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Der Israelit · 1906-12-06 · 49 (6.12.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
49 (6.12.1906)
Date
1906-12-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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6. Dezember 1906. Co Nr. 49. Seit( 8. Jüdische Symbolik. 3*on Rabbiner Dr. aHerniann Nlein m Kronstadt. Llttlus; . Der Umstand, das; die zu Ttnnboleil bestinnnten tsVcflcnftii1tbc ober Handliingen ihre mm bolifdic Bedcuumq nicht lu'vmöfle ilnw mitüt lidicu Weseno in sich trogen, diese ilire Bedeutung t>iel»1eln nnr eine konventioncUc ist, nnd daff zur Enorickutna eilten Ttiinbals die Beka!׳.i׳.t׳'ct!a׳'t mir den Persönlichkeiten, von welchen dasselbe anogelu nnd on welche cs gerichtet in, unbedingt er forderlich erscheint, zeigt, das; 3tintbolc niemals zur Mitteilung gmiz neuer Bwlnbeiten genütet iverden. Tie lvüren dazu zu nnklor nnd zu uilbestiinuit. Der Empfänger soll ja den Znlialt des Ttnnbals selbsttätig ermitteln nnd das kann er nnr, ivenn ihm bereits der (Gedanke bekannt ist, den das Tmnbol vergegcnivärtigen soll. Ttimbolische Gegenstände nnd Handlungen können also nnr dazlt dienen, bereits bekannte L6abrbeiten tiefer nnd nachbaltiger einzuprägen, Zlnc stnnbolische Bedelltllng erbalten diese Gegenstände lilld Handlungen durch ein Uebereinkornmcn des Urhebers und des Gmpsängers. Tie neben zti den Psahrbeiten,zu deren dauernder Bergegenwärtigung sie dienen, in einer gewisseil Benvaiidlffliait unb Beziehung. Diese Beziebnngen können vhnsischcr, sozialer nnd historischer Natur sein. Die Be deutnng eines Tbmbols kann also nur im Zusammenhänge mit den Persönlichkeiten des 111« Hebers und des Empfängers nnd den räumlichen nnd zeitlichen Berhältnissen, durch sorgfältige Be achtnng der phpsischen, sozialen lind historischen Bedeutung des Gegenstandes ermittelt iverden. Dasz der Gegenstand selbst in allen seinen ivescnt lichen Teilen sorgfältig untersucht iverden muff, versteht sich von i'elbst. Nach Feststellung dieser grundlegenden Ge׳ danken erbringt Hirsch den Beiveis, dass es eine jüdische Tbinbolik gibt, das; Gott uns gewisse Handln,,ge!? geboten, damit uns dlicci, sie be stimmte Begriffe nild Böahrheiten zu ininnr critetlter nachhaltiger Grinnet ung unb B,herzigl1ng empfohlen werdcil. Er beweist zunächst, daff es Tpmbole auf dem Gebiete der (beschichte der göttlil en Dffenbarnng gibt, um dann den gleichen »ttumstößlichcn Nachweis für den gesetzlichen Teil der Th.ra zu führen. Als das schlagendste Argument dürste die Tatsache zu bezeichnen sein, da!; die Thora selbst gewisse Handlungen und Gegenstände als Tmn ole er lärt, dazu hcftimint, gewiffe l^edankenreiben anznrcgen Mila wird סייה genml.it. Tefilliil siitd;יאיה ויזס־־י, znni Zeichen nild z׳.lr Erinnerung geboten. יססה ist ein ״Zeichen zwischen Gott und Israel, daff sechs Tage Gott tun Hi»u> e! und > die Erde geschaffen habe und am siebenten Tage j j sich zurückgezogen liabc." E homez nnd Mazze sind ausdr. cklich zur Betätigung des Ge d ä ch t n i s scs der Erlösnng aus Mizrajim an geordnet. Ebenso die Auslösung der Erst geborene n. ^lackidei» Hir'ch die Eriffcn; von Ttniilolc» im gesetzlichen Teil der göttlichcil Dffcnbarnnq unwiderleglich dargctan, gebt er datail, die Bedeutung einiger solcher stunbolischer (besetze zu crläntertt. Das Berfahren, das er! blcrbei beobachtet, i!t »treng den Forderitiigen, die! er selkff ausgestellt, angepnfft. Er untersucht : sämtliche