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Der Israelit · 1906-10-18 · 42 (18.10.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
42 (18.10.1906)
Date
1906-10-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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18. November 1906. Der JSraeltt. Weife ins Auge fassen. Dabei ist allerdings nveierlei wohl zu beachten. Einmal, daß es ein Irrtum wäre zu glauben, es könne selbst während eines zweimonatlichen geschweige denn ziveiwöch. igen Aufenthaltes ein erschöpfendes Bild von den komplizierten Problemen, die in Betracht kommen, gewonnen werden. Und ferner der Umstand, daß gerade in Palästina die Gefahr sehr groß ist, daß man den Einflüsterungen parteischer' Persönlichkeilen das Lhr öffnet und sich so ein ganz falsches Bild von den Dingen unterschieben läßt. Unbeschadet dieser Vorbehalte ist es jedoch in hohem Grade wünschenswert, daß eine Anzahl geseyestreuer Männer von reifem Urteil sich vorläufig auf dieser Reise wenigstens soweit möglich einen Ueberblick über die palästinensischen Ver hältiüsse zu verschaffen sucht, nm später während eines längeren Aufenthaltes die einschlägigen Fragen zum Gegenstand eines gründlichen Studiums zu machen. :Nachdem Herr Rabbiner Fürst in Wien sich entschlossen hat, persönlich die Oberaufsicht über die rituelle Verpflegung zu führen, dürste nach dieser Richtung einer Teilnähme an der Reise wrhl nichts mehr im Wege stehen. Zum ßin$cl)(iden R. Israel Jriedmanus צ" י?.! <W Aron Marcus in Mrafau. Das Hinscheiden deS Rabbi Israel Friedmann von Sadagora hat in der Dagespreffe eine Reihe von Besprechungen hervorgernsen, die wie Scheinweder eine noch immer in Dunkelheit gehüllte! Partie jüdischen Volkslebens im fernen Cfte» beleuchten, gleichzeitig aber Beweise der hohen Achtung liefern, welche dieser leider im besten Mannesalter im '>3. Jahre) Dahingeschiedene sich als Repräsentant der strengsten Drrhodorie zu enverben verstanden hat,nicht nur bei konservativen, sondern auch bei Neologen und in außerjüdischen streifen. Seine imponierende Persönlichkeit, sein liebenswürdiges und vornehmes Auftreten, seine «Geistesschärfe, welche jüdisches Wissen mit welkmünnischer Bildung vereinte, erwarben ihm and) in diesen streifen Anhänger und Bewunderer. Er war der sechste in der Reihenfolge einer Rabbinergeneration von altem Adel, die eine Repräsentation des Judentums im Ssten ge schaffen hat, wie sie in erblicher Reihenfolge seit dem Erlöschen des Hillelichen Patriachares und des ErilarchateS nur noch unter den starolingern bei den stalonwniden und Macht Aden aus davidischem Stamme ein Analogon in der jüdischen Geschichte hat. Der Urahne dieses Hauses war R. Domber (דוב בער) von Meseritsch, der Schüler des Begründers der chassidischen Organisation, des R. Israel Balschem 1)“‘X. Dieter R. Dowber war der Lehrer des berühmten Frankfurter Rabbiners R. Pinchas Horovip gest. 1H*K»f/ der im Vereine mit R. Nathan Adler den Venuch unternahm, die »lene stontrereform in Deutschland einzusühren. Der Versuch scheiterte an der Unbeugsamkeit der Alten, welche feine Ahnung von dem bevorstehenden Einsturz des Ghettos und aller feiner Traditionen hatten. Dafür schwemmte der Terror der Reform dann die alten Fnstitlitionen völlig weg, bis es dem Eingreifen Samson Raphael Hirsch» זצ״ל gelang ans den Trümmern neue modernisierte Institutionen des gesepestreuen Judentums zu schaffen. Ei» zweiter in Dentichland bekannter Schüler R. DotvberS