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Der Israelit · 1906-12-06 · 49 (6.12.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
49 (6.12.1906)
Date
1906-12-06
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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6. Dezember inrfi einer ollbefriedigenden Erziebungsm erb ode die Erziehung selbst in ihm־ lebendigen Wirkung ganz erbeblich beeinträchtigt bat und an dem nach ausierjüdisckiem Muster sür jüdische Schulen zurechtgeflntzten ilnterrichtsslfflein Spuren einer immer mehr zunehmenden Verknöcherung deutlich wahrzunehmen sind Bon den Gegenständen deS speziell jüdischen Unterrichts, wie er an den Gymnasien, Neol'chnlei. und Elementarschulen von hierzu mehr oder wmigcr befähigten Lehrern erteilt wird, soll im einzelnen nicht die Nede sein. Hier mag vorläufig der falsche Stund- Punkt gekennzeichnet werde», von ivelchem aus vielfach an die Erziehung der jüdischen fugend herangetreten wird und an dessen Nichtigkeit inan erst dann im schivachen Anfung zu ztveiseln beginnt, wenn die ersehnten Nesnltu e aus geblieben sind iliid man in dem bitteren Bewusit sein, einen falschen ג״?ייו zurückgelegt zu habeir, unter dem peinlichen Truck einer verzehrenden Gewissensqual sich satt verziveiielud an den Kop greift. Was will man denn, lvas beziveckc man denn bei einer Jugenderziehung'? Mau braucht zur Beantwortung dieser grundlegenden Z-ruge nicht gleich mit dem ganzen schrverfälligeu Apparat einer pädagogi'chen Terminologie anzurücken und kann einfach sagen -- und unsere Bäter und Mülrer in srühcrer Zeit bät en auch nicht anders gesagt — dasi malt doch die Binder nicht ivie kleine Tiere ivild heranwachsen lassen dürfe. Wenn man die dickleibigen Erzichnngsbücher auf ihren wesentlichen Inhalt reduziert, so läuft alles, n׳us dort umständlich gesagt wird, auf diesen voit uns bezcichneten Zweck jeder Jugenderziehung hinaus. Wir werden als Bienschcn geboren, als Menschen sollen wir uns weiter emivickeln und nach eiitcin menschlich verbrachten Leben sterben. Ein junges Geschlecht sür solch wahres, auf richtiges Menschenleben tüchtig zu machen, dazu haben sich unsere Eltern verheiratet, dazu hat uns die Mutter geboren und dazu vor allem verdient der Barer die Bettreitnngsmitrel sür den Haushalt. Ein tüchtig s, nützliches, uns und die andern beglückendes Leben zu führ.«, vermöchten ivir nicht, wenn man uns die Aus bildung unseres Geistes, die Gesunderhaltung unseres Körpers, nnietem eigenen kindlichen Er׳ messen überliesie und mit der Einrichtung eines solch unhaltbaren Urwaldzustandes den Bestand der Wefl, der Einzelnen und der Gescll'chart, einer ottenen Willkür überantwortete. Tumit aber die wichtigste Boraussepnng des geiellschast lichen Heiles erfüllt iverdc, ist es vor allem nötig, dasi di׳ Binder srnhzeilig mit einem a wissen Quantum von Wissen, Erfahrungen und svertigkeiten ausgestattet rvcrden, aus dasi sie, ivenn die Ansor^ernngen des Lebens an sie herantreten, wissen, wobin sie mit ihren Häiiden und Züsien soll n. Ich hoüe nicht lächerlich zu erscheinen, rvenn ich die obigeil Sähe als den wichtigsten Ertrakt aller vernünsligen Erziehungsmethoden zu be zeichnen!vage. Man gibt sich heute oft den An schein, als ob man Tinge, die jeder versteht >lnd verstehen musi, ivenn man sie ihm nur, jeder überflüssigen Phrase entkleidet, einleuchtend zur Ueberlegung vorsetzt, erst mit gelehrten Zutateil umgeben müsite, ehe man sie besprechen dürste, als ob nur solche lleberlegungen, nur solche Borschlüge und Urteile sich ans Publikum heran wagen dürsten, die in sich die Gewähr einer staatlich abgestempelten Nichtigkeit tragen, als ob das Wort der Thora von der höchsten Wissen schast, die im.kreise der Menschen anzutreffen ifl: לא nicht auch für diejenigen Wiffenschäfte» gelten könnte, die an innerem Wert doch eigentlich um einige Stufe» tiefer flehen als sie. Was aber für andere wissenschaftliche Tisziplinen vielleicht noch den Schein einer Berechtigung trägt, ifl aus Pädagogik, aus die Kunst der Zngenderziehung angewandt, jeder sinnvollen Berechtigung bar. Auf diesem Gebiete, in dieser Wissenschaft »viderspricht jeder Berfuch, Pallas Athene den Panzer esoterischer Berichlossendeit