Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-12-13 · 50 (13.12.1906) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
50 (13.12.1906)
Date
1906-12-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
81% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9894051--0968-7375447
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

13. Dezember 11*י•«;. einmal als Mitabc auf einer iSbnnufafeiev erlebt uitb er trug sich mit einem großen Plan. Er wollte mit aller Mvntr daraus hm wirken, das, die unwürdige, weil uiijüdische Ja!,,, des P!ohl INNS verschwinde, er wollt., wie er mir oü vor sicherte, selbst mit dem Beispiel voiangeben und leigen, das, die Heimlichkeit des Sckienkens den Psert der Wöbe bestimme. '.1Iber eine Ebannka seiet müsse trotzdem ein 'Pe1e>u1gl>ugsse>t זüv Menschen aller Stände werden, ivo '.'Irin und -lleich, Jung und Alt, Hoch und ׳.Hiedng unter den Richtern der enora sich als Binder des einzige» uralten (Vottesvolkes fühlen würden, und alle Gebens und Standesunte1sck׳.׳׳׳de wenigstens w lange ausgeboben wäre», als die Verze» des EbanukalichteS ans die?Hachkonnnen '.ll.'akkabi's" »iederlenchten. Jedenfalls beschäftigten den jungen Arzt ans das lebhafteste weitansbolende Plane, wie die gebier, die dem jefcigeii Peranstalten von jüdischen festen anbasten, ansgeinerzt werden konnten, ohne das, die Gebesrendigkeit vermindert zu werden brauche. In Hoktor Edi G. . . pulsierte und vibrierte jüdisches Jübleit, er selbst nannte sich einen Poll bliitjiibe»; auch der :'liimirg;״ einer bervor rage»den Stellung als Assistenzarzt an einem hervorragende» Institut, lies; ilm yi keiner ^eit die im Elternba»s geübten Gefetzespflichten ver gessen — er war und blieb ,'Eide im wabren Sinne des Wortes. Ha kam der Ebanuka, an dem er zum ersten male ״nach seinem eignen 21)fte11t" eine große ^•cier in seiner Paterstad:, in der er einmal dem ofse'.nlichen Peschcnliioetdeu entronnen war, ver anttalten wollte. Hein bereits gefeierten Arzt gegenüber erwiesen sich die Hamen des Pefleidniigsvereins als sehr entgegenkommend! er balle ja auch nninhaste spenden beigesteuert. Ans den fünften Ebnnukatag ivard der vssentliche Festakt festgesetzt. 'Pur an diesem Tage konnte Hoktor Edi G .... abkomnien. Es kam aber anders. Als man das dritte Ehauukalichi eben angezükidet batte, brachten die Abendblätter eine iiiederschmetternde ׳.llachricht, die einen tiefen Schatten in die stillfröbliche Stiininnng des Ebannkaabends bineinivarf! Hoktor Edi <>׳... ., der in weiten Mienen bekannte Ehirurg und all gemein beliebte Arzt, war nach kaum vierund zwanzigstündiger >irankbeit einer Plntvergistnng erlegen. Hie von dem jäb dabingeschiedeiten erst sechs» ndzivauzigjäbrigeu Arzt geplante Ebanukaseier tand nicht statt, bingegen ge ftaltete sich die bald daraus folgende Reichende- 'tattung zu einer so gewaltigen Trauertundgebnng, vötze von 4'/, in und annülitiernd dieselbe Breite. Die Seliriflzeickien und vvrzüglicki gut erhaNen. (Juden und 'Armenier.) In einein an sich recht nnere׳׳a>nen Aussatz seiner Zeitscbrisl sucht Tr. Artbur Rnppin die Analogie der geschichtlichen Entwickelung bei den Juden und