Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 48 (29.11.1906)
- Date
- 1906-11-29
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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2!י• Novcnibrr 1906. ׳einer Erwiderung cnttuicffltc Hen Juli u s Linion noch einmal in scharf präcisiencr Weist׳ eiilgehend die Gründe, die au»' zio nisti'cher Leite für die energische Bekänipsniig der obcrrätlichen Resormplänc maßgebend sind. Ein (Gebetbuch wie das projektierte müsse in den Herren der fugend die Einpsänglichkeit sür die nationalett Ideale ertöten. Herr Nasen he im wandte sich ebenfalls gegen die }lue sutnllngin des Herrn Ediadi, die selb»! an der Nnklaibeit litten, die er aridere!׳, Vorwerke. Unter Resorni fei von den Rk»erenlen nicht ein abstrakter Begriff, sondern die historisch sehr genau destimnitc jüdische Resorinbcwegnng des I'.«. ,'\11tn׳ huilderts verstanden!vordcn. Has jüdische ffieli gionsgeseß enthalte selbst die Maßstäbe in sich, ״ach denen die von derzeit erforderten Tekauoth getroffen und ans diese Beeise das Geieß ״fort gebildet" werden könne. Hillel und Na b b e n n berschom - nne gerne würde sie auch die heutige Orthodoxie als ״Resormaroren" anerkennen. Wenn aber etwa Herr I abinsL ch a ch oder die Herren vom Badischen Hbetrat das Piedestal der resormierendcn Gcsetzcölehrer besteigen und ohne genügendes Baissen, vor allem aber ans ganz anderen,fremden religiösen Boransseßliiigen darauslos reformieren!rollten, so wäre die Orthodoxie doch wohl berechtigt, sich diese schäßenswetle Tätigkeit ganz energisch zu verbitten. Her Ans tritt aus den (Gemeinden sei nicht etiva deshalb enolgt,!veil die Orthodoxen gefürchtet hätten, ihre praktisch religiösen Bcdürsnine innerhalb j'HHf;.V 11tu> einem 'ti'lutd beliebigen jn könne?׳ .׳ - c w!ן ן c n c׳ pslidt vielmehr n׳ar der Austritt sür diejenige ׳, die ans Grund der maßgebenden Entscheidung L. R. HinchS, Israel Hildeslie ineis und vier hundert weiterer anerkannter rabbimsche» Antori tüten, de»! Lv st ein der Reform ihren Ste nerk reuzer und damit ihre Aner kennung verweigerten. Hirse Gewissenspslicht bleibt bestehen, solange das Lüsten! bestehen bleibt. Man kann sich darüber an-:- politischen, aus sehr edle» Motiven hinivegsepen, aber inan hat kein Recht diejenigen anzufallen, die darüber nicht hinivegkonnnen können, }lud, sei es eine lächerliche Anniaßnng, nun derHrhvdoxie,!veil sic au» ein zelncn Weilte in b fit hinansgedrüngt ivurde, das Red,t zur Teilnahme an den Freuden und beiden der jüdischen Gesamtheit zu bestreiten. }!Mi fühlen nnS eins mit der Vergangenheit, fn h len u n s mitten i in j ü d i s d, e n B o l k s l e b e n der Gegenwart und sind weit davon entfernt, uns von Herrn Tabins Ld,ad, und Geistern seines Lchlages zl! Inden zweiter Klasse degradieren zu lassen, Rad,dem Herr Ld,ad> nod, einmal er widert erhielten die beiden Referenten das Ldilnß worr und cs gelangte folgende Resrlution mit allen gegen sieben Ltinnnen zur Annahmen Die von der zionisil'chrn Ortsgruppe in Narlorube und vom Verein zur Wabrung der Jnicrcfien des ge seeeorreuer! Judentums cinbcrufcne vfirnilichc Vcrsmiini lang erklär! nach Anhörung der Referenten über die vom oirvfik. Obcrrat Badens geplanteGebeibuckreiorm ״Wir proteslieren gegen die Tendenzen des Reform grbrtbuchrö aus das Entschiedenste und erachten den Versuch des Obrrrates sür durchaus ungeeignet, das lüdische Empfinden neu zu beleben. Ein Gebetbuch, in dem alles eigenartig Jüdische ge strichen ist, da» grundlegende Vcbrcn des Judentums verlkiigner, und da» im übrigen eine bedenkliche und unfreie Rücksichtnatmie auf ungerechtfertigte Angriffe der Judenfeinde zeigt, wird vielmehr dem Schwinden rrligiösen Sinnes und dem Rückgang lebendiger jüdischer Empfindung nur weiteren Vorschub leisten. Tiefe schädlichen Wirkungen müsien bei der Jugend verschärft in die Erscheinung treten, der man da» Reformgebrtbuch im Religionsunterricht vorzulegrn gedenkt. Hier bedeuten die x. L. sinnwidrigen Uebrrsebungrn, die