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Der Israelit · 1906-11-29 · 48 (29.11.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
48 (29.11.1906)
Date
1906-11-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Der J«rarUt> «fite 2. 9ix 4S. *'• vfoörmbct 1906 Gegensatz zu allem, wa» noch christlich ist, und gegen birie Richtung wenden sich denn auch mit zweifellos zunehmender Schärfe und Entschiedenheit die pontiv gerichteten Kreise der verschiedene» Bekenntnisse, wie dieses zurzeit in Frank surt a. M selbst ani deutlichsten hervortritt. Wir brauchen nicht zu versichern, daß wir von jeder Sympathie für das Refvrntjtidentuni in allen Wonnen und (Gestalten frei sind, ninw melir aber fühlen wir und verpflichtet für die Ehre unsrer Vaterstadt einzutrcten. Wohl war drc frankfurter Äen>e>nde >n den ersten fahl zehnten des vorigen Jahrhunderts, ehe ein ivamson Raphael Hirsch aus den Plan trat, die Hochburg der radikalsten Reform und nirgends vielleicht feierte der Fanatismus des Unglaubens solche Orgien wie int Reiche der Heg und Geiger, der Stern und Stein. Heute kann, dank der Lebensarbeit vor allem HirschS, wahrlich nicht mehr davon die Rede sein, dag die jüdisch neologen Greife Frankfurts ihren religiösen ״Freisinn" irgendwie schärfer auspräglen ן und betonten, als dies auch auf christlicher Seite! oder in anderen jüdischen Großgemeinden geschieht. > Was aber die frankfurter Zeitung anbetrifst, jo wird auch die kölnische Bolkszeitung zugeben ntüssen, dag das Blatt der süddeutschen Demokratie in politischer Beziehung und in seinem politischen Teile ehrlich und geschickt lediglich das Programm seiner Partei — die doch nicht von jüdischem Geiste durchtränlt ist vertritt, und dag cs im Kulturkämpfe mit Energie für die Rechte der verfolgten katholischen Minorität cingctreten ist. Inders steht es mit dem 80i־distnt wissenschastlichen Teile, dem f-euilleton der frankfurter Zeitung. Wir sprechen int -!amen zahl reicher jüdischer Leser des Blattes, ivenn wir die! gewdez׳.׳. kleinliche, tendenziöse Art bedauern, in der hier die gleichgültigsten Borkommnisse zur i Bcrhöhnung religiöser Empsindungen ausgebeutet . lverden. Der billige Spott über Gebet und! Betende, die Ausgrabung von allerlei neuer und! alter Weisheit, die jeden Ladenjüngling zum | Richter über das Bibelwort einsegt, ist leider in ' den legten fünfzehn fahren zu einer stehenden! Rubrik des feuilletons getvorden und diese! Methode, die jeden halbtvegs religiös Empfindenden aufs tiefste verlegen mug, bnvftc tvohl auch veranlanen, dag man die frankfurter Zeitung mit einem gar nicht vorhandenen — spezifisch jüdischen Nihilismus in einen Tops )wirft. Dag diese Richtung des feuilletons der frankfurter Zeitung mit der Stadtverordneten wähl in Frankfurt in sehr engem Zusammenhang nehk, möchten wir allerdings bezweifeln, aber es schien uns doch gut, die Angelegenheit hier ein mal zur Sprache zu bringen,schon,'weil,virglauben, dag die Dberleit ung des Blattes mit jenemfeuilleton Nihilismus gar nicht ganz einverstanden in. Die fran?0f1fchen luden und das Crennungsgefefe. Bis zum 11. Dezember sollen sich die ver« schiedeneu religiösen Bekenntnisse in Frankreich nach Maßgabe des Gescges über die Trennung von Staat und Kirche neu organisiert haben. An die Stelle der bisherigen, mit itaatlicheu Voll machten ausgestatteten Religionsgemeinschaften treten die sogenannten Kultusvereine, die das Eigentum dieser Gemeinschaften aus der Hand j des Staates übernehmen. Die fuden haben sich 1 in der legten Zeit überall zu solche״ Kultus j vereinen znsammengeschlossen, und