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Der Israelit · 1906-11-08 · 45 (8.11.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
45 (8.11.1906)
Date
1906-11-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sette 7. Rr l Ter;;smeln. v .'lovemkier lf*06. Me liberale itolitif der obengenannien beibeu Staatsmänner, die sich '.'.'(»be gaben, die Ariden der rliinäiiischen Bevölkerung;il assimilieren. Ter "Merkwürdigkeit ballet sei etmälmt, das; J-ürft E»׳a das Tragen des *kastan verbot und;Metel)! flab, jedem ,Anben, der sich mit einem solchen .NtleiöniuvMtiu'f öfientlid,;eige, dasselbe;11 r fältle abzuschneiden. Tas;){etnltat war, das; das 1;en!u;e jüdische '»׳eben, das bei den Hilden der Walachei vorhanden war, vollends zu (Grunde ging. Wie sehr die Achtung vor allem Jüdisd,en sank, zeigt die in jener Jen dort aufgekoimneue Redensart: ״,Ach böre ans dich gerade soviel tvie aus den Rav." Tie ,Anden schickte» jetzt ihre Binder in die rninäniichen Schulen, wo ne nicht nur jeden Religionsunterricht entbehrten, sondern obendrein in einem dem ,Anbentnm und seinen licberlieiernnflcn seindlichen Wein erzogen wurden. Aus der in diesen Schulen herangebildeten fugend envuchsen dem Jildentum seine gefäh lidiften Gegner, Männer, die ihre ׳Angehörigkeit zum jüdischen Bolk als ein Unglück ansahen und sich dat'ür durch die Berspottung des jüdische» Rainen zu rächen zu suchten Wohl erhoben sich ange sichts dieser Verwüstung viele gottesfürchtige Männer und bemühten sich um die Gründung von Schulen, in denen neben den profanen Btldungs gegenständen and) der Thora Untericht eine Stätte nnden sollte. Die Bemühungen waren aber meist er tolglos. Tenn vor allem fehlte es an den nötigen Mitteln. Tie gemeinnützigen jüdisdien Jnstitn tionett werden nämlid, hierzulande ans einer Steuer für >10 ו die rfl e 11 dt ausgebracht. (Gerade die ivoblhabeudeu ,Anden entzogen zum gros;en Teil sid, dieser Steuer, da sie kein Be dürfnis nad! *kosd,erfleifch hatten. And» bildeten sich vielfach (Gesellschaften, die statt von dem Ge meinde Sd,od,tl,n von anderen Persönlichkeiten schächten lies;en, um so die J-leischsteuer zu um gehen. Tie wenigen jüdischen Schulen aber, die es gibt, erfüllen ihre Ausgabe so fd,led,t, das; nicht selten der Schüler, der die vier *Manen dieser Anstalten besucht bat, nicht einmal bebrä ifch leien kann. Wie es unter solche» Berhältnissen in den .*kreisen der akademisch Gebildeten mit dem Juden tum aussieht, kann man sid, leicht vorstellen. Im ganzen Vanbc findet sich kein jüdischer Arzt, der and; nur die geringsten Beziehungen zu den grundlegenden Wahrheiten des ,A״bent»1s hätte. Wenn man einen dieser sperren einmal in der Svnagoge erblickte, würde matt an seiner geistigen Gesundheit zweifeln. ,An fast allen Städten der Walachei sucht mau vergebens nad, einem jüdischeu Gasthaus. Ter Genus; nicht ritueller Speisen ist dort eine gattz selbstverständliche Sache und Gesdiäfte sind durchweg am Schabbos geöffnet. Ter Volm für all den Eifer, mit dem man die jüdische Lebensart preisgegeben und sich den Sitten der nichtjüdischen Bevölkerung angeschlossen hat, ist freilich, wie die Ereignisse gezeigt haben, ansgeblieben. Tas hier gezeichnete traurige Bild trifft glücklichenveife — darauf sei noch einmal ans; drücklich hingewiesen — nur für die Wallachei, nidn für die Moldau zu. Heber die Juden in der letzteren Provinz gedenke ich Ihnen ein ander mal ״Näheres mitzuteilen. Anrerika. Die £inheitsbemegung in flmeriha. (Bon mi'mtn korrt'pondenleii.) Chicago, 24. Cftober. Am Anfang dieses Jahres tauchte in Rcw vorker jüdischen .