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Der Israelit · 1906-10-03 · 40 (3.10.1906) · p. Seite 18

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
40 (3.10.1906)
Date
1906-10-03
Page
Seite 18 (sequence 19)
Language
German
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Sette 18.!Wr. 40 Vehverberttf, wenigstens bev eines ReligionSlehrers, ״octi innner nicht seinen Mann ernährt. Dabei verwllen sie .zuweilen auf recht unpassende ׳?lebenbeschäftigungen. (Gerade dieser Umstand ist es aber, der daS Ansehen des jüdischen Kehrers in den Augen seiner (Gemeinde, seiner Lchüler und noch mehr bei seinen christlichen Mitbürgern schädigt. Und nicht bl oft das Anselie!« allein leidet Einbusze» auch der Berus leidet oft not, denn der Lehrer musz häufig aus Kosten des «Keschästs mannes, die Lehrtätigkeit ans Rcchnung der Ge schäststätigkeit zurücktreten. Anders verhält cs nch mit dem Karten׳ und Obstbaudas wird ihm gar nicht als Redende schastignng sondern als eine zum Berufe ge hörende Tätigkeit angerechnet, Tan alle chrinlicken Kollegen ans dem Lande betreiben etwas ,Feldbau, B" vielen -Staaten ivird es sogar von der Regierung nicht nur gerne gesehen, sondern auch nurerstüpl. Lo wird in den bäurischen Lemmanen Kartbivirtschastk'.'.nde als obligatorischer UnterrichtSgegenttand gelehrt; in Bauern ist auch bei >eder Lchiile ein so genannter Industrie garten, der von dem Kehrer selbst bestellt werden mnsz und voit dessen ordnuugsiliäszigeui ׳Instand sich die vorgcschte Behörde durch besondere B11 spekroren überzeugt. Auch in Hessen ividmcn nch die Bolksichullehrer vielfach laudivirtschastlicheu Bernsen, sie stehe» häuttg an der Lpihe der «Ke slügelzucht, hinter und Dbstbauvercinc und er zielen durch ihre Nebenbeschäftigung nicht nur pekuniäre Erfolge, sondern ernten auch noch Anerkennung von oben. Der jüdische Kehrer ivird deshalb in der Achtung seiner Umgebung nur neigen, ivenu er es seinen christlichen Kollegen gleich int. Der Vaiibinnim sieht es >a gar zu gern, ivenu der Kehrer mit Harke und Schippe nmzugcheu weisz und ivenu er cs versteht, dein Boden ,Früchte abzngcwiiiiicn. D!c vorgeschlagene Nebenbeschäftigung kann auch im «Kegenfah zu den bisher üblichen bei dein Hause oder mindestens in der Nähe desselben, früh iuorgcuS oder spät abends betrieben, sic kann ikdcrzcit aufgeuominen und iveiiii die Pflicht ru»!, jeden Angenblitt unterbrochen werden. Lie stärkt überdies Muskeln und Knochen, niachl schanens'roh und lebensiuutig, ist eine köstliche Erholung nach des Tages Arbeit und eine sichere Llärkung für des Berufes Kan und Blühe. Lie übr aber auch einen wohltätigen Eint!ns; auf!Kein und Gemüt aus. Wenn wir den Lamcn in die Erde legen, wemi die Laar ausgeht, iveun das Pflänzchen, der junge Baum unter der hin gebenden ׳pflege und Lorgfalt civporwächn ilnd herrlich gedeiht, ivenu allüberall ein Keimen und Lpronen, ein Knospen utid Blühen beginnt, dag das Auge all die Bracht und Herrlichkeit kaum zu fassen vermag, iveun ivir «Kotles Allmacht und «Kröge auch im kleinsten Pflänzchen beob achten können, da entlockt sich unserer Brust der Ausruf:רה רבי ד עשי י ך ה׳ גלם ::הנדה עש* ה :ולאה: 1..