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Der Israelit · 1906-10-18 · 42 (18.10.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
42 (18.10.1906)
Date
1906-10-18
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 42. Tettk «! feien als ttinber russischer Eltern in Leipzig ge baren, von dort vor Jahresfrist wegen Mangelhasten Schulbesuchs nach Rußland ausgewiesen worden, der Dckikel, der sie dort ausgenommen, fei infolge der Unruhen nach Amerika ausgeivandert, in Leipzig hatte sie »ach ihrer Rückkehr die Mutter 'der Baker leb» nicht mehr) als Ansge wiesene nicht behalten dürfen, uno nun feien sie auf dem Wege, sich in Deutschland oder Iraiik reich ein Asyl zu suchen. Die drei Knaben wurden durch Herrn Rabbiner Dr. Roscuthal hier zu rückgehalten, und die Fürsorge-Abteilung der Be wahranftalt in der Bavardsgasse erklärte sich zu ihrer Aufnahme bereit. Rach der polizeilichen Anmeldung der Knaben entspann sich zwilchen den hiesigen Polizei und städtischen Behörden und dem Rat der Stadt Leipzig ein lebhafter Schriftwechsel. Aus dem umfangreichen Aktenmaterial eigiebt sich, das; die obigen Angabe» der Knaben in allen Punkten auf Wahrheit be ruhen, dasi also drei minderjährige Kinder im Alter von .damals * 12 fahren wegen Schul schwänze ns ohne ihre Mutter ans ihrem Ge bnrtSort Leipzig nach Rnsiland ausgewiesen worden sind! Die in ihrer Eigenart wohl einzig da siedende Angelegenheit hat durch den nachstehen de-, Brief ihre vorläufige Erledigung gefunden: ״Armendeputation Köln. Der Israelitischen We meinde, Hier, zu -Hängen des Herrn Rabbiners Dr. Rosenthal, anliegende Berhandlnngen betr. die Kinder B. zur gef! Kttntnis״ahn«e und mit dem Ersuchen ergebensi übe.sandt, ivas mit den Kindern geschehen soll. Die Kinder gehören zur Mutter. Wir sind aber bereit, von einer Rück venveisnng nach Leipzig beziv. nach Rnsiland ab- ׳!!,׳ehen. wenn uns von Ihrer Gemeirrde oder der damit befasiten Stelle die Erklärung abgegeben iverden, dasi für die Kinder auch fernerlnit ohne Inansptttckmahiue der öffentlichen Armenpflege gesorgt wird." — Die׳'e Erklärung konnte abgegeben iverden, da der H i l f s v e r e i n d e r D e n t s ch e u ,Hilden sich bereit erklärte, die durch die hiesige llnterbrulgung dieser!»! ivahrsien Sinne Heimat losen Kinder r?!r»ehr!!h •!! Kosieri auf sich zu nehnien. Mcltcvveit^. Wien, 2*. Sevieniber. sileichsratsabgeord neler Breiter und Genossen richteten an die Regierung sorgende Iiirctpellalio». ״Wir fragen: ,V; dir k. t. ösierrelckivche Regierung bereit, mir das Ministerium des Aeusiern eiiizuwirken, dasi dasselbe im Einvernehmen mit den Regierungen aller Kulrursiaateu, oder auch allein 1. einen energischen, feierltchen Protest gegen das bestialische Llisiem der Revresfalien iir Rnsi land erbebe, 2. aber divlomatischen Beziehungen zu diesem Staate, so lange dafelbsi von der Regierung der ivildesie Terrorlsmus gehandbabt wird, abbreche I» der Begründung dieser Interpellation beisil es u. n.: ״Kaum wurden die Hunderte von Veiriieu aus dem Pogrom in Siedler verscharrt, als nun die europäische Presse von den Rachrichteu wider hallt, dasi