war der Bruder deS R. Pinchas, R. Schmelke Horovip in 2,'ikolsbttrg, der ein noch höheres Ansehen genoß (st. 1778,. Diese beiden Gelehrten erstell Ranges imponierten den Gegnern des als Neuerung verpönten Ehassidismus, unter denen der berühmte R. Jeccheükel Landau Prag und R. Joses Steinhart Fürth die Führung hatten, so!ehr, daß sie ihre Angriffe nur gegen das System, nicht gegen die Führer kehrten, und ans die Befürchtung beschränkten, welche die Popnlarisiernng desselben unter, wie sie meinten, unvermeidlicher Degeneration dllrch die Massen hervorrnrufen geeignet lvar Aber a׳>ßer diesen zwei Schülern HoroviP׳ Hane R. Dorvber noch mindestens zwanzig von derselben Bedeutfomkeit rn zielbewnßten Führern der Massen aus- . gebildet. AlS '.Viittel dazu hatte er ein ganz! neues Lehrsystem gesunde,׳, das die stabbala, derer« Popularisierung die verheerenden stuinpse innerhalb der damaligen Jndenheit hervorgernsen hatte, in eine philosophische Disziplin mmvandelte, basiert auf psychologischer Selbsterkenntnis, niedergelegt in einer durch seine Schüler ansgebauten, umfanglind inhaltreichen Litteratur. Diese Litteratur ist im Westen noch immer so gilt lvie unbekannt, wenn man von einzelneil Vorurteils losen stopfen absieht, bei denen ihr geradezu ver blüffender u׳.׳.d kitirnrhistorisch unerklärter ParallelismnS mit den gleichzeitigen Produkten des modernsten Zeitgeistes Entnnnen henwr gerufen hat. Auf R. Dolvber (st. 177^; folgte dessen Sobn R. Abraham in Fastow (st. 1775 im Alter von 42 I.,, welcher noch zu dessen Lebzeiten als Lebrer! des verühinteil R. Senior Salmon von Lodi der eigentliche Begründer der Ehabadäer-Schule wurde, die die besten stopfe Rußlands durch eine großartige philosophische Litteratur zu fesseln wußte. Dieser Sohn, der während seiner kurzen Führerschaft durch strenge Zurückgezogenheit in unerreichter Askese von aller! Schülern seines Vaters als der bedeutendste Mann seiner Zeit verehrt wurde, hat ein kleines Werkchen רובד לאביהם hinterlaffen, welches als ein epoche machendes Ereignis in der ganzen anderthalb Jahrtausende umfassenden kabbalistischen Litteratur _?!l‘־ gmt 8 zu gelten hat. Sein transr'endentaler Rationalls Mus und die Kühnheit reiner stritik übertreffen die des Morek Nebuchiin. Er sprengt die ganze Allegorik und mystische Tenninotechnik der Fahr Inmderte, wie mit Dynamit einen Weg durch un zugängliche Felswände bahnend, um die mrüber tröffene Tiefe des Gedankeninhalts der uralten Pro phetenwissenschaft, ״dieses großen durrklen Feuers", in strengstem Anschlüsse an die ״einzig wahre Schlachtordnung Israels, die von Mainronides überlieferten 1l! Glaubensartikel ihrer durch das Eril verdunkelten 1111b verknöcherten Hülle zu eirtkleiden." Sein Sohn und Nachfolger R. Scholen! Schlechna st. ebenfalls im Alter von 42 Fahren!, schlug wiedenrin einen ganz neuen Weg für die Leitung der Volksmaffei« ein, durch die unauffällige Wiederherstellung einer äußer lichen, fürstlichen Repräsentanz nach Art des ehe maligen PatriachateS und Erilarchates, zuvörderst mit sehr unzulänglichen Mitteln in einer Zeit tiefster Armut in einem noch mit Stroh gedeäten ״Fülstenhofe". Aber er fand Verständnis unter den Argusangen der Großen seiner Zeit und bei dein Volke. Sein Sohn und Nachfolger R. Israel von Rongean in der Ukraine st. lsf>0 im Alter von Jahren -, ivurde von dem ältesten und gefeiertsten damaligen Wunderrabbi als faktifches Cber banpt seines Zeitalters anerkannt. Sei» glänzen