Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 41 (16.10.1906)
- Date
- 1906-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9890664--0795-7375283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rr. 40. Sfiir 4. X-fv ,Israelit. Folge flcfeirvt. Und so ist im «Grunde di? Seelen, stimmung bc<s Juden stet» die gleiche: ״In der Freude ernsthaft, In! Ernste freudig." Ullnterabende auf dem Lande. de» großen StäMni rüsten die Vereine, die sick! im Sommerhalbjahr ,seriell gegönnt hatten, zur Wiedcransnnlimc ihrer (Geistesarbeit. Da werden Bortrage gehalten, es wird gelesen, die Bibliothek uiivb rviedcr benutzt — nnd wenn altjndischer Geist de! Berein, seine Ber ivaltung nnd seine Mitglieder beseelt, dann ivird anch sogar ״gelernt". Gicht es doch, ,oenii auch vereinzelt, benre noch Stätten in Deutschland, an denen i»! Sinter wie ini Sommer, \u Viack» Zeiten, nnd auch in Tagesstunde» das Ttndinm der Tbora unvrrdrosfeu gepflegt und gefördert wird. Wie nebl es aber «ur dein Van de dainit ans? Kaum, dag sich noch vereinzelt jemand fände, der befähigt iväre, etivas zu ״lernen." Der Mangel daran wurde anch dort empsnnden nnd, »in einen vermeintlichen Erlab;» schassen, versuchte man, wenigstens in mittelgroüeu Blähen, ,vie in de» grofte > Städten ״Littermm vereine״ zu gründe?!. Das; aber ,,das "eben nicht tür eine Wissenschaft geivonnen" iverden kann, inen» dieie Wissenschaft nicht das Leben zu gewinnen vermag, das ist die Erkennt nis, ivelche die Vitteraliirvereine allerorten gereift habe!!, Sie;!ehe!! nicht mehr. Es gibt eben keinen Eeiap für Tlianroh. Man hat allmählich eingeieben, das; diese Bereinc denn doch nicht die ״,Tonsepiiiig der alten Talmud Hochschulen" bilden. VI 1!t das Leben vermochte» sie keinen Eintlnft zu üben,!veil sie sich nicht »in dem Leben anseinandersehteii. ״... Vlni!velchem Äcker der Flachs geivachsen, aus ivelche!» das Leintuch" irgend eines hervorragenden Mannes — ״gewebt, welckxs 2dmf die Wolle getragen, aus!velchem das Bartuch verfertigt, und in ivelche!» Fahr die Vlinnie der Spinnerin geboren, die den Faden zu beiden! gesponiien — das. meistens!!ich!s rnebr als das, :raren die grauen ,Tragen, aus deren Lösung sich die ״.,Wissenschaft des Judentums"" bislang iine Lorbeeren ge pflückt" — und nur können lnnznsetze»? und die ch'edner der Villeraiurvereine sich znincist die ihren suchten. . Wer in aller Weit, von allen lebenden Richtungen der wirklichen wahrhaftigen Indenbeir häkle mit dieser jüdischen Wissenschaft envas zu tun. ivelche lebendige Partei der zer {lüfteten F»deul׳,e!r sollte diese Wissenschaft zur Begleiterin durchs Leben und zur Erzieherin nnd Bildnerin ihrer Jugend bei sich heimisch machen?" Was Samson Raphael Hirsch da im Edeschwan;22<)<־ Oktober UKZl >, also vor genau fünf und vierzig Jahren, über die ״Wissenschaft des Indentrnns" ichiieb, das gilt im Allgenieinen — mir seltenen Ausnahmen — von deren volkstümlichen Bcrkündern, den Litteratnrvcreincn. In der Tal, ivic kann man sich an diesen Stätten ehr iicheriveise dazu ausschwingen, die Todestage von Männern, »vie Mo׳es Heu Maimvn nnd R. Lalomon Iizchaki Raschi zu feiern? -Hat man denn je dem Pilbliknin etwas mehr von ihnen erzählt, als von ihren änszern Lebcnsverhältniisen nnd Schicksalen? .Höchstens har man von Maimviiides die philosophischen Schriften — wie oft völlig miftdentet! — nnd seine kleinereu 'Broschüren erlvähnt. Ha! man nicht geradezu das Lebenswerk dieses Meisters ״Iad Hachasakah" den Inhörern unterschlagen? Und!venn man es anszäklre, bat!»an den» Bolk nur einen Blick ans einen.״ Din" dieses fast übermenschlichen Werkes zu rnn geivährt, das den Auszug ans allen ge ׳etzlichen Teilen des Talmud darstellt? Hat inan es nur einmal versucht, an der Han'd nur eines Kapitels dieses groftarligcn Gesepbnches die Gegenwart den Hauch des Judentums spüren zr> lassen? Einen ,.!u! wo!« rduhaniiiu“ har 11!״״ ihnen gemacht, den beiden Geistes׳׳«׳.