Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 47 (22.11.1906)
- Date
- 1906-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Leuilleton-Beilage zu Nr. $7 des ״)sraelit" Msnilleton. Verkaal-Zcdrm von Mickelttadt. ^on Ttudäus. l"1 Aachvruck verboten. 15״t 1ן«חן ziim L'öagen zurück und nnlerhielt sich mit de»! ׳?Uten im IranksnrterIndendentsdi, das ich aber so gut verstehe wie u»sern Dialekt im blauen Bändchen* , Ihre Unterhaltnng drebte sich zunächst darum, ob mau mir den Schädel einschlagen oder mich der Polizei ansliefern solleich hätte damals iür mein Arbeit keinen Psifferling mcbr gegeben. Dann eutualuu ich ans ihren Reden, dasi sie zum Fürsten von Dalberg zu sahreu im Begriffe waren, dasi sie 400 (dulden bei sich führten als ^ösegeld für zwei unschuldig eiugezogene Hebräer. '?11$ ich das hörte, ging mir zum erste!׳ male ein Vicht darüber aus, was für ein niederträchtiger schuft ich im Bergleich mit diesen beiden Ehrenmännern sei. Sie sehen sich einer gefahrvollen Reise aus, um einen uuschuldig Eingekerkerten zu befreien, und ich Schenial wäre imstande gewesen, ihnen das dazu nutgebrackitc Geld abzuneknien! Das ging mir in dem Augenblick näher, als die Sorge um mein vebeuich riet laut zu ihnen hinüber: ״Wenn ich gcivusit Hütte, ivas für brave veute hier durch den 'Wald sahreu und für ivelcheu Zrveck Ihr Euer Geld mit Endi führt, bei meiner Seligkeit, ich hätte Euch nicht augehalreu, obwohl ich keiiieii Kreuzer in der Tasche und heute noch nichts gegessen habe?׳ Dir Herren müssen aus dein Ton meiner Stinime die Ausrichttgkeit ineiner Gesinnung hcraiisgchört haben, denn der Rieie kam aut mich zu und sagte mit einer Weichheit und (Gutherzig feit in der Stimme, die ich nie vergessen iverde, r per ,,^uV״, u-ähreud 11 midi vis dahin geduzt batte: ״Ihr habt heute noch 1i chts gegessen / Ihr könnt mit uns essen, nnr werden sofort unser Mittags mahl Herrichten und End! daran teiinclnnen lauen. In;w1schen ivollen nur überlegen, ivas ivir mit Euch a taugen/׳ Idi sagte mir 1‘ofoit, ')?kensdien, die so gut sind, einem Räuber, der sie im Walde antällk, nock, zu esien zu geben, iverden niid! nicht tot. td'Iagen, n»e idi es ivobl verdient habe. Sie nahnien eineKiite ans dein Wagen, iveldie Töpfe und ׳onsiiges Esigeichirr enthielt. Der Mm'dn’v suchte dürres Holz zuianinien, schlug mit Stahl und ^""der Jener und zündete das Vaub und die dürren Reiter an,!!!!! das bereits gekochte Esien zu erivarinen. '?11$ dies geschehen war, brachte INIder Riese einen Teller voll Reis und gab nur. ׳a ich keine Hand frei hakte, einen grosicn vönel davon net j» den Mund Der Reis ivar aber >׳.׳ siedend heisi, dasi idi mir Zunge m d Gunmen furcht ar verbrannte und laut an'idirie. als ich einen zivelten Vöfsel davon haben lollre ״Wir haben t eilte id'oti >venigsie>!s ge'rüli üiidr, bemakle mit nnldeni, l ilnehlnenden vädieln der junge '??»'mH: ,!oahrend ,"v'1 r norfi gar nichts gegeücn habt. Deshalb ivollteir wir Endi znersi sättigen. Da End, das Essen aber zu heisi isi.!ו;יוי1י »» BoUsiiuindr no.1! ’.־am־ d!e (׳r. '.end iiü imumitum .{'cr^'puim '.