Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 50 (13.12.1906)
- Date
- 1906-12-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9894051--0969-7375448- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
0י: •זאי. «titt 0. Schranken (Handelsleute — Bauern sich ab hoben, durch das Beispiel der in der Stadt vor gefundenen Religiousgesetze schon längst ab trünnigen Glaubensgenossen, durch den Ei״ffuß der die Schule oder das tKeschäst besuchenden Binder, ivelche vom Sabbat, täglichen (Gebete und jüdischer Art überhaupt keine rechte Anschauung und Borstcllung mehr haben — durch alle diese Ilmstände ivird das bei diesen Leuten aus dem Lande noch oberflächlich in Pflege und llebung gemesciie Judentum in wenigen Iahicn verflüchtigt, sodag auch die ״Zugezogencn" bald reff und unterschiedios in d.״r indisserenteir Herde aufgehci». Tiefere religiöse Bildung haben sie nie besessen, religiöse Energie und Widerstands krast ist in ihnen nicht vorhanden und so geht es ivie mit einem Bache, ivelcher durch eine S-uelle nicht gespeist und imincrsort erneuert, gar bald i!» Sande versickert und in der Hitze verdunstet. T c Binder dieser Vcutc sind natürlich dem posi tiven Judentum ohne tveikeres verloren. Welches sind nun die Ursachen für diesen Tiesstand des religiösen Gebens in der Stadt, der so tveit geht, dag auch in Gemciuden bis hundert und mehr Mitgliedern der öffentliche Gottesdienst an "Werktagen ausgehört hat außer Stuttgart und Heilbronn v Zuvörderst, dag die Tradition fehlt, ivelche, wie ivir gesehen haben, in den Stammgemeinden so günstig nachivirkt. Unter Tradition verstehe ich hier die althergebrachte immersort gesehene und befolgte Gewohnheit der öffentlichen und privaten Religionsübiing, ivelche geivifferniagen zur Ehrensache für die Gemeindrmitglieder geivorden itt. Tann und es hauptsächlich ivirt'chastlichc und soziale Ursachen, welche in der Stadl der Ausübung des Inden tums nicht förderlich und. Als die Niederlassung von ,^uden in den Städten erfolgte, ivaren es zunächst nur vereinzelte Vom.׳, ivelche Kaufmanns geichä'ic betrieben und schon ir! früher Jugend den innigen Zusammenhang mit Familie und Stainingcmeinde ivährend ihrer Vehr und Ge hilsenzeit in der fremde gelockert hatten. Als sie mm G. schön und ,Familie in der Stadt oder dem Städtchen gründeten. da standen sie allein, es fehlte ihnen der die Religiosität kräftigende und erm unter »de Uingaug mit Glau bensgenoffeu ihre religiösen .Kenntnisse, schon vorher gering, verblaßten iinmer 11, hr und mehr, religiöic Seliristen laien sie wenig oder gar nicht, Belehrung empfingen sie nicht oder wollten sie nicht cinp'anaen, und 0׳ brannte die Dackel der Religioutat nach und nach ab. Zivar kam Zuzug, allein die zu'.inimengewürselte Gesellschaft ivollte nicht so recht harmonieren, mau ffand sich mit wenig Srimpatiiie oder vielmehr fremd gegenüber Ter offizielle Zusammenschluß und die lTrgani 'ation einer Gemeinde!amen crff Verhältnis mäßig ipä zustande Bis in die siebziger und achtziger Jahre ivaren auch in der Stadt die Geschäne am Sabbat geschlossen. Ta aber kam der Uiiischivung der geschäftlichen Berhälmisse, die Konkurrenz fi» an nch zu regen. Eisenbahnen machten es der Kuudichnn möglich, leicht und bi lig ihren "Bedar׳ ausivärts zu decken, so daß man aus den indische» Kausninnn, der ort der einzige am Platze geivcsen ivar und der am Samsiag geschlossen hielt, nicht mehr angewiesen ivar. Eine neue Generation war herangeivachsen, welch.