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Der Israelit · 1906-10-18 · 42 (18.10.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
42 (18.10.1906)
Date
1906-10-18
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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fh. 42 Sette 2. Der J-rarltt. 1«. Oktober 1906. Do ist es denn freudig und dankbar zu begrüßen, daß LnzzattoS wegweisendes Büchlein jetzt in Dr. Wohlgemuth vom Berliner Rabbiner Seminar seinen rechten Dolmetsch für diejenigen gesunden hat, denen das Glück versagt ist es in 8er Ursprache zu genießen.*׳ Was uns Wohlgemuth bietet, ist — selbst ein Stück משלח ייצי״ם, ist selbst ein Werk der Liebe. Jede Pfeile be zeugt es, mit welch' anschmiegender Hingebung er sich in die Gedankcnaänac seines Meisters eingefühlt, und mit welchem Erfolge er sich bemüht at, sie, nicht sklavisch übersetzend, sondern in edler, einfacher Sprache selbständig wiederzugeben. Fast möchten wir wünschen, daß vei einer zweiten Auflage die kurze biographische Einleitung, so tvürdig und bescheiden sie auch gehalten ist, weg bleibe, damit der Meister', ohne Objekt der Beurckeilung zu werden, ganz als Meister, jen seits aller Zeit und aller Geschichte zu uns rede; wünschen vielleicht auch, daß im deutschen Titel sowohl wie im Kapitel vom חסידוח das leider so sehr abgegriffene Won ״,Frömmigkeit" durch die präzisen Uebersetzungen ״Weg der Graden" und ״Liebeshingebung" ׳ ersetzt werde. Aber diese Kkicheidenen Wunsche verschwinden Himer dem Gesühle warmen Dankes für die köstliche Gabe, die Wohlgemuth den gesetzesrreuen deutschen Zuden mit seinem Buche geschenkt hat. Ein ׳Werk der Liebe aber ist sein Buch im doppelten, im dreifachen Sinne. Was cs an maicnellem Ertrage erbringt, wird unverkürzt em russischen Hülfstverkc zufließen, die Tränen derer vor allem zu trocknen verlachen, die mitten in allem Elend um des großen ü L° »>ל^'willen freiwillig weiter noch dulden und darben. llnd zum dritten Male ein Werk der Liebe! Wohlgemuth hat das Büchlein »einer Mutier gewidmet, deren Bild ihm vor Augen stand als ein ״Beispiel für den innerste» Grnndg. danken des vorliegenden Werkes". Das ist kei!׳> zufälliges Enrpsindcn. Werk!ff enr Buch fürs Veden und zum Veden. Ganz verstehen wird's nur derjenige, dem das Schicksal die Gunst erivciff, es in emci»! ü d i s ch e n Menschenleben verwirklicht zu sehen. Heil uns, wenn auch unsre Binder uitd lindes kinder dereinst im »reise unsrer Generatioi» werden crblickeit können, die als nnq jüdischer Sittlichkeit durch die Zeiten leuchten und die, ob auch dem irdischen 'Blicke entrückt, noch immer auswärts zeigend voran wandeln den ״H öhenpsad'der W e radc n ". "i tchtgektallcn die Berkörper Ter Weg der prrommen v. 1H Mosche (Shaitn Vuuato. neu berausgegebrn, überseht und mit einer timlemiufl und C.ricUenanflabcn verseberr von Tr. vVil.;ot)lflenmtl1. Berlin C. ־-. »tot». Bertag Vouis Lamm »ochenrunösckau. Der Kampf um ״Rofin“. Während der sommerlichen Ferienpause ist über die Aufnahme des Rosin'schen Gesetzentwurfes in den Gemeinden naturgemäß wenig in die Seffentlichkeit gedrungen. Rur die Allg. Zeitung d. I. hat eine Engußte bei einer Reihe von Rotabelen veranstaltet, die einige gailz niedliche Aussprüche zu Tage gefördert hat und auf die daher noch zurückzukommen sein wird. Das erste Svmptom wirklichen öffentlichen Interesses für die durch das Geineindebundprojekt in Fluß gebrachten Fragen tvar indessen die Vers a m m l n n g d e S F r a n lf nrte r E e n t r a l v e r e i n s, über deren Verlauf wir in der letzten Rnmmer bereits berichtet haben. Daß der rührige Verkitt weiteren Kreisen über- Haupt Gelegenheit zu einer Aussprache gegebeir hat, ist bei den» großen Einfluß der Frankfurter Führer im hohen Rate des Gemeindebunkes jedenfalls dankbar zu begrüßen. Weniger einverstanden sirid wir mit der zalnnen Resolution, die man ge glaubt hat fassen zu sollen, und die zweifellos ihren eigentlichen Zweck verfehlen muß. Der Rosin'sche Gesetzentwurf ist, das müssen ihn! seine Femdc lassen, ein organ ischesGanzes, dessen Teile — trotz aller Kantschnkbcstimmungcn im einzelnen ineinandergrcifen und aufeinander angelviescn sind. Wenn R o s i n