׳laiiau, ,» mcldm N׳r 2 dr.n>cr tninno Oberen war. so iverden mir jetu zuerst essen, inzwischen kann Euer Reis sidi abkühlen." Während des Essens sprachen die zivei Reitegcfährten ivenig und das wenige so leise, dasi ich kein Wort verstehen konnte. Dann kam mein Mann, gab mir den Reis in den Mund und fragte mich dann, ob ich Pulver und Kugeln bei mir habe. Ick, verneinte die Irage, ivoraus der Riese bemerkte: ״Idi sollte Euch eigentlich durchsuchen, aber ich glaube, dasi Ihr die Wahrheit ragt; Ihr seid zwar ein schlcditcr Kerl, aber im Eirunde seid Ihr noch mehr bemitleidensivert Wir haben uns entschlossen, Eucki frei zu lassen, aber nnr unter einer Bedingung. Ihr niüsit uns ersiens versprechen, wen» Ihr beim Ränberhandiverk verbleiben ivollt, an Enern bisherigen (Gepflogen heiten testznhalten und erstens niemals einen Mcnschen zu töten, ziveitens niüsit Ihr uns ver fprechen, dasi Ihr niemals einen Juden anfallen lind berauben wollt, sondern dasi Ihr denselben in jeder Weite getreulich zur Seite stehen ivollt, bei all den Plackereien und Bersolgnngen, die sie von Hock! und '?lieber zu erdulden haben; Ihr nehmt Euch ja auch tonst der Gedrückten und Berfolgten an; wollt Ihr das, so seid Ihr frei." Idi ivollte sprechen, aber der Jüngling fiel mir ins Wort: ״Gemach, nur keine Ueberstürzung! Ihr seid seht unser Gefangener und befindet Euch daher in einer Zwangslage, in ivelcher ein abgernngenes Berspredien keine moralisch bindende Kraft hat. Ihr könntet n»s jeht Euer Berspredien nidit einmal dnrdi einen Handschlag bestätigen, da Eitere Hände gefesselt sind, idi will End! erst frei machen." Sprachs und band die Stricke ans, so dasi id! in wenigen Sekunden wieder ein freier Mann ivar; ivenigstens körperlid!!var id, frei. Aber mit meiner ganzen Person stand ich im Bann des Iremden, der midi dnrdi seine Ruhe und Güte nod! mehr als dnrdi seine Körpcrkraft be hcrriditc. Id! ergrisi teilte Hand, drückte einen Kilsi daraus, und schwur ihm, dasi idi niemals eine» Men'chen töten und keinem Inden etwas zu leid tun iverde; id! beidiwor es bei meiner ewigen Seligkeit. Da lädielte der junge Mann wehmütig und meinte, idi könne »idit bei etwas ׳'dtwören, das vielleicht, ja sogar wahrscheinlich gar nidit erisiiere, wie idi denn an meine himmlische, einstige Selig fett glauben könne, n idideni ich ein io lasier- Haftes irdjsdies sieben geführt habe, wenn ich wirklidi an eine ewige Seligkeit glaube, so sollte idi meinen verbrecherischen sicbensivandel ans geben und zu einem ehrbaren siebe» znrückkehren. ״Das möchte idi sofort tnn," antwortete ich, ״iveiin alle Ridner und sonstige '??(,cmdieit so gm und brav und edel wären, ivie Ihr leid, '?!der ivenn ui, heute nnikehren und ein ordent lidier Men».r iverden wollte, iver würde mirs glauben/ '??,'an hat einen hohen Preis aus meinen Kops gcseht, den möchten alle gern ver dienen, das eire allein isi für alle Welt Grund genug mir nidit zu glauben, midi vielmehr Himer Sdilosi und Riegel zu sieden »in mir nadrher den Prozesi zu mack,eil." ״Das darf End! nidit abhallen," erividerte mein Berreier, ״Euer Berbredierleben anfzngeben, wenn Elidi and! das Sdiliminsie daraus ent siebe sollte. Ihr müsitet das vielmehr als eine willkommene Sühne a»scben »ür alle Sdntld, die aus Etldi lasier Und ivenn man Endi himteilten n'iirde. ׳eid Ihr dann nnrklidi >0 feige den Tod z» ׳ü'chlen. mit dem Ihr frevelha'ter Weite spielt .nid dem Ihr End, räglidi ans'eht/ Wenn idi Euch heute r der Rotwelir niedergesdilagcn hätte, die Mensdien hätten midi dafür belohnt und ׳elbsi vor tKoties Riditersinhl ivärc id! viel leidit frei ansgegangen. .Kommt, fahrt mir uns ״ad ge in ivieoer als red.iwer Men'di unter die Mensdien'.״ »Unter die Menschen/" gab ich zurück. ״Die Menschen hasse ich, die Menschen haben mich ansgesiosien, an den Menschen will id, mein Mütdien kühlen, so lange id, noch ein Glied rühren kann, siange ivirds ja nicht dauern, früher oder später iverden sie mich dock! ciittmigem Euere Mensdien, von denen id! End! sage, dasi sie znni grosien Teil abgefeimtere Spitzbuben tu!