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Der Israelit · 1906-10-25 · 43 (25.10.1906) · p. Seite 12

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
43 (25.10.1906)
Date
1906-10-25
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Senr 1-J. Nr. 43 Der J-rarttt. Ehajim Bacharach mit einem eingeschlagenen Schädel!" ״Boruch dajan Homnmes", > Segensspruch beim Empfang einer Trauerbotschaft > ries der?Wabbi erregt aus, und der Erzähler fuhr fort: habe schon oft bavoti gehört, dos; es Räuberhöhlen gibt, die unter der Maske von (Gasthäusern Fremde ansraubcn und ermorden, ich hatte es jedoch nie geglaubt. Fetzt sah ich mit den Äugen, was ich dis dahin für unmöglich gehalten habe. Aber ich hatte keine Feit mich zolchen Betrachtungen hinzugeben, denn ich wußte was auch mir bevorstand, ivenn ich der Ge»ahr nicht zuvorkam. 20 lange ich lebe, iverde ich, wenn mir im Abendgebet und im R.ichtgebct die Worte: Wesaknenn be'ezoh tauwo über die Rippen gehen, (vVott danken, das; er mir dainals den rechten (Gedanken eingegebc» hat. Ans dem llm stand, das; Reb Ehajim Bacharach — teilt An denken sei zum Legen — hier vollständig angekleidet lag, während die anderen entkleidet waren, schloss ich, das; der Ermordete ans Vorsicht, ans Rücksichten der Reinlichkeit oder ans tvelchem Grunde sonn, sich in seinen Kleidern niedergelegt hatte und to erschlage;;;ourde. Flugs zog ich mih seine Kleider ans und legte ihm meine Kleider an, neckte ihm meinen ledernen i'H’lo bentel mir einigen Silber!!!׳.!!er!! in die Tasche und legte ihm, nachdem ich die .Kopsiviinde ver bnnden und durch meine darüber gezogene Müde unsichtbar gemacht hatte, a»s mein Bett. Fch zog dagegen die Kleider des Ermordeten an und legte mich in die Bersenknng, nachdem ich das Bett ivieder an seine 2teile gerückt harte. Tas ganze ivar in einer halben 2tunde geschehen. Tann ivar wieder alles still und dunkel. ,V*) mochte so etwa zivei Llnildrn gelegen haben, als ick> dörre, wie lene die Türe ausgeschlossen wurde. Es )CiilUKU o :.4,1 Horen. Endlich graute der Tag. ich das Fenster, um envas frische;11 lassen. Es ivar keine 2eele aut Wie iverde ich meine Freiheit ivieder t fth vtC einige mächtige Ha!::!׳-!ersch!äge aus den Korn des Tarinliegenden, ging daun üb r dessen Taschen, lehrte sie und verlies; schnell das Fimnier, das er wieder von ans;en ab'chlos;. 'Sloch eine Stunde etiva hielt ich es m der verpestete!׳ Lnil der Versenkung unter den halbverivesten Reichen aus, dann schob ich behutsam das Bett bei Leite und verlies; mein Versteck. Aber ich ivagte kaum eine Beivegung zu mache», denn ich fürchtete, man könne mich Kören, (VitMirh iinniti' hrr?<ו!ו IVn'c offnere i'iitt hinein der 2trage. bekommen? Ter Win und seine Helfershelfer vermute» in diesem Fiminer nur;Gemordete, ivenn s,e öffnen um die Lvuren ihrer jüngsten Tat bei Seil.׳ zu schaffen und sie finden einen L'benden. werden ne ihn! nicht nachträglich den (Warans machen, dam-l das (K.-beiiniiis ihrer Untat nicht au den Tag komine? W.'iiii ich telbn einen ׳Vorübergehenden aiini'e und ibn um Hilfe bitte, kann er ne mir leine»? Kann man mich inchr zehnmal bei Leite schaisen, bis sie koinint sobald man Verrat w>tert? Während ich in ׳rüber Morgennnnde diesen tKedanken nachhaiigend am FeiiNer ׳teile, höre ich aus der Ferne eine» Wagen komineii. Es ivir das Fuhrwerk meines Freundes Reb Lander GaldNicker. Fch ivinke und rn׳e ihm und wurde rvich sonnt von ihm bemerkt. Fa der heiligen Sprache riet ich ihm kurz alles zu. was mir widerfahre» in und bitte ihn ffan in diesem Winshaus ansznsteigeii, sofort auf die Polizei wache z» fahren, von dort einige handfeste Be amte iniiz ibringen und dann mit ihnen in dieie Räuberhöhle einzudringen, um mich auch zu be freien und den Mörder» ihre Sinne zu sichern." Hier hielt der Erzähler bewältigt von den erichülkcrnde > Eriebninen einen Augenblick inne und ׳ein Beglener cKaldnicker ergriff das ׳V׳ort: ״Fbr braucht Euch nicht iveik r anszuregen. das wenige was!ctzl noch nachzulragen in, kann ich eben io