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Der Israelit · 1906-11-08 · 45 (8.11.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
45 (8.11.1906)
Date
1906-11-08
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Feuilleton-Beilage zu Nr. Ho des ״Fsraelit". vrr 8aal-5cl,em von Mickrlrtttll. 2*011 Fudäus. [!•! Nachdruck verdolen. VIII. Nls Schotte» und Goldsticker von den Segens wünschen des?h'abbi begleitet, diese» »erlassen hatten, waren beide so mit ihren Gedanken be schästigt, daß sie einige Minuten schiveigend neben einander hergingcn. Schotten brach das Schweigen;»erst. ״^d) inerde mit der nächsten Post nach Frank furt fahren, wo ich beute noch vor Einbruch der Rächt cinzntreffe» hone und was gedenkt Ihr zu tun? Ihr iverdet doch dein Ruf des Rabbi folgen?״ ״ES bleibt mir nichts anderem übrig,״ ent gcgnete Goldsticker, ״denn ich müßte mir ja einig Bonvürfe machen, ivenn ich es nicht täte und mir das Geringste ans dem 2Lege passierte. Nb er ich gestehe Euch, dag es mir leid in, den Rabbi geiragt zu habe». Habt Ihr schon einmal so etwas gehört? Ich, der ich Troll bin, wenn die Räuber mich in Rnhe lassen, ich 1'oll sie jetzt noch, selber aussucheu! Meint inan nicht der Rabbi Nünde in irgend einer Bcrbinduug mit den Räubern, ivenn mau ihn reden hört, und das glaubt Ihr doch selber nicht." ״Ich begrejse Euch nicht, Reb Lander, >vie Ihr so reden könnt," entgegnete Schotten. ״Wenn Euch der Rabbi seine besten Segenswünsche mit gegeben hätte, so hättet Ihr sic doch nicht für viel niehr als fromme Wünsche gehalten, Jetzt gibt End, der Raj'bi einen direkten Nusnag, den Ihr nur zu befolgen braucht, um von den Räubern nicht gesährdet zu rverden, und Ihr besinnt Euch noch :"׳ ״Nbcr Ihr iverdet doch zngcben, dag das ein höchst eigentümlicher Nuftrag in." ״b'eivig gebe ich das zu,׳ es in mi-r so nnverständlich wie Euch. Nber ivas null das sagen? Werdet Ihr 'Bedenken tragen, das Unverstand liche, lateinische Rezept Eueres Hoktors in der Npvtbcke Herstellen zu lauen und es dann zu licbmen um Euere Gesundheit »nieder zu erlangen? Habt Ihr z» dem Rabbi nicht wenigstens das ielbc Zutrauen, das Ihr zu einem Nrzt habt? ,V unerklärlicher u>is das iRinze in um so ver Nändlicher und klarer in es dem Rabbi, Ich bin sicher, ,'sin iverdet auf Euerer Reife die Lösung des Rätsels erfahren und ich hätte nur die Bitte an Euch, ivenn dies der Fall sein ivird, mir davon auch Mitteilung yi machen." Mil die'cin Wunsch und der Zusage ihn sicher zu enülleu verabschiedeten sich die beiden Freunde. Goldsticker Hane den Wagen, in dem er mit Schotten gekommen war. behalten, mn mit ihai direkt nach Eoblenz zu fahren. Bis >1ach Kreuznach ging die Rene glatt ohne jedes Hinderiiis vor sich. Scholle» Hane die Nbückn in Snnnieru, das ungefähr in der Mitte zivischen Kreuznach und Eoblenz liegt, zu übcriiachten und bossle noch vor Embriich der Rächt dort einreffen. Etwa eine Stunde von Lim»,er״ entfernt ivurde der Wage!׳, plötzlich von einem beivaffneten Räuber angehalten. »Im '.Kamen unseres Hauplinannes Johannes erkläre ich den Hebräer und seine ganze Habe, die er mit sich fükrt, als Eigentum Oes vauplmannes. Wenn er gutwillig alles herausgibt, so lasse ich ihm Roß uild Wagen, ulld er kann mit seinem Kutscher weitersahren. Bei dem geringsten Widerstand schiege ich ihn und den Kutscher nieder; wir vergießen aber sehr ungern Blut n״d Ihm wirdes wohl auch so gehen." Während dieser Worte nahm der Kutscher unbemerkt unter seinem Brette eine geladene Pistole hervor und