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Der Israelit · 1906-12-13 · 50 (13.12.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
50 (13.12.1906)
Date
1906-12-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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»ettr 2. Rr M Der ^•lacllu C O L! Mocbenrunisckau. Purim am Chanuha. Der Moniteur der deutschen 'Geologie Hot seinem Leserkreis out Ehanuka eine allerliebste Purinisreude bereitet. Da aus der Berspeisung der preußischen! Orthodoxie, wie man sie mit dem seliqen Nosin'- * scheu Gesetzentwurf beabsichtigte, nichts getvorden ׳ mar, wollte die grüne Zeitung einmal die hes fischen Orthodoxen gehörig herhalten lasse!׳.. Zu diesem Zweck setzte sich der Herr Politikno in der Zerusalemerstraße in Berlin hin und schrieb einen Artikel, in ivelchem es heißt, die hessische Ne gierung habe einen Orqallisatlonsqesetzeiitwiirf sür die jüdischen (Gemeinden Hessens ausge arbeitet, ״der die eigentümlichen Berbältnissc des Landes genau berücksichtigt und eine vollständige Teilung der Zudenschatt in z,vei getrennte Landesrabb! nate, ein orthodoxes und ein reformiertes', vorsieht." Es solgen nun die euva zwei Druckspalten einnehmenden, die ״beiden Landesrabbinate^ be treffenden Artikel des Geletzentwnrfo, die den bessischcn Zuden in der Tat zlvei vollständig ge trennte Zentralbehörden, eine orthodoxe und eine! rcsormerische, geben wollen. Zum Schluß schreibt! dann die ״Allg. Ztg." ,folgendes! ״Jeder billig und odieknv Denkende wird unbedingl zugeben müssen, das! btcr allen berechtigten Wünschen 1 der CTtboboxcn b c re i tw i! l igst Rechnu n g ge- 1 tragen wird **), ja, das; ein weiteres Entgegenkommen! gar nicht mehr möglich sei. Wer aber so denkt, der kennt j nicht die beinsche!urtbodoxie!?eit der Gesetzentwurf! vrrdncntlicht wurde, bat sic ein förmliches Sturmlauscn gegen denselben bei den Behörden Negonnrn. Je!!! hat ne eine geharnischte ׳Petition gegen den Gesetzentwurf an die Zweite Kammer gerichtet, in der sie ausdrücklich erklärt, das; der selbe für ne uiiannrlmibar sei. Was folgt daraus? Einfach dir llebcrzrugung. das; mit dieser Art von Crtho doxir üdcrbaupl kein Bund zu slechien sei und das, mail selbst um den Breis des BerzicknenS aus eine Gesanit vrganlsativn ,ede Berbindung mir ihr im Interesse des Judentums selbst entschieden ablebnrn muß." Wir müssen gestehen, als wir das alles lasen, ivaren wir erst einige Augenblicke vollkommen verblüfft. Dann aber trat an die Stelle dieser Berblüffung ein herzhaftes Lachen, für das lvir der Allgemeinen Zeitung sehr zu Dank verpflichtet ' jviiv den Sperrdruck ist dir Brdaktion drS . Israelit" vrrnntwortlich. j?;׳rrrichrin k>r» ,^siaelu.' sind Die Sache ist wirklich von einer nicht alltäg lichen Kostbarkeit. Der Entwurf nämlich, den die Allg. Ztg. als von der hessischen Negierung 1 herrührend behandelt, ist nichts anderes, als eine! Arbeit des Herrn Nabbiner Lr. Meyer in j Negensburg, der gegenwärtig in seinen׳ . Blatte, der ״Laubhütte", die Negierungsvorlage in einer Artikelserie scharf kritisiert und gleichzeitig seine Gegenvorschläge veröffentlicht. Wir haben zu diesen Borschlägen bis jetzt noch! keine Stellung genommen, weil wir erst den! Abschluß der erwähnten Artikelserie abwarten! wollten. Soviel