Himmeln• in Warschau ein Pogrom vorbereitet wird, der alle:: bisherige:: Beispiele!! Holm sprechen würde. Der bisher in Warschau beobachteten Methode der Leibesvisitationen auf der Strafe׳, Misihandlungen und Arretierungen, dem Erschienen und Beraube» von Passanten durch die kaiserlich russische Polizei- und das Militär, ,oll nun eine allgemeine 2,'iedermepelung der Wartchauer Einwohner folgen. Der Gei't des 2". Jahrhunderts N'lrd starr bei dem '^edauten an diefe, von der phufsiche» Uebermachi eitles entarteten Snsiems aufgeliänslen Erzene der!!׳.׳erualttcheu Bnnchilät. Da» einem solchen Augenbsick da zmchauen und zu schweigen, wäre eine Schmach, wäre ein BerHallen das nns die Zukunfl als verbrecherische Mitschuld anreckwen winde llnd wenn auch an ein bewannetes Einschreiten bei dem Trägheils Prinzip in den internationalen Beriebunaen nicht zu denke»» in. so liesie sich doch ivenigsiens durch einmütigen Prcnen seitens der curopaifä cn Re Der Israelit. __ gicrurrgcn gegen diese (Greuel auf die Gemeinheit der russischen Regierungstätigkeit sanierend einwirken. Die diplomatische Isolierung, der Abbrnch aller Beziehungen zu einer verbrecherischen Regierung und dem Hose wäre die weitere Masircgel, die geeignet ist, wenigstens das Brandmal des impotenten kiie« von den europäischen Regierungen zu entfernen. Der russische Absolutismiis möge isoliert, verselunt und vereinsamt bleiben inmitten der zivilisierten Welt, einsam mit seinem moralischen nnd finanziellen Bankerott und mit seiner feigen Armee." Wien, 12. Oktober. In der ״D^esterr- Wochenschrift" macht Rabbiner Isak Weber, Magid in Kolvmea, als Mittel zur Sanierung der jüdischen Berhältnisse in Galizierr den Bor schlag, eine Rabbincrversammlung einzubernsen, die ״mit aller Strenge im ")lameu der jüdischcir Religion" erklären soll: ״I. Der jüdische Unterricht soll fortan regelrecht und verminstgeniaft erteilt werden, ivodei die Fädigkeiten und Anlagen!edes Kindes genau beachtet iverden. Der gegenwärlige, ungeordnete ttincrridn, der die besten Iatirc des Kindes und viel Wc!ö der Girier verschlingt, ist nicht geeignet, envas Nüvticheo für das Kind zu schassen. 2. Jeder Pater oder Mutter solle» verpflichtet iverden idren Doli» einem Berns zu widmen, der Arbeit, dem Geschätt oder dem Gelehrtentum .׳r., mit welchem er in der Welt ehrlich sein Iorlkommen findet. In welchem Lebensiadre des Kindes diese Pflicht cimritt. soll die Persan.m lung denimmen. (Ls mag in der grosien Welt lächerlich erscheinen, dass man für solche Leldswerstündlichteilen erst 'üavvmerversannntungen emberusen inufl. Leider »si das notwendig, A cl>!ein leben in Galizicu KV Perzent Juden, die ibre Kmder ganz ohne bestimmten Bern» nuswachsen iaven. Ich glaube, die grosie Weil siebt genug galizische Auswanderer, welche zu nichts Pesierein als zuni Hausieren geeignci sind. :i. Niemand, mag er noch soviel Mirgisi bekommen, dar» beiraten, bevor er nachweist, dasi er eine Iran mit 2 Kindern aus Eigenein erbalten kann. PiS jetzt ist dies bei '1> Perzent der galizischen Juden nicht der Iall. Man heiratet mir einer kleinen Milgist. nach der