von ״Bezirksverbänden" spricht, so hat er in seinen ״Provinzialspnagogenräten" zugleich die Drgane zur Versügnng, die dazu berufen sind, die Reibungen innerhalb dieser Bezirksverbände;;!it der R? achtvollkoiiimeuhell staatlicher Behörden zu beseitigen oder aber sic von vorncherein mit Gewalt zu unter drücken. Tie Rosin'schen Bezirksverbände sind in letzter Linie Ausflüsse der obcrrätlichen Macht Hoheit und werden nach dem bewährten Prinzip ״Und folgst du nicht willig, so brauch ich Gewalt" gebildet. Was tut nun der Zentralverein? Er verurteilt ni cht n!!r das Grn ndp ri 11 zip des Entwurses a uss E n t schiedenste, er perhorresziert auch ckn kuoto von den S4 ParagraPhen des Entu׳nrses ungesähr a ch t z i g, aber er findet es denn o ch opportun, eine Resolution 511 fassen, die von der Seffent lichkeit als eine halbe Billigung der Rosin'schen Aktion mißdeutet werden kann. Der Gedanke, lcistungsunfähige Svnagogengemeindcn zu Ver bänden zusannnenzufassen, ist wahrhaftig nicht geistiges Eigentum des Herrn Prof. Rosin; er ist ln den verschiedensten Landesreilen, am ideal sten auf dem Wege freier Uebereinknnft in Westfalen und Rheinland, verwirklicht, und um die Anwendung dieses Gedankens zu empfehlen hätte es einer Bezugnahme auf Rosin ebenso wenig bedurft, wie diese Bezugnahme — das wurde ja in der Diskussion treffend hervorge hoben — sachlich und taktisch gerechtfertigt war. Sollte aber der an sich berechtigte Wunsch, das rückständige Frankfurter Getneindewahlrechi zu ändern, die Leiter des Zentralvereins dazu veranlassen, eine gesetzgeberische Aktion auf Grund des Rosinschen Entwurfes zu begünstigen, so wäre das ein höchst gefährliches Spiel mit dem Feiler. Wir sind überzeugt, daß eine solche Aenderung auch unter den heutigen Rechtsver hältniffen bei geeignetent Vorgehen erreicht tverden kann, ohne daß darum durch ein scheinbar Harm loses Liebäugeln mit den Rosin'schen Ketten und Knebeln für die gattzc preußische Fndcnheit die Gefahr einer Obcrratsversaffung heraufbeschwore» tverden muß. Erfreulich ist jedenfalls, daß diese Gefahr durch die frühzeitige Veröffentlichung des Ent wurfs, deren Bedeutung auch der erste Referent im Z^ntraiverein dankbar anerkannte, itnd durch die zuerst einsetzeitde kräftige Gegenaktion der Gesetzestreuen an unmittelbarer Schärfe doch ivescntlich verloren hat. :*־. * * Die öefeiiichafrsreiie nach dem heiligen Lande. Am 22. Sktober nimmt die vom Wiener Zionistischen Zentralverein vorbereitete Gesell ^chaftsreise nach dem heiligen Lande ihren Anfang. Das Pflichtenleben und vor allem das Gebet des gesetzestreuen Juden sind eit» unzerreißbares Band, das auch in Golns sein Fühlen und Denken an den geheiligten Boden der jüdischen Volkoheimat knüpft, und es wird gewiß gar mancher, der die großen Kosten einer Eiuzelreise zu schellen gehabt hätte, freudig die (Gelegenheit wahrnehmen, durch eine Veranstaltnng lvic die vorliegende mit geringeren Opfern einen lange gehegten Wunsch betriedigen zu können. Tie Gegeinvart macht es doppelt wünschenswert, daß weiteren Kreisen der Fudenheir durch die Ein-! richrung der Gesellschaftsreisen eure Fahrt nach dem heiligen Lailde nach Möglichkeit erleichtert tvird. 'Namentlich ist es notwendig, daß gerade das gesetzestreue jüdische Publikum über die Verhältnisse der Juden, die iil Jerusalem und deil palästiuensicheil ilolonieit ansässig sind, klarere Vorstellungen erhält, als sie bisher geherrscht haben, lind mau darf ertvarten, daß die Teiluehmer au der Veranstaltung in erster Linie diesen praktischen Gesichtspunkt als Zweck ihrer Feuilleton. bocltreitssrste und Grauungs■ fclcrlicbkcitcti einst und jetrt. Wenn hie ,,eit bod» geht, wie s hei tebei vodt;(eit her ,'«111 ift. nnh man ueranitaUel ein Feit. um hie vaidi hahut rautdienbe;(eit an ihren Fittichen teit u> halten, hann drangt einem eine iatdie ,Vitfcter mehr als her ge roöbnlidie Wan# des taglidien Vcbeitc hie lleber\eugung hai'un aut. wie tieft bodt hie ׳(etten geändert iHtbett. Tie rmidmumhenc;teil braudtt deshalb auch nicht hie beste gewesen und hie gegenwärtige noch weniger hie schlechteste tu sein. Sie mögen beide ihr Vicht nnh ihren Schatten Itaben. 