vorbei gegangen wird und in maßgebenden Lehrerkreisen inän nicht einmal den Bersnch eines Anlaufes macht, hier '?Landcl zu schaffe»! ׳Wie ein Bliff ans heiterem Himmel snhr nenlich die Ttalistik i» diese trostlos«׳ (Gleichgultigkcit hinein, als das deutsche Fudentum die blinde trat': ungefähr 14<יא<> jüdische 5k׳!.׳.der ,vachse» in Prusten ohne Neligionsuiiterricht,;»m Teil ohne genügende Uiilerweisnng i» der Bätcrreligion ans! 1 -i יסM► jüdische Kinder ohne de» armselige» Unterricht, der den tnlmiidischen encyci! soll und in seiner Ohnmacht oft nicht einmal die äußere Form zu wahren verstellt, rvo es nicht möglich ist, an die Ursprung.Sguellen alles walirhasten Neligiviisimterrichl, an 27יזדרד־. י222י ״,<d r£ 2עיu* די־ die Fugend zu sührrn und ihr wenigstens einen wenn auch nicht den Gei», so doch Her; und Gemüt befriedigende» Ulilerrichr als schwachen Grsaff zu biete». Aber warum sollte man denn nicht das (Kauze erstreben und immer iiiir am Bruchteil basten imb war«»» zögert man in jüdischen Lehrerkreisen so lange mit Borichlägeu, wie cs cin;1tricUtcn sei, X rt ,Xcrnclit. da ff der jüdischen Fugend nicht mir ein paar > Ttücke vom (Ganzen, sondern die Thora in ihrer ganze» Aiisdehiinng die schriftliche ilnd mündliche Lehre, wieder zugänglich gemacht wird und die jüngere (Generativ», wenn die schule sie eniläfft, etwas mehr mithinausnchme als ein paar trockene Geschichtsdaten von Alerander Fannai, als Neminis.enzcn an die Gegend, Palästinas, wo der Fordan fließt r«״ T y o r a st u d 1 n in wird a n s st erbe n, wenn dem eigentlichen, wahrhaft srnchtbringenden Thoraunterricht im Nahmen der jüdischen Fligendiinterweisung in kürzester Zeit nicht ein gröfferer Play eingeräumt tverden sollte. Tas möchte ich den Lehrern nnd allen, denen die Torge für den llnterricht der jüdischen Fugend als der ossiziellen stelle über׳ antwortet ist, ,zu»! ernsten '?cachdeuken empsehlen. Wenn vor kurzem in einer Nesormzeitung ein pc simistischcr Zeitungsschreiber meinte, das deutsche Fudeiitniii müsse sich, um den schweren Auseiiidiliigen von innen und auffe» standhalten zu können und um nicht von den unersättlich!!! Woge» der Amalgiernng mit der christlichen Welt gänzl ch verschlungen zu werden, von Tsteu, lesonders von Nußland u d Polen, durch eine planvoll gelcittte und nuffbar aemachte Finmigralio» neue Taste zuführe», so wird au d e Berwirklichung dieses Borschlags nicht nur in palliativer Umsicht, ׳onderu unter dem Zwange der höchsten Not geschritten werden müsse», falls wir »us mit dem blutlosen Nc!igio»su»tcrr!cht netter begnügen werde!׳, der ganze Geschlechter in völliger Unkenntnis darüber läfft, das; die Tliora doch etwas mehr sei, als ein grammatisch korrektes Bibelüberi'cpen ohne philosophischen Gchalt und ohne Ginlührung 111 die weitlä sigen Prachtbauten des Talmuds. Fch bin überzeugt, ma» winde Wunder erleben, an vielen Kindern es staiincud wahrnelnnen, wie sie, die au der trcckenen Art des landläusizen Neligionsunter richts zu Tode gelangwcilt, de!» Lehrer und se.nen Büchern und doimr leider auch dem Lehr gegenstände keinen Geschmack abgewinnen können. 2". X I׳,;cmt׳rr 1'm, ansakiiieten, n׳enn man ihnen G,-legenheit böte, an kundiger Hand frisch und hei aut das endlose After des Talmuds hinauszusegrln, das ne mit der jauchzeiideu Fröhlichkeit jener 104Mn> Griechen begrüßen würde», die nach langer, b> schwerlich!.»