Beslimmi.n.zeil des Geleges, lerückffchiigt sorg ältig sowohl Urheber als auch Emp'ängcr dcsiclkcn, ergründet alle phusischen, sozialen nnd bifforischc» Momente, die in Betracht kommen! können, lvdaff sich ihm dann die Zdee, zu deren! Bcrgegeillvärtignitg und Einpcägung das Tvmbol! angcordnct ltmrde, fast von le bst ergibt. An j dieser Bcheise untersucht er die (Gebote der Be schneidu g, der Zizis, der Tenllui nnd der Ttistshütte. Da g.bt es itichts, lvas!'einer Ans merksamkeit entginge, keinen noch so unscheinbaren Bestandteil, keine noch so unscheinbare Borschri't einu Mizivoh. Die Tchwärze der Teffllinläuschen, der >tnoten der Teffllin ivird genau so erschöpfend behandelt wie der ^nlalt der Parsd.ijoih. sämtliche Borschrüten, d e in der schriitlichen Lehre niedergelegien, wie die durch '.mündliche lleberlieserungen an uns gelangten, ^werden sorgfältig untersucht. ,V'de ד!יה ivird mit allen ihren Details als ein organisches Ganzes begriffen, dazu bestimmt, uns Bsahiheiten voit im vergänglichem BErte nnd ewi -er (Gültigkeit zu ver Mitteln nnd sic nns durch die sich inimerwiederbolende Ausübung stets aufs Neue ans Herz zu legen. D e Tendenz, die Hirsch verfolgt, ivciin voit einer solchen be Öi־u1t streng wissenschaftlichen ,vev schlingen überhaupt d e ־li'cde sein kann, ist: nach;» wesen, daff Mleini.,feiten nnd Aenfferlichkeiteit iiinerlalb der göttlicheil Gesetze nicht epistiere», daff nllr SW׳'*litten aller Gesetze Träger von Llchtgedanken i'ii.d, die nnr drr nicht begreift, der im Finsteren zu ivande.il liebt. ס־ :י ד^יוה. L ie Gebote sind Lichtträger, והריר. אוי, die die Vichtgedanken der Leine zu ttagen berufen sind. Dies in eitler wisscnichastlich nnanfechtbaren Beeile dargetan zu haben, ist das epochemachende Berdienff und die unvergängliche Bedeutung der von nns besprcchenen Abhandlung, deren eingehende Lektüre die׳'e Z ilcit jedem empfehlen möchten, der als bewuffter Fehtldi seinem (Nute dienen will. Bsir behalten nns eine eingehende Betrachtung der einzelnen göttlichen Gesetze vor, die bat tun soll, wie die Nci'nltate der B'issenschast beschaffen sind, als deren Begründer wir E. N. Husch verehren. Oberrabbiner $. B. Schreiber ־״ע. A r aIIks u r t a. M., 4. Dezember. Am Tonntag morgen iff in unserer Ttadt der!Dberrabbiner von Preffbnrg, N. T B. Tchrei ber, zu seinen Bäten! versammelt worden. Tchon mehrere Tage batte man sich mit dem Ge danken vertrant machen müssen, daff Nabbi T. B. Tchreibers Ende ׳iahe sei. De!» ehemals Helden starken Mann bntt ein jahrelanges Ti echt um zer mürbt. ein Tchatten nur der mächtigen (Gestalt war ans das Leidenslagcr hingestreckt, ein abermaliger heftiger Ansturm der unerbittlichen >trank. heit hatte eingesetzt; es war nach menschlichem Ermesse» keine Besserung mehr zu erwarten nnb Tag und Nacht weilten jüdische Männer im Zimmer des mit dem Tode Ningenden. Dennoch zitterte ein Beben durch die (Gemüter, als man am Tonntag die >tnnde erhielt, daff N. T. B. Tchreiber gestorben sei. Ein getvaltiqer Berlust, das fühlte ein jeder, hatte mit dem Lode N. T. B. TckireiberS die Fndenheit betroffen. Nicht nur der Nabbiiler der Preffbnrger Gemeinde, die eine עיר יאס בייטיאי ist, Nicht nur der Leiter der iveltberühinten Preffbnrger ^eschibah, ilicht nur de! Fülltet des ungarischen Judentums, — ein Groffer in Israels Gesanitbeit, groff in Lehre und Leben, in mit ihm von hinnen gegangen. וסי1 ייציאי •בסי אה היטי־יסה איטי־ •טרף ד׳. N. T- B. Tchreiber war ein Tohn des סהב סו£י־ und ein Enkel des חהם סופי — wer kennt nicht die Namen dieser beiden אד״יי ההורה! Fhr würdiger Vkachsolger ans dem Preffburger Nab binatsffnhle ivar der eben Heimgegangene. Er ist im ^ahre l84Z geboren, hat also ein Alter von tl.'t fahren erreicht. Dank seinem eisernen Fleiff, seinen ausgezeichneten (sicistesgaben n׳ar, er schon als Jüngling ein hervorragender הידיד הסס. Fm Alter von N) Jahren kennte er bereits seinen Batet im Bortrag auf der groffen Preffbnrger Nabbinatshochschnlc mit gutem erfolg vertreten. Zivei Jahre spater heiratete er imd lebte dann in Wien als Inhaber eines TeidenwarengeschäfteS. Nach dem Tode seines Bnters wurde er mit 2* ^ahren znm Nabbincr der Gemeinde Preffbürg und zum Leiter der Preffburger Icschibah erwählt. Es war der LLunsch des סהס סו£י gewesen, daff dieser Sohn, obwohl er der Dritte war, fein Nachfolger werde. Nun entfaltete N. T. B. Schreiber im Geiste seiner groffen Borgänger eine llinsassende Lehrtätigkeit. Es ivar ihm beschieden, den Becher bitterster Leiden zu kosten. Tein erstgeborener Tohn, ein ,Aüngling, der durch seine fast wunderbaren svähig feiten bestimmt schien, eine Zierde Israels zn werden, wurde ihm im blühenden Altern von 17 und ihrer ganzen Umgebung IN dieieu: Lchiuuck lüdischer Süchtigkeit .v mustrrglltig voranleuchtet, duff dieses hehre Borbild alle Beweise und Belege in den Lchalten stellt. b»1 Grunde geiwnmien ist und bleibt d!e einzige Begründung jeder einzelnen Regung und Ausgestaltung unseles gesamten Ptlichtlebens: die lleberlieferung unserer Eltern, das Beispiel und Borbild von Baker und Mutter. Richl umsonst Hebt die Ehre gegen Bater und Biuller aus der ersten der beiden Geseheslaseln, welche unsere Btlichten gegen Gott enthält, und mchl aus der anderen, welche die Btlichten gegen unsere Mitmenschen zum (vegeui'tande hat. Dah es einen <־iatt gibt, der sich in der Geschichte unseres Boltes so sichtbar bekundet, die Heiligkeit seines Ramens und des Lnmlols, das er im Sabbat gesiistet. das Bewuhlselii von allem dem verdanken wir den Eltern, diesem vorletzten (tzlied jener lebendigen Kelle, die Aahrlausende zurück bis an den Sinai reicht. Aus dem rück haltlvien Bertrauen. mit dem wir unser geistiges Erbe aus ihrer Hand binnelunen, aus der Berehrung, imt der nur ru ihnen empoi blicke», beruht die Lr>at>r!>au1gkeit des Btlicnllebeus, das wir ihrer Belehrung und ihrem Bei spiel verdanken. Nicht umsonst ist das erste das unsere Kleine» aus dein Gelslesschatz ihres Bolkes nach lallen ״Höre mein Solm aus die Erziehuug deines Baters und verwirf nicht die Belehrung deiner Mutter." Auch dcrs in iicde stellende cvesetz sehen Sie nut seinen die ganze Häuslichkeit beglückenden ,Talgen in Abrer Mutter verwirklicht. Für Tie und Fhr zu grün d.ndes Haus bliebe dieses mütterliche Beispiel bindendes «Kesetz, von seinem codisizierten Wortlaut ganz abgeseben. Wenn Ste diesen Wortlaut nachschlogen wollen, to lasse ich Fbnen hier die einschlägigen Znate folgen. Wie in der nledergeichnebenen 7°bora b«ele Wahr heuen und ott gerade die bedeutsamsten nirgends auSdrucklich gelehrt, iondern stillschweigend vorausgesetzt und nur ganz gelegentlich als etwas ganz Selbi'tveritänd lcheS zur Sprache gebracht werden, so ist eS auch mit dem ltze-!epe, das uns hier beschäftigt. — So lehrt dle Thora nirgends das Dasein Gottes, sondern sie jetzt seine Kenntnis und Anerkenntnis voraus, indem sie in ihren! ersten Satz uns Himmel und Erde als Schöpfung ltzoneS vorkührt. Sie lehrt weder die llnsierdlichkeit der Seele, noch die ' Auferstehung der Toten, aber eine ganze.