״ da> praktische Judentum nicht mehr vor sich gesehen hatte lind deren religiöser Unterricht, da die Gemeinde »och keine rechte Srgani ation besessen hakte, sehr notdürftig gewe'en war ^11 alledem herrschte gerade in der Stadt sehr stark der Geiff der Resoriiibewegung, ivelche lähmend ails alles religiöse Veben einwirktc und dem Judentum gewissermaßen die Leben und 5tvoft svcndende Seele herausgeriffeti Hane. Roch ein weiterer Umstand ivirkle und ivirkt ungünstig, /rast die einzige Lektüre der Isra cliren in der Stadt und im Städtchen bildete und bildet die ״/>ranfsurter Leitung", die ich lasse ihre sonstigen ״Borzüge voll und ganz gelten — durch den in ihr zu "Wort kommenden öden Atheismus sehr zersetzend wirkte »>ud noch ivirkt. Tie meisten der Herren Mcuiilciite haben sich daran gewöhnt, ihre ganze Anschauungsivelt aus Der Jsrarlu ihr zu beziehen und schwören nicht höher als bei ihr. Ganz vorzüglich und zutreffend ist darum jene witzige Ucbersetzung, welche ״Ehumesch" mit ״frankfurter Zeitung^ wiedergibtdenn in der Tat sehen weite Kreise in dieser Zeitung ihre Thora. So also bietet das Milieu in den Städten, ivelche neil gegründete Gemeinden besitzen, eine ziemlich trostlose Sede in religiöser Beziehung, während in den ״Stammgemeinden" sowohl auf dem Torfe als auch in der S'adt ganz hübsche Rcligiöntät angetroffen wird. I» der neuesten Zeit regt sich allerdings hie und da auch in der ^tadt jüdisches Leben, aber cs ist nicht das eigentlich religiöse Leben, sondern es sind mehr jüdisch soziale Bestrebungen. Aber auch diese seien ivillkomme», bilden sie doch auch einen Teil der' jüdischen Religion, und eS ist zu hoffen, daß cs allmählich zur »veiteren, eingehenderen Pffege des spezifisch Jüdisch Religiösen konimen ivird. fortsetzung iolgt. ׳ und ^^mPriPten. Ileutfcijcö f r anks u r t a. M., den 12. Tczembcr. Ter "B u n d gesetzestreuer jiid. Lehrer Tcutschlands setzt i > den "Weihnachtsferien die Kurse für Kantoren unter Leitung des Herrn Sberkautor Pesichowitsch fort. Meldungen niniint der Schrift sührer. H rr A Hi!schb rg, Uhlandttraßc 17, entgegen. "Berlin, de» VI. Dezember. Tas Karre spondenzblatt des Zentralbureaus für jüd. Aus ivaiiderungsangelegenheiten schreibt: Ein "Berliner "Bureau verbreitet in russischen und polnischen "Blättern die Rachricht, daß der "Bade- und Tes iuseklionszwaug für russische Ausivauderer an der preußisch russische» Grenze ausgehoben sei. Tiefe Rachricht entspricht bis jetzt nicht den Tatsachen, :!sichtig iff dagegen, daß die Schiff sahrtsgescllschasten in dankensiverter ״Weise um Aushebung des "Bade und Tesinfektionszwanges bei der preußischen Regierung eingckommen sind, und es steht zu erwa»ten daß die Aufhebung durchgesetzt ivird. Wir betonen aber, um Aus Wanderer vor "Weiiläungkeiteu zu schützen, daß dies bis jetzt noch nicht geschehe» it't. Mit dem "Weg׳all des Erfordernisses, daß russische Aus ivandcrer au der preußischen Grenze gebadet iverden und ihr Gepäck desinffziert iverden muß, tritt eine erhebliche Erleichterung des Grenzüber ganges ein, aber es fallen natürlich nicht, ivie in riissischen Zeitungen zu lesen ivar, die übrigen Turchzugserschiverungcn >veg, ivie die Bcttiiu inungen über die Schiffskarren, die Geldmittel und den Gesundheitszustand. Tie russischen Ausivandcrer müßten nach ivie vor die Stationen aussuch », um aus diese "Berhälmisse hin gcprü't zu iverden. "Berlin, 1«>. Tezemb.r. Am 16. Rovember in in Viasliville im Staate Tenesec eine aus allen Südstaaten der amerikanischen Union beschickte Tagung zu Ende gegangen, aus »vclchcr die frage, ivie europäische Einwanderer liach dem Südcu zu bringen seien, erörtert wurde, I» _"_13 Dezember löw! diese,n Teile der Bereinigten Staaten hat ßch nämlich eine umfangreiche Bewegung entwickelt. Einwanderer zur Riederlassung, besonders in den' neu ausblühendeu