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Der Israelit · 1906-11-08 · 45 (8.11.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
45 (8.11.1906)
Date
1906-11-08
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr 4-V 2ntf <> Der Israelit. *. November l'JOfi Artikel des gezwuilgen, fämtUdicu Ge fdmftcn der gleichen An un'b mit der gleichen Muttbfdiatt, die es in der 2tabt giebt, dasselbe Zugeständnis zu machen. Schliestlich sei cS auch?chlner scstznstellen. ob die Angestellten alle An gehörige der jüdischen .stoistession sind. Mit dieser ׳Entscheidung bestätigt sich die Befürchtung, dast man die den Sabbath beobachtenden Ge schästc nicht unter die Betriebe klassifizieren ivcrde, die bei Einhaltung der Soiintagsriihc in ihrem normalen Gang gestört ivürden. Die Ge schästsinhaber selbst dürlen am Sonntag arbeiten, sie dürscil auch Personen, die lvährend der übrigen Tage der Woche nicht bei ihnen in Arbeit waren, am Sonntag beschäsrigen. An»' letztere Weise lverden sich einige jüdische .stansleme Helsen können) im Allgemeinen jedoch wird das Gesetz von den den Sabbath sciernden jüdischen Geschüstsinhabcrn sehr unangenehm empsundeu lverden. Zum Glück ist die Uiiznnirdenheit vieler christlicher Zirmen mit dem Gesetz noch gröster, als die der Znden. Bon allen Leiten wird dagegen protestiert, und cs ist anznnchiiien, dast es abgeändert lverden wird. Wenn unsere Herren Rabbiner sich Blühe geben möchten, so könilten sic hier eine nützliche Wirksamkeit entsaltcn. Daran ist jedoch nicht zu dcnkcii, selbst ans die Hülse des Rabbiners der Adast Zcriim ist nicht zn rechnen. zu führen. — Der Board of Deputies hat sich in seiner letzten Sitzung auch mir dem Bericht der parlamentarischen .Kommission über die An gelegcnheit der Sonntagsruhe beschäftigt. Der Antrag der .Kommission, dast cs den inner I halb der jüdischen Stadtviertel gelegenen Ge- •׳ schäften gcstankl bleiben solle, ihre Läden bis zum Mittag offen zu halten, wurde als ungenügend bezeichnet. Einmal, lveil die Beschränkung dieser Erlaubnis ans die jüdischen Bezirke eine durch ans unerwünschte Zlilvanderung in dieselben aus den anderen Stadteilen zur Zolcze haben würde, und dann iveil die sreigegcbene Zeit viel zn kurz bemessen sei lim eine wesentliche Schädigung der den Sabbath beobachtenden Znden abznwenden. Die von der Regierung ennvorsene Ednea tion Bill har, >vie zn erivarte» lvar, während der bis herigen Beratung durch das Sberhans bereits einige lvesentliche Abändernngen erfahren. Zui liegensatz zn der Borlage der Regierung beschlost das Haus eine Bestiniinuug, durch die die Schulde Hörden verpstichtet lverden, an sämtlichen Schule» für Religionsunterricht zil sorge». Auch solle» die Lokalschnlhehörde» gehalten sein, die bestehende.! Privatschnlen (sogen. ״Freischnlen" > nur Antrag der den. Borstände aus ihren Etat zn übernehmen. Allerdings ist es sicher, dast diese ivcitgchcnden Zordernngen nicht die Zustnunnng des Unter <L* iitilaub. Brief aus Lonöon. und sich und London, 4. Rovcniber. Drei (Gebiete derenglilchen fi'׳e׳etzgehnng sind m » W• rt 1 t!!י» U'׳ Uli IIIU lUiiiiuU'U 1111 •vt 11 iv 1 v u 1t u jüdischen ZnrcresscSstehen. Die Alien Bill ihre Wirkungen, das Schnlgcst'tz, mir dem gegenwärtig das Oberhaus zn besaven hat, die Zrngc der Berschär'nng der Sonnlagsrnhe, über die vor einiger ׳',eit eine parlamentarische »oinnlission Erhebungen ang! stellt har. Zn der Handhabung des Zrenidcnze sctzcs ha! sich in deii letzten .'.',onalcn nichts geändert. Mag auch die Regierung selbst eine möglichst milde Anwendnug der Gesetzes bestiiniuuttgen ivimichen »vic sie dies s. Z. zimi Ausdruck gebracht hat das Gesetz besteh! nun einmal und die Zälle, in denen die grau samcn Wirkungen desselben näi äustcrn, erueuer» sich von Tag zu Dag. Wahrend der ersten neun Monate dieses ZahreS wulde» .7:1«־ Zremdc bei der Landung zurinkgeivie'e». Bei 'I derselben ivurde Mineloiigkeir. bei!