Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 49 (6.12.1906)
- Date
- 1906-12-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Israelit. Nr. 49. Seite 4. fahren durch den Tod entriffen. Das trat deu ׳ starken Mann dis ins Mark,׳ das ivar der erste; furchtbare Schlag, der diese mächtige Eiche wanken 1 machte. Dazu kamen unendliche körperliche beiden.! Iber wie sein Batet trotz eines von fugend ans siechen Körpers durch die unbezwinglichc Macht des (Geistes ein herrliches Lebens,verk zustande brachte, so achtete auch er der Schmerzen des! Gemüts und des Leibes nicht und mit der Stärke! des Willens zivang er die gcichivächten Kräfte in j den Dienst seiner heiligen Anfqabe, dis er unter ן der schweren Vnft zusamniendrach. Schon seit . fahren ivar er nicht mehr im Stande, seiner! Lehrtätigkeit odznliegen Er suchte Heilung bald hier, bald dort, und im Sommer dieses Wahres »vaudte er sich nach Frankfurt a. M., in der Hoffnung, hier eine Minderung seiner beiden zu sinden. Gott hatte es anders beschlossen. In dem Drte, ivo der Großvater, der ׳״Etc ההם, ge boren ivard und die ersten fiiqendjahre verlebte, um dann hlnausznziehen lind von Prcsiburg aus die Thora in Israel zu verbreiten, dort hat der! Enkel seine Lebenszeit vollendet.! Die Führer seiner Krhilla eilten alsbald aus der ferne herbei, um ihrem רב de» letzten Ehren, dienst zu errveisen. Im Montag nachmittag um 3' 4 Uhr hielt alsdann ans dem בי״. החיים der frankfurter Neligionsgesellschaft, ivo die irdischen Reste R. S. B Schreibers ausgcbahrt ivaren,! Herr Rabbiner Di. Breuer vor einer zahl reichen trauernden Gemeinde ein ergreifendes הםבד, m welchem er die Vichtgestalt des ver stvrbrnen führrrS und Meisters zeichnete und die Größe des Berlnstes schilderte, deu die Zer streuten fsraels erlitten haben. Der Redner, der s. feit als Schüler der Presiburger fesch!bah der l^enoffe des Berstoibenen geweseu war, gab seinem tiefen Schmerz um diesen Beilnst er greifenden Iusdrlick. Wir können hier nur die Umrisse dieses הב£ד widergebeu. Tag nud 'Racklt, so iulnle der Redner aus, habe der Entschlafene mit dem Studium der Thora verbracht. Er be herrschte dieses grenzenlose Gebiet mit eincin durchgreifenden, alle Schrvicrigkcitcn uberivälligeuden Scharfsinn, der stets den ״Weg der ׳Wahr! heit" ging und sich nicht in Spitznndigkeiren >n>d Klügeleien verlor. Er hat aus der vor einem; fahrhundert von seinem Großvater begründeten feschibab Tausende und Ibertailsende Talmud jünger heraugebildet. unter ihnen eine stattliche Anzahl Rabbiner, deren einige als Korpphäen der Tboraiviffenschast angesehen iverden. Wegen ׳einer klaren Denkweise, seines großen Wissens, seines Scelenadcls, seiner bezaubernden Vicbcns Würdigkeit und getvinnendcn Herzensgüte und seiner nngenieine» Bescheidenheit ivar er allge j mein als ein ^׳ל הד׳-^ ane kannt. ׳׳El היואה , הירד. שגקיע חייב דקי־וע יטיזי קריעיה על הבהב ועל הגייל• Wer sieht, wie eine בבי הירה zerriffeil^wird, hat zwei קריעיה zu reisten, eine wegen der Schrift und eine wegen deS Pergamentes. Der Preß burger Gemeinde ist das traurige Ereignis mit. eteilt worden, die große Welt wird es noch erfahren, tvir aber h'ben mit unseren eigenen Augen gesehen, wie diese ס£י הייה zerrissen wurde, wir h ben doppelt zu weinen un z»l k agen עד הבהב ivegen der Thoragelel.rsamke t, die mit dem Meister entschwunden und wegen der hohen und reinen Per sönlichkeit, die der Träger dieser Gelehrsamkeit ivar Allzufrüh giinz er von hinnen, der noch soviel hätte schaffen und wiiken können, iverwi,d nicht zugiben, daß die t^röße eines solchen BeUnstes geahnt, empfunden, aber nicht durch 'Worte ansgedrückt werden kann? Ein Trost bleibt uns, er hinterlästr einen Sohn, der seiner windig ist und in den er seine Hoffnung und seinen Stolz ge etzt. Rach diesem הE!