Industriebezirkcn, zu veran lassen. Es fehlt den Industrien dort an zuver lässigen Arbeitskräften, da der Neger ein ft'ln unsicherer Kantonist ist und eigentlich nur ar beitet, wenn er nicht mehr weiß, woher er die nächffe Mahlzeit nehmen soll. Während die Süd staaten früher geneigt waren, den Eiiuvanderer über die Achse! anzusehen, begrüßen sie ihn jetzt in der zuvorkommendsten Weiseman macht Pläne, ivie der "Bölkerstrom, der sich alljährlich nach Amerika ergießt, zum Teil wenigstens i» d:e Südstaaten lenken wäre, und man veranstalte! sogar Jette, wenn ein Ausivandererschiff anlangr. Tie Tagung traf denn auch Anstalten, eine p e r m a » e n t e K ü r p e r s ch a»t z u r f ö r d e r ung der Einiva nd eru n g nach dem S ü den zu schaffen und sie rvählte den Gouverneur von Süd Karolina, Herrn T. E. Haywood als ersten Präsidenten. In jedem Staate der ehe malige» koufödcrierten Staaten sollen besondere Eiittvanderuugs'Bureaus g׳gründet iverden, die "Bundesregierung wird ersucht iverden, bessere facilitäten für die Abfertigung von Einivaiider ungsschiffen in südlichen Häfen zu schaffe» - schließ!ich soll in Europa Propaganda für de» Südeii gemacht iverden, wobei soivolil die Erlangung verläßlicher Arbeitskräfte als auch die "Besiedelung mancher noch brachliegender Landstreckeil im Auge gehalten wird. Ter Staat Süd Karolina bat einen besonderen Einwanderungs Kommissar, Hr». E- I. Watiou, angettellt, der kürzlich aus einer Europareise ״das Land auskundsckchstete", ivie er sich allsdrückt. Er meint, man habe nur nötig, den Europamüden die "Borzüge des Südens zu schildern, um sie den nordivesrlicheu Staaten, wohin sich die Schritte der meisten lenken, ab spenttig zu machen. Herr Warson scheint bei den "Behörden keine besonderen Schwierigkeiten gefunden zu haben, er sagt, die belgische Regier uug habe sich sogar seiner Mission sehr günstig gezeigt. ("Borstchende Mitteiluugen eiltnehmeu wir der ״Korrespondenz des Studienkomilees für jüdische Ansiedelungen" in "Berlin. Dieselbe geht uns ohne jede Rameiisnuterschrist zu, sodaß ivir nicht ivisseu, aus ivelche» Persönlichkeiten sich das bis her unbekannte Studienkomitee zusannnen'etzi. Tas ״Eeutralbureau für jüdische Auswanderungs augelegenheiten" in "Ber in liegt gegenwärtig nur einer daselbst neugegründeren ״Austu»׳lssteüc" in heftiger Preßsehdwenn nun nch immer neue "Bereiniguugen dieser Art ans dem Plane erscheinen, ohne über ihre Entstehung Ausklürnng zu geben, so ivird mau sich in dem Turcheinander der ivie Pilze aus der Erde hcrvorschießend 1! Komitees und Auskunststtellen und Burcaiis ׳ür Aus.»audcrung bald nicht mehr uirechltindeu köniien. Tie Red Die israelitifdie hehrerbilöungs-Anstalt in wür?du!-g. Bon unirrem Korrespondriiten. Würzburg, im Tezembcr I'.'"''׳. Tie Israelit. Lehrerbildungsanstalt Würzburg veröffentlicht den Rechenschaftsbericht für das 1-'. Jahr ihres Bestehens ׳ IWö» יHi. Berichtcritarler ist der Anstaltsvorstand, Herr Tittrikisrabbinel Nathan Bamberger. Wir entnehmen de» Ans sührungen desselben folgendes: Tas Schuljahr begann mir einem ^ckiülcr bestand von V."> internen und 2 externen Zog lingen, darunter ueueingetretene. Zivci Zög linge erhielten Unterricht,Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behandlung unentgeltlich, 14 bezahl tcn die Beköstigung ganz, 6 teilweise. Tie Seminln bibliothck wurde d irch Schenkungen wie durch Ankauf neuer Werke, besonders aus dem Gebiert der Pädagogik, Literatur und Geschichte wesentlich vergrößert. Unter den Schenkern seien nameitt lich die frank sche Buchhandlung sowie die israelitische Kultusverwaltung in Würzburg^ hervor gehoben. Tie Lehrmittel für den phytikali'chen