*kreisen der Plan einer Bereinigung der gesamten Judenheit des Landes auf, der aber schon deswegen keine Ansstcht auf Berwirklichung hatte, weil die Urheber selbst mit durchaus unklaren Borstellungen an ihr Unternehmen herangetreten waren. Es gab auf der gegnerischen Seite heftigen Wider'pruch, und wiewohl di? Berhandlungen der Crganisatious »reunde geheim gehalten wurden, drang doch genug davon in die Ceffentlichkeir, um einen solchen Sturm der Entrüstung in der jüdischen Be völkerung zu erregen, da st die Herren es vor zogen, die Sad>e einstweilen beruhen;» lassen. Riiiimelir aber wird der Bcr׳nd! erneuert. Jun׳ zehn der Herren, die an der im Jebrnar d. .As abgehaltenen Ber'ammliing teilgenommeii baue», ,ollen jüngst;11 neuen 'Berhandlungen;nt'amme» getreten fein, und den Beschluß gefaßt haken, das bisherige.*iomitee;u erweitern und eine all gemeine Telegiertenveriaminlung ein;nber»sen. Tie!üdiidie Presse in in dieser,Ata;e in;wei Lager geipal ten. Bon neologer Seite wird das Unternehmen ׳ehr gelobt. Tie orthodore Partei aber, die in der Mehrheit ist, wehrt sid, eutsdiieden gegen die Ab sicht, das nmerifanndie Judentum unter die Botinästigkeit der;Keformer, die!a die Leitung der Crgauisatiou in Aiifprud, nehmen,;11 Nelle». Was die Aussidne» des Projektes anlangt, so kan» mau mit Sicherheit Voraussage», das; nichts daraus werden ivird. Tara» werden and, die hochtrabendsten Befdilüffe nidits ändern können. Auster de» Crtliodoren hat die geplante Crgani fation and, die verschiedene» Grostlogen, die im Lande eristieren, zu Gegner». Tiefe fürchte», durd, dieselbe in den .Hintergrund gedrängt;» werden. I» der Bersammluiig der Telegierte» wird ,vahrsd,ei,1lich vor allem die rntfidie Juden frage behandelt werden. Man wird;weifellos groste Rede» halten, 1v,e das im Lande voll kominenster Sprechfreiheit üblick, ist. An prakti,ck,e Resultate ist dabei selbstverständlich nicht zu denke». Id, werde Ihnen über den Berlans der 'Bet samuilnug f. .I. Räheres mitteilen. Aus Ar-tAeutinieu. Boin unsetri» norrripvndenirn. Buenos Aires, 1»1 September. Ein neues Jahr ein neues Sichregen der Wünsche und Hoffnnnge» - damit verbindet sid, drüben bei End, die Stimmung, die des Herbstes Einzug, das fallende Vnnb »nd der Schwalben Abschied in den (*lemütev״ erweckt. Bei uns Antipoden ist's anders. Mit dem Sdiofarton, der dem neuen Jahr entgegenschmettert, fingen die Böglei» dem kommende» Jrühling ein Einzngslied als Begleitung zu der Smuphouie der Hoffnungen, "Wüindie und Erwartungen, die stets mit dem ״neuen Jahre" und dem ״neuen Jrühling" wiederkehreu. Roch liegt der Wonnemond im .Mampfe mit den Winterstürmeii, nod, wehen über die Steppe» feuchtkalte Viifte von ״i׳a Plata" her, unter denen die durch die Tommerhihe vertveid,lichte Ratnr und Mensch und Biel, leiden, aber stegesgewist ist der gefiederten Sänger Jrühlingsverheistung, und froh, ad, wie froh sehen wir dem Sommer entgegen — wenn wir auch gewist und, dies in zwei bis drei ""tonnten nicht mehr zu begreisen, ,engende Hitz.e uns *kühlung suchen lästt. Ter Winter ist nach europäisd,e»1 Begriff hier mehr als gelinde- bis zum Gefrierpunkt fällt das Thermometer selten aber infolge des absolnten Mangels an Cesen und bei 10 Grad Warme kan» mau in fenditer Atmo sphäre sehr wohl Heizung vertragen) friert man hier während der kühleren Jahres;eit mehr als im härtesten deutschen Winter. Mag die Vuft einwirkung hier eine andere sein — eine Temperaturdinerenz von 2 ('*irab ist bei uns stärker fühlbar als drüben eine von 8 bis t>! Aber ich wollte nicht von dem Wetter rede», sondern von meinen, ersten Roschbaschonoh in Argentinien. Richt ohne Gransen sah id, den Jomim Towim entgegen — und mit Wehmut gedachte ich des lieben trauten Mainzer Gottesdienstes, dachte an die alten ״Weisen und Melodien, die ich ,'0 oft gehört. Roschhaschonoh in Argentinien! Als ich noch die Bänke der Schule Rabbiner Tr. Lehmanns f. A. in Mainz drückte und die Jiidianergeschichten Marl Maus las, die in den südamerikanischen Ländern spielen, hätte ich wohl nie geglaubt, Urnguali, Paraguar, und Brasilien zu sehen — und einen Rofchhaschonoh in Buenos Aires zu verleben' Und dock, »in die Wahrheit zu sagen ick, war freudig überrascht und freudig habe id, die J-estesrage verbrackn 11» >lr-1,e ׳r.