es ist sogar j schon eilte Eentralunion der legteren zustande ge-! kommen, der fast sämtliche jüdische Korporationen des Landes beigctreteu sind. Die alte konsistoriale Herrlichkeit ist nun zu Ende, und ivenn noch ein frisch pulsirrcudcs jüdisches Leben im wahren Sinne des Wortes in frankreich vorhanden wäre, so hätte cs jegl die Möglichkeit, sich un behindert vou'jeder obrigkeitlichen Bevormundung itach dem vollen Ausmaß seiner Kräfte zu ent wickeln. Aber nur in der Hauptstadt noch girbt es ein kleines Häuflein Gesegestreuer, das zivar die Gründung einer besonderen Religionsgesellschaft durchgejegt hat, sich jedoch leider nicht für stark genug hält, um die Leitung dieser Sonder gescllschast anderen Strömungeil zum trog in wahrhaft unabhängiaem Sinne zu gestalten. Möge,, die Wenigen, die der Kraft der alten fahne vertrauen, dennoch in ihrem Streben nicht erlahmen, vielleicht gelirtgt es ihnen, durch treues Altsharren im Kampfe diese alte fahne auch unter so crschiverten Umständen znin Siege zu führen lind zu zeigen, daß der Tag der Befreiuilg nicht ztt spät gekommen ist. 1 Der Kl<w$ncr’$cl>e | Organisationsplan. I״« roi est mert, vive le roi! )loch hat der neue Entivurs, über den Ge! meiudebund und fudenverband jegt gemeinsani beraten, das Licht der!Sesientlichkeit nicht erblickt j Staltdesseu veröffentlich Herr M. A. K l a usn er! in Berlin in seinem neuen Organe soeben die Grundzügc eines ^rganisationsplans, der in den Grundzügen mit dem neuen Geheimprojekt des Gemeiildebuildes übereinstimmen und daher sehr ivohl geeignet sein dürfte, der öffentlichen Er örterung einstweilen als Grundlage ztt dienen. Schon im frühjahr als der Rosin'schc Ent ivurf noch in seiner Süttden Maienblüte lebte, sprach mail davon, daß Herr Klausner Gegner dieses Entwurfs sei und eineil anderen Plan alisgearbeitet, ja schon höheren Drtes überreicht habe. Es scheint uns bei dem Einflüsse, dessen sich Herr Klausner erfreut, von 'Wichtigkeit, seine Absichten zu kennen, und wir geben darum die wichtigsten Teile seiues Aussaycs im solgenden wieder: Kern und Wesen der Gcsamtorganliatiou der ,'wOe״ in; preußischen Staat ist im Ohmtbc nichts anderes als die Verleihung des Rcchtö an die Juden, sich für Wcmeiniom keitszw.cke der Juden »n Staat even!o zu besteuern. nv׳ sie es für Gen.emsauikeiivzwecke innerhalb der ,Fluden schasten" bereits tun. Die Judenschaften erheben als Simagogengemeinde steuern Zuschläge zur Llaalseinkommensieuer. Es liegt sehr nahe, in dein GesamtorganisationSgesev borzuschreiben, dast die Judenheit durch ihre später zu erwähnende geord nete Vertretung das Siecht haben soll, bis zu einer gewissen Grenze einen besonderen Steuerzuschlag für jüdlnhe Ge meinsanikeitSzwecke innerhalb des Staates zu erheben. Zch Halle eö für selbstverständlich, das, dieser Zuschlag nicht gleichmäßig der nämliche für alle Gemeinden sein dar׳. Die Steuergerechtigkeit, ein viel mißbrauchter Be griff, verlangt hier ganz unzweifelhast die Emsührung einer Skala, so zwar, dag die Zudengemeinden, die inner halb ihres engeren Verbandes den geringsten Zuschlag z״r Einkonnnensteuer entrichten, die höchste Zudenheitsabgabe zahlen müffen. Im anderen Halle würde die reichste Wc meinde eben um ihres Reichstunis willen, der ihr gesiauei. mit geringem Zuschlag auszukommen, baS Vrivilegnnn haben, für die jüdischen GemeinsamkeitSzwecke in! «taut den geringsten Beitrag zu leisten, während ihre Steuer krast die gröstte ist. Für selbstverständlich erachte ich es auch, daß die aus den jüdischen Gemeinden ausgeichiebe nen Mi'glteder, . ie aber im Judentum verharren, nur