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Der Israelit · 1906-10-18 · 42 (18.10.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
42 (18.10.1906)
Date
1906-10-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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9h. 49. Ckitt 4 Der Israelit. 18. Oktober 1906 möacn, da er als Groftalmosenier der Iudenhetr wöchentlich durchschnittlich 20<>llst. für Erhaltung armer belehrter und sonstiger Artneu verwendete und der Bau der graften Synagoge in Jerusalem, den sein Baker begonnen Hane, grafte Summen verschlang. Es wäre Personen kultus, den Zauber seiner Persönlichkeit zu beschreiben, das gilt auch von seinem soeben verstorbenen Sohne. Es soll nur erwähnt werden, daft er nach dem Zeugnisse des berühmten Gedächtnlsnienschen Rafael Rathan Rabinowicz auch einer der bedeutendsten Talmud gelehrten seiner Zeit war. Sein ältester Sohn R. Salomo und sein Schlviegersohn R. Rachnm Bcr Iriedtuann, beide sehr bedeutende (belehrte und ausgezeichnete Männer starben kurz vor seinem Hinschciden. Er hinterlicft zlvei Söhne, tvelche sich in de» Anhang des Batcrs teilten. Ter ältere R. Isak »lahm leinen Wohnsitz in Bajan in der Rahe von Sadagora und überlieft seinem jüngere,! Bruder, dem stk. Israel Friedman» '?"צ!, den Hofhalt ן seines Baters. den er durch 2Z Jahre mit Hoheit und Würde geführt hat, חנצב׳׳ה. Hoffentlich wird die siebente t^neration sich ihrer Borgänger lvürdig erweisen. vle Ziellting Ser jiiSircben 5tuSenten an Sen deutschen Universitäten. Zu bi׳» nächsten Wochen ivlrd wieder der Wahlkatnps um die Bertretung der akademischen Lesehalle in Berlin einseben und die jüdischen Studenten iverden dabei!nieder im Mittelpunkte des Interesses stehen. Es ivird daher!vohl am Platze sein, »venn ich in! folgenden die Stellung der indischen Studierenden genau präzisiere, um die jüdische Leserwelt beim Erscheinen von ein zelncn Rachrichtcn ans dem akademischen Lebe!! gut informiert zu lvisien. In keiner anderen Lebenslage, die den Juden in näheren Bcrkekr mit seinen andersgläubigen Mitbürgern bringt, wird er durch das '}*erholten seiner Umgebung so sehr fortwährend an!einen Glauben, seine Abstammung erinnert!vie an der j S.uelle des Wissens, der Universität. Moimttt der junge Mann ans der bürgerlichen Goiell'cha't! i!r akademische Kreise, so ivird ihm sofort die grofte Kluft bemerkbar, die hier unsichtbar, aber desto tiefer zwnchen dem einen und dem andern Teil der akademischen Well gegraben in. Ter Ehrist zieh! sich vom Inden zurück, und höchstens! eine alte Schulsrenndschast bleibt bestehen, wenn! sie sich auch erheblich lockert. Tie Besinnung der! studentischen Kreise läftt sich am besten ans der 1 Stellung der Korporationen deil Inden gegenüber ersehen. Man kann hier eine Einteilung machen in judenfeindliche, den Juden gleichgiltig gegenüberstehende, aber keine Juden ausnehmende Korporationen, judenfreundliche und judenans nehmende Bereine und schlieftlich bemüht jüdische Korporationen. Als ausgesprochen iudeuteindlich läftt sich eigentlich nur der Kyffhäuscrverband der ״Bereine deutscher Studenten" bezeichnen. Er selbst nennt sich deutschnational-antisemitisch und wurde in seiner jetzigen Ion״ im Jahre l»»l ans der Grund läge Ltöckerscher Ideen gegründet. Er ist mit drei Allsnahmen an sämtlichen Universitäten und tech nischen Hochschulen vertreten und nmfaftt fünfundzivanzig Bereine. Seine Tätigkeit macht sich