■>2 .strankheit als Grund angegeben. An niid für sich erscheinen diese Zistern »ich׳ bedeutend! lver aber allnr. lvelche Summe der beiden ulid des Elends sich darunter birgt' Zn «'י»"׳, Zällen Hanen die Zurückgelvie seiicil Berufung gegen die Entscheidung der unteren Behörden eingelegt, aber nur 4;'>s dieser Bernsnvgeil Hanen Er׳o!-;. g and in Hand mit der rigorosen Behandlung der dir Zulassung ins Land Begehrenden gebt eine bedeutende Anzahl von Ausivenungen. die reit der Annahme de! Alien Bill eriolgt und. Herrn (Kordon lind Ge ilosteii ist jedoch die bisher grüble Praris lange ilichl streng genug. Die Herleit haben sich in den vienvöchlgen Sitznngeii des Abgeordneleiibanses darüber beschwert. Die Tatsache. dast in 1s:’> Zällen dein Antrag 0!» Ansn׳eisn!׳.g stangegeben ivurde, briveist die o׳rnndlostgkc1t dieser Be sdnverde. Der >>idi1che .Board of Deput!»•»“ ha! vor kurzem an das Mmisteriuni des Znnern eine Denk'chust gerichtet, m der er die Anstnerksaui ken der Regierung ans eine Reihe an Miststände» lenkt, die die ohnehin schon Hane 'Behandlung der ankomniende» Zremden noch schlnniner ge 'lallen. Die Denkichris! iveist au׳ die nuder spruchsvolle All hi», um׳ das Gesetz in de» vec schirdenc» Eni'chcidnngen del 'Behörden ausgelegt lvird, und au׳ die Tatsache. dast die Einivander ungsbeamlen ihre Ausgabe nicht in einer vb!ek. livcn Unicr'nchnng des Dalbestandes ׳eben, sondern von vornberein als die Gegner der Ernwanderer auilrelcn. Sie verlang! ׳erner die Zulassung von Sachivaliern der Zr.indeu und die Anordnung non ^'Ijostnolnnen. 1 («ו«ר1יו<וו» S,,׳>> VO'.ltC!! er Iciduei! ivlirde, den Beiveis für ihre Angaben Hauses sindcn werden. Aber es ist wahrscheinlich, das! ein .stompromist zu stände kommt, und die jüdischen Gemeinden dürfe» wohl honen, dast dabei auch die von ihnen vorgebrachtcn Wünsche bezüglich des Religionsniiterrichrs an den öffentlichen Sdnilen zur Belücksichrigung gelangen. London, 4. 'Rovember. Zn der letzten Ber sannnlnng der A ngl o Zelvish A ffociation kam das Ersuchen des zionistischen Akrions stomilees ,Mi Teilnahme an der Errichtung eines Waisen Hauses in Palästina znr Beratung. Es wurde beschlossen, dem Erinchen des Aktionskomitees keine Zolge zn geben, da die Association für diesen Zweck keine Mittel znr Bersügung habe. Jluartru. Agrain, 2. Liovember. Auch hierzulande möchte man es in gewissen Kreisen mit einem Pogrom gegen die Znden versuchen. Zn .Kroatien ivnrden P r o kl a rna t iouc n an das Bolk in tausenden von Ercmplaren verteilt, in welchen zu Zndcnlnassacres ansgesorderr wird. Zn den Proklamalionen heistt es u. 11.: ,-Ec- Witte sclivn längst in» jollcn, aber cs ist dcnnoci! erst iebi der Aoinnn ringeirclen. das; fiel־, der v'.cis! der Auitlänuig allinablicb »1 verbreiten beginnt, das; nur uns jzegen unlerr Zeindr erbeben, die bereits einen grauen aeil >!raatiens in Händen baden und Herren unseres Vaudcs und Vermögens inid — nämlicii gegen die Juden, die der Hauptgrund aber unserer und überbauvt der slaatlidien Uneinigkeit.- der Unzuirirdcnbeu und des Unglücks sind. Wir »ordern hiermit alle cinisiUchcn Brüder auf, rrsolui und einig zuzugreilr». aut das; wir »ns gegen diese Brrbredier erbeben, aut dein Dorfe und noch nicbr m den Ltädten, alle >irä»le müncn wir ampanncn. uni unv ans dein »idiichen Joche zu befreien. Nur einig und »uiiig. sei es, das; auch emzeine von uns das Leven ein büüen und unser Bim m 2lrö1nen sliesn, seid nur leine ZeigNngc. lürchiel Euch vor nichts auf der Well, lastl Euch von Nicinnndent cmschüchlern . . . und folltc 'ich lemand findensei es wer iimncr, der die Inden vcr leidigen wolUe, so soll man ihn zuerst auf schone Art, und, loenu das nicht lnlfi. auf gewalnälige Weife de jemgen." Es sind bereits einige Personen, die die Proklamationen unter bas Bolk vertheilt haben, sestgestellt tvvrden, nnb man hont, bic Be!fasse! und Be! breite! derselben bald zur Rechenschaft ziehen zu können- Wien, l. Roveinbcr. Mil Bezug an׳ die Blänernieldnngvon einerBerschanung