Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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im Gesänge vor." Es steht also fest, dafi einmal, als der Tempel noch stand, eine gewisse Zeit hindurch das Sanhedrin ausgehoben war. Wann ungefähr war das, hatte es Folgen, finden sich in den talmndischen Berichten nicht sonst auch «puren davon? Als Antwort zeigt uns der bewundernswerte O.uellenfinder Halrvy eine Stelle des Babli und Feruschalmi, sowie eine Tofiefta, die unS übereinstimmend Mitteilung maci»en von einem der bedeutsamsten Ereignisse in unserer Geschichte, einem Ereignsile, das lvir alle kennen und das uns doch in seinen Einzelheiten dunkel und rätselhaft acblieben ist. i'eicii lvir die uns geläufigste Stelle im Babli, Pcssachim Fol. 6t'»: ,,Diese Halacha >var den Söhnen Bethera's entfallen. Einmal fiel der Bierzchme auf einen Sabbat, sie hatten vergelten und »vufiten nicht, ob Vas Pessachopser den Sabbat verdrängt oder nicht, nnd sie sagten: gibt es wohl einen Menschen, der weiß, ob das Pessach den Sabbat verdrängt oder nicht? Da sagte man ihnen, es gibt einen Menschen, der von Babnlonien heraufgekommen ist, sein Alaine ist Hillel, der Babli, dieser war ein vertrauter Schüler der (Groszen ihrer Zeit, Schcmaja lind Abtalion, er iveisi, ob das Penach! den Sabbat verdrängt oder nicht. Da sagte er ihnen: haben lvir denn nur ein Pessach im Fahre das den Sabbat verdrängt, lvir haben doch viel mehr als ziveilnnidert Penackiopser, die den Sabbat verdrängen .... Sofort stellten sie ihn an die Spitze und »rächten ihn zum Nassi über sich." Der Ort »nd die Körperschaft dieser Beratung rvird uns in der Tofiefta angegeben, durch die Bemerkung: »uch Hillels erster Bcivelssührnng ״da versammelte sich u»! ihn die ganze Asara". Die Beratung fand also nicht im Sanbedrin statt, sondern vor und mit dem zum Fest er schienenen Bolkc irr den! Vorhose des Tempels. Die Zeit der Beratung »var nach unserer Ge moro ein Tag vor dem Nüsitage des Pessach festes, wie es bekanntlich dort weiter unten I,eifit: ״morgen, wer z>«m Pessach ein Lamm hatte, steckte das Messer in die Wolle nnd brachte es so zum Tempel u.s. >v." Fm Feruschalmi steht sogar hier statt ״morgen" ״sofort", so dafi man darnach die Zeit der Beratung ans Ereb Pessach selbst zu setzen hätte. Hier erhebt sich eine Flut von Fragen. Wer lvaren die Söhne Bctheras? Warum fehlt ihr Name nicht nur im ersten Abschnitte von Abo! unter den Manien der Gelehrtknpaarc, die den Borsitz des San hcdrin bis Hillel und Schainmai hatten, ihr Name fehlt logar auch in töbagiga, ivo inner den Ge! lehrtenpaaren selbst Menachen genannt wird, der! nur vorübergehend Ab Bet Din war? Was ioll j der Plural ,,die Sölnie Bethera's", wer von ihnen lvar Nani, wer Ab Bet Din, lvaren es mehr als zivci Männer :׳ Noch aunallender ist, irarnm das sonst so vorsorgliche Sauliedrin mit der irltellung jener Frage bis einen Tag vor Ereb Pessach, oder gar bis Ereb Pessach selbst gewartet? Warum hat man nicht im Sitztlngssaal des Sanhedrin, iit der O.uaderhalle, beraten, warum in der Asara, lvarum in Gegentvart lind mit Beteiligung aller dort Versammelten? Die Söhne Bethera'S müssen sich in unseren Geschichtsbüchern gewöhnlich dicSchreibung ״Söhne Batpr'as" gefallen lassen/ das erinnert an den Makel, den Krochmal in kurzen und dann später Grütz in langen Worten dielen charaktergroßen Männern anheitete, indem sie dieselben zu Kreaturen des Herodes machen, der sie aus der Stadt Batyra in Trachonea an der Spitze des Sanhedrin berufen habe. Batyra war näm lich eine Gründung kriegerischer babnlonischer Fnden, die dem Herodes einen Landstrich pazifiziert hatteil. Halevu zeigt dem gegenüber, daß die!e Pazifizierung und die Gründung von Batyra in die letzten Negiernugsjahrcn des Herodes fällt, während das Ende der Berwaltung der Söhne BethcraS, die Einsetzung Hillels, nach dem Sifre (und dieses Datum wird von allen modernen Historikern anerkannt) lixl Fahre vor der Zer störnng des Tempels, also in den ersten Fahren des Herodes stattsand. Alle Fragen und auch dir bezüglich der Sühne Bethera's lösen sich, so bald wir die Tatsache einsetzen, dafi