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Der Israelit · 1906-10-16 · 41 (16.10.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
41 (16.10.1906)
Date
1906-10-16
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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2. Jahrgang. M II. üdiechcr Volksfreimd t« Msnstz-keilsge zum 3$״raelit‘ ,Verantwortlich« Redaktion! Rabbiner Dr. B. (üolf in Köln. Post festnm. Eine itmmfefte Brücke ocrhiitbet den Eienden! gipse! des herrlichsten jüdischen festes mit der! Riedere des alltäglichen Gehens. Ein einziger Tag schasst diese Bcrbindunq fran der Bestin,- mung, ivcicher er ,ei» Taiein verdankt. Und diese Bestimmung> Keine andere eben als das sammeln der Gedanken, welche der Sonnen srrah! des festes in!!nserer Br׳.!st geweckt, die! Entschließung, sie als frohe Saal in den Acker! des tätigen Gebens zu streuen.! Tkiiem Tage verdankt der ^nde sein heiteres! Gemüt. 2V0 bliebe nach all den herrlichen Tagen! die ,Treude, tventi ihr wahrer Kern nicht unser bleibendes Eigentum zu werden vermöchte' Das ,Test ist vorüber, mit seiner Herrlichkeit hat es ' den letzten Glan; des Sonnners ins Grab ge zogen, der eisige Winter sendet seine ersten Boten, ן in der ganzen Zeit des Sturmes und der Kälte ■ kern einziges Jyeft ־ ־־ das .Hetz würde verzagen, j wenn jener Tag cs nicht aut seinen Tittich nähme ' »nd mit der deutlichen Sprache seiner Beitim mung zu ihm redete: Unvergänglich in das Test, i wenn Tu es in Tir zu bergen verstehst. Wen > der Geist des Testtages dauernd miillt, denen : Vebenstage sind allesamt Triertage, weil sie nur der Pflichterfüllung dienen, und diese nur echte l Trcude im Gefolge hat. — Zwei Röhren waren an dem Altäre angc : bracht. Bon ihnen diente eine zur Ausnahme der Wasscrspcude, die andere für־ das Gnßopfer des Weines. Wein und Wasser Nellen aber die Gegensätze dar, die dem Gemme zu eigen sind. Zm Weine erblicken wir die Trcude, im Waner den Ernst des gebend. Ta in es so recht be zeichnend, daß der Wein das ganze Zadr h!n . durch dir Altarspendc bildet - die Trende soll ausnahmslos jeden Tag beherrschen , während j die WaNertvend,׳ nur rmi Sntkothseste an den! Tagen der ge hoben Neu Trende dem Altäre! dargereichr rvird. Z׳i hier nicht der G,n״dp!e1ler jener Briicke, »velche die göttliche Weisheit zwischen! den idealen TeNtagen »nd der realen Wirklichkeit! errichtet hat'-י <^en׳!ß' Vanet die Wogen des! Testes nicht in überinütigein Tnnnni dnhinrau>chen, - seiet ernst in der Trende, dann bleibet ihr srendig int Ernste! Tie große Welt hat freilich tiir diese Tauer Hastigkeit der Trende kein Berständnis, iveil sie kein Pslichtbewußtscin vor ihrem Sckiöpser besitzt. Tein Hohne ihrer Umgebung sehen sich die: ״Viaiven" vreisgegeben. welche an eine Bereini gnng des Ernstes und der Trende glauben utid dahin streben, sie in ihren, ertemiiti• und in ihren,! Veben in der /ynnifltt*, im Treundschasts nnd; (Kcichäftsverkehr zu verwirklichen. j Unsere Weisen. ivciche der Grundsliinmung! des jüdischen Gemütes so gerne bildlichen Ans׳! druck verleihen, haben auch diesen Gegensatz des ״heiteren Ernstes" zu der En>psindu»g der iveiten . Kreise der B!e!!schhe!t!!! einer geistreichen Tar ׳ stcllnng vereinigt. > Sie sagen: Als König Tavid den Altargrnnd I anshöhlte, in ivelchen die erivähnten Röhren zu sammenlausci! sollten, da sei die Wasserflut des Ebaos hervorgebrochkii nnd habe gedroht, die 'Welt zu überfchwcn»nen. Tieie T>ut it't der An stnrni der gottvergessenen Zeit gegen den ״Aber Witz" der ״Troninikii", die den ״höchsten" jü dischen Teiertag ohne rauschenden Prunk, mit würdevoller (Kelasseubeit begeben — und an Werktagen die Arbeit durch!deale Ziele ade!!!. Tieie Zeit kennt!a nur die Zwaiigsiacke der Arbeit, die!dr der Kamp' n!ns Tase!n tmr farm ausgelassener, sinnenberanschender Treuden. Wie? An, Treudentage ״bete»' oder gar ״ler1׳en"> — Tbr raubt ihm >a!eine herrlichste Tr»,tu das Beranüaen? — Tder geichä»!!!,!,? Tätigkeit aus die ideale Stute eines gottdienenden Mittels heben auch in! G-.-ichuste ״srvilin! sein und dadurch die Arbeit zu ciner ׳reudigen Berrichtiing gestalten^ Mit solchen Ansichten haltet ihr die ׳Welt in ihrem Tortschritte aut' So ivricht die Z,r1t — so richtete sie sich gegen den königlichcn Heros!üdiichen Gentes, als er im Begriüc üand, der Bereinigung des Ernues nnd der Trende eine sinnbildliche Stätte zu errichten. Allein' Ter Tavidsgein ivar seiner Zeit!!»! Tahrtauiende voraus Er beschwichtigte das «'s« rede d s Zeitgeistes, indem er wie das Bild der Weise״, .i-euer malt eine uut den! 