יי als id). Sie belisien, betrügen, bekriegen ״nd bestehlen sich gegenseitig so raffiniert.' dasi!sie keinem Rätlber von Prosession nadisiehen, dasi sie aber keine wirklichen Räuber siiid, daran isi nnr ihre I-nrch: vor den, Galgen schuld, Aber den Inden, das verspreche ich Euch, werde ich kein Haar mehr krümmen und ich weisi, dasi ich Elidi damit Grosies versprochen habe. Denn durch ihre Rüchternheit, Sparsamkeit und Emsig feit bringen sie es leichter zu einem gewissen Wohlstand; dnrdi ihre Religion und ihr änsieres '?lnftreten sind sie die Prügelknaben der grosien blöden Masse, inan kann sich nngesiraft an ihnen vergreifen. Aber hier habt Ihr meine Hand, von mir wird es nimmermehr geschehe», and, meinen Ränl>er11 iverde ich dasselbe cinschärtei׳. und wehe ihnen, wenn einer vor! ihnen je mein Wort nidit respektieren sollte!" Da ergriff der Jüngling meine Hand, hielt sie einige Minnten fesi und spradi zu mir die mir ewig nnvergesilidien Worte, indem er seine gnten, klugen Angen tief in die weinigen senkte ״Herr Hauptmanii, id! nehme Eiter Per sprechen an und bemerke Euch dazu nod, folgen des. Der liebe Gott hat eine ganz eigene Buch, führnng, er wird End, gewisi für jede Euerer Ireveltate» am Tage der Berantwortnng zur Rechensdiaft ziehen. Er ivird End! aber eben so sidier andi jede gute Tat lohnen, die Ihr mit in die Ewigkeit bringt Eine solche isi jede Sdionnng und Guttat, die Ihr meinen bedrängten und verfeliinten Brüder» und Sdiwestern erweist, dafür gebe End! Gott Kraft nnd Segen! Aber haltet and! ehrlid! Euer Berspredien, denn der I-Inch Gottes wird Endi treffen, isi bald Ihr es brechet; merkt End! das!" Goldsiicker hatte bis jcz-.r ohne ein Wort z» verlieren den Ausführnngen des Ränbcrlianpt inannes gelansdit. Ieht konnte er sidi aber nicht znrückhalten, indem er bemerkte: ״Und Ihr habt Euer Berspredien gebrochen, wie Euer Lebensretter in Erfahrung gebracht hat, Herr Hanptniann! Deshalb sendet er midi zu Elidi um End! daran zu erinnern.?11! dem Ilndi des Hiniinels, den ein saldier Mann Elid, vorhergesagt har, für den I-all, dasi Ihr es leidit mit Enereni Handschlag nehmt, möditc id, kein Teil haben." ״Id! habe mein Wort nidit gebrodien," unter brach ihn eiregt der Ränberhanptnianii, ..so oit andi die Bersndinng an midi beranaeneten id'" ״Habt Ihr nicht dem Mendel ^öw von Sötern erst vor wenigen Wodien das Hans angezündet nnd ihn der ׳?lrinnt nnd Ber.ztveiflniig mit feiner Iamilic preisgegeben /״ ״Dem??,'endel ^öw von Sötern/ Allerdings Id> könnte Elich sogar noch zivei Iällc nenncii. in rveldien id, feilden! Inden gebrandid>aht habe. '?Iber das ivaren keine Inden, ivenigstens keine solche, ivie es mein Lebensretter isi. Sie habe» sdiledit nnd hart gegen dirisiliche Sdinldncr gehandelt nnd haben diese an den Bettelstab ge bracht. Ich habe alles genau vorher untersucht nnd hätte ihnen gewin kein Haar gekrümmt, wenn sie schnldlos gcives. n wären. So war mein Berspredien nidit gemeint. Ick, habe veriprol en keinen Inden anznfallen nnd ihm Hab nnd G״r wegznnehmen. Aber mein Berspredien sollte kc."׳ Ireibries iür die Sdileditigkeiten der Juden ׳ein. ivollt Ihr dwie Sdilidie nnd Kniffe, die kein Richter zur Berantvortnng ziehen kann, etwa reditfertigen /״ ״Rechtfertigen nidit," entgegncte mit Iesiig feit der Grfragre, ״aber bei einem bischen guten