-mmer Männer ans aller Herren Länder. Tas ״nomm״ in amenka״i׳d!em Sinne verstanden. <**ar Mandies nt uur, gerade wie die Landessprache, redrt ״spanisdi" vorgekomnien. I. B. das 'Ber teilen von in hebräischen Lettern gedruckten Re klame;etleln vor der Simagoge »nd anderes dergl. Tie Hanptiimagoge ׳aut ea. 4״<» Personen. kleine Bethänfer der Rune» und Spaniolen gibt es nod, ein Tutzend, in criterer gibt es Sdiabbos fein Min!»». Ter neu gewählte Rabbiner Tr. Halpho», der i» kur;er Jeit von Paris an komme» soll, wird ivohl eine ׳Besserung der 'Ber hält»!׳«׳ herbei'iihren. Tie Ja hl der Jude» itt Argentinien nt indtt gering - man ׳d,ät>t die >"e fa,nt;iffer an» 11' 40000, während hier allem ca. 1.4000 wohne» dürfle». Ei» Spa;1erga»g dnrck, die Stadt an den Jom»» Towim;eigte, wieviel gröstere n»d kleinere jüdndie *kantlente hier etabliert find. In '.»0 Pro;e»t find es Russe», dann kämme» Jranzofe», Engländer und ganz wenig deutsche Israeliten. Jüdi,die Institutionen wie die Eongregacio» Jsraelita, Cbra Jsraelita »sw. wie and, die Hauptgemeinde find finanziell schlecht gestellt. Schuld daran ist die indifferente Haltung der Tausende rnf'iidter Juden, die hier vor Ja hi ea arm und elend antanien und dank der ihnen gewordene» Unterstützung ei» Ber mögen erwarben,!eizt aber trotz ihrer Wohl habenheit für jüdische Interesse» kau!» etwas übrig hake». Etwa loo Jamilien, Engländer, Jranzoscn und Tcutsdre, und es, die eigentlid, die Gemeinde bilden. Auf dem Lunde!s!Vbesser. Tie russisdien .*kolonien z. B. haben jüdische Sdmlen, Stmagogen, Spitäler n׳w. »nd eine Ehannka Jeier, ein Bannizivohsest in diesen Gegenden sind Jdlille jüdisd,en Gebens in Süd amerika Jrete Bürger eines freien Landes, das einen U»tersd,ied der *lonsessione» nicht kennt, das den Tausenden verfolgter rnssifdier Glauoensbrüder eine neue und sd,öne Heimat bietet, eines Landes, das bereit ist, sie alle alnznnehmen nnd befähigt ist, sie zu ernähren, sollten die Juden Argentiiiiens and, die *kraft und den Idealismus beüben, echt jüdischem '»׳eben hier eine Heimstätte zu bereiten. Arrslrnlierr. Melbourne, 1. Cftober. Ter Generalnaat.׳ anmalt von Australien, Mr. Jfaac Alfred I s a cc s, ist z»m Richter des höchsten (*Gerichtshofes des australischen StaatenbundeS crnanr'.r worden. Ge boren an\ t>. Auanst l»ö.'> als Sohn des ein Jahr vorher aus England eingewanderten Mr. Alfred Jsaacs, wurde der junge Jfaac erst Lehrer, dann o;er!chts,chreiber, um schließlich im Jahre 18*0 nack,dem er an der Unwerntät Melbourne ,'ein juristisches Studium beendet hatte, Rechlsamvalt n iverden. 1*02 begann er feine politische itouf« ahn als Mitglied der gei'ebgebenden *törperfdiaft von Bictoria, um 2 Jahre später unter dem Ministerium des Sir George Turner General Staatsanwalt dieses Staates zu werden. Als solcher nahm er an der Schaffung des Eonnnonwealth os Anstralia lebhaften Anteil. Im Jahre I'.hii mürbe er Mitglied des neuen Bundes- Parlaments, in welchem er die Stadt Jndi Bictoria) vertrat und seit 100:1 ist er General Staatsanwalt. Mit der Ernennung zum Cbersten Richter des Eomiiionwealth ist aber Mr. Jsaacs Mrufbahn »och keineswegs abaeschloffen, da alle Welt in ihm den zukünftigen Premierminister von Australien sieht. UebrigenS ist Mr. JsaacS in dem vom Antisemitismus wirklich freie» Australien nicht der einzige hohe Würdenträger. Scho» viel früher war Mr. H. E. Eohen Mitglied des höchsten Gerichtshofes von Reu-Südwales und Sir John Bogel Premierminister von Bictoria, B. L.Salomon Premierministervon SouthWales nnd Sir Samuel Eleiieralo.gent von Bictoria in London.

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