der Hofhalt nnd fein fürstliches Auftreten be rvundert vom polnische» Adel, siehe .iaver Branicki S brumn pokut)׳) zog das Augenmerk des geivaltigen Herrschers Nikolaus I. auf ihr!, der ihn durch 22 Monate einkerkern ließ und eben im Begriffe stand, seine administrative Ver schicknng nach dem staukafus anzuordnen, als es dem Rabbiner gelang ans dem stiewer sterker nach Lesterreich zit entfliehen. Er riahm seinen Wohnsitz in Sadagora in der Bukowina (1841 ׳. Alle diplomatischen Reklamationen des Herrschers, zu dessen Füßen Europa lag, den Flüchtling ivieder ausgeliefert zu bekommen, waren vergeh lich, Dank der Bemühungen des Eir Moses Montefiore und der Fürsprache des Fürsten Metternich. Er hinterließ sechs Söhile, denen Hundertlausende begeisterter Anhänger znströmten. Sein ältester Sohn starb l«> Monate nach seinem Tode, luie ei selbst sagte, aus unüberwindliche? Sehnsucht nach dem Vater. Ihm folgte sein ziveiter Sohn R. Abraham Jacob Friedmann st. an demselben Tage, an ivelchem sein Bruder das Zeitliche gesegnet hatte, II. Elnl . Während feiner .42 jährigen Herrschaft hob er den Glanz seines Hauses z»> einer Höhe, die seit mehr als einem Jahrtausend kein Beispiel in der Ge schichte des jüdischen Volkes hat Durch unbe grenzte Freigebigkeit seiner Anhänger in den Stand gesetzt einen großartigen Hoshalt zu bestreiten, hiirterließ er kein neniierlsiverteS Ver und Bräutigam die angklcgenilichsie Lorge nicht Fa«,-»» und Farbe ihrer 'Möbel, nicht der Hochzeirssiaat und die . ionitiflr Toilette sondern die genaue Urnnlins der '!-'lichten, die ihnen der Ehestand bringt, .-tu diesem i ,'.״!cif ließ sich dir Braut von der Mutter oder, ivo diese inchl mehr da war, von einer rrtabrenen gottessürchtigen . Frau belehren, lernte aus dazu bestinunlen Lchrüten diese > '!-'lichten in ihrem ganzen Umfang kenne» und sie durch : vrakiische Anleiiung üben. Ter Bräutigam seinerseits , iuctile fiel) mir den Pflichten bekannt zu machen, die das; ")fH'U der Thora und die Anordnung der Weisen für ihn i cur Erfüllung im Ehestand vorgeschriebe». War der lunge Mann selber ein Yenner der Thora, so legilimierlc er sich als solcher durch Abhaltung cincS talmudischen , Bortrags, den er für den Hochzeitstag vorbereitete Tabei ' wurde dir Lorgr für die niatcricllen Borbrreilungen zur! Lchaitung des neuen eigenen Heimes keineswegs ver nnchlastigl. Aber cs batte sich so leicht kein junger Mann gesunden, der, wenn er Tausende für Möblierung. Aus- > naitung und Einrichtung seiner Wohnung ausgiebt, nicht l:׳> erster Reihe auch daran gedacht hätte, sich Teiorim. Bücher aus drin Literakurschah des jüdischen Schrifttums, an.uschafsrn, je »ach seiner Fähigkeit und »rnntnis ihrer . inzelnen Zweige. : Weil sie wußten, das? alles rem Menschliche, alles ivahrhait Humane so sicher nur von Mann und Weib ge »leulichastlich geübt werden könne, dag die Weisen Be denken tragen, den Namen .,Ldom", ״Mensch" rrncm Ekel ölen zuzuerkrnnen, ior.I d.rsr» Lrwußlfrm ihre ganze vebensatmosphärr erfüllte, deshalb waren >1e darauf br , bucht möglichst frühzeitig zu heiraten,!leider war die i Brutalität der Tati,״k»e oft stä-ter als dieser gute, reine! Wuik. Gehäsilge Judengcseye wachte» neidisch darüber, d>rsz dir Juden «ich nicht zu stark vermehrten. In einzelnen Staaten war cs den! Lohn und Enkel gesetzlich verboten zu heiraten, so lange der Barer und Groyvatrr lebten' Ta zu kan! die allgemeine Rechtlosigkeit, die Willkür ge wissenloicr Subalter!ibe»i!iten, die