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Der Israelit · 1906-10-03 · 40 (3.10.1906) · p. Seite 10

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
40 (3.10.1906)
Date
1906-10-03
Page
Seite 10 (sequence 11)
Language
German
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Nr 10 «ctif 10 X« Israeli». -i Cftotrr l׳.*C(i;^uöc es wagte, den litteranichcn Nationalschap des deutschen Volkes zu vermehren, war eine Tatsache, die anfangs sicherlich manchkii schwerdenkenden Philister zum Lachen brachte, die er sich aber gewöhnen muffte, als nicht zu um gehendes Heitphäuoiuen ruhig hinzunehmcn und allmählich auch nacheinander die Konseguenzeu daraus zu riehen. Mendelssohns Auftreten de deutet zunächst einen Eiukruch inS litterarische Heiligtum einer seinem Staninie übelwollenden Nation, die politisch rechtlichen folgen kamen Hinte drei» nach. Plötzlich merkte das deutsche Polk, n׳ie ein sremdcs Element sich tu seine Philosophie eiiiniengte, wie ein jüdischer Deuker sich erkühnte, in Geineinschatt mit Lessing den grosren Polkserzicher;11 spielen, und als es sich la1>bsa>» von!einem Staunen erholte, nng es an, 1'׳ch sür das Werk der Iudciiemanzipation vorzubereiten. Es liegt linker solcheir Umständen recht nabe, in Mendelssohn nicht der! stillen Denker, londcrn den von Gott gesandte» Propheten und Erlöser zu sehen. Ein Mann solchen. Wirkungen in kein Litterat, kein Philosoph gewöhnlichen Schlages, wer solche gackeln in dumpse, enge t^äsrchen wersen kanii, ist mehr als ein Büchcrichreiber und Lenker,!st ein E׳>o!er und Held. Und so wird beim fein Hetöcuiu»,, oer iihui seines $ic sreiungswerke? in volien Tönen!-!׳!;,!!!! ׳׳!, n!rd gepriesen, .deiner sonn in der jüdischen (beschichte der ^leuzeit. dessen Berdienne so allgemein von freund und Feind anerkannt werden, dessen Lob und Preis so unablässig (Gegenstand zahlloser Bonräge, Erinnerungsseicrii lind Aufsätze bildet, hinsichtlich dessen die geiamre Fudcirlicit sich so gerne dahin einigen ivürde. das« er ein wahrhair grosser und bedeutender Mann gewesei׳. Spinozas Nlihm lag lange, lange Zeit am Boden. Er war verschollen und verachtet. Bielen galt er als die Pcrsoninkatiou des Böse», als Sckiöpfer der Bibeltrink, als leibhaftiger Satan, bis eine aufgeklärte ,Seit unter Leitung erleuchteter Männer sich seiner erbarmte. Bon der Liebe einer ganzen Welt gebettet, ruht Mcudelssohn in seiner ('hilft. Mein Schinähwort wagt ihn zu begeifern. Als ein vollendeter Mensch von seltener Harmonie lebt er im Andenken der Jahrhunderte. Und doch — ein kleiner Einwand, eine schüchtern ausgesprochene Einschränkung sei »ns verttatter. Mendelssohn verdient den Lorbeer ans der Hand seines eigenen Polles erst in zweiter Neide. War er >׳,,, gro׳ er, ein wirklich großer Jude? Man vergleiche ihn mit ivelcher jüdischen;'hoffe immer, wie verbleich: sei:׳. Gla.rz, wie anssallend wird plötzlich der seelische Zivic spalt, der allerdings zum vollen Ans und Tnrch brach erst bei feinen Nachfolgern gelangte, aber potenziell, andeutungsweise bereits in ihm vor Händen ivar. Nübmend berichtet die (beschichte voii ihm, dag er im Gegensatz zu denFonsetzern seiner Lehre fen zum ongestannnten Erlauben hielt, das; er ein Jude alten Schlages war. Fa, das ist recht erfreulich zu hören. Aber in der Seele eines jeden Menschen spie en die Farben ineinander, und wenn ein Motiv das vonviegendc in. so kommt cs im seelischen Eindruck zur Cffcn barung. ,\d! null mich deutlicher erklären. Men« delssohn ivar das, ivas man noch Heine unter eiiiem fronimen Manne versteht. Er ivar viel leickn srömmer als mancher andere, der von Philoiophie