den bekannten christlichen Armenlern nnckizumeisen. Tic Arnienier, die angeblich Ranen Ber> ivaiidic der Juden sein sollen, zäbleu nach zuverläsuger Schätzung beute etwa 3 Millionen Seelen, von denen über eine Million in Rußland, die übrigen m der Türkei und Berüen mobncn. T ie Arnienier haben un drillen und vierten Jnbrliunderi das Eliristcnlum angenonimen und bilde» eine eigene arniriusche Mirdic, die ne in religiöser Bezieluuig sowohl von den katholischen Bevölkerungen, als auch von ihrer inohainedanischen Uingebung scheidet. Auf Grund dieser und anderer Svinplome sindcl Ruppm solgcnde Aelmlickikeit ,,vischcn dem (beschicke und der Wesen heit der Juden cincrsrils 1111b der Arnienier anderersrus >. Beide besitzen keine politische Selbsiändigkeii! 2. Sit bilden überall eine Minderl,ei: unter anderen Staaten, 3. 2ie haben eine gcmcinsainc Sprache! l. einen gemein- ׳amen Rassen Tvpus und -'׳ eine geineinsanie Religion. Wenn Ruppm im Eingang seines Artikels dir Rcigung bekämpft, die Get'ckiickite des jüdischen Bolkes als ganz einzigartig zu betrachten, und es darum für eine bedeut- >amr Aitsgabe der Winrnschasl hält, in der (beschichte des lüdischcn Bolkes die allgcnicineu, das Böikcrleben beberr ichcndrn Regeln aus,uwe1scn, so ist das eine vom zionistlschen Standpunkt zwar begreifliche. dem religiösen Juden aber ebenso schädlich erscheinende als unwahre Tendenz 4.1t Geschichte des ,üdischen Bolkes i,'t und bleibt in der Tat trotz Ruppm rin Ainger Gottes, und der Ruppin sche Artikel ist selbst ein Beweis dafür. Seinem Blicke har 'ich die Tatsache nicht entschleiert, das, dir Armenier in ganz junger geschichtlicher Zeit eine neue Religion angr nommen haben, während Israel seit Jahrtausenden seinen alten Lffenbarungsglauben und sein ewiges Gesetz durch dle Zeiten trügt. Tri Israelit. Rr. ■*y Seite >. wie ne mir selten einem jungen Manne zil Teil yi werden pflegt, 'seb, die einzige nutzer feiner Mutter, die seine Absichten kannte, bnbe seitdem keine Ebnilnknseier niebr besucht." Es trat eine lnnge Piinfe des Scknveigens ein. Meine J-reiindiii neigte ihr seingebildetes Antlitz vor und blickte sinnend in die Häinmernng, die ihre elften Schatten in den kleinen An »in warf Ani er deiil Pendelschlag der in der Ecke befind lichen alten Standnbr n terb'.ach kein Van! die Stille. Endlich nabm die Haine des Hanfes den Jaden des Gespräches wieder ans und sagte! ״Sie scheinen ilickit aus Ihre?Hechnnng gekomme» zu fein, Herr Hoktor, Sie erkennen ininier noch nicht die Pointe! babe ich!),echt ״Hoch, verein e Iran", beeilte ich mich zu erwidern. ״Indem ich Ihre ganze Erzablung vor meinem (Reifte nochmals?Herme panieren lief;, kam mit ein sonderbarer Gedanke, dem ich jetzt gerade nachbmg." ״lind darf man wissen?