Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 47 (22.11.1906)
- Date
- 1906-11-22
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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22. Novrmbrr I'.km;. bald man mit binnen Händen 5Hvot flenn•!«» will ober sobald man an einem unreine» C1־t war oder nach dem Besuche eines Zriedhofs oder nach dem man sich die Bägel geschnitten .׳e. To sagen auch unsere weisen in?גט, ::׳־:יי, man solle die obere Schicht eines in einem offenen, unbedeckte» besage iich sich befindenden dauere abgiesten, weil sich an der Oberfläche טליקין an gesammelt haben könnten. Steht das Nasser die ganze :'sacht unbedeckt, so soll es ganz fortgegoffeu werde», weil in dieser;^eit die טליקין Schädlich feiten in das ganze Nasser gedrungen s in könnte». — Bielleicht in es nicht zu kiili» an;»nehmen, das; "טליקין" sich mit ״Mikroben" decken, wen» gleich unsere LVeise» das Dasein dieser schädliche» Liesen kaum erkannt, sondern wchl »nr geahnt haben dursten. Dr. von Baffewih macht in der Münchener medizinischen Wochenschrift :'lngaben über ein von ihm erprobtes Bersahre», die tödliche Wirkung des Schlaugeugistes ansznhebe». Dr. von Bassewih ging bei seine» Bersuchen von der Beobachtung ans, das; die (Giftschlangen gegen ihr eigenes Gift vollkommen nnempsiiidlich sind. Er kommt zu dem Schlüsse, das; die llnempi'indlichkeit der Witt schlangen einer entgisteiidei, Tätigkeit ihrer:'eher zuzuschreibe» ist. Er hm deshalb aus der :'eher der Schlangen eine Art Ertrakt hergestellt, welcher überaus wirkungsvoll ist. — Auch die Methode Pasteurs bei der Behandlung der von tollen Hunde» «Gebissenen beruht daraus, dast i»! Srgauismus des tollen .Hundes neben dem Witte auch das Gegengift sei. Diese Ansicht t'iudet sich schon deutlich i» גט• יוטא ansgeiproche»: ט׳״ ״ •ב: •בנ־ ניב •צייטח טאנייין איהו טי־צי נבל• •״<־!־ Vombroto lehrt, dast jedes Berbrechenin einem Zustand der Geistesverwirrung geschiehtdoch auch der Talmud lehrt אין א־־ב עיני־ עביר־ אי־יא ״ אט נננט בד יוה ־צטיהfern Blemch begeht eine Sünde, es wäre denn der :ffarrengeist in ihn gefahren." .'taut lehrt, dag alle Wahrnehmung blost mittels Zeit und?Kam» niöglicki fei. Was austerhalb der ^eit und des Raumes liegt, ist der menschlichen Wahrnehmung nicht zugänglich. Bar siapora lehrt: "ני •צאי :א ייטיב ה־איטיגיט איטר היו לפ:*ך" r* r א ואי וב א' י <— "*♦י ייייי m» — * »S ן•«•«״ ^י״״י L- -״ רעי '!*" י׳״י -WM *רינ-- ״ -א- י־ץציי אהה דוי־ט וחיקי ואין אהה חוקי רפניט טנאן ״beim frage nur die eilte» Tage, die vor dir waren," d. h. von der Zeit ihrer Erschaffung an darfst du forsche», aber nicht nach innen. Bon einem Ende Baum des .Himmels bis zum andern darfst du toncheu, aber nicht »ach innen." Hier wird klar;\eit und Baum als Cstreiize des Denkens gefem. Der (Gedanke, den Sinnt mit den Worten ans drückt: ״Wenn die Gerechtigkeit untergeht, f» hat es f inen Wert mehr, dast Menschen auf der Erde leben,״ wird von den Weifen durch die:'lllegorie ausgesprochen ufott wollte das Ehaos wieder kehre!! laste!!,!ne!!:! die Menschen das Ge!eg nicht annähmen. Auch der kategorische Zmverativ ist schon in de!» bekannten יא הי ני יההעיט deutlich ausgesprochen. Wir habe» da »nr einige Beispiele aus der Medizi» und Philosophie, wie sie uns gerade ein entfielen, herausgegriffeu; dieselben lfesten sich ver hnndertsachen. Auch in der Ziirisprndeiiz.Stosmogo tue, (Geologie, Aitrononne, Anthropologie, sonne i>> allen Zweige» der Wissenschaft lasse» sich leicht hunderte von Beispielen dafür finden, dast schon das althebräifche Schriftt!»» stch für Wissenschaft, liehe Probleme durchaus interessierte 11»d dieselben oft löste Da must es denn »»feie Aufgabe fein der Zugend neben dem hohen ethischreligiöseu auch den wissenschaftlichen und ästhetischen Wert der altjüdifchen Literatur vor Augen zu führen, da mit unsere st Inder sch.