Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 51 (20.12.1906)
- Date
- 1906-12-20
- Page
- Seite 2 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9894055--0986-7375464- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 2. 9h. 51. Verhältniffen ein schwerer Schlag auch für die gesetzestreue Fudenheil. mögen denn die jüdischen Wähler unter objektiver und unbeirrter Prüfung der Situation »in« >ra et studio ihre Pflicht 01$ Staatsbürget erfüllen. 10 l. Aochenrunöschau. Sonntagsruhe. Schon seit längerer Zeit ist bekannt, dafi die Reichsregierung mit der in Vorbereitung befindlichen ')Novelle zur Gewerbeordnung eine Fort bildung der Sonntagsruhe-Gesetzgebung für das Handelsgewerbe zu verbinden wünscht. Während bisher durch!<».'> l» die gesetzliche Arbeitszeit auf fünf Stunden begrenzt und eine weitere Be schränkung ortsstatutarischer Festsetzung überlassen war, wird sich die Reform Wehl in der Richtung! bewegen, dafi man die gesetzlich sreigegebene Zeit der Arbeit noch weiter herabzusetzen und dadurch eine grössere Einheit lichket der Ruhezeiten im Reiche herbeizusühren sucht. Was daö au vielen Drten für die gesetzestreuen Juden bedeuten würde, bedarf keiner Erwähnung. (Yflft aber möchte man sich freuen, dafi nun, da die Materie neu in Flufi kommt, doch wenigstens Gelegenheit gegeben ist, die Wünsche der gesetzes treuen Preise erneut mit 'Wärme und Energie an den mafigebendeu Stellen zu vertreten, die diesen 'Wünschen, wenn sie den gegebenen Um ständen vernünftig Rechnung nagen, nicht a!!m!ne ablehnend gegeuübersteheu. ׳Notwendig scheint nns dabei in allererster Linie, dafi aus! der überragenden, Sein oder Richstein des Juden tums bedingenden Bedeutung deS Sabbats kein Hehl gemacht, sondern gerade diese spezifisch religiöse Seite der Sache mit dem Ernste der Ueberzeugung vertreten wird. Der bevor stehende Delegiertentag des Verbandes der Sabbat freunde gibt ja erwünschte Gelegenheit zur eingehenden Aussprache über die zu ergreifenden Mafinahmen. Die Heruiaiemer wirren. An anderer Stelle finden unsere Leser die Rachrickn, dafi die Bestätigung des Rabbi Facob Metr als Ehacham Baschi von Selten des Kon Der Israelit. 2v. Dezember 190b. stantinopeler Lberrabbinats bevorstehe. Die Kunde kommt aus Jerusalem, und dafi eine Bekräftigung aus Konstantinopel selbst bisher fehlt, läfit einigen Zweifel an der Richtigkeit der Mitteilung offen. Trotz den beunruhigenden Rebenumständen, die uns gleichzeitig berichtet werden und die sich der öffentlichen Erörterung ent ziehen, hoffen wir noch immer auf die Festigkeit und Unparteilichkeit des .Kamaikam in .Kmistn»- tinopel nnd möchten vor allem — selbst wenn Rabbi Facob Meier bestätigt werden sollte — die Rotwendigkeit der Abberufung des Aiitebi'schen Gemeindevorstandes betonen. Was die Situation so verhängnisvoll macht, ist gerade die Konzentrierung aller Macht und allen Einffusses in den Händen einer Person, Antöbis, der vermöge seiner religiösen Gesinnung nicht würdig ist, einer in ihrer Majorität echt jüdische Gemeiude zu regieren. Die Alliance israülite soll Berichte eingesordert haben und mit deren Prüfung be schästigt sein — was der neue Gewalthaber alles ins 'Werk setzen kan», bis diese offenbar sehr gründliche Prüfling beendet ist, das mag die Herren in Paris kalt laue»,- in Jerusalem selbst ist die Erbitterung über die schmachvollen Bor gänge offenbar in bedrohlichem Wachsen. Zu einem Augenblicke aber, in dem die Alliance israölite überall in Deutschland neue Freunde zu werben sucht, scheint uns der Wunsch nach rascher .Klarstellung der Dinge und »ach einer gründlichen .Korrektur des Herr» Aut«bi ganz besonders berechtigt! Herr Antübi wäre in Ferusalem eine Rull, stände nicht die mächtige Alliance Himer ihm — verantwortlich für sein ganzes Vorgehen ist mid bleibt also einzig llnd allein die Alliance, in deren Hand es liegt, einen in den Formen des Rechts vollzogenen Gewaltakt lvieder gut zu machen oder zu sanktionieren. von mendelssobn