schoß sic auf den Räuber, ohne ihn jedoch zu treffen. Her Schuß lockte sofort drei in der Rähe vostierte Räuber herbei, die alis den Kutscher losspraugen und ihn fefsclteii. ״Habt Ihr's Euch überlegt?" sragte der erste Räuber an (holdsticker ge»oaudl. ״'Wenn Sie i», Nustrage Ihres Herrn -Haupt lnannes handclii, so gehört nicht nur all mein (Held nnd Wut, sondern auch Rog und Wagen Ihrem Herrn; jedoch nur unter einer einzigen Bedingung." ״Bedinglliigcn zu stellen, daS ist unsere Sache, wir lassen uns keine vorschreiben", linterbrach ihn barsch der Räuber. ״Bielleicht besinnt Ihr Euch doch eines andern", entgegnete Goldsticker mit einer zur Schau getragenen Gleichgiltigkeit und entschiedener Festigkeit, ״lvenil Ihr meine Bedingung hört." ״Wir haben nicht viel Zeit", fuhr ihn der Räuber uinvillig au, ״sagt Euer Sprüchlein her, aber macht's kurz". ״Ich reise hier dlircki den Wald, ivcil ich einen Nustrag au Hauptinauu Iohaunes durch deii Wald habe, den ich selber überniitteln muß. Ihr kommt mir gerade recht. Führt mich mir mcincm Wagen zu Eurem Herrn. Wenn ich ihn sprechen uud meinen Nn trag ausrichteil kann, so ist mir das ivichtiger als alle Wertsachen, die ich bei mir habe. Wenil Ihr wirklich im Nuftrag Eures Herrn kommt, so soll dieser über alles, ivas ich bei mir habe, nach Gutdünken verfügen." Hie Räuber wechselten einen kurzen überrafchten Blick. Hie Ruhe und Selbstverständlichkeit, mit ivelchcr ihr Gefangener sich plötzlich in einen Gebieter verwandelt Hane, imponierte ihnen. Nber so schnell fügten sie sich nicht. ״Ha könilte jeder kommen", Hub einer von ihnen bedenklich an, ״und könnte sich als Pertrauten des Hanplinannes aiisgeb n. Meint Er denn, nur seien dazu noch so dumm und ver raten den Nusenthalt des Herrn und Meisters? Und »venu er nun ein lumpiger Spion ift, der den Nuseuthalt unseres Herrn ausknndschaften möchte um ihn dann zu verraten? So gescheit >vie die Hebräer sind wir auch. Wenn Er wirklich de» Hanplinann ailsfncheii ivill, so muß er ja miss >1, wo er ist, und dann braucht er unsere Führung nicht. 'Wie beißt Er denn? von ivaunen komint Er uno ivohin zieht Er? Rein, aus dem Handel ivird nichts!" Her Räuber gab feinen Genossen ein Zeichen, die Kisten und Koffer aus dem Wagen zu uchineu. Goldüicker trat zwischen den Wagen nnd feine Plünderer nnd sagte ihnen: ״Ihr seid schlechte Hiener Eures Herrn; ivcnu Ihr nur ivenigskeus so gescheit wäret, mich uud meine» Kutscher ans der Stelle tot zu schlagen, dcnu wenu Ihr das nicht tut, so habt Ihr Euch selber eine böse Suppe eingebrockt, ,scki werde Euren Herrn früher oder später finden und ihm dann erzählen, ivas er für ein Gesindel befehligt. 'Wie könnt Ihr nur io dumiues Zeug schwätzen und mich als Spion verdächtigen! Habt Ihr schon einmal gehört, da» ein Hebräer den Schlnderbannes verraten hat? Und wenn ich .ein Berräter wäre, habt Ihr nicht Mittel und Wege genng. mich zu entlarven und dann zu bestrafen? Wenn es sich herausitellt, dasz ich keinen Nuftrag au Euren Herrn habe, so wird er ivohl Mann genug sein, mich zur Rechenschaft zn ziehen und braucht nicht erst auf solche Helfershelfer zn warten, ivie Ihr seid. Das sind lauter Finten und Nnsflüchte Ihr wollt meine paar Lilbersachen gern für Euch allein bei Seite fchaffen llnd die Beute nicht Eurem Herrn bringen, das alles werd' ich ihm sagen, wenn Ihr mich nicht auf der Stelle niederschlagr." Eine solche Redeweise war den Räubern noch nicht vorgekoiunien, sie waren verdutzt und wußten nicht,!vas sie tun sollten. Sie traten