׳ Wanderung in die Heimat zurück kehrten: ״Thelaira! Thalatta!" Korrespondenzen u. nachrichien. Frankfurt, II*. Tezember. Es sei au dieser Ttelle nochmals daraus ausmerkiam gemacht, das; der B u u d ge se best re» er jüd. V eh rer in den Wei: »achtssrrien die Kurse für Kantoren unter Leitung des Herrn Tbcrkantor Peffachowisch sonscht. Wie bereits mitgeteilt wurde, sind Meldungen bei dem Tchristsiihrer Herrn A. Hirsch berg, in Frankfurt a. '??!'., Uhlaudstr. 17 anzu briugcu. Zu den '?Nitleilungen über das Würzburger Lehrerseminar ist »och nachzutragen, das; dem Fahresbericht eine pädagogisch wisseuschastliche Arbeit ״Zur Methodik des naturkundlichen Unter richtes i» der Bolksschule, vo» Teminaroberlehrer Fakob Ttoll" beigeaebe»!׳> Hie vorzügliche Arbeit weiden die Leser dieser Blätter noch kennen lernen. juristischer Briefkasten. M. in ■<־>. Wenn bei ׳Ausübung des Lcb»ickne11s eine der mit Hüfeleisiungen ׳B Halten de-׳ Tieres! lc schästiglen Persvuen Vvn dem üci'iidncr verlebt wird, w tritt eine Lchadcusersabpilicht des Zchächters ein, iveim dieser cnlweder vorsätzlich gebautelt bat <>vas!a kaum irmals in Betracht kommen wird), oder sabrlässig d. b. unter Bernachlässigung der notwendigen Lorgsall bet Äusnbnng seines Amks. Fs! die Berlelzung bingegcn auf einen unglütliche» ftntall;urnckzusübrrn, obne daft em Bcrschulden des Lchächlcrs vorliegt, oder ist gar der Berletzte selbst durch eigene llnvornchligkeit zu Lchadcn gekommen, so bestellt keine rechtliche Berpflichrung für den £uü״)u1;ur reinung eines Lchadensersatzes. Feuilleton. verBaal-Zebem von ITlicbelstadt. Bon Hndäus. lf» Bachdruck verboten. ״Nein, Nabbi!" erwiderte die Frau mit einer Hesligkeit, die ihr der Nabbi nicht zugrtraut hätte. Aber cs lag in ihrem Ton nnd in ihrem ganzen Auftreten nichts weniger als ein Tckiuld bcwufftsriii. ״Nein, Nabbi!" iviederkolte sie nach einigen Tekunden kurzen Nachdenkens. ״Fch iveis;, das; ich so schuldtrei bin. wie nur eine jüdische Frau sein kann. Wen» mein Mann das Gegenteil behauptet, wenn er gar sagt, er habe meine Tchuld »nt eigenen Augen gesehen, io in er ein verdorbener Lügner und Berläum der Fst er das aber, sucht er irgend einen Borwand um mich los zu werden, was hindert ihn dann, einen Hans oder Kunz zu ffndeil, der bereit ist anszufage», was er ihm einstudierlbat? Fch will mit einem solchen Mensche» nicht mehr weiter leben, selb» wenn er wollte, Nabbi, wann kann der Get sein?" Ter Nabbi »and vor einem Nätiel. Halte er wirklich eine raffinierte Heuchlerin oder eine unglückliche Marttneriii vor sich? Tie Ghren Hastigkeit der beide.! Gatte» war ihm wir vielen Fahren bekannt. Gm Fmum, ein Mißver nändnis war nach der benimniten Aussage des Gatten ausgeschlossen. Gr muffte den Mann noch citiinal ins Berbör nchinen, denn er konnte een bftdankcn an die Tchuldlosigkeit beider nicht aus geben. ״Gttel," sagte er besänftigend, ״mit einem Get gehrs nicht so geschivind, wie Fhr meint. Ta sind noch viele Tchwicrigkciteii und Hinderniise aller Art vorher wegzuschaffenB Als die Frau den Nabbi unglücklich bei diesen Worten anblickte, fuhr derselbe in seiner treuherzigen Weise fort, die selb» dem sonst sehr ernsren Nabbi Wolt Muhr ein verstohlenes Lächeln abnötigte. ״Fch will Guch nur aut' einen einzigen Umstand ailsmerksam machen. 