äpe» lernen, welche köstlnche Zuwelen ihre Literatur . irgt und an diesen lehren ei» Diadem haben in den Tage» des (Glücks »nd eine nnverstegbare S-uelle der Weisheit und des Bates i» allen Lagen ihres Lebens Warum sollen liniere jnbifrhcn ustmniafiasten nur Horazische Sven lest», warum nicht auch Davidifche Humnen ■׳ Warum soll der intelligente indische stnabe stch nur an der Poesie eines Aefckw Per Zsracln. lns, Sophokles, Enriptdes und Pmdar ergöhe», warum soll er nicht noch mehr entzückt fein von der Poeste des Debora Liedes? Warum nur Herodot und Livins, war»»! nicht auch das für den Znden wichtigere und f»r jeden intelligente» Menschen mindestens ebeino schöne »"b טיניב Bsarmn Haeckeis Welträtsel, war um nicht das durch und durch philosophische das Buch der praktischen Lebensweisheit, und warum nicht den > (>l P׳alm, von dem Humboldt im siosmos sagt, dast diese Humne den ganzen Siosmos in wenige» treffenden Züge» al'spiegelt? Warum »nr Moralsprüche sremder Bölker, warum nicht vor allem Sprüche des nns so nahestehenden Talmuds^ Zch nehme ׳'eit einiger Zeit mit meinen Schülerinnen das Buch Hiob durch »nd rede »nr ein, dast die darin enthaltene» herrlichen Schilderungen mächtig veredelnd auf das Gemüt wirke» müssen. Als der sranzöstsche Dnhter Lamartine das Buch Hiob gelesen hatte, ries er aus: ״Homer ist nur ein göttlicher Erzähler, denen Gesänge die Helden auntiumorn: man kann ihn, wie Alerander der Graste es getan, unter fei» siopfkisse» stecke». Die indischen Poeten und nur wunderbare Zabnlisten, welche Gott mit phantastische» ,vorinen iiiiikleideteii: man kann sie in den Bibliotheken lest׳:!. Die chinesischen Dichter sind nur sehr weffe, aber sehr trockene Theologen: man kau» sie zur Zeit des Müstiggangs lesen. Birg,! ist nur ein vollendeter Akademiker Borns, den man in den Akademie» leien kan». Horaz ist nur ei» wollüstiger Sorgloser: man kann ihn int Durchblättern leien. Taffo ist der Dichter der Phantasie und der Liebesabenteuer: man kann ihn bei Hofe leien, den Eamouiis »ud Miltou sind »nr herrliche Echos Birgil lind Mofes: mau kann sie bester >» von Srigiuale» leien. Selbst :h'aeine, nniei׳ grbstter Dichter, ist nichts als der melodischste S11mpho»>enko1»1׳on1st,deu in:11 auf dem Theater hören kann. Aber Hiob dieses Buch kann t» a n vor (statt selbst lefen. Die Bene dieses Buches scheinen mit der Majestät, dem Schrecken und dem selbst sichtbaten Schatten (Lottes geschrieben. Dtetes Buch kann man selbst ange fichts des Todes leie», den» der Tvdestampt kann nicht mehr Schauer, der Tod kau»! tcht mehr Grauien, das (strab kann nicht mehr Ziusteiiiis haben als dieses Buch sie enthält. Wo gibt es wohl noch ein Buch wie dies, welches in mm׳ Hand vom Veben;»»1 :ffichts, von der Sonne bis unter die Erde, von der Zeit bis zur Ewigkeit schreitet, »nd welches man am' beiden Seiten, des Grabes lesen kann' Wen» mau tut Wiube 11111׳ in hei Ewigkeit lieft, w seid sicher, dag man d:es ׳Buch dort liest. Es ist das Buch beider Welten." So 'viick't der Ehrist :׳amartiiie über das Buch Hiob. Es must endlich zum Betvuütstin nni'eies Bolkes fcimme», dast Bibel und Taluntd eine Littera:ur sondergleichen sind, auf die wir über aus stolz sei» könne». Bei ׳Bibel nne׳ Talmud für einen ״nberwnndenen Standpunkt" erkläit, der entzieht sich damit d!e gröstte» Bildnngsiitil el hei Weil Wo gibt es Werte 0׳ voll von schar׳sinniger Weisheit, von vrattiickier Lebens ersahrung und Menschenkenntnis wie diefe ׳־ wo gibt es Werke, die neben ilnem hist 11׳'che», rein wlffenschaftlichen und ästhetische» ׳B>rt ׳'o gei't reich wäre» wie die׳'e> Wie sagt . dockt 0׳ schon unser Altmeister S. :ff. Hi 1 sch ז! י. .,Es gibt nur eine Bettung »nd die heim ״Verne»!" ״ Ze'ckiurun VII. . ,,Was fann der Einzelne für das Ganze schaffen d" ״Vernen soll er!" III. ״Es ist die Iln miiienbett, die uns ׳chlägt, es ist dte Unwissenheit, die >eder Zrrlehre. jedem Wahn Tür nnd Tor bei uns öffnet " Boch h nte häir d e :־׳-ה die Probe der strengsten Wiffemchaftlick keit aus, wie die der gebieterischsten Am'orderungett der :ffeuzeit. Alles was die Ph'lo'ophie erklügelt, tttdein str mit!1». Nr. (7. 