׳',abl von Tropen 1 und Ausdruckssormen des jüdischen Svrachgeistes wären ohne Boraussetzuug dieser Wahrheiten geradezu unver ständlick. So enthält der Wortlaut der nieoergeschriebenen Thora auch nirgeirds die Bilichl jüdischer Frauen, ihr Haupthaar verhüllt zu lrageii, deutlich ausgesprochen. Vediglich in der (tzesetzesitelle, welche von deni Weide handelt, das den Weg jüdischer Frauenntte verlassen und so den Mann bestimmt hat, die Schuld oder Schuld losigkeit seines Weibes dem Gottesentscheide zu unter stellen, dort — IV B. M. Kapitel V B. 18 wird von dem Koben, der den Eutscheid herbeliüdrt, gesagt: »Er entblöne das Haupthaar der Frau". B!1t dieser Entblößung des Haupthaares wird die Füchtigken der jüdischen Ebesrau verletzt und die lieber lieierung knüpft daher das Berbot, das jüdischen Ehe j ׳rauen mit unverbüUtem Hauptl>aar zu erscheinen ver bietet, an dieie Worte. (Talmud Kethubol Fol. 72a.) Das! Entblößen des weiblichen Haupthaares wild an der an i führten Stelle als Berletzung des jüdischen Sittenge- I gesetzes,ירה יהיריה P2t cxcellence bezeichnet und ist solche I auch Schulchan Aruch den Haeier Kapitel 2-2, $ 2 und! Kapitel Ilü, z 4 untersagt. Fm Talmud Beracholh Fol. 24a und Schulchan Aruch Lrach Ehajim Kapitel l't K '2 wird die Entblößung des weiblichen .Haares in derselben Weise als eine Verletzung von Sitte und Anttand bezeichnet, wie unserer allgemeinen Anschauung die Entblüßung von Körperteilen dafür gilt, die sonst durch Kleidung verdeckt und. »Haar-Entblößuna einer EK-k»«״, mit zu den. l Begriff -עייי in de» Wortes kuchstäbllcher Bedeutung, u»d soll eben hier den Eharakter der Frau al» der ׳ jüdischen Züchtigkeit ermangelnd kennzeichnen. Die das Haar vcrljüllcndc Kopfbcdeuung >sl du» äußere Merkmal ehelicher Züchtigkeit. Die Frau, die durch ihr Benehmen den Biad dieser Züchtigkeit vertanen, verdient dies Diadem des ׳צניעיה dieses Grundcharakters jüdischer Weiblichkeit, nicht. Zudem ber Priester ihr die Kopfbedeckung ab- ׳ nimmt, weicht er den ganzen Vorwurf aus, der auf ihr ׳: lastet." Hirsch s Pentateuch Kommentar zu IV. B. M., ' Kap. V, B. 18.) Wie tief alle Bolkskretse von der Heiligkeit und Un- ׳ Verletzlichkeit gerade dieser jüdischen Frauenptlicht zu jeder Zeit durchdrungen waren, dafür enthält unsere lieber lieierung ungemein charakteristische Belege. Wenn be, der Empörung eine» Korach die Frau des £n den Pete» ihren Mann von der Beteiligung an dem verhängnisvollen Ausstande zurückhalken will, so setzt ne sich »nt aufgelöstem Haar an den Eingang ihre» Zeltes. Dieser Anblick genügt, um selbst Aufwiegler gegen ltzott! und seinen «Kefandten zurückzuschrecken und ft« einem , Zelte fern zu hatten, aus dem ne den Schiltzgeift weiblieber Züchtigkeit gewichen glauben (Midr Tanckuma zu! P Korach!. Eine angesehene »2tmn..nsannl1e erfreute sich der un gewöhnlichen Auszeichnung, daß ,eder ihrer sieben Söhne . als Kohen godaul fungierte. Auf die Frage der Weisen j an die Mutter, was ne Berdienitliche» getan habe, um! dieses seltenen Mutterglücks gewürdigt zu werden, lautete die Antwort: »Noch niemals baden die Wände meine- | Hanfes die Haare meine- Hauptes gesehen." (Talmud Foma Fol. 47a). Wäre ich nach alledem noch nach einem Beweise für J dte ^vhe Bedeutsamkeit dieser Frauenosiickt verlern, 1» , >»üroe ihn m dem Fanatismus erblicken, mit welchem der

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