״ ״Ich stellte nur vor", antwortete ich, ״wenn ich einmal als sionntee,nitglied einem solchen Peiein angeboren ivürde, fo käme es zu einer Peichenk iing, ott d,e, wie ich glaube, bisher noch »ickit ge dacht worden in, die aber sicher zu einer Ebannka seiet׳ in engster simibolischer Peziebung nebt." ״Pitte. Herr Hoklor", drängle mein vi-L-vi, mit ächt weiblicher '?lengierde. Pielleickn war es mich die gute Jüdin, die ans ibr sprach. ״Ich würde in dieiem Jolle״, begann ich von nenem, ״jedem Mnaben einen Ebannkalenchter schenken und den Mädchen ein P!!ch, das vor wiegend Erzübli.ngen. die mit unserer Jeier in Perbindnng neben, entbalten mußte " '))in einer lebhniten Pewegnng richtete nch die Haine auf und sab mich überrascht an, wes baio ich in meiner?Hede!!!nelneit. ״PJiffen Sie. Herr Hoktor", begann sie er regt, ״das, Ibr junger, verstorbener College ganz dieselbe Absicht batte? llnd das iimf; Sie doch sicher wiiiidern'" ״Es wundert mich nicht", erwiderte ich lneraus. ״Pier ׳ich mit deii! Problem beschäftigt wie um׳ das junge Geschlecht dem Jndentiini erbalten könnten, wird mit unerbittlicher Monsegnenz ans diesen Gedanken gebracht, llnd gerade in Ihrer Gegend, gnädige Iran, wo der Ab'all noch viel weiter!!!» nch gegnssen bat, als hierin Tent'ch land, mußte ein fo ivackerer Jude, wie mein ver storbener junger .Vollege es war, zu den gleichen Schlüssen konimen wie ich. Ich wohne jetzt schon seit 7 Jahren solchen Ebannkaseiern wie die von Jbnen beschriebene bei und jedesmal frage ich mich! vui llono? wem soll das nützen? Hie Minder, wenigstens zu neunzig Prozent, sehen zu .Haufe kein Ebaitnkalicht! sie hören kein Ebanuka lieb. Sie haben niemanden zubanse, der ihnen die Pedentung der Jeier erklärt, iveil die meisten Eltern davon selbst keine Ahnung haben, Zur selben Zeit aber lebt schon die bevorstehende Pöeib nachtsfeier im Munde der christlichen Sckntl kameraden. Im jndiichen Hause nichts, im chrnt lichen der Pieibnachtsbaum. Mann es uns da Pölliider uebinen, tvenn die Phantasie des jüdischen Kindes hinüber lenkt' Hie Pescherung toll hier auszer Petracht bleiben, sie könnte ebenso gut atn Purim stattnnden. Sie wird unsere Vinder nicht jüdischer, nicht religiöser, nicht für unsere Pergangenbeit empfänglicher machen. PJenn aber möglichst am ersten Ebanuka Abend schon eine solche Jeier ftattsände und jedem Vnaben ein solcher Venchter ins Halis geschickt würde, dann würde das Vind ganz sicher sich darauf freuen, auch alle folgenden Tage seine Vichter anzünden, tviedernm wäre ei» kleiner Panftein gewonnen, dem Kinde ein Pegnss mehr vom Judentum und der Poefie unserer Jene bei gebracht." .,Hiese Idee," meinte meine Jrenndin, ״ver. dient iveiteste Perbreitung, weil ne jetzt bereits von zwei jüdischen Aerzten und Pollblutjitden geäußert worden in, ohne das, beide einander gekannt haben. Ich werde beute noch in meine PaterNadt schreiben und biete Idee anregen. llttb damit ne auch realisiert wird. will ick, für meine?Heckinung zugleickt ein Hntzend Ebannkaleucktter ankanfen laneti " Jcki erhob ,nickt und sagte! 11״!» Sie nicht antzubalten, Jlne» edlen Port'atz ausznsübren, ivill ickt mich verabickneden, denn ich habe jetzt die Pointe zu Ihrer Erzählung und ivill ne einen! jüdischen Veserkreis weiter geben.