'Wenn die Tcheidung 1 z. B. heule oder morgen stattffndet, was soll dann mit Guern Kindern werden?" ׳״??ieine Kinder bleiben bei mir!" eiitgegnete heftig die Gefragte. ״Tasselbe wird Guer 1??׳'endel auch sagen und Fhr werdet nicht leugnen, das; er auch ein Anrecht darauf hat ״ Tie arme Frau wuszte tiei auf und der Nabbi fuhr fort: ״Gin großes Bergnügcu ist das Tcheiden nicht. Tie Tcheidung beschränkt sich nicht nur aus Mann und Frau, ne geht auch auf d.c Kinder über, ein Teil von limen kommt aus Teile des Mannes und ein anderer a»t die Teitc der Frau) seid Fhr damit einverstanden?" Tie Ge»'ragte schwieg wenige Minuten. Tan»! aber hob sie den zu Boden gesenkte» Blick und sprach: ״Tas ist harr: aber tvenii es nicht anders sein kann und ich einverstanden bin, das; wir die Kinder!eilen, daun in doch alle Tchwierigkeit beseitigt, was würde dann der Tcheidung noch im Wege stehen?״ .,Fnimer noch ein großes Hindernis;," ent-; gegnew der Nabbi. ״Fhr habt neben Kinder, die zwei ältesten, die schon verheiratet sind, kommen! hier nicht in Betracht. Gs handeit sich also um [ siiuf. Wie kann man fünf Kinder in zwei Teile . teile», das; >eder nicht mehr und nicht weniger! als der andere hat?"! ״Tazu ift^ mein Berstand zu fiu;״, erwiderte! verzagt die Frau, ״das weiß ich wirklich nicht."! ״Gs gibt auch hierfür ein Atittel" tröstete sie der Baal-Tchem, ״nur erfordert es etwas Zeit. Tie Tcheidung wird aber verschoben, bis »och ein sechstes da in, und daun kommen aus jede Teite drei,׳ oft stellte es sich dann aber auch heraus, das; gar keine Tcheidung mehr nötig in. Aber ich höre draußen Tchritte, es wird wohl Guer '??ftudel sein. Wenn Fhr nicht mit ihm zusammen sein wollt, so geht so lauge hier neben an zu meiner Frau. Tie soll Guch einen guten Kaffee machen und wenn ich Guch nötig habe, werde ich Guch rufen." XIII. ״Was sagt Fhr zu dem ganzen Handel, Nabbi Wolf?" fragte der Baal Tchcm seinen Assessor, als die Frau das Zimmer verlaffen hatte. ״Fch stehe da vor einem Nätsel, zu dem keiner meiner Tchlüffel paßt." ״Nabbi," eiitgegnete der Angeredete, ״so wenig ich auch eine Lösung des Nätsels weiß, so seid und bleibt Fhr doch in meinen Augen ein rätselhafteres Wunder, als alle Nätsel, die an Guch herantreten können. Mir ist noch so vieles dunkel und rätselhaft, was dem Nabbi klar und hell wie der lichte Tag ist, daß ich sicher bin, der Nabbi wird auch in dieses Tunkcl Lickt bringen. Fch habe noch so viel zu fragen über die Unterhaltung deS Nabbi mit Neb Tander, das; dies eigentlich eine der Ursachen ist, warum ich gerne länger hier geblieben bin, um Ausklärung und Belehrung darüber vom Nabbi zu erbitten. Aber das hat Zeit. Aftndcl Momart geht sehr ungcbcrdig draußen aus und ab. Er scheint durch seine harten Fußtritte an seine Anwesenheit eriuneru zu ivollen". Ttatt jeder Antwort erhob sich der Baal Tchem, öffnete die Türe seiner Lernstube und rief aus den Flur hinaus: ״Neb Mendel kommt 'rein und seid mauchel, daß ich Euch so lang habe warten lassen, aber es ging beim besten Willen nicht früher". ״Weiß schon" enviderte der Angeredete, indem er eintrat, ״der Nabbi Kat ״ne" vorder vernommen; und da wird sie Recht haben. Wie wäre ich ein glücklicher Maml, wenn sie wirklich

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