jedoch auf dem uns angehenden Gebiete nicht so sehr bemerkbar wie aus dem deutschnationalen. In die L'effentltchkeit tiitt vor allem der Berliner ״Bd. St." alljährlich zur Zeit des oben er wähnten Wahlkampfes zur akademischen Lesehalle. Tie ziveite Kategorie der Korporationen, von der oben die Rede ivar, ist die jedenfalls stärkste. Ihr kann man hinzurechnen vor allem die deutsche Burschenschaft, den sog. S. E-, d h. den Berband der Korps, ferner den V. E- oder die Landsinannschaften. Am schärfsten von diesen dreien hat sich die deutsche Burschenschaft gegen die Alls nähme der Juden ausgesprochen. Bis zum Jahre!א!♦;') nahm sie noch Inden ans, gemäft ihren Prinzipien von Freiheit und Gleichheit. In diesem Jahre jedoch faßte sie, und zlvar aus An trag eines jüdischen alten Herrn, den Beschluß, den Juden bis ins dritte Geschlecht den Zutritt zu verweigern. Strikte ivird dies ivohl auch nicht durchgeführt, und es finbet sich in den Reihen der Burschenschaft manch getaufter Jude. Eine Schande aber ist es, daft jüdische alte Herren, die deii T. B. vor 1י.'א.'> angehortcn, nach einem Beschluft, der eine weitere Aufnahme ihrer Staminesgcnossen verhindert, nicht sofort ihren Austritt erklärten, sondern ihr noch heute in der Eigenschaft als ״alte Herren" anaehören und sie fördern. Tie übrigen Berbünde, die im allgemeinen keine Inden ansiiehmen, sind der B. E., d. s. Turncrschasten, und der E. E., d. s. Länger schäften. Toch soll es bei den letztgeuanulen beiden Bereinigungen schon hie und da einem Jude» ,,geglückt" ׳'ein unterzukommen. Ter vornehmste studentische Berband, der der Eorps im S.E., nimmt zu der Iudensrage an den verschiedenen Universitäten verschieden Stellung. Im Prinzip nimmt er Juden auf, lehnt aber in der Praxis doch jeden jüdischen Aiisnahmeslichenden ab, - wenn er nicht eine ganz enorme Tnmme monatlich zur Berfügung hat Mindestgrenze H» Mk. >. Hiernach mag es in ganz Deutschland wohl kauni ein Dutzend jüdischer Eorpsiers geben Auf einem eigentümlichen Standpunkt derIuden frage gegenüber stehen die Burchenschaft, die dem A. T. B. angehören. Sie nehmen nämlich bis zu st.N/, Proz. Juden auf und zählen auch eiiik ganze Anzahl derselben in ihren Reihen. I-reilici, ivird ein selbstbewußter Jude es kaum über sich gewinnen, dort einzutreten, wo er nur der mit Mühe und Not Geduldete ist und man kann bei diesen Bereinen wohl vom ״Renommierjnden״ reden. Sämtliche anderen studentischen Korporationen re., mögen sie heißen und Zwecke haben, ivie sie!vollen, schließen die Inden von ihrer Mitgliedschaft ans. 'Wollten die jüdischen Stildenteii daher nicht ans das in akademischen Kreisen übliche Treiben verzichten, so sahen sie sich gezwungen, sich in eigenen Bereinigungen znsaminenzuschliepen. In die Zeit vor Gründung dieser Korporationen füllt die Entstehung der ״Ireieu wissenschaftlichen Bereinigungen" oder auch ״Wissenschaftlich Ge selligen Bereinigungen". Die Initiative dazu ging hauptsächlich von Moimnsen und anderen edeldenkenden Männern aus, die zur Zeit des Anftanchens der ,antisemitischen Ideen also an fangs der achtziger Jahre, diesen in akademischen Kreisen dadurch den Eintritt venvehren wollten, daft sie Korporationen inS Leben rufen, deren Tendenz religiöse Duldsamkeit war und die ׳ich den Grundsätzen der Parität folgend zusammen setzen sollten. In der ersteil Zeit, solange die Begeisterung, die die Gründer entfacht hatten, noch vorhielt, zählte man