Hochzeit wählt man sich anis GcradcwM ein beliebiges Geschäftchen und binnen :> t Jahren bleibt eine Iamilie um einigen Kindern nnnellos in der Well flehen, welche keinen aiideren Aus weg findet als ans zuwandern. t. Ietti soll nach 2tnnh ,111 d Möglichkeit 'ich a׳׳e kuriere» lassen. Es herrscht!egt eine fanatische Einbildung in der grvsien oribodoren Maste in Galizien, sich astekurieren sei ein Perstosi gegen das Gollesvertrauen, und deshalb glbrs in Galizien Hunderte Wittwen mit rausenden Waisen, welche »n Elend darben, während ihre Garten bei Lebenszeit ׳ebr leid» Asteknranzgebnbren hätten zahlen können. '׳. In :׳K Pertent der galizischen .Kuitusgemeindcn nnder man keine 10 Kronen flüssiges Kapuai. Pon Arinenunlersiüvung keine Idee, so dasi jeder, der and, »ur monientane llniernilvimg bedarf, schon zuni!l-etlel flab greisen »insi, von weldiem er sich nid'l mehr befreien kann. Es fehlt in Galizien ganz und gar das viesülfl von der Wiclmgkeil einer Arnienkaise. Die versammeNen Aabbiner sollen and, dafür Rat erleilen. Es sollen Arnienunterstüvungskasten in!eder Kriltusgemeinde ge gründet werden. ׳ Herr Weber hält es für am besten, meint die Wiener Kultusgemeinde die Durchsührung dieses Borschlages tn die Hand näbme. Wieir, 12. Oktober. Das Zentralkomitee des hiesigen jüdischen K 010 u i f a t i 0 nsv e rei 5t 3 veröffentlicht einen 2lnfutf, der das jüdische Publikum um die Unterstützung seiner Arbeit bittet lind nach einem Hinweis ans das Elend der Inden!!! Rnsiland Iolgendes a׳.!sge׳!!hrt: /,Wohl ׳!!cht man der "Rot des Augenblickes zll steuernes sollte jedoch mehr geschehen, als die Gabe des rasch verstüchrendeir Mitleids ,u biete» vermag. Wir wollen den» verfolgten Jude» feine dauernde Zuflucht gründen: ivir wollen in Palästina au schon de stehende nnd gedeihlich arbeitende jüdische .Kolonien neue Heimstätten für Ackerbauer rind Gewerbetrei beti^e angliedern, ein Streben, das uns mir den ״Palästina .Kolonisarionsvereine»" der ganzen Welt verbinde». Dorr sollen unsere unglücklichen Siammesgenonen endlich nach blutiger Beriolgniig, nach ialirtansendelanger Unrast ein sicheres Heim, eine dauernde Heimat finden. Hier handelt es sich ttickn um Zukmlttsideeir, nicht um Parreifragei». Hier gilt es, rasche und dauernde Hil'e zu organi sieren.״ Wie», 12. Oktober. Wie der ״Polnischen Korrerp.,״ mitgeteilr wird, haben die jüdifcheit IK. Oktober 19G! Abgeordneten aus Galizien eine Konferenz mit dem Präsidium des Polenklttbs abgehalten, be treffend die Zahl der jüdischen Mandate in Ga lizien. Im Laufe der Konferenz wurde man über das Prinzip einig, dasi die Zahl der Wahl bezirke mit überwiegender Mehrheit der Staats bürget• mosaischer Konfession sechs betragen wird, momit allerdings die Wahl einer grösieren .Anzahl jüdischer Abgeordneter aus Galiziön nicht ansge schlosse»» iff. Wien, 1<>. Oktober. Ein österreichischer Bürger jüdischer Koitfeffion verlangte bei einer amtlichen Ausnahme seiner Personaldaten, dasi i n d i e R u b r i k ״")l a t i o n a l i t ä t" v o n 2l m t s wegen ״jüdische" eingetragen iverde, >vas die Behörde erster Instanz unter Hinweis