von den Gemeindesteuern befreit bleiben, zu den Gemelnsai» keitSsteuern aber herangezogen werden, weil sie eben nur aus der Gemeinde, nicht aus der Judenheit ausgeschieden sind. Die Gesamtorganisation, die ich im Auge habe, soll nur Verwaltungsausgaben erfüllen, hinsichtlich religiöser Aufgaben aber keine Zuständigkeit besitzen. Zn dieser Hin sicht kann alles beim alten, kann die Autonomie der Ge ine nde unberührt bleiben. Denn Verwaltunas- >!nd rel! giöse Angelegenheiten sollen meines Erachtens keine Ver Mischung erfahren, schon weil Verwaltungsangelegenheilen durch Vlehrheitsbeschlüsse zu erledigen tind, während in religiösen Dingen keine Mehrheit Autorität besitzt und über eine Minderheit nicht bestimnien kann, ohne Gewisienszwang zu üben. Die Verwaltungskörperschaft der Gesamiorgani sation soll den bilfsbedürttigen Gemeinden lediglich die Mittel gewähren, ihre religiösen und religionserzieblichen Aufgaben zu erfüllen, ohne dast sie sich eine Vorichriii darüber aumastt, in welcher religiöten Richtung etwa diese Erfüllung vorzunelmteit wäre. Auch die unterstützte Wc meinde verliert in dieser Hinsicht ihre Autonomie nicht, sie ist keine andere Rücksichtnahme schtildig, als die in der Erfüllung der allgemeinen Vorschrift liegt, dast überall nur geeignete und den gellenden Vorschriften entsprechende Persönlichkeiten zu den religiösen und religionsunterricht . lichen Gemeindeämtern berufen werden.! Durch die Einrichtung einer Gesamtorganisativ» ivud j das Austrittsgesetz vom Jahre 1*71; erst recht einen Zn! halt gewinnen, werdeit die innerhalb der einzelnen Zuden! schastsgemeinden sich bedrückt fühlenden Minderheiten erit . die niatertelle Möglichkeit haben, selbständige Gemeinden! zu bilden, weil die Gesamtorganisation ihnen auShelfend i die erforderlichen Existenzmittel gewähren müstte. Es wäre! meines Erachtens auch vorzutelien, dast die territoriale | Zwangszugehörigkeit in Kommunen mit mehreren 11"1d11ci׳e» Gemeinden nach den! oben erwähnten Muster voii Frank 1 surt a. M. modinztert wird. Ebenso müstte den Gros; E^si'ines Feuilleton 5cdaalad. it-e:! 2amko« Raphael viefch. ״M 11 dem Z a g n a ch T e k u s a s D 1 schr 1״' . io lautet die Vorschrift, ,.beginnt die Regen bitte", »wer biete Bitte vergisti. bat noch einmal zu beten״. Einen A ti g e n b l t ck v e r tv e 11 e bei dieser Notiz und behellige, um Dein und Deiner .Kinder Heil beherzige die Wahrheit, die sie dir bringt. Ist es nicht ein herzzerreißender Gedanke sagen zu können, dast die Erinnerung bieiu xaiendernotiz ueutzu tage^etn Stern der Prüfung, eine Probe der Wardeiung, ein Schibboletb ist, woran du dich erkennen kannst, ob du noch gesund, ob bem Znneres. dein heiliges göttliches Innere noch gesund, noch unangegriüen ist von dent Miasma deS Zgahnes, mtt det» geschäftige Boten des Todes daS Leben der Ment'chengeinüter zu untergraben sich bemühen? ,Bittet G.ott um Regen״, das ist die Forderung dieser Notiz, ,bittet Gott um Regen zur Regen zeit, es ist Gott, der die Wol kengestal t ett b 1bet: b 1 o .-Hegen« Richtung giebt Er ihnen, j e l b st für einen einzelnen a n n , für e > n einzelnes Kraut aus dem Felde - (Sechariab to 1.) - >ebe das :st der lebendige Glaube des Zuden! Er!st nicht blind für die Fülle von Kräften und für die Macht der Gesetze, die Sein Meister und dcr Meister der Ratur m das Werk Seiner Schöpfung gesenkt. Eine Tat ist in t>1e>km *iaht Dienstag den l. Tezembet abend«. Welt von Tat gewordenen Gotlesgedauken ist ihm daS AU, ״M lachS h", ״M a l ach", Botschaft, Bote von Gott ist ihm jedes Wesen und jede .Krasl, und jedes | Gesetz, das