aber können wir allerdings! sagen! Hätte die hessische Negierung statt ihres eigenen, die beiden Konfessionen unter die Herrschaft eines einzigen Oberratcs zwängenden Gesetzenttvurfs den des Herrn Dr. Meyer den Landständen zugehen lassen, so lväre die scharfe Kritik. mit der die Orthodoxen fick! gegen die ihnen drohende Gefahr tatsächlich gewehrt haben, nicht angebracht geivesen. Leider aber existiert die Wesenseinheit zwischen dem Negensburger Nabbiner und der Darmftädter Negierung nur in der erregten Phantasie unserer Berliner J-reundin, und darum wird die Allg. Ztg., da sie ja selbst einsieht, daß di,rch die Borschläge des Herrn Dr. Nie per ,,allen berechtigten Wünschen der Orthodoxie Nechnung getragen wird", die hessischen Gesetzestreuen in ihren! Kampfe! gegen den jenen 'Wünschen nicht Nechnung tragenden Negiernngscntivurs hoffentlich fortan kräftig unterstützen. Das Purimspiel har aber außer der sehr spaß haften auch eine ernste Seite. Man mußte langst die publizistische Zuverlässigkeit des Blattes recht gering einichätzen. Hat es doch erst neulich ganz ahnungslos eine kurhessische Petition ans dem Großherzogrum Hessen hervor^'hcn lassen und dann Kapital für die dortige Oberratssache aus dieser Pe ition geschlagen. Angesichts der nnglaublichen Tatsache jedoch, daß die Allg. Ztg. einem so überaus wichtigen Gesetzentwurf, von dein dazu »och wiederholt in den! Blatte selbst ausführlich die Nede war, absolut uiuvissend gegen üöersteht, ja sich nicht einmal die Mühe ge nomnicn, auch nur einen Blick in diesen Entwurf ui!verfen, und dennoch sich unterfängt, über die Orthodoxen herzusallen, die ihn bekämpfen, an gesichts dessen kann man die normale Cber flächlichkeit der Zeitungsschreiber nicht mehr als zureichenden Grund gelten lassen. Der Borgang läßt sich vielmehr nur durch den blinden Aerger erklären, den die leitenden Männer der Allg. Ztg. über die Prinzipienlrene der durch traurige Erfahrungen gewitzigten Gesetzestreuen in! Herzen hegen. Uns läßt allerdings auch die Siede Hitze, welche die feindlichen Gefühle der Allg. Ztg. gegenüber der Orthodoxie angenonnnen >3 Drzember!906 haben, vollkommen kalt. Und wenn sie in 1hrfr hochgradigen Erregung die Uebcrzeugung aus spricht, daß ״mit dieser Art von Orthodoxie ״her- Haupt kein Bund zu siechten sei und ban man selbst um den Preis des Berzichtens au׳ eine Gesamtorganisation jede Berbindung mir w!m Interesse des Judentums ablehnen'muß״, er widen! wir diesen nicht mehr ganz neuen Erguß mit dem Wunsche, die Allg. Ztg möchte doch : ren Einsinß nur aus alle ihre Anhänger aelwnb machen, mu sie zu der gleichen Ileberzeugnii -ü bekehren. Nicht nur ״unsere Art von r7nho. doxie", sondern die gesamte Orthodoxie verachtet mit Bergnügen darauf, nach einer zentralbehördlich abgestempelten Jac.on selig zu werde» Kindersegen. II. Daß die Welt a n s ch a n u u g das Berhalrei, des Durchschnittsmenschen bestimme, wird zwar häufig bestritten, und es mag in der Tar im ersten Augenblick oft scheinen, als ob in den Niederungen des täglichen Lebens den großen, grundlegenden Gedanken von Gott, Weltenziveä und Menschenbcstiminung kein sehr weitreichender Einsinß zuzusprechen sei. Dieser fals i en Bor stellung leistet die Tatsache Borschub, da»; die lebendigen Wirkungen einer