ן. v* הא lliid crn die Treude beim Ernten Wenn ivir die ersten reisen Beeren vom Lkrauck, die erneu ,Trückne vom Banni pflücken und geniesten, wenn die ernen «Kemüsc aus unscrei» «Korten auf den Tüch konimcn, mit ivelch innigem «Kefütile sprechen ivir daun dem Lchöpfer den Dank aus: ,»»•*»»»»»י רייי• •*ך 1 י - ן ' "י * -> M ״ן ‘י - Ml w Da sind so naheliegend die nioralischen An rcgungen und die Mahnling auch ein geduldiger, hingehender «Kärrner in der Lchule zu sein, auch l»1 Weinberg des Herrn nnsere Pflicht geivinenhalt auszuübeit, damit auch da unsere Aussaat herrliche ,vrlichie trage. A bei auch pekuniär gewinnbringend kann der «Karten und Cbftbiiu werden, wenn er rationell betrieben ivird. ^11 vielen «Ke ineiudci! nt ailper der freien Wohnung geivohulich auch ein de», Keiner zur Bersügnng stehender «Karlen vorhanden. Wo das nicht der Ball in, nndet sich aui dein Kaude 1a«i überall «Kclcgcnhctt ein gecigne.es Ltück Kaub zu pachten oder zu kaufen. Kehteres in ettt^tiicdcn vorzuzielien, da alle Meliorationen, die wir vorncliincu, uns stets zu gut loiiiiiien, während mau bei der Pacht oit Der Israelit. Bedenken trägt, mehr zu investieren als unbedingt nötig ist. ^ch möchte auch darauf Hinweisen, dag verschiedene jüdische Gesellschaften deni Ankauf solcher Gärten oder die Neuanlage derselben durch Gewährung niedrig zu'.' verzinsende״ Kapitals unterstüpen. Wenn nun auch vor allein Kust und Kiebe nötig sind, ׳.:!!! einen gedeihlichen Erfolg zu er zielen, so und doch auch einige Kenn tili sic unentbehrlich. Diese kann man sich aber sehr leicht aneiquen. Bor allem gilt es auch hier, den Ausspruch unserer Weisen zu beachten: איזהו חנט ־לוטי־ :רנל ארם ^cder Kandwirt ist freudig überrascht, wenu er bei dem jüdischen Kehrer Interesse für den Kandbau wahriiiminl und er steht ihm gern mit Rat und Ta! zur Leite. Es ist gar nicht nötig zu erperimenlieren, denn a״s Lchritt und Tritt kann mau Erfahrung sammein und Belehrung schöpfen über die beste Beziiasauelle für Lame», über die geeignetste Beil tür Lacu und Pslauzen, über die richtige Auswahl der Lorten, kurz über alles, was zu einem richtigen Gärrncreibetricb nötig ist. Budem gibt es sehr belehrende ,vachzeitschriftem ivie z. B. ,,Der piaktiiilieckiatgeber 1111 Cblt und «Kartellbau" und die;-^nbl der Kehrbüchcr ist Kegion. Bachvereine Indien fast auf jedem Dorfe das Berstäiidnis und das Interesse aus diesem «Kebietc zu fördern und Wauderreduer halten bc lehrende Borrräge. Da au den landivirtschaft lichen Lchuleu alle Bahre - ivöchige Kurse für «Karten und Obstbau abgehalten werde», so suche es der Kehrer zu eruivglickieii, an einein solchen teilzuuehüien. s>11 Baden veranstaltet bekanntlich der Lberrar für die jüdische» Kehier besondere lluterrichtskurse, was alle Aiierkennuiig verdient. Telbstverttäudlich uiusz auch der Kehrer als Gärtner pl a n in ästig verfahre». B«>uüchst musz er für den Hausbedarf sorgen, der vollständig aus dem eigeiieu «Karten gedeckt iverdeu kann. Dbst und «Kemüsc und ja der Ernährung und der Gesund heit besonders zuträglich und sollten deshalb aut unserem Tiiche täglich erscheiueu. Lchon dadurch wird viel «Keld im Haushalt erspart, z^ch kann aber aus eigener Erfahrung sprechen, iveun ich hinzusüge, dasz die Produkte unseres Kleines uns doppelt gut munden und ick, kann die Wahrheit eines Ausspruchs Rückens bestätigen: ״Den Kohl, den Du Dir selbst gebaut, Darfst Du nicht nach dem Marktpreis schähen; Du hatt ihn mit Deinem Lchweisze betaut, D i e Würze läszt sich durch nichts ersehen." Der Kehrer in also Produzent und Kousument in einer Person und er soll deshalb vor allem das nnpflauze'i, ivas er selbst im Haushalt veriverlen kaun und das sind so ziemlich alle Lorten von «Keniüseu. Aber auch für den Berkaut soll er arbeiten; sein «Karten soll ihm eine ivirkliche Eiunalmieauclle sein. Dafür eignen sich besonders Lpargel, Rhabarber und Lchwarzivurz. Die Lpargelzucht in allerdings schivierig, aber sehr lohnend und selbn guf dem Kaude finden sich dafür Käufer. Lchwarzivurz ist leichter zu ziehen und wird auf dem Markte gut bezahlt. Bkionders rentabel in der Anbau von Rhabarber. Es lvcrdcn Erträge erzielt, die deuen des Lpar gels gleichfoumicii und sie oft noch übcrtrcfsen. Dabei find die Anlagekosten geringer und die Ernte beginnt schon im zweiten Bahr. Der «Ke nusz des Rhabarber ivird ärztlicheiseirs sehr ei» pfohlen. Lchon »u Mai, oft noch früher, wo es noch an «Keniüseu fehlt, kann inan daraus ein ivohlschmeckendes Kvmpol oder «Kelee bereiten. Bck> beschränke ntich, soweit der Anbau von «Kemüse iu Bclrackit kommt, auf diese Augabcn, da ich nur eine Anregling geben loolltr und jedes bessere Kchrbuch für «Karteubau über die Renta bilität Auskunft erteilt. Dic B e e r e n o b ft k u I t u r in nicht nur cinträa lich, sondern bereitet auch Berguügeu. B» Betracht konuuen Erdbeeren, Liachelbeeren, Bbliannisbeeren und Hinibcereii. Um einige Beerensträucher zu pflau zcu, dazu nudet sich wohl bei den meinen Kehrers Wohnungen ein Plähckcn; und ne sind in ihrer Pflege lehr anspruchslos. B«'hannis und Liachelbeeren eigucu sich besonders zur Weinbereitung und dieser 8. Dktobrr 1 *hm: Beerenwein iit gesucht und gesund. B«k> kenne Kehrer, die sich nicht nur einen guten Haustrunk satt kostenfrei herstelleil, sondern noch jedes Bahr für einige hundert Mark Beerenwein verkaufen, ^u Anbetracht, dag er zuweilen einen Hump vor! ^raubenwein erhält, würde der vom jüdischen Kehrer bereitete gewiss bevorzugt werden. Ael,״- lich verhält es sich mir Himveersatt und Eisig i «Karanrie für ritiielle Bereitung bietet der jüdnchx Kehrer ivohl mehr als jeder andere Produzent. Rückständigkeit. Welche Cpfer unsere «Kemeiudeu im nrelalter bis in die neueste Beit für die Erhaltung ihrer Justitulionen brachten m>d auch jehr noch bringe», das ist jedem Kundigen bekannt. Balilen doch manche «Kemeiuden bis zu ."»