Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 40 (3.10.1906)
- Date
- 1906-10-03
- Page
- Seite 3 (sequence 4)
- Language
- German
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X crtotar 1906. Bevölkerungszifier dernichtjüdischenaleichgestanden hätte. Zahlen, die wir in ihrer furchtbaren Größe und ihrem rapiden Wachstum an anderer Stelle würdigen müsien. ferner Zunahme körper licher Gebrechen, besonder« der;»ubstummheit, (1884 400, 1!*05 hingegen 812 Individuen!, eilte Erscheinung, der wir bei keiner christlichen Bevölkerung in diesem Umsange be gegnen. Daß die Zahl der schwachsinnigen Binder ein ausfallendes Plus gegen früher und dies trotz der verminderten Ge bürten answeist, ist sicherlich keine zufällige Erscheinung. Ebenso ist die rapide Abnahme der Geburten bei den Zuden ein unwiderlegliches 'Mene 4.ekel einer sich vollziehenden Degeneriernng wobei ein großer Teil der moralischen Berschuldüng, die in diese« Niedergangszeichen hineinspielt, aus das Sündenkonto der modernen jüdischen grauen eingetragen werden muß Da« Herabsinken der febensgrenze der Juden*- besonders bei den jüdischen Männern, mag wohl teilweise in der angestrengteren Tätigkeit und gegen früher ftayf veränderten Lebensweise zu erklären sein. Hingegen darf nicht übersehen werden, daß auch für die christlichen Männer der heutige Daseinskampf nicht weniger lebenskür rende Momente enthält, ohne daß sich deren ('ebenSgreuze nach unten verrückt hat. jedenfalls sprechen diese Erscheinungen nicht zu Gunsten des Großstadtlebens, tuemt auch die vielen hvgie nischen WchlsahrtSeinrichtunben der Städte dem l?ande gegenüber nicht unterichätzt werden dürfen. So wenig auch ein vernünftiger Mensch de- Haupte» wird, die genannten Hebel seien einzig die?folgen des StadtlebenS, ebensowenig wird ein vorurteilsloser Beobachter sich der Einsichtverschließen, daß zwischen der Zunahme der geistigen und körperlichen Gebrechen bei den Zuden und ihrem Zuströmen in die Stabte ein EausalnezuS besteht, und zwar häutig ein solcher, der sogar aus rein ethischen und ästhetischen Motiven hervorgegangen ist, aber gerade desivegeu das Hebel vergrößert. Nicht nur der Wunsch, an den geistigen Genüssen der Stabt selber teil zunehmen, sondern, und dies vor allem, die Absicht den Kindern eine höhere Schulbildung zuteil werden zu lassen treibt viele juden vom Dorf in die Stadt. Allerdings erlangen, *) Reuerliche, statistische Ausstellungen, die das Gegen teil ״!!ernuogerrchnel" haben, beruhen aus durchaus un zutreffenden, mehr arvrhmerisch konstruierten atö den wirk Uchen Tatsachen entsprechenden Resultaten. Ter Brrsaffcr gedenkt im kommenden Krühjahr s. (V). iv. aus einem umtangreichen Material heraus zu beweisen, das; seil 30 fahren das Durchschnittslebensalter der Juden gradalim geringer geworden ist. «Aus die statistischen Rechenfehler!oll dann besonder« eingegungen werden.) ,'znwicwril dabei die Ltädler im Borteil oder Rachteil und, werden diese Nntersunaen noch feft'׳oben. Der Israelit _ dann die Kinder die ersehnte höhere Schulbildung, aber nur allzuhäußg zu ihrem eigenen Berdängnis. Ein von falschem Ergeiz weit über die tatsächlichen ,fähigkeiten hinauSgeNeckteS Ziel wird oft nur mit Aufbietung aller Krüsir mühsam! erreicht, wird nicht selteii mit frühzeitigem körper-! lichem und geistigem Siechtum bezahlt und an j den Kindern die «ünde der Bäter gerächt; häung, ■ wie die jrrenheilkunde längst betviesen, schon in! j nächsten Geschlecht.! Aber wie können wir diesem Unheil steuern?! W i r m ü s s e n d e r L a n d s l u ch t d i e S t a d t j flucht entgegensetzen,׳ NückkehrzurScholle'. j schwer ist dieses Ziel, aber erreichbar, wenn wir! endlich aushören durch Stipendien oder sonstige; vknneintliche Wohltätigkeitssonnen daS übergroße jüdische (belehrten und Künstlerproletariat noch weiter zu vermehren, und derartige Unterstützung«! mittel nur denen zuwenden, die ernstlich gewillt! sind, mit körperlicher Anbeit, im Schweiße ihres! Angesichtes ihr Brot zu gewinnen. Wir müssen! eine