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Der Israelit · 1906-11-29 · 48 (29.11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
48 (29.11.1906)
Date
1906-11-29
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. ^8 des ״Fsraelit" enilleton Veskaal-Zckem von MicbelrlaOt. Bon Ttudäus. 1^! Nachdruck verboten. XI. Um jene׳ Zeit lebte in Michelstadt noch ein anderer Thoragelehrter Ramens?Wabbi i^olf 'AI? 11 h r. dieser kam eines Tages zum Baal Schem mit der Bitte um einen i)iat in folgender Angelegenheit. (50 mar ihm für seine älteste Tochter ein junger Mann aus Darmstadt angctragen worden, der ihm in jeder Hinsicht sehr zu sagte, aber derselbe beanspruchte eine Mitgift von 4u» (dulden, eine für jene;}eit hohe 31nnmc, die für den armen Mann nicht zu erschwingen warer ivollte deohalb den Rat des Rabbi ein bolen. Dieser lieg sich die Lache in allen Einzelbeiten erzählen und bemerkte dann lächelnd: ״Wnbbi Wolf, was ist da viel zrr raten, eS in doch gar keine Iragc, dnsi Ihr da zligreifen und die Partie einaehen mutzt." ״Gewit; >veis; ich das," erwiderte?Knbbi i'oolr, ״aber wo nehme ich die 400 Olnlden her?" ״Bierimndert (duldenwas sind vierhundert Schekel Silber ztvischen mir und Dir^" ent gegncte lächelnd der Baal Schem mit Antvielntig ans die 'Stelle im Mapttel XXIII B lu des ersten Buches der Thora. ״Wegen des (Geldes könnt Ihr ruhig die Partie eingehen, fiiv den Betrag werde ich anskommen." ״Wie kann ich von dem Wflbbi einen solchen Betrag verlangen bemerkte Rabbi Wols. ״Eine solche Sumtne — — —" ״Was redet Ihr auch״, unterbrach ihn der Baal Schein. ,.erstens habt Ihr's nicht verlangt und zweitens lverde ich s nicht von dem meinigen gebe!;; ich ivctde mich bei meinen auswärtigen freunden danach umseben, also deshalb könnt Ihr ruhig sein. ׳Bis wann!verdet '\br das W1־lb haben!muten?" ״,'u'Pt wo die schwerste Sorge mir durch den Rabbi abgenonunen ist, kann nächste ׳Woche schon die Bet'chan und dann bald die Berlobung sein. Die Hochzeit, bis;» welcher ich das Weib zahlen mutz, läßt ׳ich >etzt noch iiicht einmal annähernd bestimmen, wegen der Annahme." Unter ,,Annahme״ verstand man im Hessischen die behördliche Einwilligung zur Hochzeit, die damals gar nicht so leicht und jedenfalls nicht ra'ch zu erlangen war. Wenn man in Heuen auch nicht wie z. B. in Bavrrii die Eilanbnis zur Heirat vom Tode des Bakers abhängig machte, so ivaren doch so viele Bedingungen, >ilauteln und Borbehalte an das Recht sich ver heiraten zu dunen geknüpft, datz ein drei und telbn vicr>äl>riger 'Brauttzand bei dem schleppenden Gange aller ׳Berwaltuugsbeliorden und bei der Willkür, deii Iudett gegeiiüber, dnrchaiis irichr zu den Seltenheiten gehörte. Der 'Baal Schein u'utzte alt'o, datz er normaler Weite eins bis zwei ,}obre jedensalls ׳}eit batte uni die ver ׳vrochene Summe auszubringen. ..'Wegen der Anna: me braucht Ihr nicht be torgr zu sein.״ bemerkte er .!»>״״׳ Euer Schivnger ׳obn ans Darmstadt in, dort gicbl es teilte genug, die Eintlntz bei der Behörde haben und die iverden sich s gewitz angelegen sein lassen, dan die Lache nicht allzu'ehr in die Länge gezogen wirdich ׳age Euch deshalb ,eit schon ׳Ma't'ol toi zu der Berbindung." Dieser Glückwunsch des Baal Schein halte sich bald und in schönster Weise erfüllt. 