Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 47 (22.11.1906)
- Date
- 1906-11-22
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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5h!7. 2c.tc <. Gott unserem Lehrer Mosch eh überlieferte mündliche Lehre in sich sagt, i st der Tal m » d.!"er Talmud beftcht ans t'> Büchern Mischnah und 1-' grogen Bändrn (Wciiumi. (50 und der Zorn! nach sozusagen stenographische Protokolle der Diskussionen, wie sic i»! Lehrhanse;wischen Lehrer unb Schülern startsaudeu; dazwischen sind Erzählungen ans dem Leben unserer grossen Männer, bifhlirfir 21 1וחוו״!ווו-ו!.י.וו non Schri'tverse!'. und daran schliesiende ethische Betrachtungen rin aestrentmedizinische, astronomische, mathematische Resultate finden sich eingeschaltet, kurz alles sür den Laien >vic sür den Gelehrten Wissenswerte und Belehrende ans dem Schatze der jüdischen Ueberlieserung in im Talmud enthalten. Will nian nun irgend eine Geictzesvorschrist Nachlesen, so ist dies mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Den» erstens sind zusammengehörige Gesetze durch eingeschaltete nur in losem Zusammenhänge damit stehende Betrachtungen auseinandergerissenzwei tcnS mun aus der zwischen Lehrer und Schülern stattgebabten Diskussion das sür unseren Zweck notwendige Resultat ern herausgeschält werden. Um nun diese Schivierigkeiten sür die Rachwelt zu beheben, wurde das tKeictzbuch des Schulchan- Aruch versagt, in ivelchem die im Talmud ein haltencn Borschristen nach ihrem Inhalte geordnet, in Kapitel und Paragraphen eingeteilt und, so dag wir im Schulchan Arnch lediglich ei» kod 1 sizies 2 0 1» »1 e l w e r k d e r i»! a a l 11111 d cnthal teu en Gesetzes Borschristeu be sitze n. (5 s gebt d a r a u s l> e r v o r, d a g T a I!»11 d 1111 & S ch 11 l ch a n A r » ch die v o » G o t t ii n s e I e IN L e h r c r M o I ch e h g c gebe n e » IIII d durch mündliche U eberl i es er n ng n»s übcrkoi» men en Gesetze enthalten, die als von Gott stammend sür uns ebenso bindend sind wie dieGe' etzc d e r s ch r i r t ־ 1 i d! e 11 V e h r c, und s e r » c r die!!! ch: in i n d e r re chrsgi l t i ge 11 Boifchrisieu der rabbi n i s che » A u t o rit ä t e u. Hurte nun der Smaisanwait recht, wenn er behauptete. Talmud und Schulchan Vli'iidi seien auch von indischer •Seite nicht als Einrichtungen der jüdische» R'eligionsgesellschast;» betrachten? Bekanntlich gibt es unter uns ,>»den leider eine sogenannte liberale Anschauung, ivelche die ' ״Zereinonialgesetze", deren Beobachtung zu viel Spier ersordcrn wurde, als nicht zeitgemäs; ver ivirfl iiud nur die übrigen Geseke der jüdischen Religion als bindend anneln. Diese ״Liberalen" beobachten also n»r das, ivas allen Religionen gemeinsam ist, das allgemeine Sittengesetz, wäh rend ihnen die Heiligung des Sabbats, die ge wissenhaste (5rsüllung der Ehe und Speiiegesetze und aller übrigen das ganze!,eben des Zuden regelnden religiösen Borschristeu als nicht modern cm überivundener Standpunkt ist. Zür sie sind wet^r die Borschristen des Taluiuts und des Schulchan ׳.'truch »och die ׳Borickn >,'»-» des Penra leuch bindend. Diese Werke habe» ׳ur sie nur historische» oder ästhetische» Werl Wen» der Herr S׳aarsa!!!valr also seine Belianvtnng be;!!glich des Talmud und Schulchan ans da? Bor handenscin dieser religiösen Anschauungsweise unter de» Hilden stützen inollke, so baue er »!ii denuclbc» Rechte sage» tonnen, dag auch der Pcinaleuch nicht eine ״Einrichtung der jüdischen Religionsgcsell'chast" anzusehen sei. Da aber die sogenanute» liberalen Zuden alles ׳vezinsch jüdische abgenrei't habe», indem sie die Gönüchkeik der schrinlichen und »lündliche» hehre leugne» und aus dieser nur das als bindend anerkennen, was jeder '.,i׳d!t:!!bi* ׳׳bemalls aner teuul. nämlich die allgemeine Wcltreligion der Hunianität. 