Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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T& ( 'S ff 4 ‘ “ liierarische War (Ion mcnddssobn bi$ hcrzl. i'iucilolaßitdtc 2iubifu zur!übliche» (Heidiidtte Bon?1. :)lnDlinrl Bteuer. Unfein Vci&cnmucfl nadi ISanoöa• uue ein die Er Trtinunflcn einer ganpn (netctnctnoei'odic mit cviduittenibev Eindringlichkeit reden tnufuen, die׳ iidi in unfern!acten e!ne W!ederanknüp!ung!זוו die Peilswahrhenen der jii&. Vcbvc nnbnbncn fontttc, Im de 1dl in de» folgende» ^limein mil flirren orebeifmdien \u Widmen ueriuebt. Ufenbelvjf0 111t am Eingang, •VerU am Ansgang. Xa\mifd1en lieg! die Tragödie des deutschen Zndentums. ,ein ersien Air derrfdn Zainaremuhel und von weil sdiweiteitden Einanzipationshostnungen erfüllte 2 ,eger stiinmung Man glaubt sich vor dem Anbruch grober Zeilen. Die Aiiteilnabiiie der deutschen Zuden am lue rar» dien und politischen!reibe» war nur der sichtbare Ausdruck einer großen innere» Umwandlung der!üdischen Poiksteele. Diese seelüdie Umwandlung, ein rüdfchauender Blick lehrt eo >nr üfeniige, war eine sduvere Erkrankung. To brach denn die MataftuuUic des fünften Alles herein, an die 2teile der sdiwellende» Poftiinngstreuden war allmählich. von traurigen Zeitumfiaiiden begünftigt. inotte Reiignanon, vielfach gar Perpveiflung in härenem Bus; Gewände getreten. Der vollendete Ausdruck dieser Lüfter mmtnuna iit v>e1־U und fein pebenswerk, der.׳iiomsmns. Zn kurzem Umri» find in folgendem die wesentlichen Züge der die Zeit von Mendelssohn bis Perzl mit ihrem tiefgreifenden intim!» iiciieuiiiienueii P»esvi>!iei,ke>ieu ge;ndmet, die aber nicht als lrin;clmetcn, vielmehr als Tvpen, als die voilkommenften Repräsentanten deriemgen Poiksneigungen und Zeitverhältnine, die uns die »lata strophe des fünften Aktes heraufbefdiworeu haben, ui be greifen find. Als Tvvus des!üdifchen Philosophen. der in hetchaulicherRnhe die siurmbewegtefte Z.eit n ׳ich vorbei streichen lägt, erfdieint mir Mendelssob n. Repräsentant des leidenschaftlichen Emangpalionskamptes in Rieneri die groste Tdiar ןübtfclicr latente, die uns im <Rwoge des parteipolinfchen und akademifdten Gebens abhanden kamen bat in l? a i f a 11 e ihren genialste» Pertreier Der moderne indifdte Rabbtntstmts. der tn der Wissen fchast die Honieauenzen theoretischer Abtrünnigkeit nicht übersdtaut und darum int i'eben zu allerhand Hainen tonen sich genötigt siebt, gelangt in Zrank el;u charakteristischem Ausdruck, während der tenden'iofe Ebarlatanismus!n CH r ä 15 setnett tueittmtfcnben Revräsentanteit hat. Das lübiichc Wemcittbelehen konzentriert fich mit schädlicher Ueberschävung des svnagogalen Pompes um die nantel. Als der lvpl'che, wenn auch svmpathn'chfte und hervor ragendne ״Prediger", erscheint nur T a di s. Alle bieie Persuche, das Zudemum mit Anstand tn die neue Zen hmüherzurelten — am Tchreibmch und aus der Hantel, auf der Tribüne und dem Hatheber scheitern im i'atifc der Zahrtehn.e. Da erfdieint Herzl und bläst tum Rücktug. Der Weg, den er vorwärts wein, nachdem er die Vüge der lebten hundert Zähre anfgedeckt bat. nt freilich