neue Generation schassen Helsen, | die mit eigener Hand die Erde umgräbt, selber; mit venrauendem Gemüt den Samen in die! furche streut und mit srol-em Hoffen wachsen und , reisen sieht, was ihr spleiß geschaffen hat. Draußen ans dem s?ande niüsien wir wieder Hütten bauen, und diese Hütten iverden die Wohnstätten eines neuen, geistig, körperlich und sittlich starken judenstammes werden, der mit! neuer Kraft dem alten Sinaiglauben anhängt, j Erst darrii wird wieder zwischen den jüdischen Woh! ttungen ein Stistözelt erstehen, n>o die Thora j nicht nur im Schrein ruht, sondern auch in den '■ Herzen lebendig ist. Nur draußen am dem Vanoe kann für das alte unverfälschte Judentum ein festes Bollwerk gegen Abfall und Abkehr erstehen. Mit aller Kraft einen jüdischen Bauernstand gründen, daS ist die ernste Pflicht, zu deren Erfüllung uns daS jüdische Erntefest amrust. Line zeitweise Aufhebung des Sanhedrin. Bon Rabbiner It. Bondi-Mmnz , I. i Die Mischnajot am Schlüsse des Traktats 1 Sota haben einen besonderen Reiz für die : Historiker und vielfach sind die zum Teil glück-! lichen Bemühungen, das in diesen kurzen Sätzen! enthaltene Gold historischer Erinnerungen zu > heben. Die elfte Mischna des »ennten Ab * schnitt« von Sota jedoch ist bis jetzt der Auf-! merksamkeit der Geschichtsforscher entgangen, stillschmeiaend aalt ihnen die dort enthaltene Nr. 40. Sette >- Mitteilung ״Al S da S Sa nhedri n a >1 f hS rte, hörte auch der Gesang bei festliche« Mahlzeiten ans", als eine der vielen Beqletterscyeinungen des großen BerhangniueS der < emr-el zernörnug. j , auk Hu! e v 11 in dem inhaltreichen jüngst erschienenen Bande seiner?forschnngen zeigt uns in dieser Mischna, an der so viele achtlos vorübergegangen sind, den Himveis auf eine der einschneidendsten und folgereichsten Maßnahmen, toelche die Römer, kilrz nachdem sie festen »fuß im jüdischen Staate gefaßt batten, mehr als hundert fahre vor der Zerstörung de« Tempels zur Unterdrückung unseres BolkStumS ergriffen hatten. Der geniale ,forscher macht es unmöglich, den Inhalt dieser Mischna ferner mit der Tempclzerstörnng in Berbindung zu bringen, durch die bloße Er mnerung daran, daß m Wahrheit daS Sanhedrin zur Zeit, als der Tempel »erstört wurde, gar nicht ausgehört hat, so daß da« Sanhedrin »m mindesteiis anderthalb ,Jahrhundert den Tempel überdauerte. Er setzt dann noch den Himveis auf Rosch Haschana, sfol. :11, hin^u, wo ausdrücklich berichtet werde, daß das sanhedrin bei Ge legenheit der Tempelzerstörung, als vierte seiner zehn dort ausgezählten Wanderungen, nur seinen ^itz von der Stadt jermalem nach jabne verlegen muftte, und bemerkt, daß am Schluß der Mischna Sota dreimal von?folgeerscheinungen der Tempel Zerstörung die Redete! und daß die traurige 2<er anlassnng jedesmal ausdrücklich genannt werde, was aber bei der Aufhebung des Sanhedrin nicht geschehe. Halev« schlägt uns dann noch den jeruschalmi aus und läßt uns zwei Bemerkungen der Anioraim zu unserer Mischna lesen, von denen die eine ausdrücklich sagt, daß das dort erwähnte Ereignis vor der Zerstörung des Tempels liegt, lind von denen die andere lehrt, daß das Aufhören des Gesang« bei festlichen Mahlzeiten eher eine BorbeiigungSinaßregel, denn ein Ausdruck der Trauer war. ״R. jo»e b. Bun im Namen R.Huna's:?früher hat man bei jedem Veib, das die Gemeinde traf, entsprechend eine Äußerung der ,freude aushören lassen, so hörte beim Aushören des Sanhedrin auch der Gesang bei festlichen Mahlzeiten auf,׳ als beide aufgehört hatten d. h. als nach dem Aushöre» des Sanhedrin später wegen der Tempelzerstörung die festlichen Mahlzeiten lelbst aushörten;, da war es mit der Wonne unseres Herzens zu Ende und in Trauer!vandeit sich muer frohes O^e» bahren." Als Grund für das Aufhören der?festgesänge bei der Aufiiebung des Sanhedrin sagtUns R. Ehisda? ״?früher solange man?furcht vor dem Sanhedrin hatte, kamen keine unzüchtigen Aeußeruugen im rkesauge vor, jry,!edoch, wo die?furcht vor dem Sanhedrin ge schwunden war, kamen unzüchtige Aeußerun^״