0׳ haben ne nicht da׳.- Recht, sich als religiöse Hilden zu geriere». und wir iven'en euisil'i׳ den die Zumuniiig;nrück. die'e Elemente als!׳eru'eue .;»kcrpreten oder Bertreker der!iidischeu Religion;11 betrachten. Sie lind ivobl?>ude» der ׳?>onaiiniiung nach, aber nicht Hilden dem ׳suaube!׳ nack׳. ,>br t^laube bat mit dem!!idischcn t^lanbe» nichts Spezifisches gemein, und ior Sia,,,, ,,§>>. jödnche!: weiter e:::sernr. Ttx ,\0rarUt. 22. November 1901; als der des Protestanten vom Katholiken; denn während diese den Glauben an eine Ssfenbarung Gottes gemeinsam haben, sind die liberalen von den gesetzestreuen Hilden dadurch getrennt, dag jene unser Religionsgesetz als von Menscheuhand versagt betrachten und es daher dem Zeitgeist entsprechend solange ninmodeln, bis alles Jüdische daraus entfernt iit, wahrend diese von der Gött lichkeit der Thora ausgehend jeden Buchstaben des Gewtzes als sLjlilehend und ewig bind no für die gesamte jüdische Religionsgesellschaft anseden. Wir können also dem Sraatsanivalt erwidern, dag diejenigen Hilden, die Talmud und Schulchan- Arnch als nicht bindend auerkennen, wenn sie auch äugerlich noch Hilden heigen, doch innerlich von der jüdischen Religion sich losgetrennt haben, u » d s e l b st v e r st ä n d l i ch nicht das e ch t besitzen, die Relig ionsgese ge, welche sie selb st nicht b e o b a ri) t e 11, a l s sür die jüdische R el i gi v »sgesells chas t nicht bindend zu er kl ä reu Zum Schlüsse noch einige ׳Worte an den Bcr leidiger, der als 'Beweis sür die alte Lüge, dag Talmud und Schulchan Arnch Meineid und Achnlichcs geböten, ans die angebliche ׳Abneigung der Hilden gegen eine vom Staate im Wege des Gesetzes anzuordnende Talmudübersetzung hinwies. Das ist eine völlig ans der hu» gegriffene Ber dächligiing. Was bisher an Bersuchen, das Riesenwerk des Talmud zu übertragen und zn popularisieren geleistet ivurde, ist allerdings nicht dazu angetan,zur Z-ortsetzung eines Uiiternehinens zu ermnligeii, das der Ratur der Sache nach niit nngehenre» Schwierigkeiten verknüpst i't und dar»», in der Regel zu stümperhaften, die Wahrheit fälschenden Ergebnisse» führen inugte. Gegen eine mit den reichen Mittel» des Staates aber und mit gründlichem wissenschast lichem Apparat ansznführendc Talmildübersetzung ist von jüdischer Seite noch niemals eine Ein »׳and erhoben worden. So unwahrscheinlich es ist, dag der Staat jemals auch nur die gewaltigen Konen eines solchen Werkes um der schönen Äuge» der Antisemiten willen übernehnien ivurde, so sicher m es doch, dag ein solches 'Werk ein seine» Besürwortcrn ׳ehr unerwünschtes Er gebnis haben mügte. Es würde sich zeige», was schon viele christliche Gelehrte ausgesprochen heben, dag die Moral׳ lehre des Talmuds ans der Stufe der höchsten Sittlichkeit neht, dag der Grundsag: ״reinste Hnmanilät und charaktervolle Sirtlichkeii uichi erst vom Ehristentuin gelehrt wird, sondern schon längst, zweitausend szalire vorher, von den Zuden praktisch betätigt wurden. Die Erlichen unter Antisemiten wurden erkennen, dag sie moralilch weit höher ständen, wenn sie ihre Moral mit der des Talmuds vertauschten, und dag die Mensch l eit gerade ern da»» ihre sittliche Bollkominenheit erreicht habe» wird, wen» die Moral des Hildenum.