Weltanschainnig Generationen hindurch den Bestand dieser Welt anschaunng selbst zu überleben pflegen ׳odaß Enkel und Urenlel oft noch von den Netten religi ׳ser Stimmungen ihr Leben fristen, die von den Großvätern geschaffen!vorbei! sind, und die nur in der Großväter Weltanschauung ihre legitime Begründung sinden können Aber einmal hören diese Jeruwirkuugen denn doch auf, und dann zeigt sich, daß cs für keinen Schritt und Tritt im Leben einerlei ist, was einer über Go׳t und Weltenzweck, über Weltsubstanz und Menschen bcstiinmung für Bvrüellungen in sich trägt. Am allerwenigsten einerlei aber ist der Ekarakter dieser Borstellnngen für unsere Jrage. Die Anforderungen, die — nicht erst heute, aber heute in erhöhte!!? Maße - die Erziehung und Erhaltung zahlreicher Kinder an die sinliche, physisch.׳ und wirtschaftliche Kraft von Barer und Mutter stellt, sind so gewaltige, daß für den natürlichen Egoismus de> Menschen nicht die Ilebernahme, sondern die Ablehnung so ungeheuere! Lasten das Natürliche ist. Gesellt sich zu diesem Z-aktor nun noch der leiseste Zweifel an der Bernünstigkeil des en'igen Jortspinnens der Gencrationenreihen, erwacht die große Lebens angst, die natürliche Begleiterin jeder sfepti'chen Wellbctrachtung, und erweist sich die Betäubung eines Feuilleton. vr. Gasrer über die Bibelkritik. Bor kurzem sprach Dr. satter tu London in der Lnirrarischrn Bereinigt» g!üdischer Studenten ütur die Bibrikriiik »» '.'ich! der neuen Entdeckungen und besonders der in Egvpte» gefundenen aramäischen Papvri. E» ikizzirrtr kurz die Grschichir der Bibeikrink und die An schaumigen. die in nriirrcr Zen über dir Kompontio» des Buches der Bücher ausgesprochen worden sind. Der Brdnrr verbrrnrir »ch dann über die pbitosopinschc, tnsiorische, archäologische und liiirrarischr Lene des Gegen siandes und brmerlte. das; die Kritiker zuinindest dir Bibel von drniskldcn Slandvunki wie andere große Bücher der Weiilineralur brliandrln müstten. Dir nivdcrnen Gelehrten ignorieren hier aber vollkommen dir liltrrarischc Geschichlr anderer großer Werke, für die doch noch keiner den Nach weis bar iüinr» können, das; sie Jlickwrrk seit״. Jede große piiicraiur bar mu einem Meisterwerk begonnen. Dir epische Viilcraiur der Hindus, die hifiorischrn Gedickuc Aniiriens. dir Ilias und iudvi'er drS!׳oiner. oder, um der Grgeiiwarl näher zu kommen, der Koran. über dessen Geschichte niemals ein Zweifel besiand. oder, wenn wir noch weaer geben, kanics;Nttilichr ttomödir .׳c. .׳c.. alle diese waren die Arbeit eines;»!risirs und dir klaiiischslcn Br.dukie der brirrnenSrn Bälker. Dir Arguincnir, die sür den kompilalori'chen slxrrakirr der Bibel bcigrbrachi werden, widersprechen eines dem anderen und ivenn von einer Vimmfmafcit um er den ttririkerii dir Bede sein kann, io isi es nur oie. das; sie alle von der Borausiepung auSgeben dan die Bibel das Werk von!»ompiiarorrn sei. Alle ihre Beinübungen kabcn nun das Ziel, die ursprünglichcn Dokunicutc zu enldeckcn, aus denen die Bibel zusaininengesiellr wurde. Aber die Tbeorirn, die hierbei ausgesirllt werden, und samt und sonders Hvpoihesen ohne icdeii Beweis, wahrend aus der anderen ^eur jede Ent deckung, dir geinachi wird, ebcnsoviele Beweise sür die Auibenlizitäl der Bibel lieferte. Borgänge, die nur ganz nebenher in dm heiligen Tchriiten erwähnt werden, sind als absolut genau u»b!ichiig besiätigt worden Die Be bauptung, dag zu Moses Zeiten noch leine Lchritt vor- Händen gewesen sei, ivurde durch die berübinlen Teil el- Amarna Taseln. die von Zeitgenossen Abrahams in Palästina geschriebene Briese enthalten, rndgilüg widerlegt. Und der jüngst »1 Egnpten gemachte Jund, der von N. Mond der!