21 her es nt hoch gut iidt darüber klar zu werden. Denn es liegt tiigtich hoch in unserer Macht das Vidtt und hen Schatten nullt uut richtig zu verteile», iondern sogar tu ickatsen und tu bctcitiacn. Denn darüber hart man »dt nidtt tätlichen, wenn hie ,;eiten wirklich anders geworden und so und ne es wesentlich heebalb weil auch die M enichen anders ge worden nnd Die Menschen von heute und die ans den 'ieiren. .als der Wrvßvater hie Wrofttnuttrr treue mögen hinsichtlich ihrer Tugenden und ihrer Vastern. ihrer menschlich schwadien nnd starken Seiten, sowie in anderen Momenten btetelbeu g! blühen jem, imgegrn in :Hüdüctit ihres Urteils über Wut und Bos, über Won. Welt und unsere Ausgaben u, derselben haben hie Menschen von beute andere Anschauungen als es in jener ,geil der Fall war. Wenn unsere Hochzeitsfeterltchkeuen beute anders sind als in (ruberer Zeit, io kommt dies banvtsächltdi davon her. daß die Bräute und die Bräutigame im Berein mit den Hochreusgästen anders gesinnt und, anders henken, über vieles und vor allem über Ehe, Hochzeit und was hat» gehört, andere ׳Ansichten bähen, als es trüber der Fall tvar. Untere Allvordern wußten es ganz genau und wer in ihrem Sinne denkt und lebt weiß es and! heute noch, martutt Bräutigam und Braut unter die Ebnppo treten, daß es lediglich deshalb gesdnehl, um mit Wründung eines Hauses tmd StiNuug einer Familie das erste an die Mentdiben gerichtete Wonesgeteh durdi den Vebenshuitd tu ertüllen, der am Hochzensiage geschlossen wird. Die Ertüllung dieser 'Pflicht war wohl zu kemer Zeit eine leichte, vom ersten Mensckenpaare an. denen Bund von Won seihet tut Eden geschlossen wurde, um außerhalb desselben unter dem Dornen und Distelfluch tortget'eyt zu werden, der dte Erde betroneu batte, bis aut den beut, gen Tag. Die Vtebe und Zärtlichkeit von Ettern und Wesckwistern, von Freunden und Berwandten wandelt noch beute jeden Hochzeitstag in ein vergnügtes Eden tun und deckt mit Btuinen und Mbnen. imt Antmerksamkeiten und We schenken einen duttigen Schleier über die Dornen und Diiieln. die draußen wuchern und von denen noch kein Paar verschont geblieben. 2lber das ,unge Murr soll durch diese Beranstaltungen nicht iiber den Ernst des Lebens hinweg getäuscht werden. Die Scherben ru Fünen der '.'»ertbermabltert in der T rauungssiunde, die Asche, die >n vergangener Zeit aut dem Haupte des Bräutigams auch in der gehobensten Freude des Lebens diesem Wedanken Irenen Ausdruck verlieb, bezeugen es. Ihre HochzeNsfreude ßel>> jedoch io hoch, schwebt so rein über allen Miseren des Lebens, daß sie von timen nicht erreicht werden kann. Sie siebt tut Dienste Wortes, steht in der ErsnUung^trines ersten Wescves. Fe inniger, je beglückender diese Freude ist, um so weutger braucht sie zu erröten. Die jungen Leute unter der Ebnppo wissen,!e mehr sie ׳ich lieber!1 ׳? fester sie das Band schürzen, das sie für s Leben bindet, je glücklicher sie durch diese Berbtndung werden, daß »c um so sicherer, nur so gewisieultaster den Willen Wones ertüllen, der sein Bolk Fsrael durch Elnippv und Sriddi! schin gebeitigt bat. Wenn Heiligkeit die rückhaltlose Bereitwilligkeit >ü kampflos den Willen Wmteo tvie den eignen zu erfüllen, so flieht es vielleicht ferne zweite Mizwo bei welcher der eigne nnd götNiche Wille so vollkommen zutammerrsällt. als eben bei dieser Mizwo. Wer daher diese Pflicht mit der rechten Grsinnung erfüllt, der kennt nichts Böses, der türdttet keine Dornen und Dtsietn. Sie vertieren vor dieser Wesinnung ihren Stachel. Der Möglichkeit, nach dem Willen Woktes dura! Ektuppo und sitdduschtn verbunden ein Haus gründen zu können, gilt daher die Freude des Hochzeitstages. Deohalb kennt die Weisbeit der Weisen wenig Berdiensiltchrrcs als diese Freude von Bräutigam und Braut zu teilen, zu wirken und zu fördern. Denit ihre BembeN, weiaK die sinnlich'te Seite des Bienschen weiht und göttlich der klärt, wirst einen Befler aut alle, die in ihren treten. Mn dieser Freude 11» Herzen, welche aus allot P)i1*n>*n רז ו. treten ^vcut unb irntcY vfk Ebnppo. Diese Freude ztt beleben und zu beben tsi der Zweck der ganzen Hochzettstkicr. Wochen und Monate vor der Hochzeit war für Brau

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