gut erzählen. Aui der Polizei trat tcki lauter verschiasene Beamte, die ich ertt wach rattkln »nisue und die dann noch glaubten, ich spräche ans dein 2-chla'e, indem ich das ange sehenne Ga'thans des Trres iür eine Mordböhlc erklärte. Es gelang mir durch Bitten, Geld geschenke und Drohungen den Kommandanten und zivei Landjäger zu bestimmen, das; sic mich begleiteten, uni die örtliche Untersuchung des Gasthauses vorzunehmen. Ter Wirt und seine teilte lagen noch im Schlafe. Ans Betragen des Koinmandanten nach dem Gatte, der gestern Abend spät angekoinmen sei, erklärte der Wirt, es handle sich um einen Menschen, der nicht ganz zurech nnngssähig sei, er habe ihn daher einczeschlosscn und ihn in einem mit vergitterten ,^enttern ver seheneil Zimmer untergcbracht. Ter Mensch habe ans ibn und die .Hausdiener den Eindruck ge macht, als trage er sich mit Selbstmordgedanken, die.Herren möchten einen Augenblick entschuldigen, er wolle nach dem Fremden sehen und sofort Bericht erstatten. Fch drängte jedoch darauf, das; wir selber uns an äLrt und Ltelle begaben. Alls diese Weise ivurde der Mörder ׳;׳fort entlarvt. Als er den tvtgeglanbten Gast lebendig vor sich stehen und einen anderen Ermordeten im Bene liegen sah, wurde er so verwirrt, das; er alle Geistesgegenwart verlor mit» sofort ein umfassendes Geständnis ablegte. Unter den vier andere» Leichen befand sich »!!׳;er derjenigen von Rabbi Ebajim Bacharach noch eine jüdische, es!var ein Lederhändler uns Pforzheim im Badischen. Beide ׳vnrden noch an deniselbc!׳. Tage au! dem guten!Tn der Fndeu Fusel unter groszer Be teiligung aller jüdischer Meßbesucher beerdigt.* Ter ׳Wirt und die Wirtin zur blauen Taube und zwei ihrer Bediensteten ivurden zum Tod durch s Rad verurteilt. Taraus mußten 'wir als Fengen uns längere Feit dort anshalrcn und sind daher erst jetzt zurückgekchrr. Fetzt weis; der Rabbi alles." ״Fetzt iveis; der Schotten ivehmütig Rabbi alles '•״, lächelnd die (IVItt fj ־ '' ichlns;worte ,'eines Fieuüdrs aus, ״und vorher hatte er's nicht gewnszt? Ter Rabbi hat alles schon vorher ge wilgl. Hu! man schon uiumu gehört, das; einer einem anderen ein halbes Talglicht znin Präsent macht? Tiefes Ltück Licht har niich mit Gottes Beistand gerettet, dafür danke ich dein Rabbi. Aber warum hat mir der Rabbi mit keinem Worte angedeutet. was mir bevortteht? Ter Rabbi kennt doch die ,Fukunft, vor ihm giebt es kein (Geheimnis, der Rabbi hat nicht iliinoutt den Ramen eines Bal — —'' ״Run ist's genug" unterbrach in t ernstem, vorwurfsvollem Ton der Rabbi seine» (Katt. ,,Unsere Weisen sagen, das; man keiucn für das, was er in der Aufreguiiq seines Lchmerzes spricht, verantwortlich machen kann. Fhr steht noch zu sehr unter dem frischen Eindruck des wunder baren Begegilines, das Euch ividerfahren ist, ivie könntet Fhr sontt so etwas denken und gar hcraussa zen! Fhr kennt mich doch von meillen jungen Fahreil aus Frankfurt her, Fhr wis;t. das; ich ein gewölmlich.'r, einfacher Mensch bin, wie könnt Fhr nur 0׳ nuger.'iiiite Lach׳» über die Lipven bringen? Fch habe von alledem so wenig vorher gewnszt wie Fhr. Tas Licht habe ich Euch gegeben, weil ich nichts anderes zur Hand gehabt habe. >l»d weil ick, wußte, das; cs Euch beruhigt, elwis von mir in Händen zu haben, wie geringfügig es auch in Wenn Euch ein anderer das Vidit gegeben hätte, 10 hätte cs ebenso zur Rettung Eures Lebuis beigetragen, und ivenn ich Euch ׳tatt eines rechtes ein ׳ Licht scheere gegeben hakt׳, io hätte Gottes Allmicht auch daraus ein Werkzeug zu Eurer Rettung machen können." * Uiibuldiamlea der L.tiwe!; gegen ilire lädn.heil Elnwoimcr w.,r so graf;. da׳ä ne inctn genaneie. r.nen lüdnckic» Friedbof anvitegcii. Tie dcidrii rinugrn lüdiichcn itirinrinden der ^.