Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1906-11-15 · 46 (15.11.1906) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
46 (15.11.1906)
Date
1906-11-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2446951-9543451-9894034--0897-7375380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

9h. 46. Veite 4. die Verübung von Zerbreche» gestattet, daß viel mehr alle das Meide» des Schlechte» »»d die Uebunq des Guten auSdriicklich verlange», hatte diese ganze Scheidnng nur einen Sinn in der Voraussetzuniz, dass die Religion das einzige oder doch das erste Motiv alles teilten und Schlechten ist, das ihre Bekenner tun oder unterlassen. DaS war aber noch zn keiner Zeit der Fall und ist es henke, wo daS religiöse Moment allgeniein so sehr im Kurs gesunken ist, noch viel weniger als je. Es sind dafür!0 viele andere, stärkere Triebfeder vorhanden, da» die ׳Angehörigkeit zu einer Religion keineswegs die Bedeutung hat, die ihr eine solche Scheidnng der verübten Verbrechen nach den verschiedenen Religionen znerkennt. Das Verbrechen ist interkonfesiionell. Berns, (sie schlecht, Alter, ökonoi'nische, soziale und politische Verhältnisse uiid viele andere Momente beeinsiusse» das Verbrechen viel nachhaltiger als die Religion. Wohl sollte der Religion die Kraft iimcwohneu, alle diese andercn Triebfedern zu beherrschen und das von ihnen vrranlasitc Ver blechen zu verhindern, aber das ist eine ideale Forderung, deren Verwirklich»!»; bis seht noch zu keiner;^eit erreicht ivnrde - höchstens bei ver einzelten Persönlichkeiten, die »vegen ihrer Blinder zahl kaum in Betracht kommen. Damit es nicht den Anschein habe, als flösse» die Bedenken gegen eine Scheidnng der Kriminal Statistik nach Religionen ans philoseinsiischcn Tendenzen, musi von vornherein betont iverden, dasz die Hilden auch bei dieser Einteilung nicht in einem nngünstigen dichte erscheinen, Im (Gegenteil. Die Kriminalität der Juden im allgemeinen ist eine geringere als die der Nichtjudeu. Dagegen gibt es im einzelnen eine ganze An zahl Verbrechen und Vergehen, bei welchen die! Hilden in höherem Grade beteiligt sind als die! Ehrisien und umgekehrt. Bei anderen Delikten halten sie sich die Wage. Dieser (Gleichheit und Verschiedenheit ans de» Grund zn geh0110 ,«׳ zn niitersilchen, warum einzelne Veriehlungen überall »nd zn jeder ׳-seit bei den Bekennen! der einen Religion stärker oder schwächer vertreten sind, ist von grosiem Interesse. Eine solche Untcrsnchnng sühn zii ganz überraschenden Resultaten und zeigt, wie wenig das religiöse Bekenntnis damit;11 tun hat. Dieser Aufgabe hat sich eine soeben erschienene Abhandlung unterzogen, die verdien! in rech!!veiten Kreisen bekannt und gewürdigt zu iverden. Sie siihrt den Titel: Berus. Kvnsessio» n n d Verb rechc!!. Eine Studie ü bcrdic K r i in i 11 n l i t ö t der Juden in Vergangenheit »nd (1(egcn>vart von Tr. Rudoli Wasser inan 11. Bl'üncheii 1>0T. Ernsi Rein Hardt, Verlagsbuchhandlung. Sic enthält die Iorschungsresnltare aller her vorragenden Fachgelehrten ans diesem (Gebiete, die sic ergänzt, berichtigt, bestätigt, um aus diesem Der I*raeltt. IS. November ISVtz Eirunde selbständig iveiter zu bauen. Sie hat die Kriminalität der Inden in Europa und in den vereinigten Staaten von Rordamerika zum (Gegenstand mit ganz besonders eingehender Be rülksichtigung der Juden in Deutschland und Lesterreich Es ist unmöglich in dem Rahmen dieser Betrachtung auS der reichen Iülle von statistischem Material und der daran geknüpften Abstraktionen, die hier aus mehr als 100 L.uart seiten geboten werden, ein Bild deS Ganzen zu geben. Als Glanzpunkt der Arbeit erscheint das Eingehen aus diejenigen Verbiechen, welche von Juden häufiger als von Ehristen begangen werden und der gelungene Nachweis, wie diese Häufigkeit nicht in der Religion, sondern in äußeten Umständen ihre ungezwungene Erklärung findet, wie diese Häufigkeit!ich vermindert oder steigert je nach der I-reihcit oder dein sozialen und politischen Druck, den der Staat, in dem sie leben, auf sie ansübt. Besonders ist aber die Berufs wähl für die Häufigkeit der damit verbundeuen Delikte entscheidend. Wenn der Kaufmanns- und Handelsstand zu Unredlichkeiten in Handel und Wandel, zu Prozessen, Meineiden u. a. in. mehr Anlafi bietet, als ein anderer Berns, so werden die Kaufiente, mögen sie nun Juden oder Ehristen sein, ein größeres Kontingent zn den Verurteilten stellen. Bei dem ungewöhnlich grofieu Prozentsatz, mit dem die Juden unter den Handeltreibenden vertreten sind, musi auch ihre .Kriminalität hier eine gesteigerte sei». Der Jude kan» also bei Wucher, Betrug, Meineid 11. a. eine grössere Kriminalität annveisen als der Ehrisi, aber der jüdische und der christliche Kauf mau n sind hierin so gut wie gleich. Es kommt hier noch eine ganze Anzahl anderer Momente in Betracht, deren Auszählung und richtige 'Würdigung eine besondere Darstellung erforderte,׳ es mufi jedoch hiefür auf die Schrift selbst verwiesen werden. Ihr ein gehendes Studium ist so reich an Anregungen nach verschiedenen Seiten hin, dasz sich keiner ohne große Befriedigung in sie vertiefe!׳, nsird. So hat, um irgend ein Beispiel herauszugreifen, mir noch nichts die!vvrtwörtliche Wahrheit des Ausspruchs eines großen talmndischen Weisen so nahe gelegt, als eine Zahl aus de» vielen statitischen Tabellen dieser Schrift. Der Ans spnich ist von Rabbi Eleasar dem Sohne Rabbi Schimons iiiid lautet: Die Welt wird nach der Majorität beurteiltr und ebenso auch jeder Einzelne. Hat somit jemand eine einzige Guttat geübt, heil ihm, denn er hat sich und die ganze Welt für die j verdienstliche Seite entschieden - hat jemand ein einziges Unrecht begangen,!vehe ihm, denn er hat!ich und die ganze Welt für die Seite der Schuld entschieden s. s. (Talmud Kidduschin Iol. 40 a Man mag leicht geneigt sein, diesen Ausspruch lwperbolisch zu uehmen; wirst man jedoch einen Blick auf die Zahlenreihe dieser Tabellen, so sieht man sofort, daß er ganz wörtlich genommen der Wirklichkeit entspricht. Da finde ich z. B. die Tabelle III b, welche von der Kriminalität der Inden in den Niederlanden im Jahre 1<צוא handelt. Ich finde, daß von 100!vegen Meineids Verurteilten 0,2 auf Ehristen, dagegen au! Juden entfallen. Die Kriminalität in Sachen deS MeiucidS ist also bei Juden entschieden ungünstiger als bei Ehrisien. Nun sieht aber gleich nebenan dasselbe Verhältnis in absolnren Zahlen ansgedrückt. Demnach sind im genannten Jahre 22 Ehristen und I Jude wegen Meideids verurteilt worden. Der einzige Jude, der einen falschen Eid