Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-11-22 · 47 (22.11.1906) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
47 (22.11.1906)
Date
1906-11-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9894037--0912-7375394
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«ritt «. 9h. 47. Der J-raeltt. Der Mainzer Prozeß aber beleuchtete mit so grellen Lichtern die ganze Herrlichkeit des Para diese-, in das Herr Rosin die preußische Indenheit zu führen gedacht, daß selbst den optimistischsten Zentralisierunqspolitikeni der Appetit nach den Freiburger Nosinen verging und daß nun — difficile eit iitirem non icribere nttt nnnach 1 ahmiicher Ironie ans den Bureaus des Deutsch- Israelitischen Gelneiltdeblinds das sanfte Grablieb an unser Ohr klingt: ״.. hl'he technische Vorzüge — bewundernswerter innerer Ausbau beides haben auch wir von vornherein willig anerkannt) — aber leider — der Entwurf entspricht nicht den besonderen Ueberlieserungen und Anschauungen der p r e n ß i s ch e n Israeliten." In die heimische badische Erde eingebettet, ruht der Entwurf nun ans von den Mühen seines kurzen E'dendaseins auf dem ungastlichen preußischen Boden, in seinem Untergang ein Zeugnis für die werbende Kraft ehrlichen und unzweideutigen politischen Kampfes und ein neuer Fingerzeig für die positiven Erfolge, die der gcsetzestreuen Indenheit heute beschieden sein könnte n, w e n n sie einig war e. Keijuieicat in pace! * * * Ans der Asche des badischen Zwing-Uri soll sich nun nach dem Willen der Bcrbandskommission phönixgleich ein neuer Entnmrs erheben, der angeblich die religiöse Selbständigkeit der Gemeinde» unberührt läßt und sie nur zu Zwecken gemeinsanier Wohlfah rtSanstalten und gegen seiriger U ni c-r sinpung zu höheren Einheilen zusammensaßt. Wir versagen es uns für heilte, aus Grund dieser dürftigen, weiin auch ziemlich durchsichtigen Mitteilungen in eine sachliche Besprechung der jetzt geplanten Aktion einznticten. Daß mit dem scheitern des Rosinschen Ent ivnrseS der Kampf um die religiöse Freiheit nicht zu Ende sei, daß der Hudra der Zwangspolitik irniner neue Kopse wachsen würden — daran haben wir keinen Augenblick gcriveiiell, und geiviß werden alle die, denen die Zukunft deS deutschen Judentums am Herzen liegt, jetzt erst recht die Augen offen halten, um sich vor gutgemeinter Bcraewaitigung zu beivahrcn. Das eine aber glaubeii wir im Einklang mit allen jüdisch denkenden preußischen Juden verlangen zu dürfen: Die sofortige B e rö»k e n t l i ch ii n g nicht geheime Versendung des neuen Ent w n r s s. Die preußische Itldenheit hak nie man den zu ihrcm Vormund best eilt, und es ist ein unwürdiges Schauspiel, ivenn trotz aller schlimmen Erfahrungen imntcr wieder und wieder hinter verschlossenen Türen über Dinge beraten und kompromiffelt wird, die daS reli giöse Wohl und Wehe der Gesamtheit ja jedes Einzelnen in der einschneidendsten Weise berühren. Nicht der ״Vorprüfung der berufenen Körperschaften", wie die Berliner ״Jüdische Presse" bescheiden meint, sondern dem Ltchte der weitesten jüdischen Oeffent lichkeit möchteit ivir dert nciien Entwurf unterbreitet sehen. Hier ist vorläusig das einzige Forum, vor dem nicht sozialer Rang und Titel entscheiden, vielmehr das Gewicht der Gründe und die Wärnie der jüdischen Gesinnung noch immer um Wahrheit und Freiheit zu ringen vermögen. MochenrrrnZschau. kin Vorjchlag?ur galijljdien ludenfrage. Die an dieser Stelle bereits behandelten Borgänge in der Wiener israelitischen Kultusgemeinde haben wieder einmal das galizischjüdische Probleni in den Bordergrnnd der Er örternng gerückt. Das Elend der Juden in Galizien braucht nicht erst erwiesen zu werdenes ist eine feststehende traurige Tatsache, der die ׳ westliche Indenheit bei ihren philanthropischen Bestrebungen stets ihre