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Der Israelit · 1906-11-29 · 48 (29.11.1906) · p. Seite 11

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
48 (29.11.1906)
Date
1906-11-29
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 4M Sfttf 11 •2יי. Rovember 1006 Ttx ISrarlit. Die Ansänc)? der jüdischen (GemeindeFulda', reichen gewiß sehr weit zurück, denn schon zu Seiten der Kreuz׳,ügc haben Fudeiwersolguugeu hier statlgesnndcn. Als Weihnachten l^-"׳.'> das Haus eines Müllers, das aunerhald der Tcadt lag, in Abwesenheit des Besitzers und seiner ,vrou, die gerade in der Kirche waren, in Flanuueu aufgiilg und hierbei deren rfmf Knaben ver brannten, wurden zwei Fudeu beschuldigt, die Kuabeil getötet zu haben, denn sie Härten sich Ehrisieübl::: verschaffen!vollen, n!n es sür Pepack zu gebrauchen. Freitag, deu 17. Debet 4W°׳ Dezember 124.'» sielen etiva .">4 Männer und Frauen diesem Wahne zum DF׳»er. Die Zeichen der angeblich ermordeten Knaben wurden als Beweise sür die Nichtigkeit der gegen die Fudeu erhobenen Beschuldigung vor Kaiser Fried rrch II. nach Hagenau verbracht. Dieser aber sagte zu den Ueberbringern der Leichen: ״Wenn sie tot sind, so gehet und begrabet sie, da sie doch zu etwas anderein nicht taugen." Der Kaiser tat jedoch auch noch ein übrigeser lieg durch eine tviffenschastliche Kommission die (Gesetzbücher der Juden prüfen, um fcstzmtelleu, ob diese tatsächlich (shrisieu töten müssen, um das Blut zum Passah mahle zu gebrauchen. Das Urteil der Kommission, die größtenteils auS getauften Juden bestand, bei denen am sichersten vorauszusetzen war, dag sie nichts verschweigen, siel derart ans, das Fürsten und (Geistlichkeit die Fuden in Fulda und im übrigen Deutschland von der erhobenen 'Beschul dignng völlig sreisprachen. Friedrich II. bestätigte dieses Urteil durch eine Urkunde, die im Fuli 1 in Hagenau ausgestellt wurde *. Den Märtprern von Fulda,!vorunter zwei eingcwanderte Frau zosen nrit Familie sich befanden, wurde in drei 2׳clid!ot ein Denkmal pietätvoller Erinnerung geweiht 3!. Fortsetzung folgt.) ') i>cbr. וייילא, datier auch zuweilen mit Lauda (ליך־א) verwechselt, wo anfangs 12-i', emc Verfolgung flalttand, vgl. Salfeld, Martnrologinm. D. 12־-J, wo auch die ein schlägigen GcschichtSaucllrn verzeichnet und. Sväter schrieb man שולדא ׳ב ׳ללא und שילד■ ’) Vgl. Geiger, Ztschr. s. Gesch d. I IN Deutschland. I. U47ff.' s) Vgl. Funz, Literauirgeschichle, 2. -4.4',; eine dieser Lelichot wird von Salfeld j. c. S :417 14 in hebräischer Sprache und deutscher llebersetzung mitgeteilt. w 1ר Bücherschau. neue religionsmissenschaftliche Litteratur. '> Bon Tr. L. A. Nosenthal in Preus,. Ltargard. Die Form des Vortrags ist sür streng wissenschaftliche Gegenstände eine sehr glückliche und dankbare. WaS dabei an wissenschaftlichen Einzelheiten verloren gehen mag, wird an lcbcnsvoUer Fusainniensanung des Gegenstandes gewinnen, ziiinal wenn der Vortragende derselbe ist, der zugleich die mühsame Forscherlätigken im Fusammcinragcn von Eiiizelnachivenen betreibt- Der dtainr PslcidercrS sagt uns von vornherein, datz wir in״Rcl igion undReligionen" cm zugleich gründlichcö und lesbares Buch vor uns haben. Die Lesbarkeit wird Nicht durch den heftigen und lcidcnschaft lichen Stil der Rcucstcn erzielt, der ja in seinem Streben nach Ursprünglichkeit selbst nur Mache ist, die Grund׳ lichkeu wird nicht durch trostloseTrockenheit herbelgesüdrt *,,D. C:i״f Pleid«rer, Profevor an der Universität zu Verim: Religion »n» Religionen IV., und--'<!» Seilen, Manche». Ledinan», >!