nichts versteht und der nicht den Barzug Kat, einen Leffing zum Frelrud zu haben. Aber ״Frömmigkeit" in!eneiii landläufigen malten und abgestandenen Sinne des Wortes in kein Merkzeichen wahrer jüdischer Grvffe. Hier spielten die Farben in Mendelsfons Seele ineinander. Hier muffle er ausstrcichen, vermitteln, über brücken, feine philosophische Ueberzcngnng mir dem Judentum in Einklang bringen, zeigen, wie feine in ausieriudtschen S.ncllen ge'chöpfte Bildung feiner jüdischen Schlichtheit, seinem stomincn, gotrergedenen Sinn nichts geschadet, wie der Fudc nn Philosophen nicht ninergegangcn. Und das Ende n׳ar, dag Zeit feines Lebens das vorwiegende Motiv seiner seelischen Erregung, der Tenor feines Innenlebens einen sehr glücklich aus gefühnen Kompromiß, einen überbrückren ('(egensatz, einen zum ruhig ausgelragenen Widerstreit zur deutlichen Offenbarung brachte. So kommt es denn, dag der erste Eindruck — er in bekanntlich der bette und untrüglichste — den Mendelssohn aus den unparteiischen Betrachter macht, der des P h i l o s o p h e n ist. Er ist Philosoph und Fude. Nie kam es ihm in den Sinn, auch nur sür einen Augenblick sein Fudentum beiseite zu legen, er nahm es überall mir, in die Gemächer der Großen, in den Ureis distin gllierter Freunde — aber er nahm es eben überall ni.i t.;Fortsetzung folgt. NiHerschau. Der Cainiuö ais ״öeuge״ für öeis ״Bibelunö Babe! "-Mfcben? Bon 'l'voi. Tr. 4t. Lulzbach m Frankfurt a. M. Xer einem Vtcfcritng der Afonumenta Judaica, welche mit ben arnmäiichcn 2'diviftinntni begiimt, ift nun bie Vtu'itc l'ietenmg gcivlgt, welche die Reibe der talmubischen Lchriiiwerkc eröffnet. Wir!vollen auch liier gleich bemerken, bau ivir bei unserer Annchl über bie Traiiserjk'ierung beS Textes, wie wir fie bei ber Besprechung ber rrfien Lieferung bcr Aumumciita iFsraciil b. ,V ׳.'io. יצ> geangen baben, Mich im Hinblick ans bie borliegenbr Lieferung, ivo es sich um ben kaliniibischen Terl banbclt, beharren müssen. Wir künnen trotz aller Ohinidc, welche ber Lener ber Arbeiten, Xr. Hollnscher, sür ben Boricil ber Tranieribierung bei bringt, nicht nnbers, als biei'es Bcriabren für einen schweren Fehler zu erklären. AUein, »achdrin wir letzt scheu, ivoliin es geht, minien ivir sagen, basi bas soeben «Gerügte »och bas geringne »׳I. bas; bieses nicht in Betracht kviiiini gegen ben großen Fehler : bie Herausgabe bcr ״Afonumenta'‘. Es in nichts bngrgrit cinzuwenbcn, wcitn die Afonuinenta. wie es in ben einleitrnben Worten bargelegt ist, »ickn ben fortlausenben Text bes Talinnd bringen, sonbcrn ihn nach Materien grorbncl in die Senenillchkeit trete» sollenes wirb bann nur bie Lorge der Herausgeber sein inüfsen. bas; nicht bas geringste weggclassen werde, was in bie bclrenenbe Materie biiicmgcbvri, eine schwere Ansgäbe, denn es ist nicht alles, was unl.» eine Ruvrit ge bracht werben mnf;, so leicht aus bei» writschichtigrn Talmub beranszunnben, >venn auch nntzbr:ngenbc Bor »r veilen iür eine berartige Behandlung vvrlianbeii sind, oft diese -kifainniennelliing gewinenbast besorgt, so bas; bc»1 Leser bas ungetrübte Bild von be» Aiisckianungen ber bamaligen;,,nt über bennniiue Fragen verinittell ist, so bat bcr 'Bearbeiter bas Leinige getan, will er zur Bervvllslanbigung und für die klare Auffassung des Lesers in einem Anhänge noch;nr terlkrilischrn Bergleickiung andere Lesarten anfüliren ober sür schwierige stellen (S־r lanlernngen Innznfügen, so ist bas recht berbicnstlichaber .,Aluniimenta". wie wir dieses Wort;n verstehen gewöhnt sind, bürsen keine andere Tendenz haben als die Lchriubenkmälcr enirr srüberrn Zeit der;»cgenwart