falsch. Aber unleugbar in sein Perdienn, auf eiternde Wunden unbartnlierttg feinen Zingergeprent tu lmben. PieUeicht sagt diese 2kuze manches, nas P,elen auf der Zunge schwebt. I. M e n d c l s s o h n. (5s itt schwer, den Rern seines Wesens und seiner Bedeutung zn treffenschiverer, das Man des Nebels, das aus seine Rechnung komm!, wozu er den Anlast gegeben, oder doch zum mindesten mit seiiter t?cbe1tsarbeit das minelbare Bkonv geworden, genau zu bestimmensatt unmöglich, ihn als den bewunderungswürdigen Idealjuden ltinziittellen, als der er in allen indlfctlen hie schichrsbüchern und Venniden, welcher Zärbnng immer, nguriert. Das eine nebl »e», und es bedarf' keiner umständlichen X'iftinftion, es;11 sage» : er war einer der merkwürdigsten Menschen, die das achr;ebnte Iahrtmnderl hervor gebracht hat, üietkivürdig. was seinen rebenslaut und seinen Bildnngsg ttg betrifft, merkwürdig bin sichtlich der eigene!rügen Mission, die aut seinen Schultern ruhte, merkwürdig vor allem durch die revolulionären Zernwirknngen seiner Pertönllchkelt und seines Werkes, die bis in untere Tage bin» einspielen. lind doch, bei aller Merkwürdigkeit und trost der liebenswürdigen Züge seines Wetens, bei aller Smnpakhie und sonnigen Mentchlichkett, die seine Seele ansttrötitt, itt Rc'endelst'obns (tröste schwer zu fassen, in dürren Worten auszuiprechen. (5s ist so schwer, das; man in Bcniichung kommt, sich zn fragen, ob von tröste im ewigen Sinne des eitCv hier überltaupt getprochen »oerdetl kann, ob Mendelssohn vielleicht nur edel nnd gut, weite und liebenswert gewesen, der Zug der cigerttlichen "Eoste ibm aber mangele. Jahr man natürlich (tröste begrisslich elivas enger, nnd nennt man Männer gron, ׳vtern nnr die iHeichichke von ihnen spricht und ne mit unvenvischbaren Spuren im (neeächlnis der rh'achtvelt eingeschrieben sind, dann ist natürlich nicht einzut'chen, warum dem Berliner Weifen ein Prädikat verweigert iverden tollte, das Sternen minderen Ranges bercinvtlligtt znget'tanden wird. Itt ein Mentch groß zu nennen, der eine neue Zeit einleitet, an dessen Rainen sich tiefgreifende Umwälzungen knüpf'en, und ver schmäht man es, mit einem ewigen Mastttade an die Würdigtlitg seiner Persönlichkeit heranzutreten, dann itt Mendelssohn nicht nnr grost, sondern grüster als mancher anerkannte Bollbürgcr im U,'eiche des (Heines,!a vielleicht der gröstte Jude der lebten;weilmndert Jahre überhaupt, Denn all die Riste und Zerwürfnisse, aller Streit und .ttamps, von ivelchen die nachmendclst'ohnsck»e Zeit bis mir den heutigen Tag erfüllt in, die Ztvie spälrigkeit des Denkens nnd Vebens, die diet'er Periode den Stempel amdrückl und worin sie nch t'o tvenig zu ihrem Borteile von vergangenen (Epochen unterscheidet, dicte ganze Umgestaltung des!üdifchen Sinns und Sems ist ja von Mendelssohn nicht zu trennen, geht im lebten (Hrundc auf ihn allein turück nnd berechtigt t'o jüdische (Hefchichksschreiber, wenn ne den Begriff lHröste in gewohnter (fnge saften, Mendelssohn als den grösttcn jüdit'chett Mann der!