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Der Israelit · 1906-10-18 · 42 (18.10.1906) · p. Seite 7

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
42 (18.10.1906)
Date
1906-10-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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18. Lkrober 1906. eines an^eblidtrii Verbrechens gesunden worden wäre. Die Durchsuchung der Synagoge batte selbstverständlich die denkbar gröftte Aufregung unter den Andächtigen hervorgerufen. Die Emvärung der jüdischen Gemeindemitgliedcr steigerte »"ich ins llngemcssene, als die beiden Anzcigcrinncn in einer Schar aus der Strafte spielenden Binder den vermiftreu, angeblich ermordeten 5knaben er kannten. Die hiesige .Kultusgemeindc beabsichtigt, gegen die Polizeiorgane, »velche in das Bethaus eingedrungcn waren, die Strasanzeigc ivegen Rciigionsstörung 51t erstatten. Der;iSrarlu. _ vor dein Kolnidregebete, die in der Synagoge anwcfeuden Zuden aus fvcicit Stücken vor deni Rabbiner den Eid, daft weder sie selbst noch ihre Rachbarn oder Bekan ntcn vor oder während des jüngsten Pogroms ans das Militär ge schosse,» haben. — An die Stelle des verabschiedeten bisherigen Militärkonnnandantcn von Sicdlee, des DberNen Tichanowski, der als der eigentliche U» Heber des Pogroms bezeichnet wird» tritt der Dbert't des Tubno Regiments, das sich an dein Pogrom nicht beteiligen wollte. Palästina. Z a s f a,Oktober. DaSZns 0 r m a t i 011 s bnrean sür Palästina teilt mit: Bon Hand werkern können jetzt in Palästina Arbeit bekommen: Schlosser, Schmiede, Maurer s. Stein Häuser), Steinnietze, Tischler, doch tvird darauf anfmerksam gemacht, daft die Zahl der Arbeiter, die Arbeit finden können, sehr begrenzt ist. Man »ruft sich also in jedem ,Talle inir einer Anfrage an nnS ivcnder!. 5!einer reife, ehe er Antwort von uns hat. landwirtschaftliche Arbeit können junge lente finden, die Physisch gut ent1vi»kelt und bereit sind, karg rn leben. Mit einem Kapital von 10 bis >.'000׳ Rubel könnte!!!cm eine Glasfabrik gründen, dir in Pa länina eine gute Zukunft hätte. Ein ,Fachmann mit genügendem Kapital tonnte eine Wnrittabrik eröffnen. Es gibt ׳.!ach keine solche in Palästina. ׳Zuckerbäcker mit einigen hundert Rubel, können sich etablieren. Wer -Holländer-, Schweizer und ähnliche 5käse erzeug n kann, und 1000 bis 200«י Rubel besipt, könnte sich in Palästina eine Existenz gründen. Energische Meni'ckien, die 0 oder 4000 Rubel oder mehr und Unternehmungsgeist besitzen, können sich i» Landwirtschaft, -Handel und Zn dunrie eine Existenz gründen. Wir haben die Rachricht erhalten, daft in Alexandrien Aegyten) ein Provisor mit rnssichem Patent gesucht!vird. Die Bedingungen sind: -00 ,Tranes mouatlid) und .'>0,» von dem Er nage der Analysen. Wir!varnen die Emigranten nach Palästina, '»azösche Sctrifsc zn bcnüpen, da die Behandinng ׳eilens der Schisfsinannschaft vom Schinsjungen bis zum 5tapitän alles zu wünschen läftr. Anfter dem ist in Beyrnth ein Ucbersteigen ans ein anderes Schiss notwendig, das durch Kälme ge ׳chiehr, ans »velchen die Eigentümer Araber' Er Pressungen zn begehen pflegen. Zasfa, 28. September. Der Renen Zeitung N'ird a1.׳S Zafsa geschrieben: Der Strom der gidifchen Einwanderer ans Rnftland slieftt nark, vielleicht itärker, als cs gut ist. ,\»ז der lebten ׳Teil kamen wieder mehrere -Hundert, da runter eine grofte Anzahl Unproduktiver. Aber es kamen auch viele -Handwerker der verschiedensten Berufe und sonst arbeitskräftige lerne. Biele von ihnen sind nach den .Kolonien gegangen, die menten haben Arbeit gefunden. — Man null hier ein Volks ha ns bej88 OM) gründen, das den Ennvattdere»,» beratend zur -Leite stehen soll. Zwei Versammlungen haben sich schon ntit dem Projekte bcsaftt. Auch von der Einrichtung arahjfcher -Kurse wurde gesprochen. Mehrere Personen nteldetcn sich sreiivillig zur provisorischen A.'