Schwierigkeit der Er ivelbsverhältnisse und noch vieles andere, wovon unsere heutige Zeit oft kaum mehr eine Ahnung bat. Meine eigenen Eltern waren vier Jahre lang verlobt und konnten, trotzdem rin gesetzliches Hindernis nicht vorlag, dir obrig keitliche Erlaubnis zur Berbeiratung nicht erlangen. Als nach vier Jahren in unser Städtchen un Jahre 1*4* militärische Besetzung einzog, erkannte mein Bater in einem Offizier einen früheren Borgesetztcn aus seiner militärischen Dienstzeit wieder. Diesen sprach mein Barer um seine Bermittelung für Erlangung der ״Annahme" — so lautere der Ausdruck für diese Bewilligung — an, und das hals, in wenigen Wochen trat sie em. Lolch ein einzelner Zug illustriert eine ganze Zeit oft besser als lange Ablrandlungen und legt die Frage nabe, ob es nicht doch für unsere jungen tzeute wünschen»- wert wäre etwas mehr von dieser sic so nahe berührenden unnutteldaren Bergangrnhcit zu wisicn. Heute wo alle diese -chranken und Hindermsir ge schwunden sind, würden sich die Enkel wenn ihnen die Geschichte und Geschicke ihrer Eltern und Großeltern bekannt und ihnen zu Herzen gingen, wären ganz gewiß schämen, ihre Ehe, das erste Gesetz Gottes in seiner Thora, zum Gegenstand des EalcülS, deS Geschäfts und der Brrrchnung zu machen, zu rechnen, zu kalkulieren und abzuwarten, ins die lebensvolle Juaend verrechnet ist und daS deraurdämmerndr Aller schon seine L chatten vor» aus wirft. Unsere Ze.t ivüroe übrrh,«upl zukrirdener und weniger anspruchsvoll sein, wenn sie durch einen Brrgleich mit der unmittelbar hfnrer ihr!!egenden in der Lage wäre. sich selber von dem Fortschritt zu überzeugen, den sie lat sächlich doch bedeutet. Wenn diese Zutrirdenbrit und An spruchslosiakeit üch dann überall äußerte, », erster Reibe käme sie unseren Hochzeiten »nt ihren Helden und Gästen zu gute. ,zr großer die zu liberwrndenden Lchwirrigkrlten in der vergangenen Zeit waren um eine Hochzeit feiern zu können, desto größer und lebhafter war selbstredend auch dir Freude aller Festgrnossen, wenn diese Lchwierrgkeiten überwunden wcirrn und dre Hochzeit nun gesrrrrt werden konnte. Diese reine, urwüchsige, osr überschäumende, aber dennoch stets das rechte Maß innehaltrnde Freude, wir sie bei HochzeitSsrierlichkeiten zur Geltung kam, ist den »Indern unserer Zeit fremd geworden Bei unfern Hochzeiten gehr es sleis. gemrsien, frostig zu, alle Freude ist gemacht, sie quillt nicht natürlich aus den Herzen, weil der Born fehlt, aus dem sie allein stießt; DaS Br wußtsrin eine von ltzott gebotene Pflicht zu erfüllen. Deshalb fehlt dir reine, unversirglichr Jimcho schel M!׳avo. diese Freuve mit der rrsüllren Pflicht. Taß für unsere Hochzeiten, oder doch für dir sich ihnen anschließenden Feite, ein Tag viel zu eng ist, und daß sie deshalb von Hau» aus sieben Tage dauern, das ist bei vielen ganz m Brrgrsirnbeit geraten, die nicht ein niat diesen einen Tag, >a nur diesen halben Tag unö den oft nicht einmal richtig auszusüllen wisien. E« flieht vielleicht wenig bessere Ärlegenbetren Allraqsmcnschcn zu sludi«:ru, als wenn sie an einem gewöhn llchrn Wochentag veruneilt sind, sich in ihre beiten Kleider zu werfen und nun einig« Stunden vor der Trauung sich Nicht aulrubeben, äb-rdaux: r!!ch:r Mi: sich unzuwngen wisien. Und das bezirkt sich nicht nur aus die Hochzeit» gälte, sondern auch aus da» Brautpaar selbst. Di« Braut und der Bräutigam, weläi« wisien. Iv!

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