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Der Israelit · 1906-10-03 · 40 (3.10.1906) · p. Seite 5

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
40 (3.10.1906)
Date
1906-10-03
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
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3. Cftobn 1006 bei der Teilung der Arbeit glaube ich, da»; ihve unbestreitbaren Borteile mehr der Arbeit als den Arbeitenden zu gute kommen. 26enn denke in einer Uhrenfabrik ein Teil der Arbeiter die sZedcrn, ein anderer die Bäder und ein dritter die ,׳Ziffer blätter macht, so kann die Arbeit leichte,-, rasche׳, und billiger dergenellt werden als trüber. Aber die Arbeiter werden nach 'sabi־ nnd Tag nur ibre mechanische Arbeit verrichten, federn, Bäder und ,׳Zinerblärter, aber keine Ilbr bentellen können. Die Maschinen arbeiten ivie Menschen, und die Men'chen wie Maschinen. Diele Teilung der Arbeit t'übrt beim .Handwerker zum geisttötenden Mechanisinus, nnd ans geistigem Gebiet;nr Svezialiüe11»'uckn und zur sZachnnipelei. Davor l>at 11 ne unsere traute 'Wohinnibe ge schüyt. Da wurde gleichzeitig gesponnen, ge׳'t lickt, geschrieben, gelernt und keiner störte den andern, jeder batte Interesse sür die Arbeit des andern. ,Zch glaube, das; ich beule noch mit dem Spinn rad bankieren könnte, so gut wie unsere alte Gros;tante, deren Domäne es war und mit deren Tod es auch allmäblich ebenfalls in de» Bube ttand trat. 26ie wusuen wir alle, wenigsten tbeoiai'mi, in der ebie» 3tvicttutnt Beickieid, wie die Borten anders gestrickt weiden als der glatte Strumpf, wie die sZerie wieder anders bebandelt wurde, ivie beim Abnebmeu gewissenbasl die ׳))iaschen gezahlt iverden mustlen, nnd bundert andere machen und fächeln. Und ivie vemand es der Baker die ermüdende ׳Arbeit interessant und km;»׳eilig zu machen, indem er jedesmal selber das Garn;11 einem Knäuel wickelte und nie vergas; eine kleine Ueberraschung binein;ulegen, welche die Strickerin er»t eriuhr, wenn das t>larn verarbeitet war, lind die sie dann;111 Belohnung erhielt. Dabei lernte der 'Baker die Sidra sür kommeiiden Schabbos, wenn er den Kore;11 ver treten baue, ich mus;te jede Pari'cha den 'Bater verhören und die etwaigen Fehler verbessern. War ich nicht da, so besorgt dies ebenso gut eine die Schwestern. Das war die Teilung der 'Arbeit,;11 der wir erzogen wurden. Die Würze aller Arbeit, der 2l>1u1t durch den sie allezeit munter »veiler lies, das waren die Erzählungen des 'Barersdas war die graste 'Belohnung, die uns;11 teil werden konnte. Heiter feit und Frohsinn war;war der Grundton aller dieier Erzählungen, aber es lag so viel gesunder Menschenverstand, so viel;Anregendes zu allem Guten und Schönen in ihnen, das; sie allein genügten um nur das Gedachnis des ׳Baiers teuer und unvergesllch zu machen, ,Zcki habe ihn nie über andere 'Böses reden hören nnd in seiner Gegenwart kam auch kein Bösredner zu Wort. Mein ^ahrzeirlicht erinnert mich unter vielem anders lebhafter als sonn >7» die Birliionkät, mit der er es verstand selbst sür notoriiche schwächen und Fehler ein milderndes Motiv zu finde». ׳Bvm Inhaber eines groszen Geschäfts, der »ich als sehr sronnn gerirte, erzählte jemand meinem Bater, das; das Geschäft nur zum schein am Sabbat geschlossen sei, das; aber hinter de» geschlossenen Läden am Sabbat gearbeitet werde. Mein 'Baker wies diese Behauptung als eine uiierwiesene, böswillige Berdächrigung zurück, lim ihn von der 'Wahrheit seiner Beschuldigung zu überzeugen, ging der Betreffende am folgenden Sabbat vor den geschlossenen Läden mit meinem ׳Bater vorbei, und zeigte ihm den Lichtschein, der aus den schmalen Bit-en der Jalousien hinaus leuchtete. ״'Was sagen Sie aber |fbtJ“ »ragte er triumphierend. ״'Bielleicht hat er Fahrzeit", lautete die A»twort, die mir noch in den Chieii klingt. Seufzend sehne ich mich beim Anblick des;11 seinem Gedächtnis flammenden ,Zahrzeitlicknes danach, das; ein Fünkchen dieses Milde und Bachsicht ausstrahlenden väterlichen Geistes auch in mein Inneres falle und da den -Hauch reiner Menschenliebe finden möge, der es zu heller ,'Zlamme anfacht. Aber der Abstand ift so gros;, die .Kluft in so jäh, das; sie meine ganze Illusion zerstört und mich aus meine!» Paradies treibt. Trr Asraria .'