zugänglich;» »lackien, ne ans der Brrborgenheit ans Lickil;11 bringen ober ihnen dem engen »reise, in den sie bisher gebannt waren, den Weg in weitere »reise;11 öffnen. Xicsc wnsenschasllich;n verwenben. in cmzig Iniib allein Lache des Lciers, nicht Lache des Herausgebers. Lir in den Xienn einer andern Tenden;;n stellen, ne sür ober gegen eine Zeiisragc verwerten zu wolle», cinrückl ne ihrem vornehmen Lianbvunkt winen icha'tlicher Nnvar!c!!!chke!t, mack: ihre ^usaminenslellnilg verback,lig und enipeht de» Beranstaltern solcher Lamm luiigcn bas Recht, nr als ׳'.״Ninuniema" in die wissen schaitlichr Welt c1n;nführen. v\ft dies aber vielleicht nur rin Liren um Wortes A'icht bock,! Xas Wort ״Alonumenra" Hai enie wrrbrnbc »rast, erweckt Antcrenr. lockt »aufer und vielleicht auch Mitarbeiter, Lenden; schrisien hingegen bürfen nicht ans die Mitwirkung und bas (xnlgegeitkoinmen aller »ren'e rechnen. Und was ichrn wir nn», nachbein bas ernr Hesl brr Alonumenta .Aramaica dein llntente!״..׳:!׳.: den Weg in einen groprren Leserkreis gebahnt Kn i- Xas folgende Heit, bas erste bcr .Monumenia Talmudica. wird brr rrnannlen Welt mit dein iinterr-rc!: ..Bibel r!nb Babel-, überreich!. Hier liegt!a dir T enden; glatt auf der Hand, ob nr an» sriir oder;legen dinnell. in;uvörbrrfl rincrlclaber cs kommt noch etwas anderes bm;u. Bia» nius; nch!a unwill '> Alonumenta duckaica. Altera pars. Alonumenta Xal muckica. (5r1׳e Lerie: Bibel und Babel, l Bb., l. He'l. Hrrausg. von Aug. Wümchr. Will,. Aeumann, Moritz Aliichülcr. Wien n!׳.b Lc:v;!a Akaben, Bert. kurlich fragen: Wts in aller Well Hai denn der Tal n, u b mir der in jüngficr Zeit aufgeworfenen und da raufhin vielcrörierrcn ,,rage: ״Bibel und Babelru tun? Xaraus gibt uns nun der Leiter des Oianrrn Xr. Hollitschrr, eine Auskunft, dir einmal dir wahre Tendcn; in einer Weife enthüllt, dir uns zeigt, wir man einer solchen zu Liebe vor den, Miftbrauch alter Xolu mente nicht zurückschcut, und andererseits eine ״Wissen schaftlichkcir״ an den Tag legt, über die man lachen könnte wenn es nicht gar zu traurig wäre. Männer a» der ׳ rbeit eines großen Werkes;u sehen, die von der Tvinenschasr, die für eine solche Arbeit nötig ist, auch nicht eine״ Hauch verspürt habendenn daß absichtliche Täuschungen und Berdrehungen hier ihr Wesen getrieben haben, ivill ich zur Ehre bitter Männer nicht annelnnrn - ich accepnete ilir sie den mildernden Umflanb א ידעי בדד, י1'£״^י*’, wenn dieses nicht angängig wäre, niüsne ich das Werk nm gan; andern Händen ansassrn. — Hören wir nun Herrn Xr. Hollitschrr! ״Wir benennen die erste Lerie der Afonumenia Xalmuckica, also die erste Materialien Lanimlniig ans dem Talmub, mit dem A'amen .Bibel und Babel״. Xie Rechtfertigung für diesen Titel ist nach zwei?Richinngen hin zu suchen: ES ist für ,eben, ber bas orientalische Wissensgebiet nur irgendwie ^beherrsch:, gan; klar, daß wir >n der genannten ergen *tm• ivevrr buch über bic Bibel, noch direkt über bas Thema Babel abhanbeln werben. Bielmrvr verhält ״ch die Lache folgender maßen: Xer Talmub ist in seinem Wesen nichts Anderes denn eine theologische Weiterbildung der in der Bibel gegebenen religiösen Bornellungcn und A'ormc». Die moderne assnrwloaikche Wi׳'׳enschaf: bar nun in einer Reihe von epvcheinachenben ,rorschnnge» nack׳;uwcisrn versucht, dar. der gesanne uns!»n alten Teslmnenic erhaltene »omptex religiöser nnb anderer Borsiellungcn von babvlvnisckie» derselben Art abhängige. Bei dicseui Bersuche aber wurden jene Materialien, welche in dieser ganzen ,Trage vor allem in Betracht kommen, nämlich die im Talmud vorliegenden E > w e i! e r u» gen des biblische» Borstcllungskomplexes״), viel;11 wenig gewürdigt, obgleich man heute allerorten weiß, das; auch in vcr hält n ismäs; ig jungen tal mud ische>1 lieberl i c s c r n 11 g e n alles und ä l t e st c s W u! b 0 ״ ״ r i c latlschcn v e h r g c l> a n b e s sich erhalten bat.'