- von allen .Kulturvölkern als bindend an *vF.x,,,»- »»tiyX M 1 tiunm 11־U .'1׳ -yr und achIIei,teil. 1י ent feit es 11 et d). '> i'111, . Rovembei Die drille Hauptveisaiiiiiiluiig des B e r e i n s r ii r die jüdi s che n >v nl ere׳se» Rheinlands ,'and beute Rachuinuu, ״mei nartei Bckeiligiuig aus den ver schiedenen Gemeinden des Bereinsgebietes stau. Als Bertreter des besrenndeten westfälischen Schivestervereins war Herr Rabbiner Dr. M a rr, Recklinghausen, als Bertreter des Berbandes der S a b b a t h f re u n d e, Herr Moritz A. h 00b, Zrauksurt a Bk., anwesend. Der Borntzende, Herr Bk. h Munk, Köln, begrügte die Ber sammluttg und gab eine kurze Nebersicht über die vielseitigen und von erfreulichen Erfolge» g-> kröinen Bcurevuugen des Bereins. Rach de», vom Rendanten, Herrn Hanauer, Euskirchen, verlesenen Kassenbericht stellen sich die Einnahiueii des Bereins im nähre 100f),(יא aus etwa M. d0-1״, denen etwa M. T< HM► Ausgaben gegen bevftehen. v Ein .Kassenbestand von Bk. .0« א ><־ steht zur Zeit' zur Bersnguug tlkach erteilter Entlastung nah», Herr Rabbiner Dr. Marx, Recklinghausen, das » 'Wort, um seiner nrende über das ^nsaiiiiiieii- \ wirken der beiden Bereine Ausdruck zn gebe». Der Redner wies daraus hin, ivie bedeutiuigs r voll gerade in unserer Zeit der Berbands griindniigen und lerganisationsbestrebungen der Zusanimcnschlilg der gesetzestrene» Biinoritären sür die Erhaltung jüdischen Geistes sei. Herr 1 Moritz A ho et,, ,^raiiftiirt, begrügte die Bcr- 1 sainmlnng im Aufirag des Berbandes der Sabbatb freunde, dem die Erfolge, dessen sich der Rheinische Berein unter so schwierigen llinständen zu er I freuen hat, ein Ansporn für die Bollcndung seines! eigenen grogen Werkes sein werden. Der Be . richt des Bereinsrabbiners Dr. B. Wolf, vei \ breitet sich über die verschiedenen Zweige de! 1 Bereinstätigkeit auf geistigem Gebiete, ivie aiü! dem der religiösen hebensführnug. Die Ber s vinouiu; des ״Boikssreund" mit dem ״Zsraelir' i hat sich für beide Teile als zweckinäs-ig und fin { die Sache segensreich erwiese». Groger Teil ' nähme erfreuten sich die Kurse für Lehrer, die * infolgedessen in erweitertem llnifaug fortgesetzt werden sollen, nür 2^׳״ und Unterrichtszwecke Hut bcr Berein torigeietzt in allen ihm unterstellten Gemeinden mit Enolg gewirkt. An träge von Lebens- und Rährmittelfabri en, die sich unter Anmcht des Bereins stellen!vollen laufen in letzter Zeit mehrfach ein. Den Br strebungeu des Berbandes der Sabbatireund׳ steht der Berein mit groger Shinpathie gegen über und es ist lebhaft zu wünschen, dag die heute anivesendcii Bertreter der verschiedenen Gemeinden ihrerseits die Gründung von Drt-. gruppen in die Hand nehmen. Ä» der Be kämpfnug des glücklich zu Za!! gebrachte!! Rosin scheu G setzentwurss har auch das Bercinsblat: teilgenommen und es ivird sich auch fürderhin nicht der Pflicht entziehen, den in Aussicht ge stellten iveiiereu Pinnen zur zivangsiveisen Zu sammcnsassung der prengischcn Zudcnhcil mit kritische» Blicken zu folgen. Ausführlicher Bericht über die Bersaiumlnng ivird in der »ächücn Rninmer des ״Bolksfrennd^ erscheinen. l r Berlin,!;«. Rovember. Das vorbeieitende Komitee des Palästina Zudustrie Sv» dlkats versendet eine Beitrittseinladnng, in der die Griindzüge der zu gründenden Gesellschaft dargelcgt ivcrden. Das Snndikat beziveckt die Borde.eitung, Einsühruiig und Z-inanzierung von industriellen und anderen wirtschaftlichen llnrer nelmiuiigeii in Palästina und den Rachbarläudern. Es wird!owohl aus eigenri iiiuxiue ueiimliu׳, jüdische Kapitalisten zu chaneenreich erscheinenden Uuternehmnngen heranzuzi.hen, als auch »» Aufträge und für Rechnung Dritter die nötigen Borarbeiten zur Gründung von Unternetmiungen leinen. Das Snndikat wird sich seine Auslagen und Spesen unter Ausschlag eines entsprechenden <>'׳cwinnes teils in bar teils in Anteilen der neuen Unrernchmiingcn zurückerstatten lasse». Eine »׳eitere nnanzielle Unterstützung der neu ge gründeten Untcrnehmungcn soll nur ausnahins weise und dann nur gegen genügende Sicherheiten gewährt werden. Es sollen zunächst mir solcheProjche bearbeitet werden, deren schnelle Bcrwirklichung wahrscheinlich ist. Das tckrundkapital des Sun dikats ist vorlänng auf Bkk. in Stamm ameilen von mindestens!>»</) Bkk. festgesetzt.