aus nichtigen Gründen den wabren Wortlaut des bcbräischen Texte» verschleiern, geradezu eine Erziehung zur Unwahrbaftigkeit Wir sprechen dem Oberrat das Recht ab, durch die Schaffung eines solchen Gebetbuches aus Gesamtmitteln, das tUewisien des Einzelnen auf» Schwerste zu belasten Der Israelit. und wir machen ibn aus die Jolgen aufmerksam, dir durch den unausbleiblicken Kamps, den der Oberrat uns und anderen aufzwingt, für dir Einbei« der Juden Badens knineben müfir». Hie Beti'amnilung bedenkeie einen verbeiß ungsvollen Ansang der Beivegnng gegen das badi'die i^ebetbud», die bossriulid, ans den :Ins soll der nächstjährigen Ltincdalivahl nicht ohne Einstnß bleibt. Köln, ^>">. Rom!!!ber. E- Wagner, ׳vrtttor und Missionslciter des ,JWestdentichen B reins sür Israel" in Köln ersndil uns um B. tössentlidning sollender Erwiderung an׳' den Artikel ״Kölner Indenmls'lon" in }so. 4«; unseres Blattes: ״I. Unser Bcrein, der seit d. I. l^'.'.l den Raine» ״Westdeutscher Bereit! >ir Israel" üilnt und unter kirchlicher und staatlicher Aussicht stell', hat in den <'>;l Jahren seines Bestehens niemals, auch indit seit Erössnnng seines Missionshauses im v. I. versucht, ״seine Religion der Viclm, armen, nnglüdlidieit Menschen anszndrängen," nod, har er bei der Ansübung seiner Tätigkeit ״listige Ldileidnvege und Gewalt des l^civissens zlvanges angeweiidet." Unser Hausvater »var nidit ״täglich" sondern int Ganzen nur I 4 Mal vcr der jüdisdien Armenkasse, aber nicht, uni ״junge »nknndige Juden als Hpstr einzusangen, unter dein Borirande, daß sie in ein jüdisches Hans komnieii," vielmehr hat er eben zugereisten Indeil, die sid, aki uns gewendet und die um' 11id,t ansnchmeii ivollten, den Weg zu ihvpUl 1?n+1%v4♦• »»*» * 0|««4״ו ווו\»^«4|»וווו^ .*ן»»*••«» «fVIt'lV ן v 11 . m«| hie Behauptung hip Milli»,, ses»!e die teilte an sidi dadurch, daß ״sie ilmen l^eld zur Begleidiung etwaiger Lchulden votsttedr״, ist unwahr. Bei uns gebt alles ,offen und ehrlich zu. Inden, die unser Haus anssuchen, kominen aus sreicn L lüden, uni sidi näher über das Ehristentuin zu insormiere», mit dem sie sd,on vorher mannigsach — and, in den Herbergen zur Heimat — in Betükrnng gekommen sind. Ehe wir sie in unsere Anstalt ans, ehnien, müssen ne erst längere Zeit an unseren Bibelstnnden teil nehmen. Habet erfahren sie sofort, sofern sie solches!virklid, nod, nicht wüßten, daß unser Hans eine evangelisch christliche Missionsanstalt ist. I-alls sie den Wunsch zur Ansnahnie äußern, n ird ihnen die Hansordnniig vorgelegt, irr welcher ein 8 lautet: ״Jedes Drängen zum Eintritt ins Heim als auch znin Bcrbleibcn in demselben und sonderlid, das Ueberreden zur Taust׳ »inst strikte vermieden werden. Es steht jedem Zögling ׳rei, die An ׳:alt l'osort wieder zu verlassen, sobald er sid, mit dein Geist und Ztved de!selben nicht be srennden kann." Also auch ״das gefangen gehalten werden," ist ein Märchen. L\ Has Lege!» der Gcbetsriemcn zn verbieten oder die Gebelszcidien zn eonsiscicren, ist uns nie in den Linn gekommen; solches wäre and, bisher ganz!!»!!!öglich geivesen, da keiner der Anfgenommenen — zu nnse!er traurigen lieber rasdjnng — diese altehr würdigen jüdischen Abzeichen bei sich führte. And, hatten unsre Zöglinge — ebenso wie viele andere, die Ausnahme begehrend bei nS vorgesprechen Hallen — längst aufgehört, koscher zn essen, den Labbat zri heiligen, die Lynagoge zn besuchen n. s. >v. Wir habeit nie unterlassen, uns danach zu erkundigen, weil es uns senr liegt Inden, die noch an dem ererbten Geseh sestl,alten, ״ihren Glauben zu entreißen." I. Ihre Korrespondenz erwedt den Lchcin, als ob wir eS hauptsächlich aus die armer» un glüdlichen russischen Flüchtlinge abgesehen und eine ganze Anzahl solcher im Hause gehabt hätten, llntcr den bisherigen Insassen ivar nur ein einzizer Russe, 16 ׳nicht 15) Jahre alt; er war am gleiche Weise wie die anderen, allein und freiwillig, gekommen und war uns nicht durch einen ״Schuhmacher Grünblatt zugesührt." Ein solcher ist uns nicht einmal dem Ramen nach bekannt, geschlveige daß!vir mit seiner Reise nad, Antwerpen irgend etwas zu tun hätten! 