הב fand die Uebersührnng von dem ביה עודם nach dem Bahnhof statt, an der trotz des strömenden Regens die meisten der Anivesenden sich beteiligten. fn der frühe des anderen Morgens reisten die Bertreter der Preßburger קהלה mit dem, was sterblich ivar an ihrem Rabbiner, ,nach der Heimat ab, >vo am Mittwoch die לדה statt»ndet. Die ganze gesetzeS treue fudenhert Ungarns und der benachbarten Länder werden dorthin ihre Bertreter entsenden, Rabbi S. B. Schreibe,^״׳: dcn letzten Tribut ' der Berehrnng zu erweisen. Religiöse Erziehung in MmemhergB I. für die religiöse Erziehung, ivie überhaupt für die gesamte Erziehung sind drei fak.vren maßgebend, die familie, die Schule und die Ge sellichait. Demgemäß werden wir wer die Be schaffenhcit dieser drei und deren Einffust mir den Heranwachsenden Blenscheu zu sprechen haben. Als denjenigen faktor, welcher für die religiöse Erziehung von größter 'Wick tigkeit ist, müssen ,vir die familie bezeichnen, i» zweiter Vinte kommt das gesellschaftliche Milien, in welchem sowohl die familie als besonders der junge Mensch sich bc »ndet, nnd erst m driuer Vinie kommt die Schule in Betracht. Unter Schule soll nicht nur die all gemeine nnd die Religionsschule, sondern nmi, die * Tnu vorstehenden Shttfcl geben um wegen des dann beim beiteten wertvollen Talsachenmalerials liier :tinuin, obnr uns jedoch »ul de» Anschauungen des Brr saffcrs in allen Einzel beiten zu mdenlinzieren. Tie Red. . 6. Dezember ISO« Kanzel und der Gottesdienst verstanden sein. Es »mrd zwar hier und dort Widerspruch dagegen rege werden, daß ich der Schule unter jenen' drei faktoreu deu geringsten Einfluß zuerkenne, allein ich bin durch meine Erfahrung zu dieser Bc- Häuptling gelaugt. Gerade unser Heimatländchrn zeigt die Wahrheit deii'elben. Seit den dreißiger fahren des vorigen Jahrhunderts, also über 7 Jahrzehnte oder 27־» Menschenalter steht der bei weitem größte Teil der jüdischen Bevölkerung unter Rabbinern, betondets aber Lehrern, welche in den Anschauungen der sogenannten Retorni erzogen worden sind und demgemäße Wirksamkeit entfalteten, und dennoch hat jrch die Gcsctzcstrcuc in den ursprünglichen Ttammgemeinden bis auf den heutigen Tag erhalten. Und erst von der heutigen und zwar jüngeren Generation beginnt ein Teil oder hat ein Teil begonnen, die Grundlagen der Gesetzestrene, nämlich Sabbat, Speise- und Ehereinheitsgesctze abzuwerfen, lind dies selbst nur in den Städten, nicht aber auf dem Lande in den Stammgemeinden, freilich auch in den Stammgemeindcn sucht man — von wenigen Ausnahmen, hauptsächlich in dcn fränkischen Kreisen abgesehen — seit dem Hingange dir Urgroßväter lichen Generation vergebens nach der ganz geuauen und unverkürzten Ausführung der Gebote, tvie sie in den Ritnaleodexen verlangt wird (דקדוקי טצות . Diese Genauigkeit in de, Ausübung der Gebote den Leuten