zur Seite und berieten sich einige Minuten leise inilein ander. Nls sie mit ihrer Beratung zn Ende waren, trat ihr Wortführer wieder vor Gold sticker hin und sprach: ״'Wie können wir mit Euch verhandeln, ,vir wisse!! ja nicht einmal, wer Ihr seid, ivie Euer Raine und ivo Euer Wohnort ist?" Hiesc Worte waren bereits in einem ganz andern Tone gesprochen, der Goldsticker mehr als die gesprochenen Worte sagte, dasz er Herr der Situation war. ״Schwätzt doch nicht so kindisch", erwiderte er dem Sprecher. ״Hasz Ihr mich nicht kennt braucht unsere Unterhandlung nicht zu stören. Ich kenne Euch ja auch nicht und verhandle doch mit Euch, ich habe nicht einmal ein Berlangen danach, Euch kenne» zu lerne». Nu deiil, ivas ich von Euch bis jetzt gesehen, habe ich mehr nls genng, um nicht mehr wissen zu wollen. ׳Wenn Ihr aber nicht so denkt und über mich mehr wissen wollt, so sollt Ihr es erfahre», aber nicht von mir, sondern von Eurem Herrn. Wenn er Eure Rcugierde befriedigen ivill, so habe ich nichts dagegen, aber jetzt haltet mich nicht unnötig ans nnd führt rnich zu Eurem Herrn. Zwei von Euch haben noch in mein in Wagen Platz, der dritte kann sich zum Krrtscher auf den Bock setzen und mm nehmt aus meiner Feldflasche noch einen Schluck echten Rordhäuser, dann aber ivollen wir iveiter." Her Rordhäuser hatte die letzten Bedenken der Räuber hiniveggcspült, und in wenigen Minuten hatte sich die eigentümliche Gesellschaft aus den Weg gemacht. Kurz vor Simniern bog der Weg rechts ab und fuhr nun in eine Land schast, die Goldslicker unbekannt war, nnd die er auch ivcgen der inzivischen eingebrochencn 'Rächt nicht geilauer ins Nuge fasseu konnte. Sie fuhren fast fünf Stunden kreuz uud quer durch grosze dichte Wälder und hielten daun in einer Wald lichtnng, in der ein großes Lagerfeuer brannte, um welches sich etwa zwanzig Räuber zum Teil mit geschivärzten Gesichleru gelagert hatteii. Hier machte der Wagen Halt. Hie Räuber verlieszen den Wagen, und wechselten ei»h e Worte mit den am Feuer hingestrecklen Gcuosscu; dann kam einer von ihnen zu Goldsticker mit der Mitteilung zurück, der Hauptinanil weile heute Rächt in cinereinehalbe Stnudc von da ent feruren Felsenhöhle. Her dahinführcude 'Weg sei unfahrbar, er solle seinen Wagen und Kntcher ruhig hier zurücklassen. Seine Sachen seien hier so sicher geborgen wie die Bibel ans dem Nltar, er solle ihm nur folgen, es fei ein schmaler, steiler Felsenpfad, den sie zu passieren hätten, aber selbst in der Hunkelheir sei der Pfad nick:: gefährlich, zumal er jeden Stein hier kennc. Goldsticker verließ feinen 'Wagen, der sein ganzes Berniögcn enthielt, und ging festen Schrittes neben seinem Führer her. Hieser hob, nachdem sie einige Minukeu schrveigeud aufwärts geschritten waren, plötzlich an: ״Sic werden es uns doch nicht Nachträgen, dasz wir Sie anfänglich mit Misztranen behandelt haben uud es unS nicht entgelten lafscu Legen Sie für uns ein gutes Wort bei dem Hauptmann ein, daS ivird uns sehr zu statten kommen,!eben falls aber erheben Sie keine Klage über unS." Goldsticker versprach alles, mit der Miene eines Mannes, der das Leben seines bis au die Zähne bewaffuclen, ihm an Körperkraft fünffach überlegenen Räubers, vollständig in Händen hatte. In Wirklichkeit war ihm aber bei dem Handel gar nicht wohl. In wenigen Minuteu wußte er Tich vor dem mächtigen, tue it und breit gefürckitctcu Ranverhauptinann. Was schcert sich der um den Baal-Schein von Michelstadt und seine

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