Ansmerksamkeit geschenkt hat, ohne jedoch dabei bisher zu einem Resultat zu gelangen. In eine besonders scharfe Belenchtung lvird gegenwärtig die Lage unserer galizischeit Brüder durch die Zahlen gerückt, mit denen die österreichische Monarchie als Ganzes ihr letztes Wirtschaftsjahr abschließen konnte. Diese Zahlen lehren, daß Oesterreich zur Zeit in einer Periode außerordentlicher Prosperität sieht, deren Bedeutung umso höher anzuschlagen ist, als sie durch die heftigen innerpolitischen Kämpfe nichts weniger als eine Förderung er fahren hat. An der Hochkonjunktur, deren sich die wirtschaftliche Lage Oesterreichs im allgemeinen erfreut, hat nun Galizien nicht den gcrirtgsten Anreil, eine Erscheinung, deren Ursache darin liegt, daß die Industrialisierung des Landes trotz aller dazu unternommenen Versuche noch keinen Schritt vorwärts gemacht hat. In der Oesterr. Wochenschrift erörtert Oskar Keßler nnrer dem Titel ״Wirtschaftliche Hilfe für die galizischen Juden" die Frage, was zu tun sei, mti auch Galizien des allgemeinen wirtschaftlichen Auf- __-- November 1906 schwungs teilhaftig werden zu lassen und so One Befferultg in den Verhältniffen der großen jüdischen Bevölkerung dieses Landes herbei;״ führen. Als den Kernpunkt des ganzen galizischen Iudenelends bezeichnet Keßler den Mailgel an Arbeitsgelegenheit. Hier müffen also alle Sanirungsversuche ansetzen. Da aber im weit lichen Oesterreich keineswegs lleberflnß an Arbeits kräften herrscht und rüde::: die dortigen Unter nehmungen, um sich konknrrei zfähig zu erhalten, auf möglichst billige Arbeitskräfte angewiesen sind, so wird es sich darum handeln, die öfterreichj scheu Fabrikanten zur Begründung von industriellen Betrieben in Galizien zu veranlassen, lvo die Nachfrage nach billigem Arbeitermaterial leicht befriedigt tverden kann. Es dürfte nicht schwer fallen, die Unternehmer für dieseil Plan zu gewinnen, bei dessen Verwirklichung auch die jüdische Bevölkerung Galiziens ihren Vorteil sinden würde. Diese beinerkenswetten unb ein leuchtenden Ausführungen Keßlers verdienen die sorgfältige Beachtung der sich für das galizische Problem interessierenden Hilfsgesellschaften. * * * Die jüdische Einmanderung in den vereinigten Staaten. Dieser Tage ist ein von R. E. Lindsau, dem zweiten Sekretär der englischen Gesandtschaft in Washington, verfaßter offi Keller Bericht über die Einwanderung in den Vereinigten Staaten erschienen, der über die jüdischeil Immigranten beachtensiverteMitteiluitgen macht. Von 1,026,499 Persollen, lvelche >n dein mit dem;)0. Juni l 90.'> endigenden Jahre ein gelvandert sind, befanden sich 129,919 Juden (12,40/״ der Gesamteinwandernng). Fast alle nahmen diese in den großen Städten ihren Anrenthalt. Die jüdische Geineiilde zu New lsiork allein, die zli Anfang des Berichtsjahres 600,000 (Seelen zählte, hat 190.*» um 86,000 zugenommen. Die übrigen 46,00< ׳ Einwanderer wandten sich Hauptsächlich nach den Staateil Pensylvanien, Massachusetts lind Illinois. Mehr als die Hälfte der jüdischen Imunigranten besteht aus gelernten Arbeitern, also Personen, die dem Lande produktive Kräfte zuführen. Von den 129,910 Ankönnn lmgen waren 111,000 im Besitz von mehr als 10 Ptd. Es kailn also keine Rede davon sein, daß, wie die Gegner der Einwandernng sagen, diese Lellte in großer Zahl der öffentlichen Wohl tätigkeit zur Last fallen. Dies geht unwiderleglich auch daraus hervor, daß in den städtischen Humanitären Allstaltcrr New tsiorks nur 17 jüdische Arme llntergebracht wurden. Aber auch dje jüdischen Wohltätigkeitsinstitlitionen silld verhält nismäßig lvenig in Anspruch genommen worden. eitles euilleton. von den Reisen Sir Moser Montekiores. der Zen, alS der große Philanthrop Sir Moses Montesiorr mit seiner Wrmahlin seine erste Nene nach dem Orient antrat» war rin solches llntrrneliinrn ke>»rSlveg» so leicht und ungefährlich wie heutigen Tages. Aber der Wunkch. d!