abzugewöhnen, hat allerdings die Resormbewegung nnd der Einfluß der immer mehr voll der Rel'giosirät abbröckelnden Zeit zustande gebracht. Der Grund h erfür hat m. E. dariiii^ gelegen, daß das Studium der tal- ״indischen Schriften schon von Alters her im großen Ganz n — wieder von wenigen Aus nahmen abgesehen — 11, Schwaben wenig oder fast gar nicht gepflegt worden ist, nnd den sch,vachen Ansätzen, die da und dort bestanden, hat die Resormbewegung gründlich den Garaus gemacht. Man denke nur z. B. an Hechiugen, welches ehemals ein blühendes Beth hamidrasch besaß, das von weitem Umkreise her Schüler nnd Zöglinge hcranlockie - auch der Romanschriftsteller Berthold Aue. buch wnrde als Barmizwo-fnnge von seinem Baker dort hin gebracht — heute aber ist Hechingcn eine Ge meinde,welche religiös sehr weit links steht. Eine der Ursachen dafür, daß das Thorastndinin so ,venig gepflegt wurde, muß darin gesucht iverden, daß die Gemeinden, welche ich Stammgemeinden nenne, verhältnismäßig klein waren und dazu noch in Dörfern sich befanden, die von Stadtgemeinden außerordentlich weit oblagen, aber auch von einander z. T. recht weit entfernt waren. f»> ursprünglichen -Herzogtum Württemberg nnd in den Reichsstädten durften seit Ende des 15. fahr Hunderts fnden nicht wohnen. 'Rur die rcichs unmittelbaren fürsten, Grasen, freiherren, mei vrltfliöi'c Absall imicm Jen gerade ne lächerlich und vcr . äckitlich zu machen suchte lind inct». Er ivnsue!vohl. was er un. wenn er gegen d!e׳e indische Zille eine wahre Razzia eröffne,r und vor tcinrin Mittet und Minelchen zurnckichreckle. um die «׳leiste, nnd «llemüter unserer Mütter nnd ,znngsrauen nnl Widerwille» nnd Weringschävnng gegci, diese hehre Institution zu er'ullrn. Sv lange die alle 311:4־ und ZiiiiuiiKii, die Schamhasligtell und ,iinhuglen noch dir «"enien des indischen Hauses waren, deren Schutz nnd Svmbol die Brrhullung des iveihlichcn Haupthaares hedcuiri. io lange war das ,üdische Hans grien gegen dcn «"rin des religiösen Leichtsinns nnd Ahsalls. der ihm sein AUerheilifincs zu rmreinrn drohle. ׳.','achdem inan aber eine treueralion nach der andern in tlnkeninins nnd tln winenheil unseres Lebensgeictzes heranwachsen liest, hallen dir Worisührer der AbsaUprvpaganda es leicht die Krone nnd den Adel unserer Mütter als das Joch und dir En! Würdigung darzusiellen von iveletienne durch dcn Ieilgriff drireil werden sollten, tlnd io opsrrie inan der moderorn Sitte du erprobte alle Sittlichkeit. Im Aainen der Bildung und Ge׳>lt»ng des Forlschritis und der Auitlärung rin de» velchtinm dem indischen Weibe dir sin,ge Hülle vom Haupte, ivas hat er an deren 31011c »u ieven vermocht - Sind die ,grauen, die man äußerlich nicht runnal mehr als solche erkennt, wirklich genncter gebildeter, ׳origrichrillener und »u'gekiärlrr geworden als es ihre elirwürdigen Ahninüner wären? Habe» selbst die torprrlichrn Reize nnd Borzüge, die doch eingrstandcner und vnc»1grs1a»dener1»asrrn das eigentliche Motiv »in dirien Bruch mn de» allen!