Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 43 (25.10.1906)
- Date
- 1906-10-25
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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2V Cfto&cr 1W)6; ratibie als int Seminar idiütt ein nielucv’pvcchenbev Anfang damit gemacht in. die andern indischen Lehrerbildungsanstalten werden hoffentlich bald folgen. Bon nuten auf muß gebaut werden, soll ein solides Gebäude entstehen! Ich babe bereits von der Wirkung nach außen gesprochen. Ich wünsche und bosfe, daß das Beispiel des Lehrers anregend und fördernd ans seine Gemeindemitglieder cimmrft. Dazu nt vor allem nötig, daß seine eigenen fl i״der, fl naben und Mädchen, ihn bei der Arbeit unter stützen. Die Letzteren besonders sollen die treuen Helferinnen des Vaters werden- Bleichsucht und Blutarmut, Nervosität und Migräne, oder ivie alle jene liebet heißen, die das Stnbenhocken, der Mangel an frischer Lust und Bewegung, kurz unsere ganze naturwidrige Lebensweise nach sich ziehen, werden ihnen dann fern bleiben. Sind aber erst einmal die Lehrerskinder im Garten tätig, dann finden sich auch ohne viel Neberredung nach lind nach fremde Kinder ein und versuchen cS, ob sie nicht Hacke, Karst und Spaten handhaben können. Und die Eltern werden es nch auch reiflich überlegen, ob ne es nicht dem Lehrer nachmachen und neben dem bisherigen Hauptberuf als Vieh- oder Prodttktcnhändler, der doch kaum mehr seinen Mann anständig ernährt, noch etwas Landwirtschast betreiben wollen. Eine gute Obsternte wird dem Lehrer jedenfalls mehr Anhänger verschaffen als die kräftigste Argumentation Die Leute wer den die Vorteile später ja von selbst herausfinden und besonders angenehn, werden sie es empsiuden, daß das Verhältnis der El,ritten zu den Juden ein viel srcundscha'tlicheres geworden, da der soziale Gegensatz jetzt geschwunden ist. Uno noch eine wohltätige Nebenwirkung wird bald zu verspüren sein: das Aufhören der Landflu ch t. Mit Recht wurde bereits in diesen Blättern auf diese betrübende Erscheinung hingewiesen. Weil der Jude vom Boden losgelöst itt, wird ihm das Verlassen des Heinialsdorses so leicht, deshalb sieht er nur die Vorteile der Großstadt und übersieht die Nachteile. Iür die Inden noch mehr als für andere gelten Goethes Worte: ״Habt Eures Urivrnngs vergessen. Euch zu Sklaven versessen, Euch in Häusern gemauert, Euch in Sitten vertrauen, flennt die goldeneit feilen nur als Märchen von weitem." Darum sage auch ich: ״Zurück zur Natur! und der jüdische Lehrer sei der Pionier dieser Bewegung. Sb ich nicht zu optimistisch bin und zu viel erhoffe? Ich weiß es nicht: die Versuche nach dieser Richtung sind noch zu jung. Aber Der JSraelit. Rr. >:! 2m, il. unc es auch kommen mag, der Veiner »um leine Schuldigkeit tun, nnbekünnnert darnm, ob er Nachfolger findet oder nicht. Der Lolin für seine Arbeit wird sicher nicht ausbleiben und das Psalmittenwort wird auf ihn Anwendung nnden: איבי־ך יניע בפד בי האבי איצי־ך יטיב י־ Korrespondenzen u. naebriebren. fl ö l n. Unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Wolf» der den Lesern des ״Israelit" ja kein Ireinder ist, wurde dahier ein Iottbildungs kurs für jüdische Lehrer gegründet. Der Genannte versteht es in vorzüglicher Weise seine Zuhörer für das Studium von הוי־הני הקדייצוז zu begeistern und ihnen durch die Art und Weise seines Vortrags genußreiche Stunden zu bereiten. Iatt alle