'Wenige Tage nachher wurde die Berlobung gefeiert und den Darmstädter Iteunden des jungen Paares war es noch vor Jahresfrist gelungen, die An nähme zu envirken. strahlend vor Freude kam rHabbt Wolf Muhr zum Baal Schein geeilt und legte ihm das soeben eingelroffene Aktenstück der Annahme vor mit der Irage ans wenn nun die Hochzeit festgesetzt »»erden solle. ״Das könnt ^r ganz halten wie Ihr wollt,״ eutgegnete der (Gefragte ״denn das ist doch ansschlietzlich Sache der beiderseitigen Eltern. Und was das Weib betrifft, so werde ich es Euch vor der Hochzeit nuszahlen. Ich habe z!var zur;}eit noch keinen Kreuzer dafür, aber Gott wird schon Helsen, datz ich mein Wort einlöseu kann. Datz in Darmstadt die Sackte so rasch und glatt geht, hätte ich selbst nicht gedacht, deshalb habe ich bis jetzt noch keinen Schritt in der Lache getan.״ Einige Tage später machte Rabbi Wolf Muhr dem Baal Schem die Mitteilung, datz die Hoch zeit ans Rot'ch Ehodesch Elul, das ivar in etwa drei Wochen, festgesetzt sei, wovon dieser mit der wiederholten Bersicherung Kenntnis nahm, er brauche »vegeu des Geldes sich keine Sorge zu machen. Aber Rabbi Wolt machte sich doch des halb Sorge. Er zweifelte nicht an dem guteu Willen seines Wohltäters, aber ob es ihm mög lich sein werde diesen guten Willen in Taten unizusetzen, das schien ihm von Tag zu Tag zweiselhasier. Mehr als sonst suchte und fand Rabbi Wolf Borwände uni zum Baal Schem zu komrneu, nicht um ihn direlt an sein Benprechen zu mahlten, sondern nur um durch seinen Besuch die Aufuu cktcunkeit seines Wohltäters auf sich zu ziehen und so sich selbst zu vergewissern, datz der Baal Schem nicht an ihn vergessen habe. Die Hochzeit kan, immer näher, täglich erwartete Rabbi Wolf eine Botschaft, die ihn zum Baal Echem bestellteaber sie blieb aus. Zwei Tage vor der Hochzeit ging er in der Richtung nach dem Hanse des Baal Schem, hatte aber nicht den nt in dasselbe einzutrcten. Als er unschlüssig vor demselben stand, kam ein fremder Herr daher, trat an ihn heran imd fragte ihn nach der Woh nnng des Baal Schein. ״Ich bin gerade auch im Begriff dorthin zu gelten" annvortete Rabbi Wolf ״mtd werde Sie dorthin führen." ,Hat nicht der Rabbi früher in jener Stratze gewohnt, aus der ich eben komme?״ fragte der Iremde. ״Ich »var schon früher einmal hier und glaube mich nicht zu irren." ״Ganz recht," enviderte der Genagte, ״aber seit einem halben Jahre nt der Rabbi ausgezogen und wohnt jetzt in diesem Hause." Mit diesen Worten traten die beiden ins Hans und Rabbi Wolf wollte sich zurüctziehen. Der Iremde gab dies aber nicht zu und bestand daraus sein Begleiter sollte nur zuerst beim Rabbi vorsprechen, er habe längere Zeit dort zu tun und so lange ivollte er seinen Iührer nicht warten lassen. Da aber in Wirklichkeit Rabbi Woli bei dem Rabbi nichts zu tun hatte, als sich sehen zu lassen und sich zu vergewissern, datz er nicht an ihn vergessen habe, so wollte er den Iremden in das Zimmer begleiten und sich dann zurück ziehen. Der 'Baal Schem begrützte den Iremden mit besonderer Herzlichkeit, dankte Rabbi Woli, datz er ihm einen so teure» Gatt;»geführt habe und als dieser sich znrüekziehen wollte, hielt ihn der Baal Schein zurück. ״Einen Angenblick tetzt Euch, Rabbi 'Woli - ich mutz Euch eine interessante Geschichte erzählen. Es war eiinual an wohlhabender Mann, der ans einer Reite in grotzer o׳etabr schwebte Hab »nd Gilt und selbn das Leben zu verlieren. In der StiUlde der Rot gelobte er Gvll, die Hälfte seines Bermögens an Arme zu vergeben, wenn er aus dieter Gefahr gerettet »verde, nnd er wurde ge rette» Als der Gerettete in Sicherheit ivar und er sei» Bermögen feftftellte um feilt Gelübde zu erfüllen, bereute er feinen frommen 'Borsatz mib glaubte ein Bieriel seines Bermögens genüge