bi$ fierzl. Psvchoiogiiche Studien »ir jüdischen Geschichte. Bon Dr. Raphael Breuer in ftranffurt a. M. III. Lassalle. Wenn einem der Leser einmal das Bild dieses merkwürdigen Mannes vor die Augen koirmit, dann denke er sich die Schläsenhaare etwas länger, in geringeltem Schwünge sich tiefer Herahschlängelud, ein kleines weiches Samttäppchen auf dem Scheitel -- und der Feschiwahbachur mit allen erforderlichen phvsiognoiuischen -Merkmalen ist fertig. Und dieser so markant jüdisch anstehende Mensch hat minie Massen revolutioniert, an diesen jüdischen Lippen habeil tausend christliche Glühaugen gehangen, diese jüdische Hand hat einem zahllosen 'jtroletariat christlicher Konfession den Weg gewiesen, cuu dem es zu menschenwürdigerem Lose sortschreiten könne nnd eine Millionenpartei seien in diesen! V^' lauer Fudeujungeu deu Zweiten aue Israels Stamm, der mit dem Erlösungsgedanken aus l dem Munde die schwärzeste Rächt in einen immer j l'chtiger werdenden Tag gewandelt. Ein sprachen. dereS Gesicht hat selten ein Genius besessen, ausdringlicher kann kein fanatischer R.nionaljude seine Abstainmung aller Welt verkünden als Ferdinand Lassalle mit den echt sem rischen Zügen seines Angesichtes. Es ist, als habe die' Por> sehuna, indem sie den jüdischen Geleirbries ihm ins Antlitz schrieb, ihm Anweisung gegeben, seiner Abstainmung nnd der Psiichteu, die sie auferlegt, stets eingedenk zu sein, sich fieis präsent zu halten, dafi 'Riedergang und Rück schritt nicht nur auf dem Gebiete der sozialen Wohlfahrt ein Nebel, dafi ein im Judentum Geborener keine Entartung so zu scheuen hat, wie die Verderbnis deS jüdischen Pflichtbeivufitieins, wie den Abfall von Gott lind Seinem Gesetz, wie die Versündigung an der nationalen Volksmissioil nnd daS RückwärtSschreiten ueg von der Höhe der jüdischen Bestimmung. Ferdinand Lassalle hatte ein feines Dhr für die Seufzer der Armen, ein fühlendes Herz für die Bedürfnisse der Enterbten, eine starke Hand, die Lärmtrommel zu schlagen, mit einem Donnergeräusch sondergleichen, wie es bis dahin in dieser Stärke in der Welt nicht veriiommen worden, das Feuersignal zu geben, eine mächkige Stimme, Millionen unglücklicher Menschen aus verzweifelter Lethargie zu eineni politisch reisen Parteileben auszurütteln. Und hätte er sonst nichts erreicht, in den wenige» Fahren, die er sich zum 'Wirken und Handeln vergönnte, nichts, als dieses wilde Getös im Herzen Europas verursacht zu haben, wäre sein Leben spurlos dahingeschwullden und iväre nichts davon zurückgeblieben als ein Bischen Piilverdamps und Ungemütlichkeit, lmd hätte er mit seiner gesamten ungestümen Agitation nichts erzielt, als die Paläste sorgloser Schmarotzer etlvas erschüttert uild hohlivangigen Hüttenbelvohnern eine!nahlende Phantasmagorie in der Ferne gezeigt zu haben, Ferdinand Laffalle lebte gleichwohl fort als ein Bore des Himmels, zur Erde gesandt mit dem göttlichen Auftrag, die Gleichberechtigung aller Menschen auf Freiheit und Glückseligkeit einer vergefilichen Welt ins Gedächtnis zurückzurufen und an soziale Pstichten zii erinnern, zu deren Lösung ein Tcljerflein beizutragen, heute Könige nicht zu stolz sind. Dafi aber Gott, um diese alte Lehre aufs neue zu verkünden, zum Boten einen jüdischen Menschen sich auscru'äh!! Kleines Feuilleton, nitlnacht. ־ Wenn am nächsten Montag der Abend deraufdäinnicrn wird, tönen die WribnachtSglockcn durch dir christliche Welt. Es nnd das die einzigen Signale des chrisllichen slult*, dir auch in jüdische Häuser dringen. Denn in der Nitlnacht ruht das Studium des Gesetzes. Für ein paar Abendstunden vergegenwärtigt sich das lüdischr Bolk, wie arm es ob ne Ttiora wäre. Wie Vettelarm und bilslos, wenn >ene Anschauung un Rechte wäre, die im Ebristrntui» die Urberwindung der jüdischen G r s e tz c s lrbre stebl und nicht die fragmentarische Welt anncht einer lauiendiäbngrn lledergangszeit, die aut Um wegen — langsam, aber sicher — an den ,,un des Moriabrrgrs iübn. Darum — wenn die