«״<:. bro'chiert t. geb. 5 Mt. I Tr. Rordert Peter-: Bibel und Ralilrmiäen'cha'i nach den itzrund'även der katbolvchen Theorie. Paderborn. SchSninglx. »! Seiten. Tr. Erich Bi'cho'f: M0S von Gott? 52 Seiten. Leipzig. .Deuncher Kampf" Verlag. - ein milder Ernst, getragen von dem Streben. Tal suchen darzustrllrn und deren Kenntnisse zu verbreiten, ersaht das Ganze Und dies Streben brmg« dir eben so einfache, wie fesselnde Darstellungsweisr hervor, die daruni icdrs falschen Glanzes und der Trockenheit der Atlergeledrsamkeil gut rntraten kann. Wir fühlen mu dem Verfasser uns freudig darüber überrascht, da«, d.esr Vorträge vor Studierenden aller Arien, zum Teil auch in eine!» Volkshoch'chalkurs ge Kalten meed,׳n zink kakei lekkaiter Te1Inat»»e n.Per «ein konnten. Er sieht darin ganz Mit Recht ein Feichen dafür, das; das Imerenr für Fragen des iü.aubrns überall u» Wachs... V.«..ssii> in. Religion ist dem Verfasser Gcbiindenheik an eine höhere Macht, dir da» Mannigsaltige des Dasein» de herrscht, zu der ich mich durch Dankgefühl und Vertrauen hiiigezogen. der ich mich als unlcrgeordnei vrrpsl ich tri fühle. So befreit sich der Mensch von de» Hr»n»n»sen der Welt- (Bott zu gehorchen, in Freiheit. Wenn nun der Weg bis zu diesrin Fiele nach Pfleidrrer der Fnb.rH!eker ReligionSgesckickle »». io ivill er doch, um das Wesen der Religion zu erkennen, nicht die rohen An'ängr derselben fcsilrallen. sondern vielmehr das Fiel, den Endpunkl der Enuvicklung als Fwr.k der Religion Innsiellrn. Das umgekehrte Verfahren macht die Religion in vielen Kreisen verhaül. Die Vrrinuift will die Taisachenivelt rrkennen und da» tMiite in ihr sestüellen — das sind die Fiele sür die Erkenntnis und für die Ta» des Menschen. P'äeibcrcr erkennt den Fwirfpall zwischen beiden Fielen an der Forscher siebt cm ganz anderes Fiel vor üch. als der im Leben tätige Mensch »ul semcm Wünschen und Wollen. Geeuügl werden beide Fiele m Goir, der höchsten Emhklt des Wahren und des Gute». Gort bleibt nach unserem Verfasser inniier der Gegen stand des Glaubens, mit dem sich allerdings der Mensch selbsttätig zu beschäfl gen hat und dessen Gru»dlage u» Menschen trotz der Uiizulanglichkeit unseres Denkens und unserer Auffassungen immer die gleiche bleibt und dir Bürgschaft der inneren Wahrheit!11 ׳ich trägt. Aber eine vivsze Vorstellung von Gau ist noch lei» Mott, iolmin(* ן! לן« h»»r NN bceinslusn bleibe» und nicht der gaiize Mensch davon er griffen wird. Diese einleitenden Gedanken des Verfasser» sind für die Stellung der Religion von nicht zu unterschävender Vedeutung. Seme Vegrisssbestunmung ist nicht von!euer schlaffen Weithcrzigkeit, die das Wesen der Religion auf hebt: er erkennt die notwendige Verbtndtmg von (Hliutbnt und Tun an, ihm erscheint das tätige Streben nicht als Veräuszrriichung. als ״Werkheiligkeli" - und über Alles: Er verlangt emen lebendigen Gott, wie der Ebazarr im Kui'ari, das kalte, von den Denkern hergestellir «üc dankending, das als Gottheit ausgespielr wird, scheint:hm ungeeignet zu ewigem Bestehen, \u üetS gleicher Belebung des tülaiibenslebens. Wenn auch Verfasser der Religion dir Kraft zuweist, die Wissenschaft zu berichtigen, z. B. gegen die Lehren des Genusses, der Verherrlichung von Stoff und kraft Widerspruch zu erheben, so ist er andererseits geneigt, ein Fusammengehen von Religion und Wissenschaft in Fukunst zu erbosten Dass die eine vor der anderen weichen könnte, hält er sät ebeusviveitig mögtich, wir. öaf, Ne nebeneinander hergehen