Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton-Beilage zu Nr. P) des ״Fsraelit". ת.— ... ....v vuiiii»!! 111*1*«•*•± יו וו וו*• »M X#>* ^•ii^»nAavir^ 1H V . . M “ ־. rt V; :: :: T t Bon Arthur Kahn. 37 j Nachdruck vrrbolr». Ergriffen und ivehnintsvoll gestimnit, blickten Berez, Sprinz und tKatha», Zuliancns Gatte in das edle, vorn Mond beschienene Antlitz der ivic eure Seher!» auf die Begräbnisstätte blickenden Zrau, deren milde Angen das Mondlichk widerstrahlten, deren vor« einer edlen Begciste rung belebt ivaren. Älö sie dann lange schiveigend!veitergegangen ivaren, begann Berez, seine «dirittc verlang snmeud: ״yifber Lfatche ^Jatliau», du bist doch ein ge sche!ter Merrsch, der lernen sann, ivas hältst du vorn Clan! habbo ׳׳ ^cufcito■ ■?״ ״rm'oit ivcist ich nicht mehr, wie du selber״, erividene der Gefragte. ״Aber ich denke mir, wenn alle Menschen gegeneinander so gut und gerecht sein ivollten, ivic ne zueinander nichts nutzig und ungerecht sind, so hätten ivir das Zen seits schon hier." ״Das in keine Annvort", wies Berez die eben aue-aewrochenc Ansicht zurück. Statt ihres (Latten erg riss Uran Juliane das Won: ״Berez, mit unserem Fernand können wir die Zrage nach dem jenseits nimmer beantworten. Zch denke mir aber, dag es für daS viele, das hier, aut dieser Welt iveder belohnt noch beitratt wird und seit elvig so ungerecht verteilt, znge weildet oder entzogen wird, irgendwie und irgend wo wieder mit (Gerechtigkeit ausgeglichen ivird. Und!edentalls mnsz der Mensch io leben, dag wenn sein hicrieiliges Leben aushön, er bereits würdig geivorden ist, ein anderes, höheres und schöneres weilerzuleben. Za, ganz bestninrit >..ust etivas mehr von uns übrig bleiben, als ein paar Würmer und etwas Erde", fuhr Zrau Kahn iort, ״denn alles ivas schön, edel, erhaben in. uns über das .(körperliche, das Begreifbare erhebt, kann nickn von verächtlichen« Staub allein hcrrührcir. Der 'Fernand, der Forschergeist ergründet es nicht, der muf; stch tausend kleine '.'iotbuiifcit schassen, um das wenigste niir endlich zu begreifen. Und ivenn er es endlich notdürftig begrissen, da, aus einmal pastt es nicht mehr zur andern 'Wi'senschaft. Also, müssen ivir vertrauen, ivir müssen honen, glauben, denn uns in nur weniges offenbar. Viiu onins, ki echjeh, nicht alles an und in uns stirbt» sondern nur der Vcib, und hier, sie deutete ans den Zriedbof, ״ist nicht das Ende, sondern nur der Wechsel, nicht Ahschlnü, sondern Uebergaug." «Prinz Hane mit Befriedigung dieser 'Wendung des (Gespräches zngehört. wenngleich ne nicht alles ganz verstand. Seitdem sie alterte und schwach wurde, halten nch ihre «Gedanken oft da »nt beschönigt, ob ne darum a»s die Welt ge kommen, um nur Kampf, Sorgen und Arinnt durchz»iko>te». Durch die Worte der edlen ^vuui, die an Bildung und Beistand alle übrigen über ragte, blitzten sreundliche 'Berheistungen, ivic seicht strahlen, Zn gehobener Slinnnung erreichten alle ihre Wolniniig. Bo» (Wäldchens Tod wurde ilickn lange ge sprochen, iterie Ereignisse inane!! ׳.hrc Schatten -׳orans. Erst leise zugeflüstcrt und vereinzelt, dann lauter und allgemeiner wlrrde davon gesprochen,; dasz das Haus Limbacher groste Berluite erlitten > habe. Gustav verreiste jede Woche, bald daliin. bald dorthin zu alten (Geschäftsfreunden, öfter nach der grasten Handels und Börsenstadt, wo er jahrelang in dem grasten Bankinstitut gewesen. Wortkarg und verstimmt kam er stets zurück. Der Dnkel, der mehrercinale schon gröstere Tlnnmen vorgestrcckt hatte, verweigerte »veircre Hilfe, da es ja doch keinen Zivcck habe diesen Abgrund zuschütten zu ivvllen. Gustav möge znsehen, soviel zu retten, als noch möglich sei. Kurz darauf schrieb Bett» nach Hause, allem Anschein >>ack> wollte der S!;ke! sich verheiraten. Eiiie noch immer stattliche Dame von etiva fünf- ״»■£ }Kitt '.