WeidnackrSglocken tönen — borchk Israel nachdenklich aus — legt sein Kostbarstes bei Lene und wart«, bis ne ausgrklungen. Gäbe es Gott, das! ne nicht umsonst »!der die Erde knngen. und mögen ne mu mächtigem Schall das Gewissen der Böller wecken ’ Selig nnd. die da bungcrn und dürsien nach der Gr rcchtiHken. denn ne sollen gesättigt werden. «o helfet es in der Bergpredigt. Das Recht und dir Liebe es in endlich Jen. das! aus den toten Worten lebendige Laten werden - Nicht umsonst soll der Erlöser aus Nazareth ein«,, lüdii'chen 2 choße rinstirgr» sein. Wir baden lange genug gewartet Aul korumvieri an# »»,--״ ׳u«»Ii>, Ged»»« nag>. Was nützt cs, wenn für nichtigen Zweck die nationale Edre geschützt, die nationale Wchrkrast vermehrt, der nationale Wohlstand gcsördcrt wird — wenn Millionen ungesättigt nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, wenn das Alpbaberb jeder Menschcngcfitlung, das Recht und die Liebe, noch immer gelehrt — vergeblich gelehrt werden muß. Hat man denn schon vergessen, das! der feierliche Schall der WeibnachtSglocken dem Geburtstag eines Judenkindes gilt? — In der Nitlnacht ruht das Studium der Tbora. Ausnahmsweise, nach althergebrachtem Brauch. Dieser Brauch ist ein sinniger Brauch, wenn sich die Enthaltsamkeit vom Lernen nur aus die Stunden einer — dieser Nacht erstreckt. Jedoch dieser Brauch verliert jeden vernünftigen Grund, wenn die Enthaltsamkeit von. Lernen, bereits in der vorhergebenden Nacht geübt, in der folgenden fortgesetzt werden iollie — wenn auch in den übrigen Nächten des Jahres das Studium des Gesetzes ruht. Zu den Perlen, um die uns die Bcrnachlässigung der Thora bringt, zählt auch die ünnigc Muße der Nitlnacht, Darum klingen die WeihnachtSglockrn Vorwurfsv o I Mn manches löbliche Haus. C, das! sie auch uns zur Besinnung brächten! Amerikanische Eindrücke. us einem Privalhricf eines in Amerika reisenden ,ungen Frankfurters.! Eolumbia Euv 1Ind.), 2,N November. Morgen ״'r einer von den wenigen omziellen Feierlagen, die dir . mrrikanrr außer dem wochemlichen Ruhetag haben: ״TanksgivinK’sday“, der Tag, an dem, wie es m der Konstitution heißt, bas amerikanische Bolk nach der Einbringung der Ernte Gott dafür danken soll, da!! es das ganze Jahr hindurch aller Dinge Fülle haue uns seiner Hände Werk Erfolg beschieden wurde. Geivlg cme schöne Einrichtung, die von dem tief religiösen Linn der alten Amerikaner Zeugnis ablcgt, deren Bedeutung aber im Lause der Jahre fast ganz vergessen worden ist. Rurmc alljährliche Proklamation des Präsidenten, die den zag festsetzt, sowie das bei der Feier desselben obllgatornme turkey-dinner erinnern noch daran. Immerhin ist cs eine unbestreitbare Tatsache, dal! auch heute noch das amerikanische Bolk religiöicr man, als z. B. das deutsche; (ein Bergleich ist zulässig, da iei beiden der Katholizismus in der Minorität ut.) um >o merkwürdiger ist es, daß d!e Juden hier ihre Rel>g:s noch schneller ausgebcn als drüben. Da ich nicht nur mt reichen Juden, sondern auch mit den ärmsten der Anne zlisaminenkomme — aus der Armen Gastsreundschan bin iw ja wegen des —ב״ Essens angewiesen — io habe icb 1 elegenden und benütze sie auch, in dieser Beziehung mei Studien zu machen. So fragte ich jüngst einen *!an ׳ der einen kleinen Kleiderladen bar, warum er nicht weiugue dafür sorgt, daß sein 12jährigrr Sohn hebräisch leien lern , ich bekam die unter Achselzucken gegebene Antwort. ist doch m Amerika geboren!" Diese Antwort "׳u!>n schon viele male hören, manchmal sagt der Barer auw einem gewissen Stolz: »My children are Americans'■׳ thev don’t care that.־ (Meine Kinder und Amernai ׳ sie brauchen das nicht.) Es ist wahrlich tief bctrubeinי ׳ sehen, wie wen die BorsteUung unter de» Eltern breitet ist, daß man als amerikanischer Bürger nbc Forderungen des Judentums längst hinausgcwaaiici - Es gibt keine Enl'chuldigung für Eltem, die unter russischen Knute die jüdischen Pflichten sorgfältig e habeli. d«1nn aber, nachdem ne in em freies Land getoi