Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 50 (13.12.1906)
- Date
- 1906-12-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Nr SO. Sette 4. »vähren, das über Sicchknm und Krankbeit zur 1 Heiltlilg »ükrt: 1 .א?י יעשה איהם האדם וחי בהם (üoMtätigkeit. Eine libanufn l^eschichte von 1)1־. Arthur Kahn, Berlin ״Ancki in »»sercr Stadt", erzählte mir meine Gespräckisizenossin, ״hatten junge Damen, durch eine Unlerhaltniiq angeregt, beschlossen, einen Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schul kinder zu gründen. Schon längst hatten die Lehrer und Lehrerinnen der Bolkoschnleii ivahrgenommen, daft jüdische Schulkinder viel zu mangelhaft gegen die Kälte geschützt ziini Unterricht kamen. (51! lhusiastiich nahmen die jungen Mädchen und Kranen meine Anregung ant. Ueberall regten sich Herzen und Hände, um Liebesgaben zu sammeln nnd beizustenern. Wie naheliegend, tvurde die Channka zeit zu einer entsprechenden Festlichkeit geivählt. Das Icstkomikee lud den Geirieindevorstrfiid, die Lehrer inid Direktoren der verschiedenen Schulen, überhaupt die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung hierzu ein. Ans der Mitte der beschenkten Minder waren bereits vorher einige rhetorisch begabte ausenväblt ivordcn, tvelche in schtvnngvollen Neben und Benen namens aller Beschenkten den Dank für die enviesenen Wohltaten nnssvrcche» sollte». Mir selbst war diese I-orni einer trhannka llnd Beschernngsseier nicht angenehm, sie schien mir zu ׳'ehr gegen den Geist »bd die (Grundsätze der jüdischen Wohltätigkeit, die nur geheim geübt werden toll,;״ neistoften Ick! war stets gegen dieses öftentliche Bekleidnngssett, das immer in einer Glorifizier»!^ des Wohltätigkeitsvereins gipfelte, nnd es erschien mir stets von Neuem als eine Degradierung der jungen Menschenscelen, wenn sie auf das Podium tretend, ihren Wohl tätern ׳ür etwas dankten, ivas sie auch ohne diesen verhimmelnden Dank hätten empfangen müssen. Indessen drang ich mit meinem Wnnsckic, daft man die armen Kinder in aller Stille be schenken nnd dann für "alle .Kinder ohne Unterschied des Standes eine grosse gemeinsaine Icier verannalten möge, niemals durch. So n׳ar wieder ein solches Eliannkasest ver anstaltct ivordcn. Der Prediger hatte eine schöne Rede gehalten, in der er die Seligkeit des Wohlniiis pries, den im Bordergrnnd des Saales sitzen den Damen des Komitees im י?,'amen der Hnina niial dankte nnd ihrer Hochherzigkeit hohes Loh zollte, fodaft alle Zuhörer kies ergriffen ivnrden und mit bewundernden Blicken die Worte des Redners geiviffermanen bestätigten. Um dengroszen, Der I-raeltt. hellstrahlenden (5hannkaleuchter herum standen wohl über hundert Kinder verschiedenen Alters, die, bevor der grosze Schenkungsakt begann, zu nächst ein Lied, nicht etiva ״Moaus Z so» der» einen panegtirischen .Hmnnn ans das Wohltnn > im allgemeinen und ans das Komitee lliid den Bereiit im besonderen absangen. Dann trat ein I Knabe ans der Reihe der Beschenktwerdendeit mit ׳ der obligaten Anrede hervor: ״Hochgeschätzte Uran Präsidentin! Sehr geschätzte Damen des Komitees! trendigen Herzens sind n»u° ans Ihren :Hin hierher geeilt . . Ihrer hochherzigen nnd raitlosen Bemühung verdanken hnndertdreizehn hier versammel-e Kinder diese herrliche Ieststimn! nng . . ." Allgemeine, im Steigen begriffene Rührung. Anrede eines Borstandsmilgliedes an die Kinder sich der erwiesenen Wohltaten auch ivürdig zu zeigen ... Dann die übliche Bescherung, die tatfadi sehr reichlich ansfällt. (Kauz nagelneue Anzüge, Schuhe, Strümpfe, Wäsche jeglicher Art, Mützen, Hüte, Backwerk, Sbst, selbst Näschereien in Iülle. Das alles ltt, soweit die Geschenke selbst in Betracht kommen, schön nnd gut. jedoch läuft ein kleiner, nein, ein groszer Fehler unter. Die Stoffe für sämtliche Beschenkten sind alljährlich die gleichen nnd kennzeichnen die Träger als die kleinen Almosen empsünger vom Ehannkasest her für ein ganzes Jahr." Mein vis-ä-vis schwieg nach diesen Worten eine Weile und ich glaubte die (Lhannkaerzählnng hier beendet-!׳.!!!! erhin wunderte ich mich darüber, denn meine Gewährsdame, eine hochgebildete, sehr geistvolle Iran, pffegt nicht Dnrchschnittsbcgeben beiten zu schildern, Ich srng daher ״Und die Pointe?'." ״Die sollen Sie sofort hören. Bcrzeihen Sic meine Knnstpanse. Doch, offen gestanden, fühle ich mich immer ergriffen, wenn ich an den cigent lichen Träger meiner Erzählninz denke." ״Es werden an dem diesjährigen Ehannkafest 1.'» Jahre sein, als ich wiederum in dem Ihnen geschilderten Kreise, diesmal nicht als Bo standsdame, sondern als Ehrengast derI'eier bcnvohnte. Ich war aus dem Komitee ansgcschieden, weil ich mit meinen wiederholten All trägen, mit den öffentlichen Schenkungsakten endlich zu brechen, nicht dllrchdringen konnte. Ailch diesmal waren über 100 arme Kinder versammelt. Diese grosze Zahl armer Inden kinder in einer Provinzstadt erklärt sich daraus, dasz meine engere Heimat sehr indnstriearm i!t und in mancher Beziehung, soiveit die armen Inden i» Betracht kommen, an in Galizien herrschende Zustände erinnert. Die ivohlhabenden .Kinder saszen unter den Envachsenen im Zn schanerranm nahe bei den armen Kleinen. Plötzlich vernahm ich, sitzend, neben mir ein leise ׳Schluchzen. Ich lieft meine Blicke suchend über die dicktt^/ sammengedrängte .Kinderschar schweifen nnd ein' deckte einen Knaben von etwa 12 Jahren. Er war ein bildhübscher Junge, der früher an der artigen Bcranstaltnngen nicht teilgenommcn hakte, mir aber bekannt war. Der kleine Edi G. . \ ein vorzüglicher Schüler, ein artiger Knabe und die einzige Hoffnung einer Witwe,' die nach dein Tode ihres Mannes, nachdem sie Jahre lang in angenehmen Berhältnissen gelebt halte, mntmetjr in die dürftigste Lage geraten war. Im elter lichen Hanse in Frömmigkeit erzogen, mochte der Knabe das altjüdische Timbre an dieser Feier vermisse!׳., seine Mutter war krank und bettlägerig, aber erst jetzt ahnte ich, daft die Not dort eine״ hohen Grad erreicht haben muftte, sonst ivare dieser Knabe sicher nicht unter de» Aln1o׳ei1empsängern gewesen. Wie ich ans dem P,o gramni ersah, war Edi G. . , als guter Dcklamator bekannt, dazu auserkoren, oder sagen ivir richtiger, verurteilt worden, ein vom Prediger hersafttes Lobgedicht ans die Hochherzigkeit der Bereinsdamen herznsage». Ich winkte das iveinendc Kind zu mir heran nnd erfuhr mm ans meine vorsichtig gestellten I-ragen, daft es sich schämte, hier vor aller Welt Geschenke zu empsangen. Ich überhörte dabei, daft das Programm bereits an dem Punkt angelangt war, an dem Edi als Glanzpunkt der Ieier das lobreiche Gedicht des Herrn Rabbiner, vielleicht mir rührendem Pathos, deklamieren sollte. Es war nicht unbemerkt geblieben, daft ich mich mit dem Knaben unterhalten hatte. Edi versicherte mir, das Gedicht nicht vortragen zu können, er würde sicher stocken nnd laut weinen