'Gottes nainen veriehene irdene Scherbe in die Tlut hin einivart', welche sich gegen sein Borhaben zum Wioernaiidr erhoben halte. Tes Ratirls Vvning beneht eben m der Turchdr!ngn»g aller irdischen Z,!!stände und Berhälttiine Mit dem Willen des Schövt'ers, denen Ersüllung er »ns zur Berherr lichung ׳eines Batucus geboten. Auch die irdene Sclierbe, das winzigste irdische (K״!, ividerstekt der Geniln einer ihn, entgegengesetzten Zeit itrömung, ivenn es in göttlichem Sinne venvaltet ivird Rn, das «Köttlick»e verleibt wahre Trende. der gottdienende Werktag, dem >vir nun Monde lang entgegengehen, nicht minder als die gehobenen Tage des Tones, die wir soeben in io schneller Maa;5et. 1 rt.nrM*rh11nrt l Zbre etwas beschränkte Mutter läßt sich durch das gebildete Töchterche» imponieren, und auch der Bater ist nicht genügend vertraut mit den modernen Schlagivörter», »in ihr die Hohlheit ihrer Anschauung zu beweisen. Tie Verne sind!ehr brave Tohudini, stninnien aus ganz kleinen Berhältnissen:>»d haben es durch Glückställe. aber auch durch ihren Tleiß zu ihrem Berinögen gebracht, ,zch erzähle 1ד11!(1\'י das absichtlich, damit Sie klar ׳ehe». Vetcht ist die Stelle nicht. Ter bisherige Vehrer, der die T"»gkn gut sörderte, versagte bei der Tochter, die de»! Bater gerade die Hauptsorge in. Tie Bezahlung der Stnnden in glänzend." Ter Rektor blickte seinen Zuhörer an. ״Gestatten Sie, daß ich es bis morgen über lege, die hiesigen Bechältnisse ünd mir ziemlich sreind, ich möchte deswegen mit Kollege Tannen berg besprechen, ob meine Tahigkeiten als Vehrer junger Mädchen ausreichen,״ erwiderre Bär. ״Geivig, sagen Sie mir morgen Bescheid." Ter Rektor erhob sich, und Bär glaubte nch entlassen. ״Halten Sie einen Augenblick Platz, meine Trau bedauerte nämlich sehr, Ihren ersten Besuch versäumt zu Habens vielleicht kann ich Sie jetzt vorstellen." Ter junge Mann war nicht wenig ernannt über dieses sreniidschgstliche Entgegenkoinineu des R'erivrs. Ta kan, dieser schon ohne seine Gatt!:! zurück. ״Meine Trau in ausgegangen, ich hone Sie aber recht bald ivieder zu ׳ehe»." Bar dankte Mit׳ die sreundlichc Aunor dernug und ginn. Zetzt iiel ihm erst ei», daß sei» treuer Trennd in der Heimat durch venvandttchastliche Bande dem i^au'e des Rektors verknüpft ivar, alto ivar es ivieder die walnhast väterliche (Küte des na sorgenden Velners, die ihm die We,e ebnete. Tnimer wieder gelobte er sich!»! Stille», dieser Treundichast nch würdig zu erweisen. Ter kurze Ausciitlialt in der Gros,nadt hatte ihm mehr Vedenstcnntiiis gegeben, als es lange Tabre in der Heitnät vermocht hätten. Er 1v»mte, das; die; inannigsacheii Bert uchun gen der Grvßstadt incncch eine» bisher »nlich niakellosen Menschen zu Talle gebrachtdaß die glänzende Beredsamkeit! viele, ltniversilätsiehlec nichi ganz Gesestiglen den (Klauben an die heilige lleberlieserung er schültern konnte, tvenu nicht ein treuer Treund den Gleitenden die Hohlheit der schön klingenden Worte nachwies nnd zeigte, ivie ein gestern noch in den Himmel gehobenes ShNeiu de, ״Wahrheit-" j beule durch noch absolutere ״Wahrheit" ver ' morsen wurde. Er war durch den Rabbiner ge j warnt worden nnd war von vornherein geivappnet, nch nicht blenden zu lassen, aber er!'ad, ivie es and«-׳!׳ ging, besonders ׳olchen, die niemals wahre Tröniinigkeit mit der sogenannten modernen Bil düng vereint gesehen hatten. Sie erkannten nicht die Veen׳ oer hohlen Törin und suhlten »ich mit ihren bisherigen Anschauungen veraltet. Bär batte mit siche,ein T""l»kt die Kollegen heraus gesunden, die gleich ihm dachten,!ind besonder einem wenige Leinener älteren, Tannenbetg au-' Baden, batte er nch schnell angeschlossen. Tic'es stammte von wohlhabenden Eltern, die nolz warenr daß der einzige Sohn den Berns eines Rabbiners, ergreisen wollte. Er war in einer größeren Knabenpension erzogen und dankte es wohl Haupt sächlich seiner gesunden Ratnr, daß er durchaus unverdorben durch deu 2*r,kehr geblieben ivar. Es ivaren dort auch Hochtchüler, angehende Künstler, die gern vor den lüngeren Knaben ihre -Halbbildung auskraniten. Tannenberg ließ sich schon damals nicht imponieren, er sühlte die :!*er worrenbeit der Begrtne und hielt nch zurück. Toch brachte er durch die'e Pensionsbrüder Erfahrungen mit, die ihm zugute kamen. Tie (Kroßstadt genel ihm als zeitiveiliger Ausenthalt, doch sein Zu kunststraum irmr es, möglichst tu der -Heimat riNkii WittiittgsktkiS ZU üiideii. Ei ivar itrtS munter und zu jedem Sckierz ausgelegt. Sein heiteres, jugendlich irisches -Veten wirkte günstig

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