daran׳ venveigerte, dasi die Bezeichmilig ״jüdische" nur iir der Kousessiouerubrik zum ״Ausdruck gebracht »verden fönnc. Der Beschwerdeführer, der bis an das Ministerillin appellierte, blieb bei seiner Be hauptutlg, dasi eS eine jüdische "Rationalität gebe, deren grundsüpliche "Anerkeiniung er verlange. Das Ministerium des Innern holte ein Gutacliten der Universität Wie»» und der Kiiltnsreferenten der Regierung ein, die, allerdings!licht in so be stimmtet• Weife wie die Unterbehörde, ibre An sicht dahin aussprachcn, dasi die Anerkennung einer eigenen jüdischen Rationalität, ihrer Meinung nach, wege!» ihrer Iolgen wicht opportun erscheine. Der Beschwerdeführer »vill nunmehr an die höchste nnd letzte Instanz, das Berwailliiigsgerimt. herantreten. Prag, Cftober. Eine ans Irkutsk in Asch in Böhmen eingetroffene junge Dame, »velche bei einem Irklltsker Advokaten als Erzieherin augestellt war, erzählt von s n r ch t b a r e n I >l d e n Massakers in Irkntsk nnd Tomsk. Am schrecklichsten seien sie in Tomsk gewesen, wo vierhundert Inden, darunter viele Iralien, in ein I-abrikgebäude eingesperrt ivurden. Dann sei daS Gebätide an allen Ecken angezündet morde!׳.. Biele seien ans den Icnstern gesprungen, wnrdeii aber sofort niedergemetzelt. Auch der grosie Bazar in Tomsk, in dem sich viele Inden besandcn, fei niedergebrannt worden. Urrgrrvn. Magiiar Kattizsa, .>. Oktober. Bor nngesähr fünf Wochen verschwand plötzlich das 17jährige Dienstmädchen Marie Inhasz, das bei dein Kantor ״Aron Weisi sich in Stellung be sliildeil Halle. Gewissenlose Hetzer verbreitete!! unter > er Bevölkerung das Märchen, das ".'Rädchen sei einem R i t n n l m o r d e zln»!Dpier gefallen. Gestern wurde die Leiche des Mädchens nächst Zenta ans der Theisi gezogen. Als sich in der Stadt die ״Rachrichl verbreitete, dasi am Hälfe der Leiche Wurgespuren bemerkt wurden, zogen zahlreiche Bauern mit Sensen, Heugabeln und Drcschffegeln vor das Hans des Kantors Weisi ilild zertrümmerten daselbst sämtliche Ienster scheiben. Mehrere Juden wurden von derer regten Menge am Leben bedroht. Rur dem Eingreifen der Gendarmerie ist cs zr» danken, dasi den sanatisierteii Bauern keil» Menschenlcbeii zu», Spier fiel. Die Allsjoiichniig der Rudels- »ührcr wnrde eingeleiret. Kasch an, l.">. Oktober. Unter den hiesigen Inden herrscht infolge einer böswilligen Ber leumdniig furchtbare Änsregnng. Zwei Arbeiterinnen erstattete!» verstosscnen Samstag, dem jüdische» Bersöhiningstage. bei der hiesigen Stadt hallptmaiinschast die Anzeige, dasi die Inden ge waltfam einen Ehristenknaben in ein ortbodores Bethans der Borstad: geschleppt und dort abge schlachtet hätten. Um zr» eruieren, was a!» der Anzeige ״Wahres sei, entsandte der diensthabendc Polizeikonzipist zwei Polizisten uild ztvei Dcrek tivs an den von de» Atizeigerinnen bezerchneten Sit. "Während die Juden in dem Gotteshauie dem feierlichen Gotiesdieilste beiwohnten, wurde die gailze Sunagoge lind Die IN oer Umgcbllilg derselben befindlichet» jüdischen Wohnungen ourch illcht, olme dasi auch nur die geringste Spur

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