״ ״Hann bitte ich um ihre Hiskretivn, Herr Hoktor", sagte die Haine, mir lachelitd die Hand mibeim. Ick, habe biete ',Mitte erfüllt. Religiöse Erziehung in Uliirrtemberg. Jorttetznng. Pi,! haben durck, diese Abschiveisung gezeigt, was wir unter ״Stainuigenteinden" verstehen, nämlich jene Horsgemeinde», welche tut Vaute des l^. Jahrhunderts gegründet, in der einen Hälfte des »eunzelmien Jabrbundeits zili Pinte ge langten, spater jedoch, von den tiinfziger Jahren und hauptsächlich von den achtziger Jahren an bis beute in imnier stärkerem Matze ihre Kinder und ihre '.lltitglieder in die Städte, in denen vormals kerne Jneen wolmten, sandten. Hes weiteren haben wir gesehen, das, in diesen Stammge nieinden zwar dnrch!Heicr!», durch Jeitgent und durch Mangel an talmndischem Hoiellenstndiiitn die Ausübung der Gebote beeinträchtigt, dennoch aber im ganzen Habitus die (^esetzestrene kräftig »ud eifng fortbeftaud. Jreilich, wer von der 26ür;burge1 (legend ins 'Böurttenibergiiche herüber kam,!»11׳ te, zilinal wenn er die Peschränktlng der Pintun. das Gebaliren und die?Hede» vieler Vebrer und?Habbiuer nntauiab, den Eindinck bekonimen, er fei in ein ״trephenes״ Vand ubergetreten, aber innerhalb der Jamilteit und der t^emeindegesellschaft herrschte, besoitders vom heutigen ^,unande aus betrachtet, eine schöne ״Jüdifchkeit", wen» auch, wie gesagt, dieselbe je mehr ne sich der Gegenwart näherte, eher einen ,,anibaarezisckien" als ,,laindonnchen" Anschnitt batte. Hiefer Jliftand in in den leider bellte so außerordentlich stark gelichteten Vandgenieinden so ziemlich geblieben, wenn auch nicht geleugnet werden kann, das, seit nngefähr 1" bis l‘> Jahren auch die Vandgenieinden etwas in?Heligiofität Nachlassen, aber die Tendenz ist dennoch durchaus konseivativ. Man beobachtet den Sabbatb, indem man fein t»e chäft treibt, man hält jeden Tag in der Tbnagoge Gottes dienn und die geschcrstsbalber Abwesenden ver richten jeden Tag ihre (fk’bete lind legen Tepbtlin, die Hausbaltungen sind streng koscher geführt und die Geschäftsleute enthalten nch, mit nur ganz wenige» Ausnahmen, auch außerhalb ihres Wohn orte», verbotener Speisen. Hie Vandbevolke rung treibt durchweg Piehhandel, und fo stark in die Uebung, am Sabbath nicht j» handeln, daß selbst die in ben Städten ansäsngen Pieh bändler, welchen der Sabbath gleichgiltig ge worden ist, fast dlirchiveg am Sabbath ihre Hand vom Geschäfte lasse». Anders verhält es sich in den Städten, größeren wie kleineren, abgesehen von 4—.'», die ebenfalls ״Stannngeineindeit" sind. Hort tvird der Sabbat und infolgedessen das gesamte positive Judentum, abgesehen von eitizelnen Jamilien, nicht mehr gehalteii. Hie tu die Stadt übergesiedelte »fette ratlvn hat zwar noch einige Kentnisse des pontiven Judentums vom Vande mit herübergebracht, beivegt sich auch noch einige Jahre in deit vom Vande her gewohitten Geleisen. Aber durch den ttivellierenden Einfluß des Stadtlebens, durch das Aufhören des Anblicks jüdischer Vebens führung, welche auf dem Horfe oder in der Stadt gemeinde, weiche zugleich ״Stammgemeinde" ist, wie gesagt, noch öffentl'd) und privat herrschte und zum gltteti Tone gehörte, durch das Zerstreut wohnen der Juden in der Stadt, ivährend ne auf dem Vande so ziemlich eng zusammwohnteu und von ihren christlichen Mitbürgen nicht allein durch religiöse sondern auch noch durch soziale

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.