.alrnng solcher sür die Dauer eines Monats. Den Bemühungen hervorragender Zionisten i't -s gelungen das erste he b r ä i i ch e ZKym u a ׳ i u in i,, Zassa zu begründen. Dasselbe in uach rnssjschem Muncr eingerichtet und zwar B >en die eriten -> Klassen als .Handelstchule, k'->' übrigen .'>'-, .Klanen bereiten zum Uitivcrsitätsln.ö polytechnischen Studium vor. Vortragssprache >׳r hebräisch, nebst den Realfächern wird Eng- Tranzönsch, Arabisch und Türkisch gelehrt. Nnhinrrd. W a r f ch a n,0. Dklober. ZnSiedlce leisteten am Vorabende des Vertöbnungssestes unmittelbar P e t e r s b u r g, l 1. Dktobcr. Das Peters bürget jüdische -Hilfskomitee hat eine Zufamnien stellung gemacht, die das traurige Bild der im lebten Zahr in Rnftland herrschenden Verwüstung in ei» grelles licht scyt Die kurze Statistik weist aus, k»aft die Pogronte an *>-'>8 Crte» statt gefunden haben! da der vorläufige Abschluft der Zahlen nur bis zum I. September geht, so ist darin der Pogrom von Siedler noch gar nicht inbegrissen. Betroffen wurden .”>7,07r> ,Tamilien, die ans!.'>8,101 Personen bestehen! der gesamte materielle Verlust betrug R. :'>1,0t«4,70.'i. Die Toten zählen 0->7, die schivcr Verivuudeten 11 und cs blieb zu sorgen für :'».'>1 Witiven, 181 Vollivaisen und 1278 .Halbtvaisen. Diese» er schreckenden Zahlen gegenüber mnft der 'Betrag der geleisteten -Hilfe, so bedeutend er ist, klein erscheinen. -Kshor wurden gewährt au die Dpt er, die an .Hab und Gut geichädigr!vurdeu, Rubel .'>,4:>1,770.—, Dazu an die Witwen und die Ver tvundelcn R. 114,_'«>.'>, sodaft eine Gesamtsumme von R. 5r,84»;,<».">.'> verivendct!vurde; diese Summen »vurde!» aufgebracht dltrck! Sammlungen in» Ausland im Betrag von R. 4,00,">,.'’>« >4, und R. 1,7-">2,G71 in Rnftland. Eine definitive Abrechnung ist dies noch nicht. Ans verschiedenen Drten fehlen noch die näheren Angaben, und eS m nicht zn bc zweifeln, daft trob der ungünstigen Umstände Rnftland selbst ׳«,«׳«!״ nie 2 Millionen Rubel zu diesen Zonds beigetrageu hat. -Kostronia, Dkrober. Zu! ,Tlecken Rew jerine im hiesigen Kreise ermordete eine Bande jugendlicher Bauern in der letzten 'Rächt eine ganze, aus Mann, Zrau und ztvci -Kindern bcöehende j ü d! ׳ ch e Z a ut i' i c, sowie einen Ar beiter und eine Arbeiterin. Die Polizei nahm drei Mörder fest. Warschau, -'>. Dktober. Auf telegraphische Anssorderniig des Baron (Kit»;bürg hin begab sich gestern eine Deputation ans Siedlce, bestehend ails den Advokaten Sunderland, Ehrza nowSki lind dein Sekretär der jüdischen Gemeinde Tichazkes, nach Petersburg. Warschau, * Dklober. Die bei dem Pro groni in Siedlce verhafteten Zuden, die vor das ,Teldgericht gestellt werden sollten — es waren gegen 200 — wurden alle bis ans drei treigelanen. 3enfrai-Dehöröe oäer kinzelgemeinöe-Wesen vom amerihanifdien öefiditspunhfe. 2«on unterem NvrresvondeMrn. t'i e!v r'lork, 24. September. Der ״Zsraclit" in prinzipieller Gegner der Zwangs Zentralisation iin Zudenkun». 5tonfcgnent und unerschrocken bekämpft er jeden Versuch den jüdischen Gemeinden Dentschlands staatlich bevoll mächtige Zentral Behörden aufzuzwingen, da er darin eine Gefährdung unseres heiligen überlieferten Glaubens nild einen mehr oder weniger offenen Angriff auf die (Kewissensfreiheit des Zndividuums erblickt. Es liegt n,.!r natürlich fern als Ans länder die Richtigkeit dieses Standpunktes, soweit Deutschland in Betracht kommt, in Trage stellen zu »vollen Wenn jüdische Behörden in Wirklich «eite ,. Nr 12 feit!»