(,:vei;. Endingrn und Vangn m. mufucn datier eine Fnirt nn Riiem von der t'.idi'ctiei! Regierung käuflich erwerben, um dvrl ihre Toten zu begrabend Tiefe Fnfel. die nocki beule den Name» Fuden Äeule tüint, ticgl in der Niiic von -zur;ach. da wo d:r öl »re in den Rbein Mündel. — :','»cd vor dreißig Faliren besucknen die ^vrwra ttadnch! der genannie» «Gemeinden an einem drttlmmirn Tage alliabriicch dir viräber ihrer ölbnrn und »orgien iür Fnnondb.iltung des Bearabnisorrcs Peille in derfeide vollkommen vcrwabrion, wozu dir starke «irömung des Rbeins und viele Hochivaner wesrnlticch dtikragen Cf :ober 1906. ״Fch schlage einen Ausgleich vor", bemerkte, daraus Aron Lchotten mit seinem lächeln, ״wobei ich dem Rabbi zwei Trittel bewillige und ich mich mit einem Trittel begnüge. 'Wenn der Rabbi so entschieden sagt, das; er von dem dies (Wunder so wenig vorher gewußt habe als ich selber, so glaube ich es selbstredend. Ebenso glaube ich, daß mir etivas anderes Nils der Hand des Rabbi ebenso die Rettung gebracht harre, wie das Stück Licht. Aber den Glauben an unsere Ehachoniim ׳ Weisen > lasse ich mir nicht nehmen, welche sagen, Rcegalglin T'chnö al jde Sakkai, daß Gott rür das Gute, das er bcivirkt, die Gute» als seine Mittler nimmt. Teshalb ist mir etwas, ans der Hand des Rabbi gereicht, ivertvoller, als das, lvas mir andere Hände geben, und deshalb-״ ״Reb Sander", unterbrach der Rabbi diesen Redestrom, ״führt Reb Aron nach HauS. Es in schon spät und Fhr habt beide ein Recht müde zu sein: morgen, so Gott will, wollen wir weiter reden." (Fortsetzung folgt.) Dämon und Pliintias in der Indenyalse. Von ׳Arthur Kahn. :$1.׳ Nachdruck verbalen. Selig, sichtlich erregt, hieß er Gustav Platz neh men. Shne iveitichichtige Einleituilg teilte der Rechrsconsulcnt den! crichrockeueu Gustav mit, das; beim Sberttaarsprokurator in der Residenz, eine Tenunziation eiiigelansen sei. Tiefer habe dem zweiten Staatsanwalt, den Selig heute in der bei»u!,l׳urre11 Provinzlalhallptstadt besucht harte, de.i Auftrag zii einer Uiitersilchniig gegen Lin'bacher erteilt. <Lelig. der gerade beim Ein rressen diese».׳ Anstrages sich inr Ainrszimmer des Staatsanwalts befand, ivar von diesem betragt worden, ob iliid >vas ihm von der Angelegenheit Limbachers bekannt sei. Mit großer Geistesgegei! ivarr stellte Selig die Lage tür gar nicht so ver ziveisclt, die Gerüchte tür gewaltig übertrieben hin. Sichtbar befriedigt hörte d!׳r Staatsninvalr, bei dem Selig s.׳hr beliebt ivar, dessen Ansichten an, denn er halte tür die nächsten zivei Tage einer große» Schwnrgerichtssitzlliig beiznivohiien und wollte dieselbe nnrer keinen Umständen ver schoben haben. Selig hatte dann weiter erfahren, daß Limbacher in Uilterslichniigshast abgetührr iverde» sollte^ möglichenveife iverde ׳'olche auch aus Gustav ausgedehnt. Fetzt bemerkte Selig, daß Gustav totenbleich geworden iliid in Shilinacht gefallen war. Erschrocken öffnete er die Türe il id ries nach seiner Schwester, seiner'Richte, der Ticiittmagd. Selig war nn vermählt iliid lebte mit der Schmetter und deren verheirateten Tocki lcr zilsammen. Unter den Bsmühnngeii der Frauen kam Gustav ivieder zu sich. Man flößte ihm 'Wein, 'Wasser und Kaffee ein. Rach einer längeren Paule versicherte er, ivied er ganz wohl zu sein und eS würde ihm schädlicher sei», jetzt in der ailsregeiiden Ungewißheit nach Hanse gehen zu müssen, als sich mit Selig anszilfprechen. Ter Rechtskonsttlcnt hatte bereits auf der Rachbailsetahrt ans der 'Ra chborttadt einen Plan ausgedacht. Bor allem m ußte Limbacher über die Grenze ins Preußische oder Banerische, je nach Umständen, auch in das »über liegende Rassan gebracht iverde», weil diese Länder ivcgcn Fälschung nnd ähnlicher Teli kre nicht anslieserten. Es koniite keinem Fweiiel unterliegen, daß die erste Maßregel der Staatsanwalt schatr in Besetzung der Ausgänge aus dein hessischen Staatsgebiet bestehen werde und sehr ivahrscheinlich schon am morgigen Rachmirrag einige Gendarinen, vielleicht auch Geheimpolizisten die Brücken, Landnngsttcllen der Schiffe, Fährbotc und UebergangstteUen am Rhein und den Land ttraßen besetzt halten nnd abpatrouilliren würden. Spälcitens morgen, bei einbrechcnder Rächt müßten Limbacher und Guttav über die Grenze zu ge׳ langen suchen.

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