Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 42 (18.10.1906)
- Date
- 1906-10-18
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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djeNXJarf liiera ris •wi Uon IHendelssobn bis fierzl. dvichoiogiichr «tubicn;ur jiibiiitcn ("cicfiidnc Bon Xr. Raphael Breuer >n ,Tvauliuri a. Ä. I. M c n b c i i 011 n (fvornctumfl.!?1e Vefev luiffen nun uu^cratir, tuae idi meine. Rl'endelssohn ist bev erste Vertreter jener komeiiiplativen bJicIirtiontät, jener schlichten persönliche» Iröiii migkeit, die »ns im Verlaus des »eilnzehiileu Jahrhnnderts soviel Schaden zugefügt hat. Ein anderer, der eine solche stürmische Garung in den Stopfen und Herzen seiner Stammesgenossen hervorgernsen Kälte, wie er, Kälte vor innerer Erregung keine Zeit gesunden, den Phädon und die Marge stunden zu schreiben, mit'Messing Schach .;u spielen oder über die Philosophie Spinozas zu disputiere»,?er große Jude an der Stelle Mendelssohns häkle de» Tx-anc; verspürt, als ei» zweircr Vkoses de» Auszug Israels aus dem «Ghetto z» leite» und sich nicht begnügt, mit eia Paar Protest- Wendungen und Aussprüchen tiefer persönlicher Indignation die Zerfahrenheit und Regellosigkeit dieses Auszuges zu geißeln. Veit einem Worre: Aiendelssohn besaß, um der größte Jude seiner Zeit z» sein, zu wenig demagogische und agitatorische Kraft. Er war z» still, zu schlicht, zu beschaulich. Er vergrub sich in Bücher und Gedailkeil, und seine Stimme war nicht mächtig genug, den ausgebrochenen stürmischen Lärm zu übertöne». Mendelssohns beschauliche Nutze mußte i» solcher Zeit zum Verhängnis iverde». Das Jude »tum war nicht die ausschließliche A » g e l e g e n h e i t seines ganze» Lebe n s. Das merkte man, merkte» vor allem diejenige» mit scharsem Spürsinn, wie er am vorzüglichste» dem bösen Willen eigen itt, die a» Mendelssohns Persönlichkeit das Reue, Ungewohnte bewunderten und über dem deutschen Philosophen de» wackeren 'viiöeii vergaßen. Begeistert ahmte» sie sein Wesen nach. Aber nicht kopierte» ue, wie er betend vor seinem Gotte stand, die Thesillinnemen um seine Muskel» wand, de» Sabbat heiligte — das alles vollzog sich ja innerhalb seiner vier Wände — sonder» wie er sich als ein deutscher Philosoph unter andere», vom Judentum abge׳ sehen, die Welt und das Leben zurechtzulegen suchte, sie kopierten den Weg, aus dem er!ich die Verehrung einer ganzen Ehristenwelt erzwang und ließen das Judentum Judentum sein. Man vergegenwärtige sich einmal folgendes Bild: Es schleudert jemand, weil er das Vorhandensein eines Pulvenasses als störend empnndet, eine Brandsackel hinein^ und ohne sich weiter um die losplatzende Erplofton zu kümmern, schlägt er sich mit über den Nucken geschlagenen Armen seitwärts in die Büsche. Solch wenig ergötzliches Schauspiel bietet die Lebensarbeit von Mendelssohn. Uebersetzt die Bibel ins Hochdeutsche, wirkt für die soziale Hebung seiner Volksgenosse» und grübelt angesichts der ansbrechenden wilde» Gärung über philosophische Themata, deren Lösung er lieber dem Buchhändler Nnoiai hätte uberlanen sollen, um die überschüssige Zeit sür eine ivahrh ft heilvoile Gestaltung der neuen Verhältnisse zu benutzen, denen das europäische Judentum ent gegenging. Ich bi» mir sehr wohl bewußt, hier etwas drastisch ausgedrückt zu haben, was aber nichts destoweniger richtig zu sein scheint. Mendels sohns Beschaulichkeit hat uns furchtbar geschadet. Glicht nur bezüglich der unmittelbare» ,Talgen, die sich ans seiner kontemplative» Natur sür die nächste Zeit ergaben, sondern auch, weil er der ganzen späteren Zeit als Muster galt und unbewußt das Beispiel gab, wie man jüdische,Trage» ruhig an sich herantreten lassen dürse, ohne sich an einer gründlichen Lösung zu versuchen. Mendels sohn erinnert an Goethes Zauberlehrling, der Geißer beschwört, die er nicht bannen kann. Er hat sein Volk aus ein wertes Meer hinausgesroßen, ohne ihm einen Kompaß iiiitzugeben, vielleicht, weil er selber ke neu benötigte. Eine schlechte Menschenkenntnis ließ ihn vielleicht in jedem polizeilich niibestrasten Menschen einen