2ntc ■'>. ׳»gliche»! Mtlhe» jenseits des Meeies der Ewig keit fährt, das tage» »ns alles die Vebenstvorte der הייה. Dinge, die die bedeutendsten Denker unserer;*,eit als epochemachende Entdeckungen und grostartige Wahrheiten gepriesen, find schon vor Zahrtamenden von unserer heilige:! Thora und spater von unseren Talmndweisen ansge sprochen. Alle unsere (Siefehe und Znstitntionen beruhen am' weisesten (strnndiähen. Sollte ein solcher 'Beweis nicht für alle Zolle möglich fein, so schadet dies nichts. Zeder Ber׳tä»dige »inst 'ich ׳'age», dast wenn n>ei׳e Prm zipien (Sstsehen;11 Grunde liege», dies sicherlich auch beim hundertste» <ste׳eh der Z-all »nd nur unsere Unwissenheit schuld daran ist, da: nur die Weis hei! des betreffenden (steiehes nicht erkennen Die Vehie des Zudentiims ist die Harmonie zwischen Wiste» und (stlauben. Dieter (Gedanke!»»st zur liebet zeugung aller werden nicht durch Phrasendrescherei, sondern durch Beweise. Eine graste, 1ie>'engroste Arbeit steht uns bevor. Es soll eine ״Umwertniig der Weite" vorge nominell werden. Unsere verlassene Tora, unser geschmähter Talmud sollen in zeitgemäster ,vorm durch die Klarlegung auch ihres wiffenschastlichen und aestheti'ch-׳» Znhalts in de» Bordergrnnd des Zntereffes der ganzen '.!Veit gestellt werden. Es hat eine Zeit gegeben sie liegt nicht so weit zurück wo der Znde sich seines:ffamens schämte. Schon heute ist die Zeit gekommen, wo die Mehrzahl der Zntelligente» auf den :1lauten ״Znde" stolz sind, summten wird die Zeit, wo man auch stolz auf seine הורה sein wird und wo man es als Schmach und Schande empfinde» wird!'ich nicht nach ibien weife» Gesehen z» richte!!. Lerne »nr, jüdischer Züngling, lerne »nr, jüdische Tochter, lernet nur getrost eure Wiffenschast, welche auch immer es 1'et! Bei nachläffigt aber »ichk, vor allem das eigene Schrifltui» und ganz besonders die הויה zu ׳tnbicren: :ffick:! ::nr Wahrheit nud Tagend, sonder» auch alle Wiffenschast wurzelt i» ihr. בן בג בג איטי הפ־י בה •הפ־ בה י־ניה בה •בה ההל• יטיב יביה בה יטנה יא הלוע •צאין יד ט־־ה Sind Calmud und Zchulchan- JIrucb Einrichtungen der jiid. Religion$ge$ell$chart? Zn der kürzlich s. Br. 4.'» d. Bl. S- י) zu Hamburg stattgehabten Gerichtsverhandlnng gegen einen antisemitischen Bedaktenr stellte der Staatsanwalt, der im übrigen Bernrteilung wegen tffeli giviisbei'chiinpsiing und Beleidigung beantragte, die Behauptung am' ״Talmud und Schnlchan- Arnch sind >>ach dei Erklärung auch von indiicher Seite nicht als Einrichtungen der jüdischen Beligionsgeiell'chast zu bet!achten." Der (sSerickus Kor liest!!! ׳einer Entscheidung die Zrage offen, ob der Talmud gütiges:ffeligionsgeieh!ei. Diese Zrage, deren Beantwortnng de» mastgebend n richterlich׳» slrejien Schwierigkeiten zu bereiten scheint, möge l, er i'achgemäst behandelt »׳erden. Das ׳christliche (Si iep der Pentateuch wurde von ufott als giltiges :ffeligionsgesep unserem Vebu'i Moicheli übergeh(». Diese schriftlich for »uilieite Lehre seht indessen ans jeder Zeile die gleichfalls am de»! Sinai Moschel) offenbarte »1 i> 11 d l! ch e Vehie voraus, die sich zur 1' ü> 11 f t liehen Lehre verhält, wie der austühiliche Bor- . trag eines Lehrers zu den kurze» :ff'vtize», die dem Schüler zur Unlerstühnng seines (B'dächt!!!sses »t die Hand gegeben iverden. Dieses mündliche (stefeh, a» das die Gefetzeslehrer die sogenannten rabbinifchen Borschriften anschlossen, pflanzte sich von Generation z» ofeneration mündlich fort, bis schliestiich, als n» onic insolge der geringe» Beschäitignng der Zuden mit ihrem <^e׳'ehe die jüdische Lehre vergessen zu werden drohte, d!c Äc!ch<slrhrvr auch oie mündliche Lehre schriftlich strierte». Das io entstandene sehr iimsaitgreiche Werk, welches für jede Lebenstage goiaur Borichristen enthält und die von