!Id wer in ächte dies bezweifeln, nachdem im ״Israelit" der Beweis in überzeugendster Weise erbracht!voxdcn ist die tödlickilten Schläge «lach de»! -Herzen des alt ehrwürdigen, traditionellen Zudentunis gerichtet haben und noch ruhten, wenn die Einrichtung einer Zentral Behörde mlt dein Znslcbenrufcn eines schlimmen ,Tein des der jüdischen Gesetzestreue gleichbedeutend ist l»nd wenn diese llebelitände mit dein Wesen der Zen tralifation notwendig und unzer rennlich ver knüpft find, to bleibt in der Tat sür den gesepes treuen Zuden kein anderer Ausiveg übrig als mit Aufgebot feiner ganzen -Kraft die ,Tre!l>eit und Uiiabhängigteit der einzelne» (Kemeinde und das individuelle Selbstbeftimmungsiecht in Suchender Religion zu verteidigen und zn erkämpfen, denn nur so läftt »ich dann das orthodoxe Zudentuin vor. den» sicheren Untergänge beivahre». Doch null es mich bedünken, daft der ,,Zsraelit" wvl»l »iicht ,Te!»d der Z»e11tralisakion an nch, d. h. der Einigung aller jüdischen Kräfte zum Besten der heiligen Sache der Erhaltung von רירה יאכזו־נה und deren Kettling durch eine echt jüdische, vom ivahren Geine der «Kotteslebre erfüllte Zentral Behörde ist, sondern nur der geivaltsamen Ver schmelziing unzniaminengehoriger Elemente, der staatlich dekretierten Unrcrjochiing der Drthodorie unter eine ihr feindlich-gesinnte und ihre Ver nichtung anstrebende Dbrigkeir. «Kegen eine wirk- Och orthodoxe Zentral Behörde oder gegen die staatliche Anerkennung des Vorhandenseins zweier jüditche» Eonfessisne!׳., »vodurch jede Partei eine ihr genehme Zentralleitung erhielte, dürfte auch der strengste Drthvdore nichts einzrnvenden habe»». Den» verhehlen »vir uns nicht diese Wahrheit, die ׳Autonomie der Einzelgemenide, »vie uncrläftlich sie auch unter de»! obrvaltenden Umständen in Deutschland »ein mag, ist durchaus nicht der ideale Zustand ׳ür das orthodoxe Zudentum. Davon können »vir in Amerika ein Vieb singen. Anlerika ist das land der absoluten Gemeinde- Antononlie. -Hier ninchk »ich der Staat in reli giö»'en Dingen überhaupt nicht ein, sondern über läftt es den Bekennern einer jeden Religio», die ihnen am ineisten convenierende Drganisations form zu »vählen. Bei diesen Verhältnissen hat das amerikanische Zudentum das »oaenniinke Eongregakional Syttent ent»vickeit, d. h. die Einzel oK-nteinde!st absolut unabhängig und kennt kein anderes <Ke»'etz als den Willen ihrer Mitglieder. Zn Wirklichkeit haben »vir hierzulande keine Gemeinde im europäische!» Sii»», die sogenannten (Kemerirven ünd kigentlich nnrPrivyt «Kesellschafen. 2cur so läftt sich z. B. erklären, daft man in Rew Bork sechs oder siebenhundert Gemeinde n zählt, die genaue Zahl kennt man überhaupt nimt. Die Talgen dieses Einzel «Kemeinde Systems s»:׳d geradezu unheilvolle und die Zustände, die in! aincrikanifchen Zudenlriin auf allen (Kebieten herrschen, »ind nicht anders als anarchisch zu nenne»». Die Worte, mit »velchen die Schrift, die Zerüttung der Richterzcit im alten Zsrael schildert, paffen vollkoniinen auf die religiösen Zuftäitde im amerikanischen Zndenlnni der Zeptzeit 2"2'2 .iL'z,הה2 א,; דלך ב״טי־אי א״2 ה״2״ ״ ״Zu jenen Tagen »var kein 5könig in Zsrael, jeder tat »ras ihm beliebte." Da^ rasche Emporblühen der Reform in Amerika ist eine Zolge des Einzel-iKemeinde Systems. Die jüdischen Eni- »vanderer in 'Amerika vor fünfzig Zähren waren in der übcnvältigenden Mehrzahl orthodox geünnt. -Hätte man die Reform Vorschläge damals einen! Plebiseit der amerikanischen Zudenheit vorlegen können, so hätten sie eine vernichtende Riederläge erlitten, hätten überhaupt!׳!enials zum Siege zu gelangen vermocht. Man fing aber mit einer einzelnen Genieindc an und nachdem inan in ihr den erneu Steg für die Reforinen ge- »vonnen Hane, »var es schon leichter in einer ziveiten O-cmeinde zu negen. To wurde es immer leichter für die Reform Propaganda zu niachen, bis heute die Zahl der Resonn-tAcmeinden ins Ungeheuere gestiegen ist und die >Tä»!lnis sich b:z in s Mark des Zudentums gefressen hat. Zufolge des Einzel (Gemeinde Systems ist cs einer groften Anzahl unfähiger und unwürdiger Personen > möglich geworden, Aemter als Rabbiner, Prediger

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