! Wenn wir nun in der ersten Lerie unsrer Talmubausausgabe die Matcrialic» bringen, welche zugrunde gelegt werbe» müssen, um jene bisher mehr vermutete als erwiesene Abhängigkeit von Bibel und Babel*- winenschastlich korrekt zu erweisen, bann ist es klar, bas; wir hierdurch einen Teil bcr L-uelien sür den ׳'»nsamineithang bringen, der in ber Terminologie bcr Orientalistik beute in dem ״und" zwischen Bibel und Babel znm Ausdrucke kommt.*! Xie;weite Richtung aber, nach welcher bcr erwähnte Titel bcr Rechtscrligniig bedarf, ist die: Lchwer wäre cs, mit voll ständigster Lchärsc zu bestimmen, welche Materialien aus dein Talmud eigentlich zur Ausheilung des erivälmtcn Zusannnenbanges in erster Linie gegeben werden müssen. Es könnte ja leicht sein, daß etwa die Weilerbildiing der biblüchen Oteictze im Talmud in ihren wefentiickien Umrinen babulonischem Einfiune unterworfen gewesen sei, und man iönnle dann fordern, daß eine vollständige Lamwliing >,!! der in jenen! ״und" uuvgedtücklkn Bcrnnuilng diese Jurisprudenz des Taimud nicht minder wie etwa die kosnwloaifcken Borstel-ungen der Talmudincn enthalten niüne. Üm liier jedoch eine ebenso wisienschasilich wie technisch begründete Abgrenzung;u schancn, werden ivir in der Lerie Bibel nnd Babel uitS lediglich ans die Lammliing derjenigen Bkatcrialicn beschränken, ivclchc im Zrnlrnm der ganzen Abbängigkeilstrage sieben, nämlich aus dir im Talmud gegebenen, erläuterten oder irgendwie berührten kosmologischrn Borstellungen״. 4inn sind wir über die Absichten nnb Ansichten des Herrn Hollitschrr nicht mehr in Zweifel - er spricht es klivv nnb klar ans, seine Zusaiiimeiistellung ans den talimiblichen Lchriiten soll die Lücke in bcr bisherigen Bibel nnb Babcliorichiing ergänzen. Wenn man bis her bc» Tal »mb nicht hcrangczogen bat bei dein ׳.»l'achivris, ״baß brr geiamte uns nn alten Testamente erhaltenc »omplcx religiöser nnb anderer Borstellungen von dabulonischen derselben Art abhängc", so sollen die Atnnumenla ausbclfen, ne sollen Materialien herbei׳ bringen, dir es ermöglichen, ״jene mehr bisher vermutete als erwiesene Abhängigkeit von Bibel und Babel winen׳ schaiklich korrekt;u crweiien." Wohlverstanden von Bibel ״inid - -tabel, in dem Linne, wie bieses ״und" ״in der Terminologie der Cncntiilntif beute zum Ausdruck kommt״ Xas beißt also, bas; man ja nicht glaube, Herr Hollitschrr slclltr wenigstens die Bibel gleichwertig neben Babel, baß beide verglichen würben, bas wäre ja noch viel zuviel der Bivcl zugrslanben: nein bas ״und" so zu ncbinrn in dem Linn, wie Xelitzsch diesen Ausdruck verstanden winen will: Bibel abhängig von Babel. (Lchlnß folgt.) Talmud-Lprückievon Bikto r »lemvch er. ttroßcnbain^unb Leipzig, Bcrlag von Baumert und Rouge. I t t köstliche 'perlen und Ebcisieinc aus dem reichen Schatze des Talmub und Midrasch in neuer Fassung und 'Politur, wie cs in der Einleitung beißt, liefert uns der Brrsancr. llnd in der Tat, es ist ihm gelungen, den uns so bekannten und vertrauten Worten cmc 10 neue und originelle Torrn zu geben, daß sie oft nicht wicderzuerkennen sind. Wir sind dem gewandten Xichlrr und Meister der Lvrache dankbar dafür. Jedoch darf die poetische Lizenz nicht so weil geben, daß ne den wahren Linn ent- ", Boni Retcrenlcn unterstrichen.

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