Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 48 (29.11.1906)
- Date
- 1906-11-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Rr. 4m. Scitk^i._ graben bat, und das Schwälble״» von ״Verein zur Wahrung der konsen׳ativcn Interessen" macht anch noch lange keinen orthodoren Sommer! Was hier vor etwa Jahresfrist v rhergesagt N'urde, ist fast wörtlich schon jetzt ei»,getroffen: anch die ״liberalen" Bänme wachsen nicht in den Himmel und im (Drosten und Ganzen ist's dem tsicincindesaden nicht anznsehen, ob er konservativ oder ncolog sortgesponnen wird. Tai ist für die Einen so wenig ein Lob wie für die Änderen,׳ (* ist der tressende Ausdruck der Harb und Marklosigkeit, an der von jeder liier das jüdische Geiiieindeleben krault, die Konsequenz jener Politik der Sainmlnng und Versöhnung, die am liebsten sogar die ״Resormgemeinde" und die ״Adas; Iisroel" in ihrem alluuscligmachcuden Schafte vereinigen möchte, Ja, die Gemeindcpvlitik ist langweilig geworden^ temperamentsloS ziehen die Repräsentanten Sitzungen sich hin und nur zu »veilen verraten noch kleine Episoden, z B. Er Nennung eines Mitglieds für die Kommission zur Eins ü h r u n g der £ r;ן c l in d i e R y k e st raffe n - S h u a g og e n. A., daft unter der glatten Oberfläche da und dort Klippen und lln tiefen lauern, die — ehedem — manchen Unfall verschuldet haben. Auch in der Vorgeschichte der Gemeinde bibliothck lebt »nid spukt ein dunkler Schatten, den heute keiner gern herausbeschwören mag. Heute mag niemand an die episodcnhastc Bibliothekartätigkeit des Herrn Tr. Iromer, EliaS Jakob scheu unseligen Gedenkens, cri »nert »vcrden, der unter dem Truckc einer aufferjüdischcn Ein fluffnahmc die damalige konservative Re präsentankenmehrbeit d!׳״> jüdische:: Gcn:ci,.d^d!t1nst zuzntuhren verstaudeu hat. Erfreulicheriveise scheint das Institut von dieser Kinderkrankheit keine dauernden Iolgezustände davongctragcn zu haben. In der letzten Sitzung der Repräsentanten konnte darüber berichtet »verden, daft die Vesncher- und Venutzungssreguenz gegen das Vorjahr sich um 10*1. grhobei» und dauernd im Steigen ist, und das: alle Vernse nird Stände zu dem Vcfev Publikum de׳. 'Bibliothek ihr kleineres oder gröfteres Kounngent stellen. Einen lesenswerten und ׳,uv ('beschichte des jndnchen 'Bibliorh kivesenS bedeut samcn Veitrag stellt der vom derzeitigen Vibliv ibekar, Hr. Vs vritz Stern, veröffentlichte Vcricht über die Vegründung der Vibliothek und die drei ersten Jahre ihres Bestehens Iebruar l'.x>.' bis März!'.»»».st dar, der int Tr »ick erschienen ist und Interessenten »vobl zur Verfügung gestellt »vird. Eine grofte Iordernng haben die Vibliotbeks Interessen übrigens von einem jetzt zur Ans zahlung gelangten Legat des verstorbenen Justiz rats Hr. Heinrich Melier (roh» in Höbe von Mk. ־jh,uo<> zu erwarten, welches vorwiegend zur Vergröftetllng des archivalischen Materials Ver »venduiig finden soll. Son׳'t ist aus der Ehromk der hiesigen jüdischen <R׳!i!ci!1de in den letzten Wochen »lud Monate» »virklich kann» noch etwas Wissensivertes zu be richten. Hann und wann finden Probepredigten vo.i Ruvbliiaisaspirantcn üntt; aber das Publikum begegnet auch diesen, früher zugkräftigen Hcbuts infolge Uebersältignng mit ziemlich grofter Ime resselongk.it und Teilnahmslosigkeit. Man ver spürt auch aus d.eiem Gebiete nur allzu deutlich die Einwirkung der Hochkonjnnklnr in Indnstric und Handel; die teilte habe» Wichtigeres zu tun als über die Rabbiner. die doch nicht angestellt werden, iui, ihr »ninaftgebliches Urteil zurecht zulegen und zu bilden, und sie haben anch zuviel Ieit s»r ihre Komploire und Geschälte nötig, um »ich an einem ״gewöhnlichen" Sabbatb den Lurus eines Sunagogenbeiuchs gestatten, »ind damit ״nlltzbringcnde" Icit verlieren zu könne». eine s fei dalic. noch gedacht, nämlich des ״Vereins »ür Arbeitsnachweis", der seine Ge schästsränme ans dem spelunkenhasten Lokal in der Gr. Hainburgerstrafte in das Helle, lichtdurch slntelc Pirierre des Veubanes Monbijonplatz U» verlegt »ind mit dieser Verlegung eine Erweiterung seiner Tätigkeit durch Einrichtung einer Schreib slnbc, llebernahine von Vervielsältignngen n. dgl. verbunden hat. Anderivärts »väre das Iolgend.