anzulegen, der Natur. Wenn das Gros der Eltern — doch Laien in pädagogischer Hinsicht — Der JSraelir. sich auf das Werk der Erziehung nicht verständen, nicht ivüsitc», was ihren Kindern zu ihrer sittlichen und, was damit Hand in Hand geht, geistigen Ausbildung nottut, wenn sie aus Mangel an pädagogischen Borkenntniffen daraus verzichten müsiten, bei der Bernisivahl ihrer Kinder ein bescheidenes Wort mitznrcden und in pädagogischen Zragen, welche Schnlsorm, ivelchc Strasmcthode der Zndividualität ihrer Svrösilingc am meisten ,״sage״, auch ihrerseits ein sachverständiges Urteil abzugebcn, tvarum hat es dann der Himmel io unvernünskig eingerichtet, die Kinder unter die Zuchtrute pädagogisch ungebildeter Laieneltern zu ttcllen und ivarun« lverden dann vernunftgcmäsi die Kinder nicht lieber gleich von ihren zu küniligen Schulmeistern geboren? R Schlnsi folgt. 'Anmerkung der?ck׳rlft!r!tung Boriieheiidc» A»nkel wird nacti 1'einci» '.Ibidiluü i. Ci. to., in diesen Blättern eine Erwiderung nnden. €in deutsches Lesebuch für jüdische Schulen. Bon <י. :)icutt Haiiptlehrer in Auricb Tie jüdische Lehrerschaft im deutschen Ne ich fühlt seit Zähren das Bedürfnis, sür die jüdischen Bolksschulen ein eigenes Lesebuch zu schaffen; Beweis dasür die Tatsache, dasi in vielen Bereiiren besondere Konnnissionen behufs Ausarbeitung eines solchen bestehen. (Bergleiche auch den Artikel des Herrn Kollegen Späh in Neringen in Nr. 44 der Blätter für Erziehung und llnter richt׳. Temgegeuüber möchte ich darauf hin weisen, dasi >vir in Hannover feit l'.nx» bezugs-!veise ein ״Lesebuch für Bürgerschulen" sür jüdische Schulen, bearbeitet von Lcvv in Norden, Neusi in Aurich und Spanier in Stolzenau in zwei Teilen Mittel und Qberflufe und Z-ibel besitzen. TaS Lesewerk ist vom Minister ge nchmigt ltnd in ganz Hannover, ferner in vielen Schulen Posens. Westfalens und Nbeinlands eingeführt. TaS Biich ifl aber keine blosie llmar beitung, sondern eigens sür jüdische Schuleil ge schaffen. Es hat sich in prakmcher, sechsjähriger Schularbeit bewährt lind wurde vielfach gelobt. Ta cs aber vor Einführung der nelien Schreib weise verfasit und gedruckt wurde, bedarf es einer neuen Auflage, und diese bietet willkommenen Anlasi, das Buch so auszustatten, dasi cS für alle jüdischen Schulen des deilticheii Neiches geeignet ifl, wie es ja schon jetzt in den verschiedensten Provinzen Preusieus gebraucht nnrd. Ein neue> Lesebuch zu verfasse», ifl eine kostspielige, schwere Arbeit für mehrere Zahre; für ein jüdisches Lesebuch die minifleriellc Gcnehuiigllug zu erlangen »ud eineit ivilligen Berlegcr zu nnden, der für die verhältnismäsiig weiligetl Schulen mit geringer Besuchs,ziffer sich eine Ausgabe von Tausenden von Mark aitferlegt, ist noch viel schiverer. Tas!v.rden alle bisherigen Lesebuch kouimissionen in Hanilover, Westfalen lind Schlesien bestätigen müsieu. Teshalb sollten alle Zreunde der jüdischen Bolksichnle sich ans ein bereits ge nehmigtes und bewährtes Lefebuch einigen und durch eifrige, selbflloie Niitarbeit es zu einent allgemein deutschen zu machen suchen. Zch unterschreibe in allem anderen die Ur teile des Kollegen Spatz in dem oben erwähnten Artikel, dasi unser Lesebuch ganz in seinein Sinne nach ästhetischen und ethischen Nücksichten abge fasit ifl. Boi» Minister ivurde sogar verlangt, dasi in einer Neuauflage der Nealicnfloff er weitert ivcrde. Zch denke mir nun, dasi der Hauptteil einer jeden Stufe für alle Schulen gemeinsam sei, dasi aber jede Provinz und jedes Land die heimatlichen Znteressen durch einen verschieden gefärbten Anhang wahre. Tas Lefewerk ist bei der Hahn'schen Buch- Handlung in Hannover verlegt. Tie beteiligten Lehrervereine sollten sich daS Buch kommen lassen, prüfen und beurteilen. Ta die Zeit drängt — nach Cftem 1!*0h darf es in der alten Schreibung nicht mehr gebraucht tverden sollten die von ihren Bereinen beauftragten Mitarbeiter sich mit einem der genannte!