geschworen hat, in somit tatsächlich die Ursache der ungüustigeu Kriininalitär der gesamten niederländischen Juden heit hinsichtlich dieses schwerwiegenden Verbrechens' Ist dnS nicht die trefflichste Illustration des Wortes: בשביל חטא יחידי שעשה זה אבד בידני ודבל העולט טובה הי־בה׳■: Trotz des relativ gü n st igen Verhältnisses der jüdischen Kriminalität, ergibt sich jedoch aus der ausmerksamen Lektüre dieses Buches, daß sie im Lause der Zeiten nicht besser, sondern ungünstiger geworden ist. Der Verfasser versck ließt sich dieser Tatsache nicht nur nicht, sondern er sucht sie ebenfalls in geistvoller, sach!viffenschaftlicher Weise durch äußere Umstände zu erklären. Er beklindet dabei den schönen Zug eines בה£ך בזנות; של ישראל, der ganz ungekünstelt auch für die Schwächen uitb Mängel seines Volkes eine mildernde Erklärung hat. Sie!virkt um so überzeugender, als der Verfasser das nicht emmal beabsichtigt, indem er hier nicht als Verteidiger der Iudcnheit, sondern lediglich als Vertreter der unbestechlichen statistischen Iachwissenschasl seine Argumente geltend macht. Wer aber dieser Wissenschaft ferner, dagegen dem Ilügelschlag des jüdischen Geistes und de» Regungen der Lebensseele im jüdischen Volks körper näher sieht, wird trotz aller sprechenden Zahlen die Vermutung nicht unterdrücken können, ob nicht das religiöse Moment an der günstigen und llngünsiigen Kriminalität der Juden doch vielleicht einen viel größeren Anteil hat, als ihm hier zuerkannt ivird L Es wäre ein schwieriges, aber auch ein sehr dankbares Unternehmen, an der Hand dieser trefflichen Abhandlung auch dein Einfluß zu seinem Recht zn verhelfen, den tun? dem das nach Jahrtausenden zählende Lebens reginie der Juden auch auf die jüdische Krimi nalität hat. Für diesen Zweck sei die Dr. Wasser׳ mann'sche Abhandlung dem Studium einsichtiger Benrteiler ganz besonders empfohlen. beigrtragrn haben. Lange Val inan schon erkanm, Paß Babulonirn das Land in. >n drin dir fvühc|1rn (irmmrtm gen an drn nn zivilisierirn ,zusland lebend!» Mensche» geblieben sind. Dazu bring! Fisher rme nrur Hiwvthesrrr »iihrt nämlich aus. daß dir meisten, wrnn nicht alle babiiloinschen Liädtr. dir wir als Bmiirnnadie anzusehen gewohnt warrn. uriprünglich ^rcliairn warrn. Die »<m gesetzten. auch!rtzi inchl auibdrrndrn Anschivriiniiungkn durch Flüslr wir Euvhrat und Tigris babrn ialchr Brr andrrungrn brrvvrgrdiachl. daß Llnrvurla oder Telloh, Lippar oder Fara rbrinal». in drr bablilonischrn Urzeit, gerade io gut am Persischen i^oli lagr» wir Eridu und Nr Masdnn Jo tonnte Bervsus, drr Priester des Marduk lenivris;11 Babiilon 11m 27.» v. d. b. zu ncurn Ehren konnurn, der erzähl! daß dir frühesten Bewohner drs .zwri nroinrlandrs viri von ibrrr Multur von Fremden empnngen. wrlchr in?chiüci! den (ilolf herauigesahrcn kamen. ,711 drr zeigt in brinrrlrnswrrirn Deduktionen. daß dirsr Multur von drn Münen drs Persischen oiolis nach Norden au» inrg, daß dir ältenrn Ltadte dir drin Meere nächstliegen drn warrn, da»! dir Nh,Hin mit Liädtebau und Munal »ührung »ich wrurr vrrbrrnelr, und daß dir Manälc »m drn F!