auch. Dieses Biertel wies er auch richtig wohltätigen Ziveckeu zli. Wenige Tage nachher erkrankte seine Iran so schwer, datz alle Aerzte der Stadt nicht zu Helsen vermochten. Er lieg die berühmtesten Professoren von verschiedenen Universitäten an das Krankenbett seiner Iran konunen, keiner kvnnre Hilfe bringen. Er »vandte sich daraus brieflich an mich nnd ich antwortete ihm, er möge sein bisheriges Tun und Lassen untersuchen, ob er sich nicht irgend eines Bergehens gegen den Willen Gottes bewutzt sei. Daraus teilte er mir mit, datz er sein Reder (Gelübde) gebrochen habe, das er in der Stunde der Gefahr Gott gelob! hat. Ich schrieb dem Mann, datz unter diesen Umstünden mir sein Unglück nichts befremdliches habe. Kein Doktor nnd kein Professor der Welt kann ihm hier Helsen und auch ich vermag es nichtaber er selbst könne es, indem er ohne Berzug fein Gelübde unverkürzt einlöst. Sb er meinen Rat befolgt hat, weitz ich nicht, darüber könnt Ihr unS vielleicht Auskunft geben, Reb Sander. Aber ertz bitte ich Euch mir zu sagen, ob ich die Geschichte recht erzählt habe." Diese letzten an den Iremden gerichteten Worte hatten augenblicklich Rabbi Wolf noch mehr in Erstaunen gesetzt, als den Augeredeten. Rabbi Wolf hatte geglaubt, die Geschichte habe nur den Zweck, ihn darüber zu beruhigen, datz sich der Er zähle»׳ der ganzen Berantwvrtlichkeit beivutzt sei, die ein einmal ausgesprochenes Gelübde bedeute und ihm nahe zu legen, datz das ihm gemachte Berspiech,״! nicht vergessen sei. Weichen Zu sammenhang das alles aber mit dem Iremden habe, das »var ihm ein vollkommenes Rätsel (Iortsetzung folgt. 1 Dämon nnd yijuitirtö in der Indengalle. Bon Arthur Kahn. it Nackdruct verboten. ״Was willst Du so früh nnd schon vor Schul aus dem Bes oloin׳*-׳ Du hast doch kein Jahr zeit heiite?" ״Halt' mich nicht aus, und trag' nicht so viel", antwortete Berez ungeduldig. Schickerleibchen, der gerne sich unterhalten hätte, reichte ärgerlich eine» grotzeu Schlüssel durchs Ienster und sah kopfschüttelnd dem Schuster nach. Berez schritt rüstig den Berg hinauf, an dessen waldiges Haupt der Iriedhof, wie ein düsteres Diadem sich anlehnte. An diesem Tage genotz Berez keinerlei Speise, kein Tropfen Waner kam über seine Lippen, bis Rachts die ersten Sterne sichtbar!vurden. Auch am folgenden Donnerstage übte Berez strenge .Kasteiung. Doch harrten seiner diesmal so viele Bersuchnngen, das; der arme Schützer seine ganze Kraft zusainmenfasfeu mutzte, um dem Bersucher nicht zu unterliegen. Schon um die nennte Morgenstunde war eS so Hertz, datz Berez schweitztrieteud ermattet in der Arbeit innehalteu mutzte. In einem Backofen konnte es nicht heißer sein, als in der Werktzütte. Ein brennender Durst dörrte ihm schier den Schlund aus. Und wie das so zu gehen pflegt, dachte Berez nun unaufhörlich, welches Labsal ihm jetzt ein kühler Trunk Waner bereiten würde. Und als habe die ׳Borsebung selber seine Standhattig keit prüfen wollen, kam in diesem Augenblick .Hahueinann'S Iran mit einem Eimer über den Hoi geschritten, um Wasser zu holen. Mit ver langende» ׳Blicken sah Berez das in bläulich weiften! Strahl der Pumpe enttprndelnde '4,'atz. das!ich ansspritzend in den Eimer ergoß. Er verlies; laut putzend die ׳Werkstätte. Am Gätzchen kam ihm ein Schlosserlehrling entgegen gerannt, welcher in jeder Hand eine mit schäumen dem Bier gefüllte .Karaffe trug. Kaum wurde der übermütige Bengel den Schützer gewahr, als ' Irtrdhos; wörtlich: Haus her Ewigkeit.

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