müssen. Indem ich noch mit mir selbst zu Rare gebend über die grosze Bersainiiilnmz blickte, war der Knabe unbemerkt ans dem Saal geschlichen und nach Hanse gerannt. Der Glanzpunkt der Borträge, das schöne Dankgedichr Edis, das eine nach haltige Wirkung ans die Tränendrüsen des Publiknms ansüben, und die Damen des Komitees in der Gloriole des schönsten Edelmuts erscheine!! lassen sollte, ging verhören, llitb mir, das sah ich an den Blicken der Borstandsdamen, ivnrde die Schuld hieran beigcmessen. Ich galt in ihren Augen, das fühlte ich sofort, als die Urheberin des ״unterbrochenen!Dpsersestes". Edi W . ■ . trug in diesem Iabre keine, einer Uniforni der Armut gleichenden, weil jedermann leicht erkenn baren Winterkleider. Er ward auch an! keiner Ehannkascier mehr gesehen, trotzdem er vielleicht das ärmste unter diese» armen Kindern ivar. Aber der kleine Durchbrenner mit dem schömren Stolz, den es gibt, dem Berrelstolz, ivnrde nach kanm IO Jahren ein vortrefflicher Arzt nnd die Hoffnung der Mutter ivnrde nicht getäuscht. Der junge Arzt hatte jedoch nicht vergessen, was er beim zweiten scheu mrikte tu011 ׳ dem Gang und an der Halluua. daft es Uir nächsterRachbar xWcf Ulltetrti selber war Icke! lUhnrfi war von selir angesehener Famtlte und Hane rinn bessere Tage gesehen, er gehört zu den verschämtesten uiucr den verschämten Armen. Wie must >n dein Haute die Rot groß und bitter sein, wen» der sonn lnove Mann sich soweit vergißt! Dabei war Frau Ullreictt.?'mo, ihre!rennte Jugendfreundin. und ne Hai nie ihr Vr,d gektogt' Wie gerne hiittc ne der (>0m1lie ein Mlofiet Holz »rtdürft, wenn ne ilirfn Hölle sürrfne» müssen, dieselbe verlchen״ Was war da zu machen? Drei scheue waren aus diese Weile von ihrein Hose lider die Grenzmauer in den Hos des Rack,bars gewanden 1 dann ivar alles itill. Henulirfi verlieh ne ihren Sn, ging in den Hvlzsrfiuvven und lrug em srfnveres Srfteu narf, dem Holzstoß dann dolle üe zwei andere «diene und legle alle drei an die -Stelle des gestohlenen und legle sich zu Beit. Ader ne kvniue seinen scktlaf nnden. denn sie beschäftigte sorlivadiend oer Gedanke, wie sie ihrer neuesien Freundin Helle» tonne, ohne ne zu vrilepen. Was geschehen konnte, iiiuhle abei tvsvit gesdiehen, danul tickt diese nachllirfien Besuche »idit wiederhol,en. ,Mir lluger prakturfter Sinn ׳and hier oder gar keine,! anderen Ausweg, als die Freundin inorgen einmal zti befuckien und nrfi au׳ gut Glück zu verlaue» daft ihr im 1 echten Ptoment aurfi der rechte (Gedanke kommen u erde. Beun Frühstück deineiklr ihr Gatte heiler, der Hausmeiner liabr ihm srfwn berichtet daft vergangene Rockt keine Holzdiebe da waren Er Itade gestern die Scheue des Hvlznoftes genau^gezaIili. es fehle keines. 'h kanun?t» »uch >a wieder als Polizei Minister entlassen י' rntgegnete lachend das biedere Wrtb. ..A'ein. das morfne ich nicht״, entgegnetr der cklattr. ..denn die Diebe können auch wieder komm n. Aber >rf1 ntorfiie dock gern wüten, wie Du das rigetiilirft ansangrn "tust, unsere Holzntarder aut der Tat zu enavven.״ Es nt nirfits etnsachrr als das aber ick glaube nirfn. daft sie wieder kommeu. Sollte!, sie uns aber norft einen ' Besuch machen, so habe ich ein trefilicl.es Mittel, durrf, > welches dirDirbe sich selbst in sehr unliebsamer Weise verraten. . ,.Ist es kein polizeiliches Attttsgeheimtus, tvenn ich! Dirft bitte, mir das Mittel »tiumeileti?