4. Es ist nie beabsichtigt gewesen, ״aiy 14.Cctobfr einen Insassen und dazu einen Epileptiker in der Seite 7. Rr. 4*!rinitatiskirche zu tan'en." Unter den drei Zöglingen, die »vir damals hatten, »var keiner rveder epileptisch nod! sdnvadi'innig. Ein solcher n'ürde and! nie von uns getauft werden. Einen an Hustetie leidenden Juden hatten »vir seiner Kränklichkeit rvegen längst tvieder entlassen. Rnr ein Blakak haben »vir bisher ausge geben, und das hängt allerdings in d^r hiesigen Herberae. die i<1 nud, *•!!״.•י A!!staI! unserer evn n ac l i ׳'d> e n Kirche »st. Juden, t ie da einkehren,'sind längst md.l niehr orthodox! Hie Plakate i» den Herbergen anderer L'ädke rühren von ztvei Hamburg׳ r Missionsanualken her, deren He ms beständig von jungen Israelit n gesüllt ׳'ind. «'׳. Haß Bibelstuntcn von Iran Ren ab gehal eu rverden, ist gleidi'alls eine Jabel. 7. In den! iniige eilten Auszug ans niisreni ״Prospekt" ist ein sinnentstellender Hrudseklcr: ״unter die Hcilssonnc Zucht des Wortes tKottes" muß heißen : ״unter die heilsame ete." Hieraus erwidert »nser Korrespondent: ttd I. Rad, den mir getvordenen Insor mativnen t'and Herr Ren sich öt'ters in der Glodengasse ein, nm Inden ׳'ür sein ״segenS rcidies" Werk zu gctvinnen. Wenn Herr Ren dem Missionsleiter anders berichtete, so steht es mir frei, das zn glauben, tvas mir als das Glanbn'ürdigere erscheint. Haß die }Rission durd, Bezahlung von Ldinlden arme Juden an sid, fesselt, darüber liege» »ns die Belege vor; niid zivar mußte einer I-' Mk, ein anderer lM Mk. ׳'in bei scineni Eintritt beglidicne Ldinlden ent riditk». Hhne Zahlung dieser Beträge »vürde }len die Zöglinge »id,t entlassen haben. Hie sraglid'kii Insassen des Missionshauses mußten vor ihrem Eiutritl nidu erst längere Zeit an den Bibelstnnden teilnehme», inan nahm sic sofort ans. Haß sid, in der Hausordnnng ei» Para graph sdßvarz aus »veiß benndet, der den Ztvang verinieden >vi׳'sen null, bezweife e id> nid,t. Es konnnr eben ans die Beiolgung an und daraus, vb sid, die Zöglinge bei ihren schlechte» Brr mögensverhältnissen nidit in einer Zivangslage fühlen. Was die Befolgung dieses Paragraphen a langt, so ist folgendes zn bemerken: 'Bei dem Weggänge der drei Insassen der Anstalt — von zweien wissen!vir es ganz bestimnil — war Herr Pastor Wagner nicht in Köln anwcscnd. Herr Reu snd,te in seiner Angst, daß das ganze .^us leer würde und er von den! weiter Bor »mim erführe, die Zöglinge wenigstens bis z»lr Rüdkniitt des Herrn Wagner znrüdznhalten. Ha aber die Zöglinae sid! in ndreren jüdischen Hände!: »vnßten, so ivurde das entgegenkommende Aner bieten energisd! zurüdgewie'en. »d - Has l'egen der tvebelsrieuien wnrde dem 1.'» resp.!',jährigen Iniigcii vexschiedentlid, von Ren verboten. Hie Gebielsrienieit halte ein anderer Insasse bei sid,. He! Besuch der Luna goge wnrde dem Jungen von Ren unterlagt, u. 1׳. am Limchas Thora. Wenn Herr Reil anders berichte0׳ ,׳ nehme ich mir!vieder die Freiheit, das zn glauben, »vas mir als das Glaub-!vürdigere erscheint. »d Id, bleibe dabei, daß der l'»jährige Russe durd, den Lchnhrnacher Grünblatt dem Missionshaus zngesührt!vitrde; leztterer hat in! Austrage der Anstalt oder im Aufträge des Herrn Reil gearbeitet. ad 4. Ein an Epilepsie oder, wie Herr Wagner sich ansdrüdt, an Husterie leidender Jude sollte nach ine inen Erkundigungen am 14. Oktober in der Trinitatiskirche getauft!verden. Hie Taufe unterblieb hauptsächlich aus Borl^ilti'ngen der übrigen Zöglinge. «d 5,. Ich konstatiere, daß -Herr Wagner xiigrstehr, daß ein Plakat ausgegeben »vurdr. Lb oie Juden, die in der Herberge einkehren, orthooox sind oder nicht, unterliegt weder der Beurteilung des Herrn Wogner, noch and, ändert das etwas an der Tatsache, daß die Anstalt sich bemüht, bis dahin dem Judentum angehörige Menschen der christlichen Kirche zuzufüdreki. Haraus, daß Herr Reu mir seinem Ramen unter-