׳!!׳!: in Israel, hat sie darin ehrend zn Rittern der ״Moreiul" — modernen Stils? — geschlagen!! nnd hat sie so für tot erklärt. Sie tot und ihr Werk ror, der Bergangenheik an gehörend, über holt, überwunden, »ur de» Wert der Antike dar stellend! Almtc nur das arme, betrogene Bolk,!vie lebendig, ivie graft diese Heroen unter uns leben, mit welcher Fiigendkrait sie, unsichtbar, ihrem Bolk vvransschreiien, einer glanzvollen Inknnsl entgegen, anerkannt und gefeiert von den Bölkern, angeftannt in ihrem erhabene» Idealismus, verehr! )vegen ihrer hnmanen Denkweise, nachgcahmt!vegen ihrer sozialen Lebenseinrichtnng, gerühmt!vegen ihrer Geisteskraft, mit der sie in die Erkennniis des einig lebenden Gorres Wortes eiugedrungcn sind! Das jüdische Bolk inüftte sich ja ansraffen, müntc feine angeblichen Führer zum Fortschritt, —die Jesajas anders betitelt bestürmen, sie in die Enge treiben, sie sollten doch einmal ans einem Gesetz uns beiveiscn, ivieso die Talmudblärter vergilben müssen nnd der R'ambam in die Rnmpelkammer gehört. Und »venu dem!0 wäre, ivarnm begebt man denn die Tage seines Gedenkens, ivarnin läszt man die Toten nicht ruhen lind ivühlt in den Gräbern ihrer fferblickten Ueberreffe? Man an׳ Markus 'Bär, dem der Ern't ׳einer Jugend keine Feit zur fröhlichen Lorglongkcit gelassen halte. Die bci'en jungen Leine galten bald für unzertrennlich nnd hauen mancherlei mutwillige Vieckerc! deswegen anszubalten. Als Markus Bär in ׳eine Wohnnng kam. die an׳ derselben Etage ivie Taniieiibcrgs ivar, ׳'and er diesen schon ifinrv ן;חוyt','!!Jv ״Ra, was Itnü Du Tiigendlamin denn ansgc'rrsscn. das; Di, ins Vlllerheiligste beschiedcn wurden?״ Bär erzählte das Angebot. ״Natürlich »iiiin!» du an. Aus de!; Tier gartcnjnden besonders die'es Kalibers kannst Dn Dein ganzes Suidinm beransschlagen" riet Dannenberg aus. Der andere nannte »eine Bedenken, seine mangelnde Sicherheit 'an׳ Groft'tadlvarkett nnd auch »!ich! genügende Erfahrungen bei jungen Mädchen. ״Ack, was. dem Mädel »virff D» rasch genug imponieren, gib Dick! nur, ivie Dn bi», und be bandle »c als vernünftige» Mensche», Fch kenne die Pme dem Vi'amen nach; ei» früherer College bat sie auch unterrichtet,!nachte ihr dabc! die Konr, sanndicke .Komplimente, beivundertc ihre kolossale Allgemeinbildung .׳e. Was meinst, was das schneidige Ding nach einigen Stunden tat? Als er »!jeder beim schönsten Pbra'endrechseln war.guckte sie ihn von oben bis unten an. ,.Herr' Doktor, ich onchlk bc» Fimen 'Belehrung zu »,!den für vieles, was ick! nicht weift. Da Sic aber jel» einige Stunden nur nötig halten, »in! »»»;׳»! W.ffcn zn bewundern, liegt rvohl ans Ihrer Seite ein Irrnun bezüglich des Iiveckes dieser Stunden vor. Fck, möchte deshalb Fhre kostbare Zeit »ick» ver schivcndcii." Svrach's, »and ans und vcrschivand mir einer Berbengiing. Der Barer versüftre ^tp v!cbf!!־Mtn!vb!qfcir ^י־י^י■ J'iivc*» einen blauen Schein, kannst Dir denken, ivie der Fatzke Wut schnaubte und in! erneu Aerger die Geschichte erzählte. Er batte bisher mit!einer schönen ,Trabe gerade bei 'Backmch.׳n immer Dusel. '.*״!, ge:!;!!:»!:de er genüg. Ich glaube, das; er deshalb von liier׳ortging." Bär sah den Freund nnenlschloffen an. ״Dn, verlockend ist Deine Erzählung gerade nicht", meinte er, ״also Enislns; scheint au׳ das ,T-ränlein niemand zn haben, da der Baker ihr »o etwas dnrckiläftt. Wenn sie nur nun auch!0 etwas!nacht?" ״Dir macht ffe es aber nicht, ne!vill nur vernünftig behandelt!:׳erden", schrie Tannenberg, der den! Freund die glänzenden Einnabnien!vünschtc, die ihn mir eins aller Sorgen cinhohen. nnd der ihm auch die Fähigkeit zu diesen! Unterricht zurranre." ״Via ja, sei nur ruhig, ich ,vills versuchen. Vinn aber rasch an die Arbeit." Bald saften die Freunde über den Büchern nnd vergas«?,! in der Freude an, Lerne» alles andere. Fortsetzung folgt.) I^Lkwlicr K.!