üdifchen Rcutcit zu feiern. Ich glaube, es gibt, ohne Mendelssohn nabe zu treten, ein anderes Knteritlin der (Hroste. Gewiß, er hat eine neue Zeit eingeläutet. Durch feine hocchdeuttchc Bibelüverfebung, durch feinen reifen philosophischen Sittn, durch den glücklichen Zufall, das, es ihm vergönnt war, hochstehenden Pettönlichkeilen nn Svlegeibicde seines eigenen Wetens etnen (findttck in den iHlan; enter jüdischen Ment'chenteele;n bereite n. (5111 Mann, wie er. auf der Volte modernster ttnlt,>r, als Zolle;״ vergrämte» iHhett0!llden ge> schallt und erkannt, itt es ein Bönttder, weint Mendelssohn n!chr nur für te!!!e eigenen Brüder, ivenn er ganz besonders für die nicht!üditche Um well, die geradezu in Bortn teilen erstickte, dnrch ent Paar ihrer betten Eremplare, zum Ereignis ward ' Wir haben heute t'att die ,vählgkeit verloren, »ns selber anders zn sehe», als umgebeit von all׳m Ilitter nenzeitlichen Iorktchrilts, habe» die Zlidengane gründlicher vergessen, als es die paar Jahrzehnte feit ihrem Abbruch rechtfertigen können Bei allem iHet'chrei antitentitncher tHat't'en buben nnd Blätter find wir doch emanzipterler, als wir's nns selber eingetiehen!vollen und es untere (Hegner wüntchen. (5in hochdeutsch redender Jude, eine sich europäisch kleidende Jüdin itt nicht nur keine Zellen!,eil iitehe, die c5>ltopciitietung des jüdischen Bolkes hat solche rietige Iorkschrikte gemacht, dast der Zionismus sich veranlasu sah. dnrch energisches (?tnschrelken gegen die wachsende Assimilation, derSrrhodorie einen Teil ihrer Arbeit abznnkhmen. Wir haben die Zähigkeit verloren, uns nm hundert Jahre ziirückzuverteben, tvährend der Jude des achlzehilten Jahrhunderts von dem des siebzehnten sich spezifisch nicht viel wird unter schieden haben. Was nns an Macht über unsere eigene Seele abgein, müssen nur darum dnrch er hohles Ant'pannen unterer Phantatieläligkett zu ergänzen stichelt, wollen wir den tiefen Gindruck ermenen, den eine Persönlichkeit wie Mendels'ohit am ihre gesamte Zettgenonentcha׳! he׳c>orrnfett mltstle. Tie z'kachfolger Mendelssohns, die »ent Be freinngswerk fortseblen, haben ׳ür die th'echte ihrer Brüder vor der brettetten ^enettiltchkett, tn Presse und Parlanient, gekämpft Mit ■ ein ganzen Von», den sie verun'achren, haben t'ie jedock, nur »ortgefebt tlitd znin Auskrag gebracht, um•:, der Barer der neuen Zeit und der neuen Rechtsansprüche, Mendelssohn, begonnen hatte. Sein Protest war änsterlich nicht fo turbulent wie beispielsweise der Rießers. Er begnügte sich zunächst damit, an feiner eigenen geistigen Aus bildnng zu arbeiten, einer der (Hebildektten und Humansten seiner Zen zn iverden und »nt diesem Bildungsprotett dem deutschen Bolke zu beiveiten, daß ein Jude auch andere Iiiteret'sen habe, als Wechsel nnd Prozente. Dieter kulturelle Protest war stlller als eine feurige ParlanientSredc, aber and! wirksamer und nachhaltiger als sie. Denn er konnte nicht gut ividerlegt oder gar niedergeschneen werden. Denn er war nicht von den vier Wänden eines Beralungshauses begrenzt, sondern flog weit hinanin s Vand ttNd brachte nach allen Richtungen hin die erschütterttde Kunde von dem (Lnvachen des jüdischen Bolkes. Daß ein