Philosophen wittern, der nach seinem Vorgang ebenso gut und ebenso schön das Vermittlungsgeschäft zwischen Judentum und europäischer Kultur werde besorgen können. Die gründlichste Enttäuschung, die einem Menschen zuteil werden kann, wenn teilt Lebens slistem in die Brüche gehl, blieb ihm enpart. Die wilde Nazzia gegen alles, was jüdisch war, und die durchgängige Verprotestaiitisierung des jüdischen Lebens, die ganze Schmach der Reform und Assimilationszei* hat er nicht mehr erlebt. Z» seinem Glück. Sb er sie geahnt, was für den. der nur einigermaßen jener Zeit aus den Puls fühlen konnte, sicherlich nicht schwer war. weiß ich nicht. Er batte vielleicht zu wenig Zeit, um über die religiöse Zukunft seines Volkes Ahn 11 ngen zu haben. Ueber Will» von Rothschild hörte ich einst ein tieffendes Urteil. Gewiß fei er ein großer Zu de gewesen, aber der Baron in ihm habe doch den großen Juden überragt. Man kann dies Urteil aus Mendelssohn variierend übertragen, Geiviß war er ein großer Jude, aber immer noch ein größerer Philosoph. Man sieht die 'Nähte zu deutlich, wo in Mendelssohns Wesen Iudeutu » und Philosophie ineinauderiaufen. Sie bilden beide kein einheitliches ganzes Stück, das man nicht in zwei Teile auseinanderlegen kann, ohne die Harmonie des Ganzen zu vernichten. Unsere Bestimmung ist es nicht, das Judentum wie einen r.uer*cuf durch die Zeiten zu schleppen. Ein Neisrbündel, und mag es das Kostbarste enthalten, ist immer lästig, besonders wenn die Sonns einem aus .dem Rücken brennt. Ein warm schlagendes Herz, das 'Blut in unseren Adern, unser Srga nisliins - ja, das tragen wir nicht nur uns herum, das sind wir halt selber. Organisch mit »ns verbünde», unlösbar mit iiuserm Wesen verkniipst, in jeder Lebensänßernng zum wahren Ausdruck gelangend, soll das Indent!!,!! sein. Es wars im eirunde organisch auch bei Mendelssohn. Aber er war Zeit seines Lebens z» viel und zu offensichtlich mit dem Ausgleich zweier Weltauschauiingen beschäftigt, als daß man sagen könnte, das Indem»»! käme in seinem gesamten Lebens werke zum einheitlichen, in sich ausgeglichenen, harmonischen Ausdruck. Es liegt ein dünner Schleier über seiner Seele. Man sieht nicht alles klar und deutlich. Der Jude tritt in ihm nicht zur sieghaften Erscheinung, so unvermittelt und echt, wie nur dies etwa bei Iehnda Hallewi ge׳ ivöhnt sind. Tie Zionisten sagten etwa so: I» Mendelssohns Wesen haben sich ein Paar deutsch nationale Körner verirrr. die hei seinen Nachfolgern zu großen, ,zentnerschweren Klumpen sich entwickelt haben ^eine Schultern waren zu schmächtig, um die ganze Last der Verantwortung zu tragen, die eine solche Rieseninission, die Be> sreiiing eines ganzen Volkes, ihm auserlegte. Uon den Samaritanern. Bon •Hrtbb Dr. B ttofiiiflobernrr in Blrichcn. Vor jetzt 11 Jahren bekam ich eine Anregnng, mich mit den Sainarilaiiern int alten Sichern צכם*;, dem späteren Neapolis, jetzt Nablus, in Verbindung zu setzen. U» es er schien mir doppelt interessant, mich nach dem angebliche» Rekte jener Kolonisten zu erkundigen, welche der assvrilche König Salmaiiasiar in die von ihm durch Besiegung des Königs Hosea von Israel eroberte Hauptstadt Samäria;עדייו) aus verschiedenen Teilen seines Reiches brachte und dort aniiedelte. Rach ihrem Hanptnrspriingsorte Kntha heißen sie im Talmud יידם::, Kukhäer Anfänglich auch im Lande I rael den heimatlichen «Götzen dienend, veranlaßte sie eine von Gott über sie gebrachte Plage — reißende Löwen brachen unter ihnen ein und töteten viele von ihnen — sich an ihre» König zu wenden, daß er sie i» der Religion des neuen Landes durch einen ihnen zuzuiendevden israeliriichen Priester unterrichten lasse, wonach sie sich dem Judentum zmiandten und de» Gott Israels anbereten L. Kon. 17,-'4 . Sie werden daher von den alten Weisen;״ גי־י אריויLöwenproselyten" genannt. Als man ihnen aber später nachsorschte und fand, daß sie aus dem nahe׳ gelegene» Berge Gerts» m auch eine Taube vgl. i b. Vers 3*1 ■ verehrte», wurden sie als נרי עקר ״Lügenproselyten" von der Gemeinschaft Israels wieder ausgeschlosfen und für Heiden erklärt. Da