>. As 10. - Mein 2{11ter in nt't vor Min» ,\01ur beim gegangen; möge es mir vergönnt sein, te;:;e -^..hrzeit noch so lange hier zu beheben, bis ich ihm ähnlicher, ebenbürtiger nnd bener geworden bin - X. <§e>rrsspondsi1,;en und achrichtsn. Ocrrrschcs lU’UI!. Be 1 li» , September. An»!ein lepten zionistische» Delegiertentage in Hannover ivar der 'Antrag gestellt worden״ ׳Das ׳ientralkomitee wolle die Gründung einer »akionaljüdi'chen Landes organisativn als politische und wirtschaftliche ,1» teressenverirening der ,Znde» in Deutschland ein leite»/׳ Dies gab dem ״Liberalen 'Berein »nr die Angelegenheiten der jüdischen »Gemeinde in 'Berlin" Anlas; zu einem heftige!» Protest gegen die zio niüi'chen 'Bestrebungen, von dem auch die Tages zeilnngen Boiib nahmen. Das deutsche zionistische ,׳Zentralburean veröffentlicht nunnieiir eine Er klärung, in der es die ׳Angrine des Berliner 'Bereins zurückweist und bemerkt, das; von der 'Absicht, eine jüdisch nationale Fraktion in Deutsch land zu bilden, keine Bede »ein könne. Das Zentralkomitee habe denn auch der in Hannover gegebenen Anregung keinerlei irolge geleistet. Br o mb erg, September. Der Gerichts bof des hiesigen Schwurgerichts fällte heilte eine bemerkenswerte Entscheid u n g. Die beiden indischen tKeschivorenen der gegemvärtigen Schivur gerichröpernrdc hatten den Antrag gesient, i!e von der Teilnahme an der Freitag Sivung zu ent binden, da am Freitag;Nachmittag ein hoher jüdischer Feiertag, das 'Be1söu11i1ngs»e»'k, beginne. Der 'Berrreter der Staatsanwaltschaft halte gegen die Beiirlaubmig der Antragsteller nichts einzu wenden, der Gerichtshof beschlos; aber nach längerer Beratung, die Ge> u che a b z u l e h »e n. Er folge dabei, wie der 'Boniz׳ende aus»ührte, einer beim hiesigen Landgericht konstant geübten Prans, die auch bereits von allen bis zu den höchstgerichtlichen ,Instanzen gebilligt worden sei. Da die .Herbst Schwurgerichtsperiodeu 111 der Begel in den September nelen, in diesem Monat aber mehrere jüdische ,^-eieriage stattfänden, so könnten sich bei einer gröüeren Anzahl von jüdischen Geschivorenen leicht Erschivernine er rieben, wenn solchen t»se>uchen nachgegeben würde. £1e müsuen daher, ivie auch das Posener!Dber landesgericht entschieden habe, prinzipiell abge Dar m ü a d t, ."<» >. September. Herr Ludivig Trier in Darmstadt ersucht uns mitzuteilen, dag er die ihm in voriger Bummer des ״Israelit" siehe den Artikel 11111^״ hessischen Cberrots gesetz" zugeschriebene Beinerkung über die Beli gionsgeseUschasien in der syr nkturter Borsteher Versammlung vor der Wahl des Präsidiums schon deshalb nicht gemacht haben könne, iveil er erst nach dieser Wahl in die Bersammlung g» kommen sei. Er habe aber auch in der nachfolgenden Debatte keine Äeusietung getan, die dem ׳Wort laut oder dem Sinne nach so gelautet hätte, wie angegeben worden ivar. Herr Trier legt »erner Wert auf die Feststellung, dan er nicht zu den ,Inspiratoren des!Sberrats Ge»evrntwurfs gehöre und »veder direkt noch indirekt dabei milgeivirkl habe. Breslau, Sept. Die hiesige D'rtS gruppe des 'Berbandes der S a bba t ireun de richtete an die Geschäftsinhaber ein Schreiben, in dem es heisn ״Der Unterzeichnete Berband der Sabbatsreunde »vendet »ich an Sie ganz ergebeint mii »oi gen der Bitte Es >ü uns bekannt ge worden,' dasim vergangenen ,Iahte einige hiesige tKeschäststnhaber ihrem jüd!