üdiscl׳,» Litte waren, während dir anderen Mr-nve nur als kctoration brrhallen mustten baden lelbit diese Borteile nch wirklich als selche erwiesen - Wohl in der Haarschmuct des Weibes denen schönste zzirrde, wohl ^bedeutet die Berhüllung dieses chmucts c.» jchivcres ^psrr Avcr wem dringt das Ilidiichr Weib dieses Lptrr. wen! anders kommt es zugute, als der ^Vkerndrn selber? Weil das Haupthaar der schönste weibliche Zchmilck ist. deshalb verrät er auch, sobald er zu ergrauen oder gar »n erbleichen beginnt, zuallererst die von dem heraus ziehenden Aller begleiteten Anzeichen der schwindenden Zchünhrü. T!c Krone aus den! Haupte der lüdischen ,vrau schmückt ne in gleicher Weise in der fugend wie un Alter Wohl verzichtet die frau. ivelche mit de»! Eintritt in die Ehe ihren Haarscknnnck verhüllt, in onen latlver Wciie daraus, der Welt zu grsallen. Zie gehört dem Erwählten ihres Herzens, dem häuslichen Kreise, ui den er »e emsührt, denen Bricslerin. Tiencrin und Herrin ne ist. fh»e» und nur tlnren möchte ne gefallen, ihnen gehören ausschlienlich die :Heize ihrer Zchönhen, ihnen gehör! ihr ganzes Zchaffen und Wirken. ,>ür sic seht sie rückhaltlos mehr als der Btann ihr ganzes Leben, ihr Herzblut ein, um mit diesem Einsatz das höchste Lebensglück, die Muttcrsreude zu gewinnen! Wie klein, wie winzig klein, erscheiiit angesichts dieses liohevrirsterlichen Beruis des > discheu Weibes, der das Haus »1 rin Tcmpelhciligtum umwandelt, das Dpscr, welches mit Berhüllung ihres Haarickmuckes die Prieslerin aus dcn Altar dieser Lrbrnshciligung mederlegt' Die indische ,cung'rau. die zögert, zaudert dieses Cl'trr zu bringen, mit dem ihr die Alnun llrr ihres Bolkcs seit Jahrtausenden als leuchtende Borbilder dairehcii. sie hat mit diesem Zögern und Zaudern schon bekundet, wie wen, weitab ne von dem ^cdeal!üdis t er Weiblichkeit rnlscrnk in. das seit undknkllchrn Seiten m unserem Kreise kein ,'cdral. sondern vollendete Wirklichkeil war. Hab cs noch nicht ausgehört hat. Wirklichkeit zu sein, wisicn L ie aus dem eigenen Elirrnhauie und der Kamille, der Zic ^hr Brauligim als neues Mitglied zusühn. Als Wot! über unsere Bäter das schwere Berhängnis aussprach, das; sie in der Wüiie ihr »trab »»den und nicht das Land ihrer Bestimmung erreichen sollten, damals ivciren nach der Uebrrlirirrnng dir Mütter von diesem I harten Geschick nicht betroffen. Sic erhielt <"ottcs Gnade am Leben und ließ sie mit ihren Kindern und Enkeln in das gelobte Land einziehcn. Sie waren die treuen Zeugen , des sclbsterlebten, wunderbaren, gottgctragencn Geschickes. - das sie ihren Kindern und Kmdrskindcrn, dir m an eren Bcrhültniffrn heranivuchsen, in ewig ungesckiwächker srri'ä"' erhielten. Sie, verehrte Freundin, werden diese göttliche Fügung : in ihrer ganzen Gnadcnsülle zu würdigen wiffen, wenn Sic ln das gelobte Land Fhrcr neu nch erschließenden Zukunst unter der Leitung Fhrer Mutier, an der Hand Fhrcs neuen Lcbensgcsährtcn antretcn. Möge Fhnen dieses Glück ungezählte, ungetrübte fahre bescheiden und : cs Ihnen vergönnt sein, sich als würdige Tochter Ihrer Eltern zu bcivähren' Mit dieser Hoffnung und den innigsten Wünschen für Ihr Lebensglück bin ich Ihr Hochachtungsvoll und sreundschastlichst ergebener A. ״Trühlingt Erwachen.״ Er aber weigerte sich. ויפא; Die Schalschrlcthnirlodic diese. Wortes — ivie müßte sie aus Iißroels denkende Jünglinge und Jungfrauen wirken Wie eine Hnm.ir an das Ideal der Reinheit und des sittlich Guten — wie rin Signal zum Kämpfen und zum Sicgcn — wie ein Ruf zur Höhe, die Jedem w!nkt, die nicht Jeder erklimmt — wie ein stolzer Ausruf, wir ein * schwermütiges Heimwehlied —