^essrnilichkcit zugänglich gemacht worden ist. Hai nunmehr die absolute Echibeit der von den Büchern Esra und Arhrmia geacbcnen ossiziellen aramäischen * rrichle nachgewiesrn Weitere Jundr werden zweisrllos die Eenauigkeit der biblischen Miiteilungen 1» innner grosrerrin Umsang scsisicllen. und die Bibelkritik wird schlirsilich nichts mehr sein als ein merkw idlgcs Denkmal unnüv verschwendeten Lcharinnns. Ein Bcrdirnsi bat allerdings dir Bibelkritik. Lic war die Ursache, das; der heiligen Schrift erneute Ausmerlsamkrit zugrwendcl wurde, und durch dir von ihr veranlasuen Forschungen Hai ne dazu beigclragrn. das: die Jnierpretaiion der Bibel Irichier und unttas'rnder wurde. Edelsteine. Eine (»cschichte auS Nusrland. I. Ich erinnere mich noch ganz gut, obwohl ieadem eungc und drelsng Jadre dahin gegangen sind,׳ wie Prosrnor Harms in leinen vbilosoplschen Borlrsungen an der Berliner Universität einmal die Behaupiung aussicllte: Es iri ganz gleich, ob inair ein ttiut wirklich bcnizt, oder ob man a'aubt. cS zu besihcn! der Glaube an den Bcnv sei genau iovicl wert als der Besitz selbst. Wenn ich also glaube,!»inderi Taler zu besitzen, so ist daS genau so viel wer!, als >>k wirklich zu besitzen. Er belegte diese scheinbar paradoxe Ansicht durch >ol genden Beweis! Ein!unger Aiann Hane tnin^rri ^alcr geschenkt bekommen. Er steckt seine Hunden Taler >>0«!orgsam in die Brieitaschc, geht ins nächste H 1e> niien Banges und will sich auf lürund seines Wohlstandes cm fürstliches Wahl leisten. Er delektiert sich an Aiviern, Trüsseln und Ehampagner und bekommt dann eine Becv nung von zehn Talern vorgrlcgt. Stolz will er ׳eine öfote zum Wechseln präsentieren, aber rr kann seine 4 r e' lasche nicht findener Hai sie verloren, oder fte i!t gestohlen worden. Schon bevor er dr» Jus; über dir chioelle des Speisesaals gesetzt batte, muhtc ihm ea>. Geld abhanden gekomiuen sein - aber er glaubte rS;u haben. Dieser Glaube bat ihm ein lukullisches Wah getragen, das nicht reichlicher gewesen wäre, wen״ cr hundert Taler wirklich gehabt hätte Daß er nachire!w in einer wenig beneidenswerten Position sich dem^. m kcllncr gegenüber befindet und alle unliebsamen?v ׳A_cn׳ die dieselbe nach nch ziehen kann, über sich ergcben^ ."k muß, rührt nicht davon her, das; er die hundert rmr - sondern daß rr den Glauben an ihren Besitz verloren^na - Den» rr batte sie;a schon verloren, rbe er!td! 1 nirdrrsrtztr. Dieser Berlyst hatte aber seinen >>r>״. nicht gesiöildie Slvrung seines Wohldebaarns trat c mit dem Berliist des Glaubens an seinen Bentz ein Schon seit damals wollte ich den Herrn Proieiur au! dir folgende Geschichte ausmerksam machen, die auw e> > tristigrn rt eweis sür seine These liefert und dazu manches vor feinem Beispiel voraus hat. Erftens ׳''ז ' wahr ist, während sein!unger Mann nnt den du

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