jüdischen Disziplinen iverden behandelt: Pentateuch, Raschi, Mischnali, Gemorah, Midrasch, Schulchan Artlch, hebräische Grammatik und ßidi sche Geschichte Auch Zeitfragen iverden einer eingehenden Besprechung unterzogen, so jüngst der Rosin'sche Gesetzentwurf. Wir rvsen Herr!! Dr Wolf an dieser Stelle ein herzliches *]יייגיי־ ב״ zu und sprechen die zuversichtliche Hoffnung ans, dajz die flollegen ln dem hiesigen Bezirk biete günttige Gelegenheit zur I-onbilduug künftig recht fleißig benützen werden, iodaß die Beteiligung an dein Kurs in dem koninienden Semestern eine starke wird:להנדיי* רויה ולד,אד"יה A us Baden. Es wird den Leiern der pädagogischcu Beilage vielleicht von Interesse lein, einen kurzen Bericht über den int Sommer d. I. im Großherzogtum Baden ttattgesundenen Kursus für Garten und Sbttban, den der Sberrat für die jüdischen Lehrer veranttaltet, zu erhalten. Es hatten sich auf eine U»!frage der genannte» Behörde zivölf Teilnehmer gemeldet. Der flnrs unirde in Baierthal abgehalten, ivo uns Sbttbaninzüchter Herr Hovs seine Gärten und Bann! schulen behufs praktischer Betälignng unseres llnterichts zur Verfügung gestellt hatte und dauerte zwölf Tage. Herr Lehrer .Klein von der landivirtschastlichen Schule in Angiittenburg bei flarlsruhe, war von der Großherzoglichen Regierung entsandt!vorden, um den flnrs zu leite!!. Vormittags mar theoretischer Unterricht und Nachinittags praktische Anleitung in den Gärten. Die Vorträge mären äußerst interessant und die ganze Veranstaltung ivar für die Teilnehmer von großeni Werte׳ Jeder derselben erhielt Mark Taa.gebührcn und freie Jahr». Die flotten ivurden von der Dukasttistnng bettritten. Znr nutzbringenden Verwertung des Etlernten ivird der Sberrat nach und »ach Gärten anlegen,׳ mehrere flollegen erhielten schon in diesem Jahre!e zivei Bienenvölker gratis zugesandt. Pücher schau. Das tnciiitiidic ׳!tolksschuluntlrhaltunasaele«,. Erläutert, cmaclcitct :r. von Kmiimrr «Rr Rat Enarn 2cti>iicr. M. d. A. Eden. «fl. T. Bardcdrr. 1 *.1» *W« viCtv 1״•׳' .Jti. Bvn dein bekiiinilkn ,ZäUcer der ualtonullibenilrii Partr! in den! Uonipf,!!!!! d!e 2ciirltgerenget>un!t,?!!!r; s!am«'.?vaey!cdlor!2!.׳ck!n,r. n! iveben e!ne rrtäutrrtr Aus gat'r des neuen preußischen 2chul»nlerk>aIt»11gSarseYe-« ersrtnrne». Dirselve fltbt zunächst eine klare, üderiichtliche Darstellung der Borgrichtchlr dieses «Rsetzes, ritten ganz kurzen Uedrrblick über den Merlau» der parlanienlarischrn Berliandlunge», die zu dem «Rsevr angenommenen Rrso lutionen, darunter auch die wichtige sub d, welche die sinanzielle lliuerstützung der 2vnag0gen «Gemeinden bei der Beicbassung des jüdischen Religionsunterrichtes forderte, und an der Hand der Begründung des läeset-entwurses einen Ueberbluk über den tnsberigen Rechtszustand der Ec »Zitlraltsangave der Hauptavichiinte des «seseves und eine sür den 1׳iichl,urts!en selir willkommene genaue Tcsinilton bäusig vorkonimendrr Begrinr und Aue drucke. Die ein׳ zelncn Paragravben des tveietzes werden durch ,Zusznotrn und Hinweise au» einschlägige t^esrtzrs oder Berwalnings normen kommenuert, iür die!üdischen Lchulrn kommt allerdings nur der dekaiinie!§ ln in Betracht. 