«»ל «לי«••»- v%ut:tTs:;!uw iv sechzigjährige Junggeselle färbe sich jetzt täglich seinen ergrauenden Bart mitKosmetik. Limbacher ward von dieser Mitteilung völlig vernichtet. Bor einem Zahre noch hätte ihn der Zohannistrieb des Schwagers erfreut, jetzt betrachtete er ihn als ein grostes Unglück. Er steckte Bettps Brief ein und sagte laut: ״wenn einer nnrer gehen soll, helfen die Steine ans der Straste mit - jatvolil. ich soll »och vor meineni Tod nn tcrgehen." — Gustav war!etzt damit beschäftigt, die verschiedenen Beiträge die sein Bater mit Maier >ioru abgeschlossen, durchznfehcn. Zu feinem gröstten Sckneck ninstte er jetzt von feinem Bater höre!«, dast dieser die 1ver:vollsten Liegenschaften, viele ihm anvcrtrauten Staats Piere Maier Mont als Deckung gegeben; Werte die lveit über die Forderungen KornS hinausgingen, mehr als uni das Doppelte. Mit dieser Entdeckung schwand Gustavs letzte Hoffnilng. Korn hatte seinen Bater schmählich übervorteilt. Und trotzdem behailptete er jetzt, er habe noch rund zivaiiz'giausend (Luiden zu fordern. Er brauche den Termin gar nicht abzuwarten, ivenn er sein Guthaben gefährdet ivn'se, und, er iverdc schon Schritte tun, ivenn Um! nicht neue Ga ran tien gegeben würden. Das ihm entgangene Ge schüft mit der versunkenen Zruchl hatte Korn gar geivaltig erbittert; ein förmlicher Hast hatte ihn gegen den früheren freund ersastt. Eine jener nicht seltenen pstichologischen, die hüstlichste Seite des inenschlichen Eharakrers anfdcckende Ericheninngen trat de! Korn ui den Bordergriind. Erst Neid, trotz gewisser freundschaftlicher Zu ncigung, dann jähes Bergesse» aller Borteile, die er durch Limbacher erlangt hatte, schliestlich ein nnbeivußler Hast, der alles anslöichte, was foult ins Gedächtnis mit frcltndlichcn Lettern ge schrieben war. Gustav eilte nach der heftigen Anseinandersctznng in Korns Wohnung, ms Kontor. Alles in ihm war empört llird in ivildem Aufruhr. Korn leugnete schlankweg au de» mistlnngeuen Uilternehmungen leilgehabt zu haben, längst zuvor habe er nachdrücklich erklärt, dast er zurücktrete. ^11111 Dank dafür, dast er feine paar (Leivinn anteile in Limbachers Hände» gelassen,!volle man ihn jetzt um sein (Luthaben betrügen. Korn schrie nch kiinstlich in d,e Wut, um seine nnehrliche Handlungsweise;li beschönigen. Gustav sah ein, dast mit Korn nicht zu nntcrhandeln sei. Emma batte nebenan gehorcht, sie verhielt sich mäuschenstill bis Gustav ohne Grust, totenbleich, fortgegangen war. Mit zornfunkelndcii Augen Nil, ihm Korn nach. ״So'n frecher (Lascht!* will nch mit nicinem guten koscher« (Leid salviren!״ knirschte er durch die Zähne. Korn mustte noch eine Weile Zm Zorn verharren, um das scknvach flüsternde Sliminchen seines (Leivinens zu über tönen Zn, Kontor war Siegfried allein an wesend, ivas Gustav jetzt gelegen kan,. Siegfried bcivalirte eiiie kühle Ncfcrvirthcit. ״Was gehen uns die Privatgeschäfte Papas an'? Die'habt Zhr doch ohne mein und Simons Einverständnis, sogar ohne unser Wissen gemacht.״ So lehitte Siegfried jede Erörrcrnng ab. *) rouicl ungiäln wie i'ump Bcrgeblich suchte (Lnstav den, seitherigen Zreund klar zu machen, dast sein Baker sich tinerhört unredliche Borteile, ungesetzliche Sicherheiten ver schafft habe. Siegfried zuckte bedauernd die Sch,>>,?