wohl soviel Juden wie Ehristen in diesen Bereinigungen, die zu Berlin, München, Heidelberg uitb anderen Universitäten in Blüte standen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis sich die Ehristen zurückzogen und innere Zerivürfnisse das Kartell, das die einzelnen Bereine miteinander verband, sprengten. Heute bestehen diese Bereinigungen wohl noch, aber ihre pari tätischen Grundsätze betätigen sich höchstens darin, daft sie I—2 Prozent Ehristen unter ihren Mir gliedern zählen — auch meistens geraufte Jude» — und ihre übrigen Mitglieder selbst nicht als Inden gelten wollen. Grofte Berändernngen hatte vor allem die Münchener ״W. G. B." mitzumache». Tic ist heute eine farbciitragende ״srei'chlagende Berbindnng", besteht aber freilich auch nur cu s Jude׳״, ״d führt de״ 'Namen ״Thnringia". Beivllftt jüdische Bereine und Verbände gibt es eine ganze Reihe. Terjenige, der zuerst um trat und heute noch in voller Blüte steht, ist der Kartell-Konvent, kurz KE- Tie erste Kor poration dieses Kartells entstand in Breslau unter dem Namen ״Biadrina". Ihr folgten kurz hintereinander die Sprevia in Berlin, Isaria- Straftbnrg, Badenia Heidelberg, Rheno. heute tln x'\0m Kippur nt, da״ mit brr Trammgsnundr aucd dir Ncilo-Ltuttdr ibrrr disbrr verlebten Jugend icklägt,! dietr bedürfen auett titt dir Zeit vor drr Trauung trinrr! Ermabnung, wir n»n> dir Lcketdrsiunden dieses riumaligen! Levens Jom »ippur verbringt. Lie werde» dieselben ganz grwis; mct» vertändeln und ickon bevor »11 Minckoaebet das arahe LündcnbrkcnMnis des Jom nippur lick aus! dri» bewegtrn Herren über die betenden Livvrit ringt, babr» ür nt stiller Znrückgrzogenbe» mit ihrer Umgebung abgc recknci und netten mit neuen Lebrnsvortäveii rriullt an drr i'iortf der naben Z.ukmtst. Wo die deutsche Litte des Mabn Iübrens Bram u»d Bräuttgam vo, der Trauung unter dem Zizis Baldackm zusanimen'ülnt, und dir Hände aller anwr'rndrn Irrtinde und Brrnmndtrit sich segnend erbeben um als Linubol des 'rucktbarrii Lrgrns, Wrizrnkörncr über dir Häupter des Brautpaares zu »retten gebt denen gebobrnr Ltnn numg auck. am alle Iettgenonen über Lie spreckeu über die Bram den Argen aus. mit dem nnfrrr Abniituttrr Rnkr von ibrrn Angeborigen aus dem Haute entlassen und ibrcr Zukuntt entgegen gesüdrt ivutde st. B. M., »ap -1- B »*» und legen nir einen wobNätige» Ztveck rin Oteldnück in das Me'an. dem ne dir zu itteurndrit Weizen kornrr rntnebnien. Tn Trauung ׳rlvti voliziei» ׳ick in unteren Tagen!tut »lebt außen» tärvrangr als in ׳rüderer Zeit. Lv lange nran von de» Brdrmiamtett drr Mtzwo durchdrungen >v,n. genügte ne. genügten tbre stumme und nock!0 de reden Lvmbole mit den ne begleitenden Legritsivrückrn um der treue Tolmrtick denen zu ׳rin was das Herz zu dieser Ltunde in trinrn »efften Tietrn bewegt. Leitt-rm dirt'es Bewußtsetn abgrbla-.t und rum Teil ganz ge schwundru mux es durck »iurrguna auigrtrttcki und wieder grwectt werden Trsbalb IN dir Trauung bei uns grwobnltck von enter «»spräche begleitet, von der! in 'rüderer ׳'en Wenn dirtr Anspracke den erwäknten lattacklickrn Berbalininen Rrcknung lrägl und dir Bedeutsamkeit der Mizwo ans Herz legt, so ist sie gewist beutzutagr so sebr am Platze, wir ne in srübrrrr ^eit unterbleiben konnte. Wenn aber die T rauungsrrde alles mvglickc und un inöglicke entbält, das r'ob der beiderseitigen Brrtvandtrn, die obligate :'iübrung Velin Viedäcktnis verstorbener Hainiliciimitglikdrr, sowie