׳ so selbstverständlich, daft cs nicht ertvähnt zu Der Israelit. werden brauchte; »ver Berliner Verhältnisse kennt, »vird eS zu »vürdigen »vissen, »vas eS bedeutet, daft ans sämtlichen Jalousien in Hrakturschrift angeschrieben ist: ״Sonnabend geschlosien!" Nun fragen. Sie, »vas aus der ״Adaft Iisroel" z»» berichten? Auch dort herrscht über allen Wipfeln :sinh und nichts stört daS etvige (Gleich maft der durch Sitzungen und erhöhte Tätigkeit nicht beunruhigten Gemüter. Hankenswert ist die Veranstaltung von regclmäffia allivüchentlich stattfindenden Vorträgen über ״dieHrauengestalteil der Bibel׳^, die von einem Konnte nur für Hamen) ins Leben gerufen »vnrden und von Herrn Rabbiner Tr. Munk gehalten »verden. Her, »vic man mir sagte, rege Besuch und die lebhafte Teilnähme der Hörerinnen an dem Hragekasten be weisen, daft mit dieser Veranstaltung das Richtige gctrosien wurde. Der ttampf um 9as Baöiiche öebetbuch. K arlsruhe, ->l.?iov <H». Unter starker Beteiligung der verschiedensten Mreife der hiesigen jüdisch n Bevölkerung und des benachbarten Landbezirkes fand heute Abend eine grofte Protest» ers am ml u ng gegen das vom Oberrat geschaffene und ziirEinsührung inAnssicht genonilnenc Reform ge bet buch statt. —Schon lange vor Beginn der Versammlung, die gen,einsam von dem ״Verein zur Wahrun z der Juteressen der gcsetzestrcuen Iudcutums in Baden" »ind von der Iichiistischen Ortsgruppe Karlsruhe einbcrnfen »vorden war, konnte mau kein Platzchen mehr in dem geräumigen Saal erlangen, und in Gäitgen und Vorzimmern harrte ♦ ine vielköpfige Vkenge stunde.׳laug bis zum Schlüsse der Versammlung aus. Nachdem der Vorsitzen de, Herr»» Tr. Jonas S i 11» o n , H e i d e l b e r g »einer Befriedigung über die lebhafte Teilnahme Ausdruck gegeben, ergriff der von der Iionisti scheu Ortsgruppe bestellte Refer iit Herr Julius Simon. M a u n he i m das Wo»t. In ruhiger vorne!,wer Weise kennzeichnet der Referent die in dem (Gebetbuch zu rage tretendeil Tendenzen, die der Oberrat in seinen ״Vvrbemer klingen" nur teiliveise zu begründen sucht. So leicht die Verfasser des Gebetbuchs sich diese Be gründung auch gemacht haben, so sind sic mit keiner Silbe aus die vom zionistischen Standpunkt aus bedeutungsvollste Umgestaltung in ihrem Ge betbnch eingcgangen, die A u s m e r z u n g jede s Gedanke n s, der an den nationalen (ö harak ter »ind an die nationale 111 k»1 ns t des jüdischen Volkes erinnert. Tas ift der Genchtsp inkr, der die Iionisten zur schärfsten Gegemvehr gegen die oberrätliche Gebetbuchinacherei führen »in׳;. Wenn »na»» den Oberrat gewähren liege, so »väre die völlige Anslösniig der Vsehrzahl der betroffenen jüdischen Volksteile besiegelt. So find es also keineswegs bloft die ge setze streuen Iioniste»L die sich mit aller Entschiedenheit in die Opposition gegen das oberrätliche Projekt begeben »nüsscn. Ein historischer Rückblick zeigt, das; Reform und Assimilation in letzter Linie sich überall als identisch eriviesen haben. Lasse man die verschiedeuen innerhalb des jüdischen Volkes bestehen den Strömungen religiöser »rnd uationalcr Art Revue panieren, so ergebe sich, das; tatsächlich keil» Me 1»sch in der Well irgend ein Interesse an der oberrätlichen Reform habe. Ter Referent ging dann aus die pädagogischen Ungeheuerlich keilen des oberrätlichen Unternehmeils ein. Wenn jemand in dem bekannten Satz des Tischgebets היא י*י!'כ:*^־*:רדץי־. לאי־צג׳• das ׳Wort לארצנו im hebräischen Text streicht und daun übersetzt: ,,'?timin jeglichen Hruck von uns, daft »vir aufrecht und ungebeugt unseren Lebe!»sweg gehen-, so sei das keine liebersetzung mehr, auch keine freie Uebertragung, »ander!» einfach eine Iälschung und cs sei schwer cmznschcn, auf »vclche Weife der Lehrer den Sckiüicrn diesen klaffenden Gegensatz zwischen der »vahrcn und der gefälschten Uebersctzung begreiflich und ethisch schmackhaft machen solle. Ter Redner schloff mit einem fiammcndcm Ausruf, sich in dem Kampf gegen das Gebetbuch deS Oberrats ohne _ 2־!». November 190♦;. Rücksicht aus die Parteistellung im Iudent»״״ zu sammenzufinden. Im Aufträge des ״Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden" sprach als zweiter Referent hierauf Herr Jacob Rosenhcim, Hranksurt a. ׳.».