׳.׳» und schrieb an seinem Brief weiter. ״Wo ist Simon?" friig Gustav, um d e peinliche Stille abzubrechen. ״Bcrreist." (Lllstav znckte unter diesem einen Wort zu sammen. Sonst ivar Simon, bevor er aus ״Tour ging" ins Hans gekoinmen uni sich verabschieden. Also auch der trennte sich von ihm. Böllig nicdergeschinettert ging er nach Hause. Zm Hausflur trat der Meschores ihm Sn»* ״lijnn m «.*v 11 •%.*. vij. ,,Was ich sagen wollt, der Papa soll sich um Zi-niiind anders!?ntsehen, an! er st. er: tret ich auS. Es hat ja doch keinen Zweck mehr; Ber trauen haben Sie auch nicht mehr zu niir, die Lagerschlüssel haben Sie mir ja schon abge nommen, und die Herrlichkeit ist ja ohnehin bald zll End'!" Einpört über den frechen Ton des sonst 0׳ devoten Knechtes, entfuhr (Lustav das Wort Spitzbube. Ein rötlicher Schimmer finikelte im Ailgenhintergrund des roten Hannes, ein Schein der an die Augen eines reistenden Tieres erin nerte. Der Meschores sing daS ihn, zischend zngeschleuderte'Wort mit höhnisch verzerrten Zügen auf. ,,Wer weist, wer von uns beiden der gröstere Spitzbllb ist," gab er kalt zurück. (Lilstav flimmerte es vor den Augen. E, fühlte das Blut sich 511111 Herzen drängen, ihn, wurde schivindelig, er mustte sich festhalten. Ein Dieb, ein Einbrecher ivagte ihm das zu sagen! Was ging denn eigentlich in der Welt vor? Noch war kein Mensch tatsächlich geschädigt, feinem ein Berlust zugefügt, und schon ivandte sich alles kalt, sogar feindselig von ihm ab. Mit wanken den Schritten begab er sich in seines Baters Privatkabinct. Limbacher ivar nicht da. Es schien in den letzten Wochen, als fürchte er sich die einlauscnden Briese durchznlesen, die er sonst schon im Arühstücksziminer zu össnen pflegte. Nklt zerstreuten Gedanken las Gustav d׳»e P0it durch: er vermochte n.i'f't die f1׳ecku> Bemerkimades roten Hannes von sich bannen.. Wie war dieser gemeine Mensch überhaupt zu dieser Sprache gekommen V Es mustte dock! nachteilig über ihn gesprochen werden, man mustte ihn bereis für bankrott halten, sonst hätte HaiineS doch nicht in so wegwerfender Weise lagen könucn, die Herr lichkeit ist ja doch bald zil Ende. Noch viel schmerzender bohrten sich die andern ׳Worte, ״iver weist, «ver von uns beiden der gröstere Spitzbube ist," in sein schon so venvundbar gewordenes Gefühl. Was der ungebildete Mensch ans der unterste» Bolksschichte da gesagt und die Art ivie er ihn zum Bergleich zu sich herabgezerrt hatte, schlug mit Hammerschlägen an seinen Stolz, an sein Lelbstbewusttsein. Und lag in den Worten des Knechtes ,licht eine Beweisführung für die Wahrheit? ׳Wo ivaren Schi ns ׳Wertpapiere, die er Limbacher anvertrant hatte? Wo die Depofiten, Gelder uud Geldeswerte von wohl zehn und mehr anderen Bürgern, die ihm ihr Ber mögen übergeben im festen Bertrauen auf die unan zweiselbare Ehrenhaftigkeit des Hauses Limbacher? Ei» ivürgeudeS Gefühl stieg ihm in den Hals, schnürte ihm die Brust znsamnicn und prcsttc ihn! tiefe Seufzer auS. WaS hatte er nicht alles in wen gen Monaten durchlebt! ivelche schmerzlichen Erfahrungen machen müssen! Und das alles sollte erst der Anfang der Kämpfe werden, die jetzt seiner hauten. Kämpfe ohne Sicge^ ohne Aussicht auf Frieden. Und dabei ohne Areund ohne Berbündcten an der Seite, und er war doch keine Kampsesnatur und des Kämpfens »»- gewohnt. Bon Kindheit an ivar fein Leben wie ein schön aufgesetztes Programm verlaufen- 'Aur der frühe Tod der Mutter hatte einmal einen düster!׳. Schanen auf sein Leben geivorfcn. Vornetzung folgt-