׳chen Personal au»' gegeben haben, am Ben'öhnungstage um 1 Uhr nachnnktags 1111 Ge»ck1ä»tsiokal zu er» keinen Da unsere ,Zeiertage erü mit Sonnenuntergang ihr Ende erreichen. das iü im voiliegeiiden /Zoll »m ♦*►'׳. Uhr richten um hieumt an die p. t. ^be׳s das höfliche EtNichen, dem jüdi'ckie» Per soual weingiteiiS an unserem höchsten ,Feiertage, dem 'Bersolmungsfeste, bis;u> voroezeichneten Stunde, wie es inner;Blev vorschieibt, frei;»geben.״ OelN vvciUj. 'Wien, 21. Siünember Die »ruhe» rituell verheirateten und »enierzeik in 26111, wohnhaft gewesene» 'Berl ׳)!ichtern nnd Eha!e Biemer, - .. in Tarno»v gebürtig.!:.׳.:reu n:-. ׳-.:::c ,zorst, Viiv litt 'Wiener A!lge!!!eii1en Kra!!keni!an»e am 17 ,Vumor l^'.'ck gekoren wurde. Da die Mutter nach der Geburt scknver krank ivar. wurde es von der 'Berivalknng des Krankenhauses der uiederöüerreichliche» ,Zmdelanüalk übergehen. Als »lach der Genesung die Mutter die ^uiücknellung des Kindes verlangte, umrde ihr in der An'talt nnlgeteilt, das -Kind »ei einer Amme;m Pflege ge gehen worden, es werde ihr jedoch nach einer geivi'fen ,'}eit das Kind ins -Han.׳ zurückgettellt werden, womit »ie »ich zufrieden gab. Einige 'Wochen daran»' überfiedelten die Ehelente nach Podgorze bet Krakau, wo »ie bisnm» kütninerlich ihr Leben fristen. Als die Eltern ennge .׳Zeit darnach bei tliren Bekannten m Wie» »vegen des Kindes aufragten. wurde ihnen geantivortet, das Kind fei;weisell s gestorben, den» 1 oin't würde es den Eltern zllrnckgeitellt werden, und so fragten sie nicht mehr darnach. Bor zwei ,Zähren erhielten sie von einem ihrer 'Bermandlen naniens Bieiner in Taritow die Backiricht, inan!volle ihn;»>!! ׳);ornnnid eines zwölfjährigen .Knaben ,Zo»e» Biemer, der »ich i» der ,viint D ginski Ickieu K 1tbe1־brn»nhrn11ün!♦ in Bobrek bei Ehrzanow befindet, bestellen, und da stellte es »ich heraus, da»; dies ehe» das .Kind der Eheleute Bickiteru Biemer in. ,Zn der An ׳'kalk wollte man das Kind der Mutter,,scht an« folgen, woraus die Eltern den Krakauer Advo« katen Dr. Batael Landau mit der Bechtsver tretung betrauten. Derselbe veranlaüte zuerü bie Ehelente, die gesetzliche Ehe einzugehen,!vorauf er vom Bezirksgerichte Podgorze die zivangsweise Abnahme nnd ,׳Zurückstellung des Kindes an die Eitern verlangte. Die israelitische Union veranlaszte bei der »iederösterreichischen Stadthalterei dieLegitimierung des Kindes nnd die Ausfertigung eines GeburtSscheines ans den Banien ,Zoset;Richtern, ivoraus das Bezirksgericht nr Podgorze den Auftrag aus fertigte, dem Bater das Kmd auszufolgen. Als Ber^ Bichteru am '2. September d. .Z. iu der 'Bobreker Anstalt erschien, wurde ik)m unter allerlei 2<orwände1i die Herausgabe des Kindes veriveigert Man richtete nun sofort eine dringende Eingabe an das ,Zustizmimitertnm mit der Bitte, das Bezirksgericht Podgorze tele graphisch a»zmvei»'en, ohne Berzug die Zwangs» weite Abnahme des Kindes durmzusühren. ^as geschah, und am i l. d. M erschien eine;Berichtskommission m der Anstalt, welche den ,Zoses Biemer zwangsiveise übernahm und de» Eltent aus»olgte 261e der .Knabe erzählt, befinden srch viele jüdische Kinder in der Anstalt, die geietz» widrig in der christlichen Beligion er zogen und nach erreichten! 14. Lebensjahre getauft iverden. Wien, 3". Sepiemh. Der zlonistische^Zentral verein in Wien machr uns telegraphisch die Mit teilnng, das; Herr Babbiner o ü r st daselbst an der vom ^Zentralvererem veranstalteten Palä׳'tina׳ rene teilnehmen und die Cberaufnchk über die

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