׳. Berfaffer in Berdindung Nr. UV Seite II. setzen, damit durch vereinte Kraft etwas Gute» für die jüdischen Schulen geschaffen werde." Korrespondenzen u. Nachrichten. Berlin, den Ll. November I'.hm». Tic Bereiniqnn g jüdischer N e l i g i o n S l e h r e r ׳Berlins hörte in ihren beiden letzten Sitzungen T Kober und November) zwei anregende Bor träge des Herrn Tozenlen Tr. Z. Wohlgemnth über das!Heina ״Tie Ethik in, jüdischen Neligionsnnterricht". Er versieht unter jüdischer Ethik dasjenige, n׳aS in der Likteratnr der Sifre Mufsor enthalte» ist, nicht allein das Speziell Ethische.sondern auch was zurBerinnerlichung der Neligiou und ihrer (besetze gehört. Tiefes fei aber nicht in besonderen Stunden» sondern ini Anschlusi an den Bibelunterricht zu lehren. Tcm Stande der Schule und der Schüler entsprechend, müsite ein Lehrplan ansgearbeitct »׳erden, der in all mählich aufsteigender Stufe im Anschlusi;»»erst an den Pentateuch, später an die übrigen biblischen Schriften, zuletzt au die Litteraturgeschichte die ethischen Grundsätze behandelt. Tabei sei f'estzuhalten, dasi nur ein Unterricht im Urtert die Möglichkeit biete, das volle BerfläudniS der Ethik erschlicsien zu können. Ter Nedner gibt eine Zülle von Beispielen, >vie er sich seine Theorien praktisch durchführbar denkt. Er zeigt dieses au einigen Kapiteln deS Pentateuch, be sonders Leviticus l'4, ferner an einigen Psalmen und schliesilicki!1» zahlreichen, a!!S de!» ganzen Buche Mischle zusammengeflcllten Bcrsen, die es ermöglichen, das ganze grosie «Gebiet der jüdischen Ethik im Anschlüsse an die Lektüre dieses Buches zu bewältigen. Ter in hohem Grade eindrucksvolle Bortrag, insbesondere die stoffliche Einteilung der Sprüche Saiomo's soll aus den einmütigen Witnsch der Bersammlnng demnächst im Truck erscheinen. Zn der nächsten Sitzung («'». Te.zemvrt ivirb Herr B. Nlay über ״die Berwrtnng von Hoffinann's Levitieus (L. T«׳il׳ für NeligionSschnIen" sprechen. Tie Sitzungen, die im Neflaitrant Simon, Gipsflrasie lLn, flattüudeu, sind öffentlich lind Gäste in ihnen stets willkommen. Äilgeudscbristen. jüdisches Tztuk. Erzählungen von Michael 2 inner Druck und Merlan van Zakob B Brandeis, Prag?Niger besitzt nicht die i^rslaltungskrast eines Franzos, oder auch nur die eines Herzberg,,ranket, aber er weist emen Borzug aut, der die Mangel seiner?chreib ,veise mehr als auivebt er liebt das jüdische Bolk auch in seinen Tie'en. ״>)ch benrebe mich,׳ sv sank er m der Borrrdr," ein naturgetreues Bild gerade jener Juden zu enlwerien die nian gewatlsain hinabdrückl in den MviuN der ״,eseUichail, die inan wie eine düse Krankheit ineldek, deren Nennung oder flüchtiger Anblick tiinreicben, geradezu Ekel zu erregen in jenen, denen das ,Innen leben, die Denkweise dieser ,zuden voUkommen fremd sind. ,)ch versuche, de» Beweis zu erbringen, dan dieses virlgelasterte, leidenreiche Bott und setbü der petzte dieses Bottes trotz!einer so arg verschrieenen ,Fehler und Mangel doch Borzüge besitzt, die wie?lerne durch das Dunkel der Nacht leuchten, Borzüge an deren?lärke selbst die vergifteten Bieile des Hohns und des?pott» wirkungslos adprallen". ״Es koinme, wer meine Be gleitung nn vorliegenden Buche annnnint, zur verachteten jüdischen ,zäunte und betrachte das erauickende Bild jüdischen Hanntienlebens. Er beobachte den jüdischen Barer, der nur eine?vrge kennt, die?orge uni seine Angehörigen i er lerne das jüdische Weib bewundern und beuge sich vor der sühen!Gewalt des weiblichen Herzens und er erquicke sich an dem Anblick der zarten Bande, welche die jüdischen Vteschlviner umspannen."?inger ist, wie man sieht, auch nicht frei von Tendenz, aber ne wirkt in den ׳! kurzen Erzählungen, die das vorliegende Büchlein enthalt: der ttummijude, Am Vlolde hangt, Der bucklige schmul, Ter Lchutzengel, Benjamin, Kau» jslindhölzchen, doch nicht aufdringlich und wenn das religiöse Moment auch ein wenig zurücktrilt — er will uns >a vor ollem den Mensche» in dem Juden schildern, so kann man das Büchlein doch al» fugend lektüre empfehlen. Noch viel empfehlenswerter aber ist ein VZrundsatz, den der Bersasler auch in seiner Borrede ausspricht: ״Wer seinen Mitmenschen verbessern will, muh ihn vor allem in sein Herz einschliehen, müh ihn lieben." Da» mögen besonders die jüdischen Tchnstsl^ltrr beherugen, die da» Leben unserer oit europäischen Brüder schildern: wir vermissen bei ihnen sehr häufig nicht nur da» Bersrändni» sür ihre Eigenheiten, sondern auch d,e Vtrbe.

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