«)«D» ver Liaais. steuern au Beiträgen für das Kulrusbudger! Der Reick,tum der Buben, am den der christliche Pöbel mit so groszem?ieid sah, ivar eigentlich gar »ie vorhanden. Das weisen die Lchahungsl,sten der alten jüdischen Gemeinden urkundlich »ach. Die jüngere «Keneratiou macht sich aber doch kanm einen richtigen Begriff, wie schiver es unseren Altvordern gefallen ift, die «Kemeindeeinrichtungen zu erhallen, Nahmen doch von 7? (Kenieindemitgliedern Briedbergs, -- um nur ein Beispiel anziisührei! — im ,'\11lnc 17'.7;: '1י das קד־א ־*בהא von der «Kemeinde. Dabei unterhielten ne einen Rabbiner, eine» הזן, einen שידש׳, einen הקי״ט Blann. zwei Torwächter, einen Lckmlenklop'er, sogar einen eigenen Rackuwächker niuszten sie besolden, von den Keiner», die ans Privatmitreln honorier: wurden» gar nicht;11 sprechen. Man kann ׳ich denken, dasz die «Kehälter zu jener Beit lehr niedrig ivareu. Der Rabbiner erhielt 18 Taler jährlich, dem cmsprechend war die Besoldung der anderen Beainten. Auch bei der vielfach ärmlichen Lebensweife und bei den geringe» Ansprüche» früherer Beilen reichte das nicht hin, eine Familie zu ernähren. Andererseits waren die «Kemeinden an der «Kreuze ihrer Leistungsfähigkeit äugelangt. Da verfiel man auf einen Ausweg: Bia» muszte doch ו^יבד: geben — und er wurde mit grofzer Pünklichkeit entrichtet! Da wandte mau einen Teil davon den armen Beamten zu. Auf וי־*ס .חנוכה .ראש היט:ה£, j» ׳.׳!«:! :והיה יי־ den alle bedacht, vom Rabbiner bis zum Lchuleuklvpfer. Ricmaud fand darin etwas Annösziges, im «Kegentcil, man ivar den edlen Lpeudern sehr dankbar. Die Beiten haben sich geändert. 'Wir können iu dieser Beziehung sagen: :׳׳;־ דש•:־ עהים. Wenn auch die kl ein en «Keiueiiidcn eine» Kampf um ihre Eristeuz führen, der Wohlstand ist tatsächlich gestiegen und mit ihm die Gehälter der Kultusbeamten. freilich ist cs eine ,Trage, ob sie Lchritt gehalten haben mir den total veränderten Beitverhälrnissen: die all gemeine Klage über unzurcicheudc Besoldung läszt den Lchlusz zu, dasz das nicht der ge wesen in. Aber nicht darüber wollen wir sprechen, sondern über eine Eigentümlichkeit der «Kehaltsverhältuisse uufcrer jüdischen Beamte», die geradezu anachronistisch erscheint. Was vor 1<K> B'tbrcn gut weil eine Notwendigkeit^ — war, ift heute mehr als anstöszig. Mein Ein kommen fehl sich zusammeu, sagte uns jüngil ein Kollege in einer groszen Gemeinde, aus :i Teilen: l. aus meinem festen Gehalt, '1. aus Kasualien, :5. aus דהנוה, aus deutsch Almosen. Die lehteren zerfallen wieder in solche, die in anständiger und solche, die in unanständiger ,Torm gegeben werden. kann aber die lehkercu auch nicht ganz entbehren, wenn ich einigermaf-en anständig leben will." Wie häufig kommt es vor, das! dem Kelirer oder Kantor, sogar in reckt groszeu und reichen Gemein den auf offener L trasze eine solche נוה:ה in die Hand gedrückt wird. Haben wir es dock selbst erlebt, daß sogar Rabbiner das Honorar für 7הושי^ oder eine «Krabrede auf gleiche Wei'e erhielten. Wie sehr die Annahme solcher «Kaden den Empfänger iu seinem Ausehcu heiabsetzt und seinen Ebarakter verdirbt, das bedenken die

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