könnten, ohne einander zu berühren. Aus dir Dauer hält er einen solchen Fustand für unmöglich. Wir halten gerade diesen Funand für den ertrag lichsten, weil dann beide ihre Freiheit sich wahren. Unsere groszen mikrelalkerlichen Denker gingen stets nur soweit »ut der Wissenschaft, als sie sich nicht in Gegensatz zur Lehre des Fudenluius stellie. Und ne würden als Freunde des Glaubens m unterer Feit inkft anders gehandelt haben. Da» heiftt: S:e würden die Wissenschaft durch drungen und gefördert haben, aber ne hätten bei einem Widerspruche zwischen beiden die zrn'törenden Folgerungen Nicht auf das Gebiet de: Religion übertragen Davor bat nch auch Mendelssohn gewahrt. Und gerade, nachsein Kant dir Unzulänglichkeiten der Vernunft aus dem Gebiete des Uebersinnlichen dargctan hat, in es dem Wahrer de» Glaubens möglich, bei aller Förderung der W.ssenfchast deren Folgerungen n!chl mit den Wadrspr ichen der Religion zu verwechseln. So oft bas geschehen ist, haben sich beide geschwächt, Religion blieb nicht Religion und Wissenschaft eine Winenschask. Dag die Religion, wir Psleiderer selbst ausspricht, gegen dir Uebertreibungen der Wissenschasr nie Macht bilden kann, ist nur solange der Fall, als sie selbst sich diesen Uebertreibungen nicht hin gibt. Und da» wäre durchaus nicht uninöglich, sobald Üe grundsätzlich den Boden ihrer Urdrrlieserung m Welt anfchauung und Sütenlehrr vcrläfit und nch mit der Wissenschast aus einen Boden nellt. Wie wir das rechte Verhältnis beider zueinander uns denken, da» haben wir ln de!» Racktraae zu unserem ,Furück zur Bibel" andeutungsweise ausgesprochen. Versaöer macht m.:t seinen Hörern emrn Weg durch dir ReligionSAkschich'e, von ihren Anfängen bl» zum Fslam. Es i,t nicht unser Berus, an dieser Stelle ihm aus virscS winenschasltlchc ivcviet zu folgen. Damit ist auch schon angrdeutrt, wir da» Judentum hier behandelt ist. Psleiderer hat sich auch hier un liegen satze zur Ueberlirserung die Ergebnnfe der Wellbausenschen Schule angreignet und stellt von diesem Standpunkte aus die Religion FSraelS vor und nach dem Eril dar. Tiefer Standpunkt ist der unsere nicht und kann es nicht werden — weshalbda» haben wir m oben angegebener Schrift offen ausgesprochen. Das bindert uns nicht, zuzugeben. dag auch hier der Verfaner eine» würdigen Ton wahrt und wir hoch er das Ehriftentui» auch stellen mag. unserem lülauben mit Achtung begegnet Wir erivähnen das besonders, weil ivir auch leider an das Olegenlell gewöhnt find. Dag wir gegenüber dem Werke als Ganzem dem Leser, selbst dem gereiften und denkenden. Vorsicht an emvieklen müssen, wideritreilet der Anerkennung »ich» die wir dem Verfasser entgegendringen. Stellt er doch seine Ansichir» nicht mit der llnfehlbarkeitsmienr dar, dl> deute oft dem Forscher zu eigen ti« er verlangt se 1 bs» eine Prüsuag seines Buches. Sollen wir da» Fudentum gegen die Winenschast verteidigen, so müssen wir sie kennen lernen das >» unsere Nrlr Forderung: dazu in vor liegende Schrift wobt geeignet. Fn mievielen Punkten wir un» nun auch vom Ver fafser trennen »i-inrn gern geben wir zu. dag gerade s e 1 n Werk unter vielen ähnlichen uns merkwürdig gefesselt bar. Hier Ixu die Persönlichkeit den Stil geschaffen. Er ivill nich^ achtungslos nlederiverfcn. sondern das <M״kr itiid Kernige »! der Menschheit rrlxrlicn er kennt dir Wichtigkeit dieser Aufgabe zumal in unserer Feit Stellt er auch aus völlig anderem?tandpunklr als wir. so sind gerade darum icirtc Ansichten, soweit sie die Wichligkeii einer auf >401» beruhende», das