>0 fühlt es eben: ״Die ich ries die (Reiftet* werd ich nun nicht los". Das Bolk, dem - man feine Tbora entzogen, kann nun auch derer cmiateii, die es verraten haben. Man will es zurück' ritten — zu sich. Aber ein solches Wort übt keine Macht. In ungebrochener Kraft!virkt nur Gottes Wort, Ginge dieses ans, eS!vürde un gefilmte Wunder anch heute wirken. ״Inrück zur Thora, zurück zum jüdischen Leben"/ »väre ein Nus, der nicht »!!gehört verhallen!vürde — 7aber noch ffoften ihn die nicht ans, denen er selbst gar unbequem und zumeist recht ungelegen käme. Indes; ein jeder hat die Pflicht, in seiiicm kleinen Kreise mit seiner schwachen Stimme ihn vernehmen zn lassen Di׳ Tage, die wir eben verlebt, der Schofar, der uns so eindringlich gemahnt, der Jom Kippur, der ״ns zn Herzen gespromcn, die Snkkak, die uns Berrrauen ge schenkt, und der Lulow, der uns die Vlnsgaben, die >vir im Menschenverein zn lösen Hütte», in Erinnerung gebracht, sie »ollen erlebt, nick» ver lebt sein. Sie sind geschivnnden, sie seien aber nicht entschwunden. ״In! Tbora zurück, zurück zmii jüdischen Leben." Das haben sic in uns hineingernfen. Können nur dem Rine folge»׳ Wie sollen!vir zurück zur Thora gelangen? Wo wäre der Dolmetsch ihrer Sprache? Am'!:״•!!• Lande fn!d!:-!! gänzlich verlassen. Viedner, wie die Litteratnrvereine ne gewohnt »nd, besuchen uns »ick» und könneit uns nicht beniche». Wer aber vermag in!!»seren Kreisen in d,c ,Tluten des Talmud zn tauche», nns die Perlen zu fischen,!ver steigt in den Geistesschacht!»!!!er (Vroften, das Gold zn graben, >ver d.ntet, ja wer übersetzt uns nur des Propheten Wort, das; ihre 'Begeisterung unser Herz erwärme, ihr klares Vlnge anch nns seh ׳nd mache und uns das Urteil auch über unsere Gegeiuvart gestalten liefte, das;!vir erkennen deren Mängel und erfahren, wo der Hebel der Selbsthilfe des Bolkes an;»- setzen iväre? Wer lehrte nns anch mir den wöchentlichen 'Abschnitt übersetzen, das; wir die Sprache verstehen, die Gott mit »»seren Bäte!» und uns gesprochen, den Inhalt des 'Bundes erfahren, den Gort mir Miseren Bökern und mit nns ncidjloffcu? Viiiv gemach, Wa ei» Wille ist, da in ei» Weg. Inr Zeit der voltsnnnlrchen Berbreining alles Wissens hat anch die Thora einen '.ViittU'v geninden. der ihre Worte ■elhfi hnvtbm trage» könnte, ivo man ihrer Sprache leider nick» mehr kundig ist. Die Feder von Samson Raphael Hirsch hat dafür gesorgt, das; das Bolk der Thora, die Thora dem Bolk erhalten bliebe. Er har sie als ein grvftes Ganzes erraftt die müiidliäie nnd schriftliche Lehre und hat nachzndenken gestrebt und verstanden den tiefen Sinn, de» die mündlich.׳ Lehre als Inhalt der ׳christlichen uns erläutert. Früher war das Leben allein stark genug, da besiegte die nnentwegte Heilighaltnng allein der (Gebote jede» Hohn, jeden Vlbenvitz »nd wies jeden Vlngriss schlagfertig ah durch die Lebenssührnng selbst. Heute rst's wohl!»ehr nick» ei» Kamps n 11t Worte, doch ei» Kamps >» Worten, den das Iiidcntui» zn führen ha!. Tic Schlange kleidet ihre Bersührinigsrede in den ׳Mantel der Philosophie. Da mnft Rede gegen Rede, (Kedanke gegen Gedanke stehen. Es in»'׳ die Fugend gegen jeden Bersnch, sie znm Ungeho!- sam gegen Gottes Wort zil verleiten, gefeit iverden. Sie mnft durchdrungen sein von der Wahrheit der Tatsache, das; Gott selbst die Thora de»! Bolk Israel gegeben hat, sie mnft die Erhaben beit ihrer Lehre im Licht des begrenzten inen'ch lickien Denkens verehren lernen, mnft bcgcinen sein, für ihre Lehren das Lebe» hinzngchen, dann vermag sie jüdischen und nichtjüdischen Vliuci» düngen die Spitze zu bieten. Das erkannt zu haben — zu rechter Je» — iff das Berdien» des groften Vlianncs, macht seine unsterbliche Be dentnng in der Geschichte aus, die die Thora zu durchrvandern halte. So nehmt denn seine Schriften zur Hand. Le׳er sie in eurem.Heim allein, leset sie in geselligen Iwaniinenknnsten. Vcehmt seine Erklärung zum Wochen Abschnitt run zu verstehen, ivas zu dem 'stvock verstanden zu iverden, aus der Tbora verlesen