2el>r dankenswert ist der gleichzeitige Abdruck der noch in «Geltung bleibenden, im >5 Ni angesiibrten alten l^rsryeS bennnniungen, deren Kenntnis bei der >rtzt bedeutend erleichlerten Errichtung neuer öffentlicher ,üdische Bolksschulen oder bei der Umwandlung brslekendcr Privatschulen in ünenütche von grober Wichtigkeit ist. ,Zuterrssc eines kräftigen Ausbaues des Sssenklichen I ü d > i ch c n Bolksschulwrsrns in Preußen läge es aller dings, daß niägiichf» bald die be»>1׳l1g»el1 liibiichen vre׳!» über die ilmen zunrlirndrn Rechte in leicht verständlicher Wcisr ausgeklärt ivurden. Baruch 2tern, sZil. a. M. ־©wo -L, § Feuilleton. Der Baal-Scbem von micbelsradt. Bon Tludäus. 7 Michdruck verboten Mil dem Lickilc in der Hand ans Ienster treleild, sah ich, daß dasselbe aus die bereits menschenleere Hanpstraße sühne, das Weitster aber war mit starken Eisengittern versehen. Ich wollte mich nun überzeugen, ob das sehr geräumige Zimmer vielleicht sonst einen Ausgang habe, aber zu meinem Schrecken bemerkte ich, daß das Licht׳ stümpfchen, das kaum die Dicke eines Brabanter Thalers hatte, im Begriff war zu verlöschen. In wenigen Sekunden ivar ich von dichter Iintter nis umgeben." Bewegt hielt der Erzähler einige Aitgenblicke inne und fuhr dann fort: ״Rabbi, Ihr wisset, mit welch trüben Ahn»!! gen ich ans die?)feite gegangen bin. Aber auch einen ganz Unbefangenen hätte die Lage beimruhigen können, in der ich mich da befand. Allein in einer fremden Stadt in dunkler Tracht, einge schlossen, ohne Lichtich fühlte, tvie nur die Pulse vor Erregung hämmerten und jagten. Ich batte noch nicht Maariw gebetet. Wenn ich an einen! fremden Stte bete, so pflege ich mich zuerst von der für das Gebet vorgeschriebene Sauber keil der ganzen Räumlichkeit zu überzeugen. Das konnte ich diesmal nicht, denn ich hatte kein Licht. Unwillkürlich suchte der Geruchssinn das Auge zu ersetzen, ich witterte und spürte in! Dunkel umher und hatte dann die Empsindnng, als rieche ich ettvas faules, in Verwesung übergegangenes. Aber so sorgfältig ich auch in allen Ecken und Winkeln umhettastete, ich konnte so wenig nnden, um diesen Modergeruch zu erklären, daß ich ihn füglich für eine Gebilde meiner erregten Einbildungskraft ansah. So stellte ich mich denn, nachdem ich die .Hände getvaschen, zum Maariwgebet hin, das ich mit einer Andacht verrichtete, wie ich sie wohl sonst noch nie zuvor gehabt batte. Als ich an die Worte kam: ״Lanc uns, «flott, muer «flott, uns nrcdcrlegen ,,zum Irieden und uns wieder ausstehen zum! ״Leben, breite über uns aus die Hülle Deines ״ Friedens, st a 11 e uns in i t eine in g u t e n , ״v o n Dir a u s gehend e n R a t c ans, ״und hilf uns um Deines Namens!Villen —״ fühlte ich nnwiilküriich, daß mein heißes Gebet bereits Erhörung gesunden, denn es zuckte mir ivie ein Blitz der Gedanke an das Licht ans, das der Rabbi mir geschenkt hatte und das ich >a aus dem Herzen trug Ich betete mein tflebet zu Ende, j itahn! dann I-euetstein, Zunder und Stahl und! schlug mir Jener, an ivelchen! ich das Licht des j Rabbi anzündcte. Noch e.nmal leuchtete ich im! Zimmer vmher, ohne etwas auffallendes ßnden zu können. Aber indem ich mich zu Boden bückte, glaubte ich den Iänlnisgeruch wieder zu empfinden, ich ging seiner Spur nach, bie mich unter mein Bett führte. Hier fand ich eine in den I-ußboden eingelegte Ialltüre, die aber wegen des darauf stehendes Bettes nicht geöffnet werden konnte. Ich stellte das Licht aus der Hand, rückte das Bett ab, hob dir schivere Türe in die Höl)e und fand in einer wenig Iuß tiefen Versenkung fünf Leichen liegen. Zu oberst lag die irdische Hülle von Rabbi