ganze Leben umsassenden ernNsittlichen LebenSanschanung betonen, als nichl abzulelmendr FeugniNr doppelt zu bewerten. Solche Schriften sind geradezu un Stande, die Hofsiiling auf eine Kräftigung des religiösen Srandvunktes mitten in unserem Feilalter zu erhöhen. Lchlus! folgt» Tie Neliftioiisdelikte des» dcutscheu Strasg srv׳ biirches. Leipziger Dokiordissertation von Felir Fretimond. Leipzig IGx:. Wir hatten vor k»rzem tMelegenheit aus Anlasz einer Schrift des bekannten Kriminalisten Professor Beling un» mit dem obigen Gegenstand zu bei,inen Dir leite angrzelglr Dvkivrarveit bringt ruir sleisuge ,',»i'»>>i»ie,-i'l-׳ lang und kritische Würdigung der Litteratur und Reck i!p.. hung auf diesem iüeblrtr: die eigene Meinung des Verianeis schl rszt sich meisi an eine der bereits von »!׳.derer Seite verireienen Anichainingen an. Der Darstellung dcS geltrndrn Rrlchsrecht» wird ein kurzer bist orischer lleberblick vorausgeschickt, von dem eine Halde Scue dem mosa ischen Recht gewibniet ist Das ist recht wenig. Der Verfasser drin zt'S aber dennoch fertig, mrhreres llnrichrige darin zu behaupten. Dass er vom l^lotte des mosaischen lsicsktzes al» ״dem (Hott des Fornrs «nb der Rache ׳ svrichk. da» soll 1b», nichl weiter verdacht werden. Er hat damit nur das wiederdo t, was in ledein christlichen äiellgioiisbttch zu irjen ist. Aber »vo nndrn sich in der Thora .,dir zahlreichen Faste» geböte, dir streng geatmdct werden"? Ferner wird de hauvlct, .,bei ׳)k 1 cht de oba ch ru n g der gegebene» D p se rv o rschr 1»ten׳ werde im Falle von Fahrlässigkeit cm Sühnopfer verlang!, bei vorsayl cher Be gchilng werde dies Vergehn als Schmähung iüoktrS nur dem Tode veNrait. Halte der Vertaiser dir von ldni zitienr» Bidelitellen lLrvitirus III. Runieri XV, genauer gelesen, so hcilie er seivst bemerkt, da» es sich dort gar nicht um ״Richldeodachl ing von Dptervorschrlfle»" handelt. Da«: ihm der Unterschied von ך\יב und TodrSitrasr nicht bekaniu >oar, darf dem Autor am Ende nicht so sel,r vcriibclt werden. 11. Cirerari$cl>cr Sprcchsaal. Bezugnehmend auf dieRokiz in Rr l'i des .,Fsrarlit״, in ivrichrr Herr Pro». Dentich Eineinnati über die?,ainilienverhältniür des Rabbi Ratlian Adler «^7 gewisse /,ivcisel äunrrt. gestalte ich mir auf d»1s 1ש״ des Rabbiner S. Lchrribrr zu Berrgias: zu verweisen. Es ivird dairlbn . r. :ih Anmerkung .'» ei 1 aus dem Fahre 1M1* daiirrter B»>es des Edcitam Sofer zitiert, ln welchem letzterer erwähnt, da» sein Lehrer Rabbi Rathan Adler einen Sohn und eine Tochter hatte. Letztere starb »n Alter von!-> Fahren bald nach der llebernedlung nach Boskowly, und zivar in der Woche von שי־עזי־, ואיא■ Es wird dort des stannrnerregenden Heroismus gedachl. mit welchem Rabbi R rtban seinen Schnirrz über deren Henn gang )11 überwinden wusür, und gleichzeitig erwcibnl, das, er auner den gedachlrn andere Rachkommen nicht hatte. Dr. Daniel Fink, Wien. In Bezug aus Rabbi Ratlmn Adlet 7׳ ׳׳ bemerke ich, das, aus einem in 1'יט אליע7ר ע,־1 ח־־־ייב" veröfsrm י lichten Briese seinr» Schülers, des y ר.ב כיתר 7׳׳~ rrnchl ltst, bah derselbe einen Sohn halte. Lb derselbe jedoch vor dem Vater »tatb oder nicht, kann ich nicht angeden. In der הזכל bei Horovitz IV!».'. heigr e» יל.יי יש" יכר'"■ R. Von anderer Seite wird UN» mitgeteilt, dan der Sohn R. Rathan Adler» 7״ל in Frankfurt seine Hochzeit getrabt hat. Rach alledem ist also die Angabe in der.tewish Encyclopedia, dafl R. Rathan Adler kindrtlo» gewesen sei, zu berichtigen.

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