׳.S heilige "and der Barer zu velucken. ließ sie aller Entbehrungen und Mifthelligkeilen, dir ilirrr warteten, Nicht achten, und so irlicn wir sie un Jabre 1,*J7, mitten nn türkisch grirglscken Sr--ge, au» der Fahrt nach de», lange ersetlnren -ziele begriffen. Es >r>ar um dir Zen der Schlacht von Navarino, vor ilnrn Äugen flog ein Schiff in dir Lust, zwelbundrrl Menschen fanden davet den Tod, und mir knapper Not entgingen die beiden Reisenden dem gleichen Geschick. Äls Moses Monteftore zum ersten Mal nach Palästina kam. wohnten dort nur 50 irpdardtscke und 40 asckkenasisckc Judensamilien Er bat dann m der Folge eifrig lür dir Auswanderung nach Palästina gewirkt, von der Uebrrzeuaung ausgedend, dag die Juden unter der ■i'tnldwii des Sultans ruhiger und glücklicher lebe» würden, als überall sonst Moses Montrnore begnügte sich nicht damit, über die Armut und das Elend der valäffi nrnsilchen Juden sein Bedauern auszusprechen Er griff lang ein. gründete schulen und andere notwendige!In nitutionrn. Er errichtete eine Äpotbrke in Jerusalem und unterhielt dort I" Jahre lang einen Ätzt für arme.-ranke. Montrnore war der erste, der >n dirHödle Machvelah Emloft fand. Ta? war b>S dahin niemanden zugestanden worden alS den Nachfolgern des Mohammed selbst. Als er in Begleitung des Gouverneurs und des Shells von Hebron die Grabstätte betreten wollte, stellten sich ihnen '<00 mit Stöcken bewaffnete Araber drohend entgegen. Es gelang zwar, den Widerstand zu beseitigen, aber nach dem Besuch der Höhle muftte doch Monteffvre mit seiner Gemahlin sofort den Ort vrrlaffrn, da die fanatische Bcvölkerung eine drohende Haltung annahm. Aui seiner Reise nach Damaskus (1*40 ward Mvntesiorr vom Sultan eine Audienz gewährt und er erlangte damals den historischen Firma», der den Juden alle Rechte wie den anderen türkischen Untertanen gewährte. In Damaskus erfuhr Monteiiorr, daft in einer der doitige» Kirchen aus einem Grabmal sich die verleumde tische Inschrift nnde. der an dieser Stelle beslatleie Baier Tomaffo sei von den Juden ermordet worden. »Dir später vorgenonunenc Ausgrabung bat die Lüge ausgcdcckt.l Sir Moses suchte aus der Rückkehr um eine Audienz beim Papst nach, um von diesem die Anordnung zu erlangen, daft die Inschrift beseitigt werde. Er fand aber damals keinGebör, und erst JO Jahre später wurde seinem wiederholten dringenden Gesuche nachgegrbrn. Mit großer Energie trat er sirr dir verfolgten DamaScener Juden ein. Eine Anzahl derselben war aus Grund falscher Anschuldtgunge» zum Tode verurteilt worden. Momefforc rubte nicht, bis die Unschuld der un Gefängnis Gestorbenen nachgewiesen und dir E'ngckerkerre:׳. sreigelasien ivaren. Sieben Mal bat Moses Montesiorr im ganzen das heilige Land besucht. Die Fülle des Segens, die sein Wirken dort dintrrlaffen, ist rin Denkmal, das seinem Namen für alle Zeiten die rübnikiide Erinnerung des ,üdlichen BolkeS sichert. Craumgejidife! Rauschende Töne erreichen Lockend mein lauschendes Ohr Sir zaubern in meiner Seele Ein liebliches Traumbild hervor. Mir deucht im Tnnpel zu stehen, Im wallenden Prirslrrtalar Und sinnend die Beter zu sehen Am leuff tenden GorteSaltar. Und rings ertöne» die Ztnnbeln Und der Pauken subelndcr Klang Und rings die Psalnienlirder Im heiligen Säulcngang — — Ein Sturni fährt hoch durch die Aeslc iffirbt mich dem Wachen zurück Und ich sitze und sinne und denke Wie fern — wie fern doch dies Gluck Und wieder rauschende Töne Und wieder der Traum so mild-— Doch wieder — — der Sturm in den Arsien Zerronnen das ltrbliche Bild. Ich sipc ivachrnd und weine llnd träumend nur lächele ich, Denn ich träum ja von meinem Zw» Mein Zion — — ich träume — dich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.