das Ereignis der Wahl Hillels in die Zeit fällt, in der es kein Sanhedrin gab. Die «ohne Betheras lvaren weder Nassi noch Ab Ber Diu, sie konnten liicht das Präsidium eines Sanhedrin bilden, das damals gar nicht existierte. Das damals ausgehobeue sanhedrin konnte über die Darbringung des Pessach nicht beraten. Die Söhne Bethera's lvaren gelehrte Mitglieder einer vornehmen Familie Ferusalcms, die für diese Zeit des er zwungencu Interregnums vom Volke mir den Obliegenheiten der Berwaltung, die sonst Sache des Sanhedrin lvaren und die notwendig besorgt werden mufiten, >vie die kaleudanscheu Festsetzungen und vieles andere, betraut »vurdeu. Wir nndcn zur Zeit N. Fochaimn b. Takkai's hundert Fahre später die Söhne Bethera's lvieder als mafigcbende Perlönlichkeiten, auch damals während eines Fnterreguums, als N. Simon b. Gamliel der Aeltere gestorben war und sein Sohn N. Gamliel von Fabue noch zu jung lvar, um mit der 'Würde des Nassi bekleidet zli werden י vergl. No sch Haschaua, Fol. «. Weil kein Sanhedrin seines hohen Amtes lvaltete, und so die mafigebende Behörde für solche Eutscheidungen nicht vorhanden rvar, darum mufiten die vorübergehend an der Spitze der Verwaltnng stehenden «öhne Bethera's die Beratung verschieben bis kurz vor dem Feste, rvo sic die Entscheidung dem zur Feier des Pessach vcrsammelton Volke über ließen. Hier sehen dann die Söhne Bethera's in Hillel den Manu, von dem zu erwarten war, dafi er mit seinen allieitigen geistigen Vorzügen die Wiederherstellung des Sanhedrin ermöglichen 1 würbe, und ihm übertrugen sie in edeler Selbst. י Verleugnung ihr Amt, das sie nur der Not der : Zeit gehorchend'übernommen hatten. Dafi einmal vor der Zerstörung des zweiten Tempels das Sanhedrin ausgehobrn war, lehn uns nnzweifelhast die Mischna Sota, dafi dies aber zur Zeit der Wahl HMkls der Fall war ist bis jetzt nur eine, wenn auch auf großer Wahrscheinlichkeit ruhende Vermutnug. ' Diele Ver-mntung erhebt nun Halevy zu einer um,,״- stöfilichen Tatsache, indem er uns die Enväbnimg der damaligen Aufhebung des Sanhedrin schlvarz auf lvrifi in einem nicht genügend beachteten Bericht lesen läßt, der wenige Jahre nach der Zerstörung des zweiten Tempels niedergeschriebm . lvurde. Davon das nächste Mal. üadrrrtt. (Schlun.) Wenn mich mitten in den Zentren des groß, städtischen Weltverkehrs, uunvogt von dem Kamps ums Dasein und der Fagd nach den Mitteln zum Dasein, die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies der Kindheit im Elternhause packt, dann brauche ich nur die Augen zu schliefieu, und es ist lvieder da. Heute aber brauche ich sic!licht einmal zu schliefien, heute am Fahrzeitstage!!!!!!; ich sie nur aus das vor mir stuckernde Flüunncheii heften nud es lvird zur Wunderlampe, gegen welche die von Aladin fahl und trüb erscheint. Fahre, Jahrzehnte, mehr als ein halbes Jahrhundert leuchtet es zurück, huscht über alle Länder, Städte uud Orte, an welchen ich gelebt, gewirkt, gefehlt, gebüßt, gelitten und genossen habe, um endlich an den Pforten meines Jugend Eden Halt zu machen. Vor seinem Schein lenken die Engel, welche sonst den Eintritt wahren, die feurigen Schlverter. Mein Fahrzeitlicht zaubert mir kein Trugbild vor, es hebt mich aus seinen Strahlen mitten hinein, so dafi ich die Wirklichkeit greisen kann. Sic sieht wieder vor mir, die groyc ge räumige Stube, mit dem tanneneu unpolierteu Tisch und den merklvürdig geschnitzten altertüni lichen Stühlen, aus welchen die Eltern, die harte hölzerne an der Wand befestigte Bank, ans welcher lvir Kinder faßen, die traute, heimische Stätte, die zugleich 'Wohnstube, Salon, Schlaszinnner, Speisesaal, Bibliothek und im Winter auch Küche lvar. Woher^ kommt das Glück nud der Frohsinn, die heilere «eelenruhe nnd die kindlich Vertrauensvolle Zuversicht, die dieses Eden ausströmr? Unsere Zeit hat die Teilung der Arbeit, aber auch die Teilung des Genusses erfunden. Sie verlegt den Genuß au Speise nild Trank ins Speisezimmer, den au der Nuhe ins Schlafzimmer nnd die Befriedigung am Gedankenaustausch mit uns besuchenden Gleichgesinnten in den Talon und so fort; das war zu Hause nicht so. Selbst