״ kragte halb j uerfend Rabbi Joses. \ ..Wenn Du mir versprirftst, es niemals ohne mein > Wissen nnzuwenden, so teile idi es ge rite mit", entgegn te! die kluge Iran. Als ibr dieses Bersprerften gegeben wurde, subr sie so«! ״P,'an bohrt tu die Srftene, die oben liegen und so dem Diebstahl zunächst ausgesetzt sind, einige Vöchcr, füllt sie mit Pulver, verschlieftt dann die L'rffnung wieder sorgsälng und der,emgr. bei dem morgen der H teil erplodiert, ist unser Holzdieb.״ Rabbi Joseph sah seine Iran erstaunt an. von dieser 1 Seite hatte er sie norft gar nicktt gekannt. Berwundert tragte er ..Woher hast Du dieses probate P,»trl? Dtt bist ja wirklich ein wahres Polizei t'-enie?" ״Aus das Miitel bin irft ganz von selber Versalien, als Du mich gestern zum Detektive ernannt hast. T u wetftt ,a. tvem der Himmel ent Amt giebt, dem giebt er mtck Berttand. Aber das Mittel ist ent zweischneidiges Schwelt, und deshalb mörfite irfsis nur im äuftersten sZallr anwenden. Denke Dir einmal, tvenn die Herren Diebe wie dieses mal ausbleiben und ein solches Sckril Holz verirrt »dt unter unser Bieniilivlz, wie wir da in die! wrube sielen, dir wir anderen gegraben haben'"! Bei diesen Worten trat der erste Buclibalter ins! Intimer und brachte Hie Irübpost, womit diese trauliche Unterhaltung ihr Ende hatte. nontehung solgt.) (Der Talmud üttcr di׳ drille.) Der bekannte Augenarzt Pros. Dr. I Hirt'chberg hielt jüngst einen Bortrag über die Geschichte der Erfindung der Brillen. Dr. Hirschberg konnatirrte 11. a.. daß auch im Talmud keine Angaben über Brillen Vorkommen. W>e nun Herr Cbcrnilib. I. Horo w i tz, Also »iubin seststellt, ist dicic Behauptung nirf't stirf>haltig. Im Talmuds Traktat .äelim XXX. '2, werden verschiedene Glasgeratschasten ^ui'gc zählt, unter diesen auch ein Apparat ״ - pekular".^Svcku lar ist laut Erklärung der Monttueittnrc ein Sebglas, welches eine optische Täusrfiunq hervorbringt. Maimo nides kommentiert wie solgt: ״Lpekulnr wird aus Glas. Berulium oder Edelstein verserligl, ist durrftsiclitig, wodurch man den Gegenstand nickt an der wirklichen ■stelle und nickt in derselben Grüfte erblickt, wie er wirklich ist... Aach Rasrfti handelt es sick: um den itlassp>egel^״der aurfi von unseren Frauen bennht wird". Das Work Spekttlar kommt übrigens als Mittel zur Berbrsserung der Sebkran tm Talmud norft öfter vor. iX'n«• ^elsrclief von CU»ri«,J unweit Eregli am Endpunkte der ersten Teilstrecke der Bagdadbahn in »' der l^elehrienwelt nicht unbekannt. Es ist aber norft trem gelungen, die wahrscheinlich liethiiische Inschrift unanierftt bat zu lesen. Augenblicklich ist das türkische Mu'etuu itt zionstantionopel damit beschäftigt, Ausgüsse nach cinem ai ilrl und Stelle teilweise in Anwesenheit des deut'rf!cn Asihitologen Mesferschmidt gencmmenen Gipsabdruck berzustellen. Die Arbeit wird von einem in Paris ausgeviv beten Former besorgt. Es ist anzuerkennen, da׳^ türkische Muscumsverwaltung gute Ausgüfie der auch an andere Museen gegen Erstattung der ■ vV*‘ enva ■Vk) M l abgeben will. Dieser Iweig der , der 5Ccffcntlictifeit gewidmeten Arbeit hot dank des Museums Hamdi Bei und lüngrrem, gut (jciamuii Aackwucks so grofte Fortschritte gemacht, dag "tu deutsche Museen unbedingt dem Berliner folgen kont , das schon einen Abguß bestellt hat. Die Eiftenickan Felsbildes und seiner Inschritt» noch Gegenstand wn , schastlichen Meinungsaustausches zu sein, ס^ייזי tönt Inlerene der Gelrhrtenwclt sichern Das Felsbild bat