Wesen und Kräfte beherrscht, Gollesauftraa! vollstrecken iic Alle mit :• llem, und ba am nieisten, wo! der btindgewordene 'Menscheninaulwurf dumpf hinmurmett: es ist Raiurgesetz, das sie regelt. Dieses Naturgesetz selber >s» die ledendigste!Offenbarung Gottes, und dast cS uns . so ewig dünkt, das un zweideutigste Wunder Seiner AU ' mach!. Nicht daher nur, wenn Gottes Geheist bas Welt׳ . meer spaltet und dem Feuer die verzehrende.Kraft bändigt, . tobsingt der Zude seinem Gott, sondern auch wenn ztim mjlliontenmale der Morgen leuchtet, und zum sechstehalbtausendsten Mate der Frühling lächelt, betet der Zude . seinen Gott an. der der Sonne ihre Bahn und dem Lichtstrakl sein itzeiei» Ii.nb den ZabreS׳,eiten, ihren Wechsel . vvrgezeichnet. Die Erdwelt aber, die »Ad am ah״, dieser ״Adams Hoden״, diese ״dem Menschen vermählte Erd natur", die Erdballrinde mit der Dunstbülle» die sie münerilch umgiebt,u»d Alles, » as in diesem Lebensring! keimet und lebet, siebet nicht nur unter dem Gesetz der einmal vom Meister bei der Schöpfung hmgesielllen und dtirch seinen allmächtigen Willen sestgebititenen Ordnung, dem V! e n s ch e 11 in sie angetraut. dem Menschen, dem der Schöpfer mit dem freien .Kuiie seiner Gnade einen Funken Seines freien ewigen Wesens emgedaucht, und mit dieieni Gotteslratiche die Macht und die Beftimiiiung gegeben, sich mit »re!er ewiger Kraft über das zwingende! Must zu erbeben, dem alle andere Wesen und Kräfte nach - des Allmächtigen Willen sich beuge», diesem, mit freier G v 11 e s k r a f t die a t u r g e s e tz e überragen d e n Vi e n > ch e n, ist sie a n g e t r a u t. ata B o d e n und Reich seines freien Schaffens und Wirkens, aber auch zu leich als E r zt e bun gs st a 11 e seiner Beredtung, Entwickelung und feiner Heraner z i e b u n g z u G o t t und zu seiner e i g c n e n g ü 111 i A e1 \11 ט י c i t und Gröste. Hier wacht das besondere Auge (*ottes und Sem allmächtiger Wilie hält hier »ich! nur die von ihm >v schafiene Drdnung der Ratur, sondern l en k t und l e 1 tei giebt und nimmt, richtet und regelt die Erzeug Nisse und Gänge ihrer .Kräfte nach dem!eweiIlgen E rziehuu gs b e d ür sn is se der Menschheit - Völker, der Familien, der Menschen. Webe dir, wenn ״die Theraphim", die redenden dichtenden Götzen ״dich mit ihrer Lehre des ״Amen״, de׳, schöpserlosen meisierlosin Krast betört, wenn die ״Koste mim", die Deuter der Naturzeichen, nur Lüge erschaut, nur lrauingeborenen Wahn verbreiten lind ״Nichtigkeit zum Tröste bieten und sie darum ins Psadlose wie «cyase wandern und sich damit rechtfertigen, dast es doch keinen Hirten gebe!" (Sechariab ltt, •2) W ehe dir, wenn das h e r r l i ch st e Geschenk des Men s ch be i t a ot teS, der S t o l z d eSMenscken geisteS, diedenkendeAnschauung der 'Wunder d e r N a t u r. dir den Schöpfer, u n d Meiner und Lenker dieser Wunder, dir den Glauben an deinen Gott geraubt, und dir nicht mebr m 11 innigem G e s ü k l e die Bitte ü b e r b i c\! i 1' l1 r gehet, ״und n«eb Sau und Regen zum Segen der Fläche der Adaniserdr". Heil dir, wenn, je reicher und tiefer Du die Wunder der *iatur erschaut, u m s o l i e f e r u n d i n »i g יr dich die Verehrung idreS Meister« ertülIl!e deutlicher dir die deiner Welt innewohnenden Gedanken hervorgetreten, um >0 näher du eben Zbn, den großen Einzigen Denker dieser Gedanken erkennest, >c mehr dtr!eder Regentropien bie^Wumet Weisheit und Wundermackt deines und feines Schöpfers verkündet um so anbetender du dich zu id»> סtrt wendest und betest! ״o, gieb Thau und Regen

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