de! S onn r 1׳ g s r u 1׳ c in der B n k o >v i n a lvird der Wiener bleuen Zrg ans Ezcrnowitz geschrieben, dast die bestebendcn Bcstiunnnngcn durch die neue Berord nung ciiie Aenderinig nur insofern erfahren haben, als infolge der Eiiiführnng ber niittclouvooäi scheu Zeit b!e s^onntagsarbei! sur .''lOiiuu und Bureanarbciicn anstatt von bis 1Uhr, nun mehr von 8 bis 10 Uhr vormittags gestaltet ici. Ans die Laden besitzet׳ habe somit die fragliche Ber ordnung keine Anwendung und seien dieselben gkmäst § 4 der erwähnten Landesregierungs Ber ordnung zun! Dttenhalten itirer (üeschiifte während des ganzen Zahres von X Uhr früh bis 12 Uhr mittags berechtigt. Brünn, I. Rcvember. Am 28. Dktober winde hier der vom ׳.nährischen jüdisch politischen Erecntivkomitee einvei^isene Dclegiertentag der mährischen politischen Z »den gemein den und der jüdischen K ulti» sge mein den abgehab ten. Die Bersammlnng beriet hauptsächlich über die Stellungnahme der Znden bei den linmittelbar bevorstehenden Landtagswahlen. Prag, I. Roveinbcr. Am 14. v. Mts. fand hier die Zahresversammenng der Zionisten Böhmens statt. Die böhmischen Bereine waren durch :>7 Delegierte vertreten. 'Wichtige Beschlüsse ivurden nicht gesastt. Petersburg, 2. Rovember. Die ״Rufs. Eorresp.^ meldet, der Zar habe nuf Bortrag kdokowzews über die Zudcnsrage unb die Bor legnng des inzwischen bekannt gewordenen Gest-z, eimvnrss über diese Materie geänstert, die Be Handlung der Zudenrrage sei nicht zeitgemäst, man müsse damit noch warteil. Aus diese Acusterung hin scheint die Aktion in der Z-rage ivieder ins Stocken geraten zn sein. Unnrünien. Die Huöen in 9er Maiackei. B n k a rc st, 2^. Dkrober. Bon unserem Korrespondenten.) Wenn ich Zhncn ein Bild von den Zustände» unter den walachischen Znden entiversen soll, fo gestatten Sic mir, dast ich ans die Lage des rumänische» B'dkes in der v'litte des vorige» Zahrhunderts zurückgreise, »in Zhnen die Dinge, wie sie jetzt heschatfen sind, verständlich zn mache». Rumänien war damals noch von aller .stnltur unberührt, und wie es politisch durch seine Zugchörigkeit zur Türkei als ein asiatisches Land angesehen. lverden konnte, so trug auch das Lebe» seiner Beivohner durchaus asiatischen Ehnraktcr. Das Bolk folgte ivillenlos seinen Priestern, die selbst ans keiner höheren Stnst׳ standen. Biele Priester vcrmochrcil nicht einmal in den Gebetbüchern zu lesen, und man erzählt sich In־»«־ noch, dast ne sich nicht selten bei den Znden nacb der Zeit ihrer Zesttage erkundigten. Die Znden erfuhren von der 'Bevölkerung keinerlei Beini׳ rnhigung. Sic waren derselben geistig nicht viel überlegen und erweckten daher nicht ihre feindlichen Znstinktc. Die Kenntnis deS Thora Gesetzes war bei ihnen fast geschwunden, beim cs fehlte a» Lehrern und Rabbinern. Sie halten sich die Sine» ihrer Umgehung angeeignet, scierre» mit den Rumänen an deren Z-esttagen und nahmen an ihren Trinkgelagen und Tanz belustigilngeu teil. Als daher R. Ebajim Tscheruowitzcr den Rabbinutsstuhl in Butischon bestieg und entschieden gegen diese Zustände au» trat, enveckte er dadurch den Hast eines grasten Teiles der jüdischen Bevölkerung). Gegen Ende der ׳ünsziger Zahre vollzog fidi in Rumänien infolge der Tätigkeit der Fürsten .stnsa und Eogoliniecanu, die in Paris studiert hatten und die europäische Bildung mm auch in ihrem Bolke zn verbreiteil suchten, ein bedeutender Umschwung. Diese beiden Männer, die durch ihre Politik die Befreiung Rlimnnieus und die Berciiiignng der Walachei mit der Moldau herdeisührien, brachten die französische Literatur ins Land nnd es ward in den adligen Z-amilien Sine, dast die Söhne die Pariser Universität bezogen. Es entstanden Zeitungen, deren Redaktcrrre m Zrankreich ihre Studien absolviert hatten. Die Bcrbreitling der sranzösiichcii Literatur und der von dieser gepflegten Weltanschannng übreaber aiich an׳ die Zudcn ihren Einslnst. Hierzu kam noch

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