ü׳׳rn. drn ^auvtarterirn für korr-oratives Lcdrn. Berbindungrn bevitclltcn. Mein Anhaltsvunkt in dafür vortxmden, wodrr diese uni .Mcnntniörn drs L1adieb>tues und drr Zitgenirurkumi t2Sa״'erbautrn drgabtrn Lrrfahrrr grkommrn ilnd!Publikum uub Preise! Zu diriri» Tbrma ichrrib, drr Rhein. Sin irr״ ^Die Auffassung daß dir Zeitung rin großes Amüirinrnts Znstitut ist, wird immer allgriurinrr. Man will in den Leitungen nicht belehrt, soliden, unteiballen sein. Zudem in noch für dir Zeitung auch gar nicht der^ Alaun, iondrrn dir Frau ausschlag gebend, die drin Leriösen »1 drr Politik mit cingrdorrnrr Lenden; aus drin Wege geht. Al׳rr auch d!c Alanncr sind aus drin besten Wege, dir Zeitung als papirrnrs lleberbrcitl anzuiclirn, als die täglich iervirrtc Barietö Nummer: n׳ir wcrdrn allmählich ganz amerikanisch. Alan glaubt gar mchr, 1oir der Abscheu vor langcn Artikeln uuiurr iiirhr um »Ich greift; nur nicht studieren, nur nicht ernstlich nachdrnkrn müssen! Aon dicsrr Bcrslachung drs politischen (Ursch,״acks, von drr politifchcn Denkfaulheit sind alle .Mreisc angekränkelt: das macht rs drr ernsten Presse aller Richtungen so schwrr. Terrain zu gewinnen, das stärkt drn ,,Lcherlismus", der den Denkfaulen so liebenswürdig das Faulbett drs ,.Amüsements״;übereilet.״ Mutatis mutandis ganz wir int in tu י eben Blätterwald! Lcisenlialtiger Kinverzwieback. Was an Fälschungen aus dcm (tzrbirt der Nahrungsmutelsabrikation gelrislrt wird, dafür liefert nachstchrndrr Erlaß der Medi׳ (»taladtrilung des preußifchrn.MultuSttumsirriums, drr sür das lüdischc Publikum nicht olmr Zntrrrsic ist, rinen!vrrchrnden Beitrag: ..Ein .Maufmann hatte ..^anttäts .Mindrrnahr Zwirback Enrakt״ als Zusatz >u dem von den 'Bäckeniiristrin brrgrstrülrn sogenannten holländifchrn Zwirback in drn Handel gebracht. Ter Extrakt bestand aus Lnruv, Zucker, ffett und rtwa 2.1 pEt. L e i s r. Aus dir Anklagr wegen AadrungSminelversälschung machte drr Angeklagte u. a. den auffallenden Einwand, daß bei Scisenzusatz allgemein zulässig erachtet und tatsächlich auch von allen Bäckern angewandt werde. (>>kgcn einen Zwicbackfabrikantcn ivärc ein Berfahren wegen dieses Zusatzes von Leise wieder eingestellt worden. Das Olcricht verurteilte aber den .Mausmann wegen Nahrungs mittrlverfälschung. Der Mausmann hatte sogenannte Marseillcr Leise benutzt, die nach 'Angabe des ^achvcr ständigen auS den schlechten und zu Zpeisezwccken nicht geeigneten Dlivenolresten hrrgcstelll wird. L.׳er Leite» zui'atz soll offenbar zur Berbindung der verschiedenen Lubstanzen dienen, an Ltelle der sonst verwendeten Eier. DaS Uricil nimmt an, daß tatsächlich diese Unsitte^m M r e i s e der Z w i e b a ck s a b r i f 0 n t e n herrsche. 1}c Medizinalabtcilung bezeichnet aber dir Bersälschung für um so bedenklicher, als ein sür die Ernährung der Minder und insbesondere schwächlicher und kranker Minder l׳c stimmteS Nahrungsmittel, der Zwirback, mit einem Extrakt bereitet wird, dcsien rcklamehatte Bezeichnung »Zan'.tats Mindcrnähr-Zwicback Extrakt״ in keiner Weise den Leisen grhalt vermuten lanc. Da eine solche Fälschungsart viel lach üblich sein solle, ohne zur MenntniS der Behörden gelangt zu sein, so werden die mit der liebetwachung des Lebrnsnuttelverkehrs betrauten Ltelle», insbesondere die öffentlichen llntrrsuchungsanstaltcn, aus diese bedenkliwc Art drr Nahrungsmittrlversälschung aufmerksam gr macht.״

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.