Wünsckc und Honnungen für das vebrnsglück des ,ungen Paares, aber konsequent alles versckweigt, was das junge Prtar an seine Pslickt, dir!itditcke Pnicki als Mann und Weid erinnert, die! beide in diesem Augenblick zu tiberncbnien tut Begriffe nnd, dann mag man wvbl darüber in! ^weiset sein, ob eine scklicktr. rinsacke lüdiscke Trauung ohne Trauungs rede nickt der üblicken Art und Weise vornizichrn ist. — tss giebt viellrickt im ganzen Leben keine zweite Brranlattung. in welcher die ernst ׳rrudigr Erregung dir Meister und t-teniüter so rtnp'änglick für ein wabrrS. warmes Wort der Ermabnung macht, als eben diese. Wenn dieser Augenblick verrrdet. veriruszt, vcrrükrt oder wie aucki immer vertändelt wird, ebne das; dieses rrmadnende Wort ge tprocken wird, nach dem brave Virnsckrn in solcher Attnide geradezu lechzen, so bat man deni Lebensglück des luiigen Pcmrrs mrbr geschadet, als bundertr von guten Wünschen ersetzen können. Aber wer auck den Er'olg einer solchen Anregung nickt so dock anschlägt, wird doch einräumcn daft es wie dir Tinge beutzutagr liegen, Pslickt drSirmgen ist, der die Trauung vvllzirbt wenn auck nickt in der Tramingsrrdr.; '0 dock vorder unter vier Augen, irden Teil des Braut I P1n«$ am dir P׳IIckten lunzuwrisen. dir seiner waNen. Biele verletzen ne nicht aus Mangel an gutem Willen, > sondern aus Unkenntnis. '! (Achlup svlgt. , t4»im kebräitdter - V.nblatldrudt des H Iuu,üu»oe»ls aus einer unvekanntrn polnischen Truckerprenr stammend, nt bück» merkwürdig Zn drr Mitte benndet sich ein Holzschnitt, der jüdische Ackülcr a» einem Tische sitzend darstellteinige davon sangen ^b» und »ticken aus, die ibnen ein in der Lust schwebender Engel wabrscheinlich drr Engel Mabriclj zuwirft, wäbrend aus der andern Leite der Lebrer einen schlechten Lcküler durckprügelt. Das Abedarium und de. Holzschnitt und von ttebräischen Bibelsteltrn und Legenssprückrn umgebe». Dieser hebräische Einblattdruck gebürt zur Botinicksckc» Lannnlung unbekannter Bücher, die seil dem ersten August dem Britijh Museum rinvcrlribt ist. Er ist für die Me schickte des hebräischen Buchdrucks tlnd für die jüdische Pädagogik in Polen von Bedeutung. (Ter 'Anteil der Juden an der Revoluttons brweaunq in Rustlandl wird meistens sehr über trieben. Dir Regierung selbst ist geneigt, ihnen die Hauvt schuld zuzuschrciben, was in den osffziellen Berichten der selben nicht selten klar zu Tage tritt. Derselben Meinung und auck die mouatchisch gennnten Bolksgruppen, die Z» duslrirllkn und dir Mrundbesitzer, welche alle politischen und ökonomischen Wirren der Propaganda seitens der Juden zuschreibrn. Dem widersprichl aber dir Ltatimk Tie Zeitung ״Öko" (Ar. 14 S. :1 gibt die Zahl -'er im Zeiträume vom 10. .','ovember 1!K).'< bis zum 10. AuguN 190«! wegen politischer Brrbrechen zu verschiedenen Atraien verurteilten Personen aus 1L4»!<׳ Personen an. Darunter waren!»72 Juden, also 7,«! Prozent. Ist auch dieser Prozentsatz gröstrr als drr Prozentsatz drr Juden in Ruß land 4,1 ׳ Proz. überltaupt, so muh man doch in Betracht zirben, daß nicht alle Böller im weiten russischen Reick gleich intensiv von der jetzigen Irciheitsbrweguna berülirt werden. Ziebt man nun dir Millionen der adtolut te:!׳ nabmslosen Romadcn von der Mesamtzakl drr Bevölkerung ab, so erscheint der Prozentsatz drr verurteilten Juden bkinabe normal. Zeitickr. Dem u. Ltnt d. .luden 1

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