>,' Er präcisiertc zunächst seinen Standpunkt dahin, daft er sich einerseits mit dem badi scheu Oberrat, auf der andern Seite nbee!*״ dem von dem Vorredner vertretenen zionistische״ Kreis in llebere׳nstimn»׳.rng und in: Gegen»«, befinde: Ter überlieferten jüdischen Anschauung sei das Iiidentu»» »veder reine Konstssion, noch bloff Rationalität, sondern Weltanschauung ״״& Volksrnn» zugleich, sei die Iudenheit ein nationaler Körper, dessen höchfte und alles andere bedingende Lebensaufgabe die Verwirklichung des Religions gesetzes bilde. Von diesem Standpunkt ans unterzog der Referent daS 'Werk des Badisch.,-!- Oberratseiner stelleinveiserecht temperamentvollen Kritik, nicht selten von der lauten Zustimmung der Versammlung unterbrochen. Wie mm tas ganze Unternehmen auch betrachte, unter logischen, ethischen oder aesthetischen Gesichtspunkten, immer »virke es auf den iiiir einigermaßen durchgebildeten Beobachter peinlich und abstoßend. Iusbesondere aber fehle jede Berechtigung, ein Buch als modern zu bezeichnen, das vielmehr einen au» vistischen Rück»»!! in die historisch längst begrabene Hamburger Tempelresorm bedeute, und dessen religiöse Eharaktcrlosigkeit in einem erschreck, nde: Gegensätze zu dem ernsten relig ösenRmgen unserer Beit »stebe. TasBnch n׳-!t seiner Leugn.i.ig grnndle gender Lehren der Judentums sei im übrige» eine Kriegserklärung an die große jüdi'che Vergangen heit und an die Gesamtheit des jüdischen Volkes, das in dem gemeinsamen Gebet sein heiligstes Ei nigungsbaud besitze. Her Referent, der seine Ansfübrungen durch zahlte che E nzelhoiteu aus dem Gebetbuch illn strierte, schloff »n t dem Hiinveis ans die bevor stehenden Erinnerungstage an die Makkabäer kämpfe, die in ihrer Grundtendenz — Verteidigung der unbedingten Gesetzestreue gegenüber dein falschen Kulturdünkel der Hellenisten —) vorbildlich fein sollten für die Aufgaben der badischen Inden in dem ihnen beoorstehenden Kamp e. Wie in der dörflichen Hütte des Maiithjahu die Wieder gcsilndung ihren Anfang genommen so könne auch in Baden vom Lande her die Ausrichtniig des Judentums beginnen und daun aus dem blos negativen Werk der Gebetbuchkämpse die positive Arbeit einer Wiedereriveckung jüdischen Lernens Wissens und Lebens hervorgehen. I» der Histussioii kam zuerit Herr Lew in aus Bruchsal zu Wort, der i!r einfachen, aber eindrucksvollen Harlcguugen das von den :>,e»e reuten vorgebrachte Material ergänzte. In dem nun folgend »1 Redner, Herrn Iabrus Schach, Karlsruhe, den! Redakteur des von der ״Ver ciniguug Badischer Israeliten" hcrausgcqcbeneii Abwehr laites, erstand dem Oberrat ♦in I-reiuid in der '?iot. Iivar erklärte Herr Sckiach, da»; er?r'ationaljitde sei, und das; ihn 1»u Wege »nd Methoden vom Zionismus trennten. Aber der Iionisinus als solcher Haie fei > Rech:, sich in der (׳׳ebetbuchsrage, die rein religiöser Ratur so׳, au die Seite der Orthodoxie zu stellen. Hie ganze Schale »eines Zornes aber ergoff der Redner über die böse Orthodoxie, die schlechter sei als ihr Ruf, »vährend der Oberrat die scharfen An griffe nicht verdiene Reform fei bei allen or gallischen Gebilden, also auch bc.m Iudentuin etwas Rvtweudigcs, auch Hillcl (פידזביל), Rabbenu Gerschon» hätten Reformen eingeführt. Es käme nur da ra »r ai׳, das; dieReformen von innen heraus erfolg teil Tie Orthodoxie habe, sviveit sie aus den Gemein den auSgeschieden sei, gar kein Recht, sich um die Gebetbuchaugclegcnhcit zu küiumern, obgleich Red ncr anerkenne, das; der Austritt seiner ^eit eine Ronveudigkeit »var. Nicht der Badische ^berrat. die Onbodorie habe sich von der Gamtheil ge trennt. Es folgten noch eine ganze Reihe von Behauptungen, die alle darauf hinauslauscn, die Beivegung gegen das neue Gebetbuch uaäi den verschiedensten Seiten zu disqualifizieren. I"